Der Kreuzberger geht auf Sendung

Mit dem Jahreswechsel wird beim Kreuzberger ein lang geschmiedeter Plan in die Tat umgesetzt: Der Kreuzberger geht auf Sendung. Voraussichtlich ab März 2018 wird es neben dem Internet-Blog Der Kreuzberger unter dem Format Der Kreuzberger TV auch eine Nachrichten-Sendung geben. Inhaltlich werden sich die Beiträge an den bislang verfolgten Themen orientieren. Die Schwerpunkte bilden Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Darüber hinaus wird über aktuelle Ereignisse aus Kultur, Lokales, Umwelt und Wissenschaft berichtet.

Bereits im vergangenen Jahr haben wir damit begonnen, in den uns neu zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten ein kleines Fernsehstudio einzurichten. Bevor wir jedoch mit der Einrichtung der technischen Geräte und den Aufnahmen beginnen konnten, hieß es Fußboden fliesen, Kabel verlegen, Wände verputzen und dem ganzen Raum einen neuen Anstrich verpassen. Nachdem dann noch die Beleuchtung installiert und ausgerichtet war, konnten die ersten Probeaufnahmen beginnen.

Wir hoffen, den selbst auferlegten Zeitplan einzuhalten und freuen uns, euch bald das neue Format präsentieren zu können.

Der Kreuzberger – Lokale Weltnachrichten




International Uranium Film Festival 2017

Rio – Hollywood – New York – Berlin

Das International Uranium Film Festival gastiert wieder in Berlin. „Das Globale Filmfestival des Atomaren Zeitalters“ bietet vom 11.10. bis 15.10.2017 eine Reihe hochkarätiger Filmbeiträge über Atomkraft und ihre Auswirkungen auf die Umwelt. Als Einleitung für die feierliche Eröffnung findet am Mittwoch um 18 Uhr, die Präsentation der Fotoausstellung Brasiliens Tschernobyl 1987 von Odesson Alves Ferreira statt. Im Anschluss daran eröffnet Jutta Wunderlich, die Leiterin des IUFF-Berlin, gemeinsam mit den Schirmherren Klaus Mindrup (MdB), Jörg Sommer, Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung und Uwe Bünker, Bünker Casting GbR das Festival im Kino der Kulturbrauerei.

Nach dem formellen Teil des Abends öffnen sich dann erstmalig in diesem Jahr die Vorhänge beim Berliner IUFF und geben die Leinwand frei für die Schweizer Produktion Lucens von dem Regisseur Marcel Barelli (2015). Der Kurz-Trick-Film (7 min.) behandelt die Geschichte des ersten, aber auch des letzten schweizerischen Atomkraftwerks. (OmU)

Im Anschluss folgt der Dokumentarfilm Als die Sonne vom Himmel fiel. Bei dem Filmprojekt aus dem Jahr 2015 führte Aya Domenig Regie. In der 78 minütigen Dokumentation geht es um die Suche nach der Vergangenheit ihres Großvaters. Er hat sich nie zu den Erfahrungen geäußert, die er nach dem Abwurf der Atombombe, 1945 als junger Arzt im Rotkreuzspital von Hiroshima gemacht hat. Bei ihrer Recherche trifft die Regisseurin auf einen ehemaligen Arzt und eine Krankenschwester, die damals ähnliches durchleben mussten wie ihr Großvater. Nach und nach ergibt sich ein Bild dessen, von dem ihr Großvater nie sprach. Mit der Atomkatastrophe vom 11. März 2011 in Fukushima nimmt ihre Suche eine unerwartete Wendung. (OmU)

Wer nicht bis Mittwoch warten möchte, kann bereits heute in das Zeiss Großplanetarium an der Prenzlauer Allee 80 pilgern. Dort findet um 19 Uhr die Eröffnung der IPPNW-Fotoausstellung Hibakusha Weltweit statt (Der Eintritt ist frei). Gezeigt werden Aufnahmen, wie die unsachliche Handhabung von 19 Gramm Cäsium-137 einen Stadtteil und Hunderte von Menschen verstrahlten und zudem 6000 Tonnen strahlenden Abfall erzeugten. Odesson Alves Ferreira, der brasilianische Ehrengast des Film Festivals, wird ebenfalls vor Ort sein. Er ist Sprecher und bis vor kurzem langjähriger Präsident der Vereinigung der Cäsium-Opfer von Goiânia (AVCésio). Odesson selbst wurde durch das hochradioaktive Cäsium-137 stark verstrahlt und lebt seitdem mit den Folgen. Er wird das Uranium Film Festival Berlin und die Ausstellung über den Goiânia-Unfall über den gesamten Zeitraum mit begleiten.

Jutta Wunderlich IUFF
Jutta Wunderlich, Leiterin des IUFF Berlin

Im Zeiss Großplanetarium, das als zusätzlicher Veranstaltungsort für das Festival hinzugewonnen werden konnte, findet nicht nur Eröffnung der IPPNW-Fotoausstellung statt, sondern auch die ICBUW-Sonderveranstaltung am Freitag – mit Filmen und einer Podiumsdiskussion über Uranwaffeneinsatz: Umweltzerstörung durch Krieg (vom Balkan bis Nahost)

Weitere Festival Filme sind unter anderem die japanische Produktion Nuclear Cattle (Radioaktive Rinder) aus dem Jahr 2016. Die Regie bei dem 98 minütigen Dokumentarfilm, der auf japanisch mit deutschem Untertiteln gezeigt wird, führte Tamotsu Matsubara.

Eine von insgesamt sechs Deutschland-Premieren, die auf dem Festival gezeigt werden, stellt der dokumentarische Spielfilm All That Remains (Alles was bleibt, 2016) dar. Bei dem Film aus Großbritannien führten Ian & Dominic Higgins Regie.

Das Festival-Programm ist abrufbar unter:
http://uraniumfilmfestival.org/de/programm-berlin-2017

Bislang begeisterte das Internationale Uranium Film Festival Zuschauer in Hollywood, New York, Rio und zahlreichen anderen Orten auf dieser Welt.

Eröffnung: Mittwoch 11.10.2017
Beginn: 18 Uhr
Ort: Kino in der Kulturbrauerei

Vorverkauf im Kino
Einzelticket: 7 Euro – Ermäßigt Schüler/Studenten/Behinderte 5 Euro (nur an der Abendkasse)
Festivalpässe für 1 Tag: 10 Euro
Festivalpässe für alle Tage: 40 Euro

Kartenreservierung
Telefon: 0172-8927879
uraniumfilmfestivalberlin@gmx.de

http://uraniumfilmfestival.org/de
http://www.lucensfilm.blogspot.ch/
https://www.alsdiesonnevomhimmelfiel.com/

IPPNW – Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.
ICBUW – International Coalition to Ban Uranium Weapons (Internationale Koalition zur Ächtung von Uranwaffen)




Das 5. Internationale Uranium Film Festival 2016 in Berlin

Seit dem das Internationale Uranium Film Festival 2011, kurz vor dem Atomunfall in Fukushima, in Rio de Janeiro gegründet wurde, ist weltweit ein Filmfestival nach dem anderen unter dem Motto „Ein Projekt gegen das Vergessen“ entstanden. Mittlerweile gibt es das alljärlich stattfindende Festival nicht nur in Rio de Janeiro, sondern es war auch schon in Washington, Neu Delhi, New York, Mumbai, Lissabon, Muenchen, Berlin und anderen ausgesuchten Standorten präsent. Vom 28. September bis 2. Oktober ist das Uranium Film Festival wieder bei uns in Berlin zu Gast. Eröffnet wird das Festival um 18 Uhr mit der Präsentation der Fotoausstellung „Tschernobyl 30 Jahre danach“ mit dem Photographen Pierpaolo Mittica. Im Anschluss daran richtet um 19 Uhr unter anderem Klaus Mindrup (MdB) seine Grußworte an die Veranstalter, Organisatoren und anwesenden Gäste bevor der Eröffnungsfilm THE IDEALIST – Geheimakte Grönland den Auftakt bildet. Der Film dokumentiert den Absturz eines mit Atombomben beladenen US-B52-Bomber im Januar 1968 über dem dänischem Hoheitsgebiet in Grönland. Nach den Monate dauernden Aufräumarbeiten sind das Flugzeugwrack sowie das mit Plutonium kontaminierte Gletschereis beseitigt und der Fall wird zu den Akten gelegt. 18 Jahre später entdeckt der Radioreporter Poul Brink, dass viele der an den Aufräumarbeiten beteiligten Männer schwer erkrankten. Brink beginnt zu recherchieren und stößt auf noch viel größere Ungereimtheiten. Obwohl mit Drohungen konfrontiert, lässt er sich nicht von seiner Arbeit abbringen…

Das Festival Kino in der Kultur Brauerei in Prenzlauer Berg zeigt Filme aus aller Welt zu Atomkraft und radioaktiven Gefahren. Themen sind in diesem Jahr: 5 Jahre Fukushima, 30 Jahre Tschernobyl, 50 Jahre Atombomben-Unfall Palomares. Insbesondere der Fall über die atomare Verseuchung der südspanischen Gemeinde Palomares dürfte den Leserinnen und Lesern vom Kreuzberger bekannt vorkommen. Wir berichteten in der Ausgabe 30 (Mai/Juni 2014) unter dem Titel „Broken Arrows – die Geschichte der verlorenen Atombomben“ über den sorglosen Umgang mit Atomwaffen und deren Folgen – unter anderem sind bis heute noch immer vier Atombomben verschollen und liegen auf dem Grund der Meere bzw. Ozeane. Der Film über das Palomares Unglück läuft am 29. September um 20 Uhr unter dem Titel „Operation Gebrochener Pfeil. Atomunfall in Palomares“ (Originaltitel: „Operación Flecha Rota. El Accidente Nuclear de Palomares“).

Darüber hinaus präsentiert das „Globale Filmfestival des atomaren Zeitalters“ bis zum 2. Oktober weitere interessante und spannende Filme, die es in diesem Umfang nirgendwo sonst zu sehen gibt.

www.uraniumfilmfestival.org/




„Zur Hölle“ von Detlef Kowalewski – Buch Rezension

Unter dem Titel „Zur Hölle – Kohle, Knast und Rock´n´Roll“ schreibt Detlef Kowalewski eindrucksvoll über sein Leben als Musiker, Tätowierer, Geschäftsmann, Drogenschmuggler und die Zeit, die er in brasilianischen Gefängnissen verbrachte.

Das Werk enthält den Teil seines Lebens, in dem Kowalewski am Beginn einer durchaus von Erfolg geprägten Karriere als Heavy-Metal Musiker stand. Er tourte quer durch Europa und spielte unter anderem als Vorband von Iron Maiden. Neben dem Leben im Rampenlicht gab es ein bürgerliches Leben, in dem er antike Möbel aus Malta importierte und mit der Vermietung von Proberäume und einem Fitnessstudio erfolgreich sein Geld verdiente. In dieser Zeit konsumierte Kowalewski nicht geringe Mengen Kokain. Und obwohl er den Handel mit dem weißen Gold verneint, lässt das Buch offen, ob er nicht doch das ein oder andere Gramm von England nach Deutschland schmuggelte.

Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem er für seinen nicht legalen Konsum von Drogen zur Verantwortung gezogen werden sollte und landete im Zuge dessen in der Kölner JVA „Klingelpütz“. Von diesem Zeitpunkt an nahm sein Leben und somit seine Geschichte Fahrt auf und man kann sagen, dass es mit ihm und seinem Leben rasant bergab ging. Im Knast lernte er unter anderem das RAF Mitglied Wisniewski kennen. Lange hielt es ihn aber nicht hinter Gittern und es kam zu seinem ersten spektakulären Gefängnisausbruch. In Deutschland von den Strafverfolgungsbehörden gejagt, setzte er sich nach Amsterdam ab, landete aber auch dort bald wieder im Gefängnis und floh kurze Zeit später erneut aus dem Knast, der damals als das sichersten Gefängnis Europas galt. Über Spanien setzte er sich dann mitsamt seiner Frau und seinen Kindern nach Südamerika ab und hoffte, dort unbehelligt leben zu können.

Dass es für ihn dort jedoch schlimmer kommen sollte als er jemals zu denken gewagt hatte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Und wer weiß, ob er trotz der Gefahr entdeckt zu werden, nicht lieber in Europa geblieben wäre, hätte er gewusst, was ihn durch die unfreiwillige Kooperation mit dem Kali Kartell erwartete. Denn schon bei seinem ersten Versuch, eine nicht geringe Menge Kokain von Brasilien aus nach Europa zu schmuggeln, wurde er erwischt und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Eindrucksvoll beschreibt er den Alltag in brasilianischen Gefängnissen, den er hautnah und an eigenem Leib miterlebt hat. Nur seiner Cleverness und viel Glück ist es zu verdanken, dass er diese Zeit überlebt hat und heute in seinem 191 Seiten starken Buch davon berichten kann. Er überlebte nicht nur die unmenschlichen Haftbedingungen sondern auch zahlreiche Mordversuche. Das Buch enthält neben einer eindrucksvollen Geschichte, die so unglaublich wie wahr ist, zahlreiche Fotos, Zeichnungen und Zeitungsausschnitte, die das Gesamtwerk abrunden.

Das Vorwort wurde von niemand geringerem geschrieben, als von Dieter Beutel, dem Polizeibeamten, der Kowalewski jahrelang auf den Fersen war, um ihn für seine Vergehen hinter Gittern zu bringen. Empfohlen sei das Buch all jenen, die schon einmal mit dem Gedanken gespielt haben, das eine oder andere Gramm Koks zu schmuggeln.

Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur noch, dass das Buch, wie alle guten Bücher aus diesem Genre, im Edition Steffan Verlag erschienen ist und das Werk online, im Buchhandel oder direkt über den Verlag für 14,90 Euro zu beziehen ist.

www.edition-steffan.de




18. Lange Buchnacht in Kreuzberg am 4. Juni 2016

Unter dem Motto: Feingeistin meets Revoluzzer treffen zur 18. Lange Buchnacht am 4. Juni 2016 eine Autorin und ein Autor aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Beide verbindet jedoch die Leidenschaft die Gesellschaft zu hinterfragen. Anna Marin bietet mit ihrem Werk „Wir gehen jetzt!“ Tiefgründigkeit und Triviales und Oliver Jung steht mit seinem Buch „Horch & Guck – Meisterspione a. D.“ für Systemkritik und Revoluzzergeist.

Um 18 Uhr liest der Schauspieler und Sprecher Hubert Burczek aus dem Buch „Horch & Guck – Meisterspione a. D.“ von Oliver Jung. Die Geschichten entsprechen nicht immer der Wahrheit, sind aber, selbst wenn nur der Fantasie des Autors entsprungen, zu nah an der Wirklichkeit, als dass sie als unmöglich erscheinen könnten.

Im Anschluss daran liest um 19 Uhr die Zeichnerin und Autorin Anna Marin aus ihrer Graphic Novel „Wir gehen jetzt!“ und erzählt von sechs Begegnungen zweier Menschen, zwischen Mühe und Leichtigkeit, von Ärger bis Verschmelzung, auf einer immer wechselnden Strecke an Nahe und Distanz, mit wachsender oder schwindender Übereinstimmung. Die Zeichnerin wurde für ihr Buch „Wir gehen jetzt!“ mit dem Mart Stam Preis prämiert. Als präzise Beobachterin bringt sie Bilder und Worte zu Papier, in denen sich die Betrachter_innen wiedererkennen können. Humorvoll, mit ihrem ganz eigenen zeichnerischen Stil macht sie alltägliche Begebenheiten und menschliche Reaktionen zum Thema ihrer Geschichten. Eigentlich unspektakuläre Vorkommnisse zeugen von den tiefgründigen Problemen wie Nähe und Distanz, Kompromissen und Einsamkeit.

Veranstaltungsort: Müßiggang, Second Hand Buchhandlung, Oranienstraße 14a (Heinrichplatz), 10999 Berlin-Kreuzberg SO 36

Kontakt Anna Marin
Web: www.annamarin.info
Mail: annamarin@annamarin.info

Kontakt Oliver Jung
Web: www.draufhauverlag.de
Mail: info@draufhauverlag.de
Telefon: 0175 4275825

Sprecher Hubert Burczek: http://burczek.de/




Mike Breeze kommt nach Berlin – SOLOWSHOW* live glam unplugged bei Madame Claude in Kreuzberg

Am kommenden Freitag präsentiert die Kreuzberger Bar Madame Claude ein bombastisch glamouröses Live Konzert der VISUACOUSTIC (unplugged glam rock / folk / neo-classical) Band SOLOWSHOW* aus Hamburg!

SOLOWSHOW* sind Mike Breeze und Leif Astroid – ein russisch-deutsches Dreamteam. Mike Breeze stammt aus Moskau und brach als junger Nachwuchsmusiker zu neuen Ufern auf, denn in seiner Heimat ist es sehr schwer, professionell Musik zu machen. Eigentlich wollte er nach New York oder London, landete dann aber in Hamburg und gründete mit Ramin (drums) und Ian (guitar) die Bank MIRROR, die Rock, Metal, Glam, Folk und noch mehr verbindet.

2003 lernte er Leif Astroid (vocal) kennen, und arbeitete mit ihm in verschiedenen Formationen zusammen. Als Duo SOLOWSHOW* kommen die beiden ungeheuer gut an. Mit Klavier und Akkustikgitarre und Gesamg spielen sie Originalsongs und dazu ein paar bekannte Covers – Queen, Led Zeppelin, X Japan, Lou Reed. (Mit Pata von X Japan, Gorky Park, Hanoi Rocks, T Rex und White Lion gab’s auch schon gemeinsame Gigs und gemeinsames Songwriting als Band oder Einzelmusiker

Ansonsten ist Mike zum großen Teil fürs Songwriting zuständig, und seine Devise ist „Sag nur etwas, wenn du etwas zu sagen hast! Musikalisch sowie textlich.“ Und außer auf Tiefe, kommt es seiner Meinung nach auch auf eine gewisse Eingängigkeit an, denn „ohne Eingängkeit vergessen die Menschen die neuen Songs schnell“.
Bei den Alben von MIRROW gehören russische Anklänge zum Standard, mit russischen Lyrics oder der Balalaika. Ansonsten ist die bevorzugte Song-Sprache Englisch, aber auch schon mal Japanisch, und: „In einem der neuen Songs muss Leif im Duett mit Thereminvox Außerirdisch singen.“
Deutlichen Einfluss auf die Musik von MIRROR und SOLOWSHOW* hat die Vorliebe aller beteiligten Musiker für Queen, und ein besonders Highlight im Repertoire von SOLOSHOW* ist ein nie veröffentlichter Original-Song von Queen. Den hat Mike so gut und offenbar authentisch arrangiert, dass der Queen-Fan-Club Deutschland davon hellauf begeistert ist. jw

Das Konzert: Freaky Friday mit SOLOWSHOW* live glam unplugged + Metamorphonia + DJ Alice Gift am 30. Januar um 21:30 in der Bar Madame Claude, Lübbener Straße 19.
(Hier finden jeden Abend Konzerte, DJ-Sets oder andere Musikevents statt) www.madameclaude.de
https://www.facebook.com/events/289288667947129/?fref=ts
Eintritt wird auf freiwilliger Basis erhoben: zwischen 1 Euro und xxxx – je nach Ermessen der Besucher.

Mike Breeze im Internet:
www.facebook.com/Solowshow
www.solowshow.veddma.com
www.mirror.veddma.com

Der Bandname: SOLOWSHOW* mit W in der Mitte (!) und * am Schluss ergab sich, weil es zwar zwei Musiker sind, jeder von beiden aber immer und unbedingt eine Art Solo Show innerhalb des Auftritts hat. Das W in der Mitte bezieht sich auf die unplugged Thematik und die dramatischen Balladen (So Low Show), und das Sternchen muss sein, weil die beiden Glitzer und Glamour nun mal lieben.

Mike Breeze und Leif Astroid sind schon fast überall in Deutschland aufgetreten, außerdem auch in Russland. In Berlin war das DUO zuletzt vor sechs Jahren, damals im MAGNET CLUB mit Pata von X Japan. Foto: Karina Kerri

Beitrag von Jutta




Je länger die Nacht, desto kürzer die Filme

Heute ist die kürzeste Nacht des Jahres, und die wird jetzt zum dritten Mal in ganz Deutschland mit einem Kurzfilmtag gefeiert!
Veranstalter sind die AG Kurzfilm und der Bundesverband Deutscher Kurzfilm, und mitmachen kann praktisch jeder: Kinos, Theater, Museen, Galerien, Clubs, Universitäten, Schulen. Einkaufszentren, Nah- und Fernverkehrsunternehmen, Firmen, Privatpersonen waren aufgerufen, sich zu beteiligen, und deutschlandweit sind 213 Veranstaltungen angemeldet, 24 davon in Berlin. In Kreuzberg nimmt das Sputnik Kino teil (Kinderprogramm ab 13.15 Uhr, Auswahl der Filme, die in 2014 beim Open Screening liefen, um 17.30 Uhr, Wettbewerbsbeiträge zum Shocking Shorts Award 2014 um 20.30 Uhr) und das Moviemento (FESTIWELT – Best of 2014 – vom Netzwerk der Berliner Filmfestivals um 20 Uhr).

Außer in Deutschland wird der Kurzfilmtag auch in Frankreich, Dänemark, Finnland, Irland, Italien, Kanada, Kroatien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz, Serbien, Spanien, Tschechien und Zypern gefeiert.

Alle Veranstaltungen zum Kurzfilmtag in Berlin unter: http://kurzfilmtag.com/index.php?node=hingehen&ort=Berlin#uebersicht

Beitrag von Jutta




Forever young: Internationale Hofer Filmtage

Bericht von den Hofer Filmtagen von Jutta
HOF – Die Hofer Filmtage laufen grade eben auf vollen Touren und machen dem Ehrentitel H(ome) O(f) F(ilms), den Wim Wenders dem Festival schon vor vielen Jahren verliehen hat, alle Ehre. Schon im Vorfeld hat sich übrigens der Bayerische Rundfunk der Einschätzung des KREUZBERGERs angeschlossen, dass Hof nach der Berlinale das wichtigste Filmfestival in Deutschland ist (war ja eh klar!).
Eröffnet wurde am Dienstag mit dem Spielfilm von Burhan Qurbani „Wir sind jung. Wir sind stark“ – ein Titel wie gemacht für das Festival, bei dem immer wieder außerordentliche junge Talente entdeckt werden.
Der Film selber ist eine überaus gelungene und kluge Aufarbeitung der Ereignisse Rostock-Lichtenhagen 1992 mit gewaltsamen Übergriffen auf gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiter für die es viel Lob und Aufmerksamkeit gab.

Die Auszeichnungen des Festival gingen aber an andere: Den Hauptpreis des Festivals, den Preis der Stadt Hof, bekam Chris Kraus, Jahrgang 1963, der seit 2006 regelmäßig in Hof vertreten war.Den Förderpreis „Neues Deutsches Kino 2014“ erhielt Andreas Arnstedt für „Der Kuckuck und der Esel“. Und mit einem neuen Preis, dem Hans-Vogt-Filmpreis, wurde Wim Wenders asugezeichnet, als „Filmemacher, der sich innovativ und kreativ um den Ausdruck und die Qualität des Filmtons in seinem Werk bemüht“.

Überraschungen
Von allen prominenten Schauspielern und Regisseuren, die nach Hof gekommen waren, wurde einer besonders bewundert und bestaunt: Der österreichische Regisseur David Ruehm, der eine wunderschöne, prominent besetzte Vampirkomödie vorstellte, brachte seinen (Neben!-)Darsteller David Bennet (berühmt als Darsteller des “Oskar Matzerath” in der „Blechtrommel“) mit zur Premiere. Der mischte sich nach der Vorstellung ganz ungezwungen unter das Festivalpublikum und stand absolut hoch im Kurs.

Für weitere Überraschungen sorgten einige junge (noch) unbekannte Regisseure, die sich gegen eine große Konkurrenz durchsetzen und ihren Kurzfilmen einen Startplatz sichern konnten. Nach der Berliner Filmarche (ganz großer Erfolg 2012 mit „Silent Youth“ von Diemo Kemmesies) schaffte es diesmal auch die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation mit einem vorzüglichem Kurzfilm „Schnee in Rio“, der Abschlussarbeit von Manuel Vogel, ins offizielle Programm.

Was für Festivalbesucher, die selber als Komparsen aktiv sind, fast schon üblich ist, dass sie sich überraschend auf der Leinwand wiederfinden, wenn Filmproduktionen vor der Fertigstellung umbenannt wurden, passierte heuer auch mindestens einem Schauspieler (Name ist der Redaktion bekannt), der dann überraschend besonderen Grund zum Feiern hatte. Und sogar prominente Hauptdarsteller werden im Eifer des Gefechts von ihrer Produktion vor der Premiere schon mal vergessen (2011 so geschehen, wie wir aus erster Hand wissen).
Wir empfehlen deshalb ganz klar: einfach so oft wie möglich hingehen und überraschen lassen. Bei einer hervorragenden Top/Flop-Quote* lohnt sich ein Festivalausflug aus Berlin nach Hof allemal**. jw

*die aktuelle Stichprobe 2014 ergab 12/1, also 12 richtig gute bis ganz hervorragende Lang- und Kurzfilme gegenüber einem miesen Kurzfilm

** wer es dieses Jahr noch schafft: heute und morgen ist in Hof noch einmal volles Programm in acht Kinos – Programm und alle Infos zum Festival unter www.hofer-filmtage.com




Rio – Berlin – Amman – Quebec: Internationales Uranium Film Festival 2014

RIO/BERLIN – Viel Beachtung fand das Internationale Uranium Film Festival Berlin, das Anfang Oktober in zweiter Auflage (zuvor 2012 in Kreuzberg) in Berlin-Mitte stattfand.
Das Festival wurde 2010 in Rio de Janeiro von Norbert G. Suchanek und Marcia Gomes de Oliveira gegründet, um “atomaren Filmen”, die kaum im TV oder im Kino gezeigt werden, eine internationale Plattform zu geben und sie auf den “Big Screen” zu bringen, um zu verhindern, dass atomare Katatrophen wie Hiroshima oder Tschernobyl vergessen werden.

Beiträge aus aller Welt

Sechs Tage lang wurden im Babylon Kino neue Filme aus aller Welt zu den Themen Uranabbau, Reaktorkatastrophen, Atomkrieg, Atombomben-Tests und Uranmunition gezeigt. Dokumentationen, Spielfilme, Kurzfilme und Animationsfilme eröffneten auf ganz unterschiedliche Weise spannende und exklusive Einblicke.
Beim Publikum standen außer „In my Livetime“ einer Dokumentation aus der ganz persönlichen Sicht des Regisseurs Robert Frye, beginnend mit dem ersten drei Atombombenexplosionen 1945, der Uranium Film Festival Sieger-Dokumentation „Fukushame“ von Alessandro Tesei und der schon von mehreren Festivals ausgezeichneten US-Dokumentation „Nuclear Savage“ von Jonas Horowitz erwartungsgemäß die deutschen Beiträge am höchsten im Kurs: Das Atomkriegsdrama „Final Picture“ von Michael von Hohenberg konnte sich auch beim Festival in Rio durchsetzen und wurde dort mit dem Yellow Oscar in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet und „Yellow Cake. Die Lüge von der sauberen Energie“ von Joachim Tschirner über den Uranbergbau in Sachsen und Thüringen erhielt den Yellow Oscar als beste Kurzdokumentation. Daneben gab es hochinteresante Beiträge aus Japan, England, Australien, Taiwan, Polen, Tschechien, der Ukraine und dem Irak, und ein Kurzfilm der kanadischen Cree hatte beim Uranium Film Festival in Berlin seine Weltpremiere. International war auch das Publikum, darunter Gäste, die extra aus diesem Anlass aus Kanada, Österreich und Dänemark angereist waren.

Thematisch interessierten die Bereiche Atomkrieg, Reaktorkatastrophen und deren Folgen, Atombombentests und Atomabbau, aber auch das noch wenig bekannte Problem der Uranwaffen am meisten . Vergleichsweise abgeschlagen dagegen das Thema Atommüll, das die Filmemacher offenbar auch weniger inspirierte. Ausbaufähig ist die Sparte der „atomaren“ Komödien. Immerhin gibt es dafür im Uranium-Repertoire schon eine richtig gut gelungenes Bespiel: „Vasily Barkhatovs Debütfilm „Atomic Ivan“ ist eine herrliche, surrealistische Komödie im Stile von Federico Fellini, die darüber hinaus wichtige, wissenschaftliche Informationen über Atomkraft und Radioaktivität vermittelt”, so Festivaldirektor Norbert G. Suchanek.

Call for entries

Vielleicht kommt ja in der nächsten Runde noch mehr, denn nach dem Festival ist vor dem Festival: noch bis zum 1. November sind Filmemacher aufgerufen, neue Atomare Filme für die Hauptveranstaltung in Rio de Janeiro im Mai 2015 einzureichen, wo die neuen Yellow Oscar Preisträger ermittelt werden.
Bis dahin geht die Welttournee 2014/2015 weiter: Zur Zeit läuft das Uranium Film Festival in Passau. Bis zum 3. November werden dort im Scharfrichter Kino – dem größten Programmkino der Stadt – jeden Abend Atomare Filme aus dem Festivalprogramm gezeigt. Nächste Station ist im Dezember Amman/Jordanien . 2015 ist unter anderem das ein Uranium Film Festival in Quebec/Kanada und eine Neuauflage in Berlin vorgesehen.
Mehr Infos unter www.uraniumfilmfestival.org.

Foto: Marek Karakasevic – karapix.de




Kinotipp: Der Kreuzberger empfiehlt

»Berlin – In den letzten Jahren hat sich die Hauptstadt rasant verändert. Wohnungen, die lange als unattraktiv galten, werden von Anlegern als sichere Geldanlage genutzt. Massenhafte Umwandlungen in Eigentuswohnungen und Mietsteigerungen in bisher unbekanntem Ausmaß werden alltäglich. Die sichtbaren Mieterproteste in der schillernden Metropole Berlin sind eine Reaktion auf die zunehmende mangelhafte Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum.«

»Der Film ist ein Kaleidoskop der Mietkämpfe aus den nachbarschaftlichen Lebenszusammenhängen. Eine Besetzung des Berliner Rathauses, das Camp am Kottbusser Tor, der organisierte Widerstand gegen die Zwangsräumung und der Kampf von Rentnern um ihre altergerechte Wohnungen und eine Freizeitstätte symbolisieren den neuen Aufbruch der urbanen Protestbewegung.«

(Mietrebellen)

»Mietrebellen – Wiederstand gegen den Ausverkauf der Stadt« ist ein Dokumentarfilm von Gertrud Schulte Westenberg und Matthias Coers. Schulte Westenberg studierte Pädagogik, arbeitet als Projektentwicklerin im Bereich Kultur und Bildung, so wie als unabhängige Filmemacherin und lebt in Berlin. Coers, der ebenfalls in Berlin lebt, studierte Soziologie, Philosophie und Literaturwissenschaft. Seit 2008 produziert er Videos für gemeinnützige Organisationen und dreht Filme.

Seit dem 24. April läuft der Film täglich im um 18:30 Uhr im »Movimento Kino« Berlin am Kottbusser Damm 22 und um 18:00 Uhr im »Lichtblick Kino« in der Kastanienallee 77. Am 2. und 3. Mai wird der Film im Movimento und am 4. Mai um 20:00 Uhr im »Kino Central« in der Rosenthaler Straße 39 in Anwesenheit der Filmemacher und Aktivisten vorgeführt.

Weitere Informationen zum Film und zu weiteren Aufführungsterminen findet ihr im Internet unter www.mietrebellen.de oder unter schultecoersdok@gmail.com.




Gesicht eines Mörders von Volker Kaminski

Mit einem Personal von vier Hauptfiguren und nur noch einer erwähnenswerten Nebenfigur und insbesondere ohne einen einzigen Sympathieträger kommt Volker Kaminski (geboren 1958 in Karlsruhe, Alfred-Döblin-Stipendiat, Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg und des Künstlerhauses Edenkoben) in seinem neuen Roman »Gesicht eines Mörders« aus.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der eitle, selbstverliebte Schauspieler Frank, der sich mehr mit seiner Schönheit und seinem bislang einzigen, schon zurückliegenden Erfolg beschäftigt, als mit seiner möglichen Karriere. Mit einer von ihm begangenen, unentdeckten Straftat geht er um, als sei das auch nur eine Rolle gewesen, die er gespielt hat. Zwei junge Frauen – die eine wunderschön, aber kalt, berechnend und verlogen, die andere temperamentvoll, impulsiv und frei von Skrupel, sich zur Komplizin machen zu lassen – manipulieren ihn auf übelste Weise.

Mit Bestechung, Erpressung und Schmeicheleien, versuchen sie Frank dazu zu bringen, einen Mann zu töten, der ihnen im Weg steht. Und das potentielle Opfer, ein feister, gut situierter und selbstgefälliger Weinhändler, weckt beim Leser ebenso wenig Sympathien, wie die anderen. Deshalb funktioniert der durchaus spannende Roman wie ein Gesellschaftsspiel: nach jedem Kapitel werden die Karten neu gemischt, man spekuliert über den Weitergang und wird immer wieder überrascht. (Pausen nach jedem Kapitel sind empfehlenswert, um den Effekt auszukosten.) Auch der Ausgang ist überraschend, auf spezielle Weise versöhnlich und lässt den Leser zufrieden zurück.

Fazit: Eine anregende Reiselektüre, mit Außenabmessungen von 19x12x2 cm und einem Gewicht von grade mal rund 200 g ideal für den Reisekoffer. Die gebundene Ausgabe (zumindest der Prototyp) ist etwas schwergängig beim Blättern. Also am besten nach dem Lesen weitergeben, der nächste Leser hat dann noch mehr davon.

Gesicht eines Mörders – Roman von Volker Kaminski, Lindemanns Bibliothek Band 210, herausgegben von Thomas Lindemann, Info Verlag GmbH, ISBN 978-3-88190-768-2

Geschrieben von jw




Der Mut zur Sünde – Eine Ausstellungssuche in den Kirchen Berlins

Ich gestehe, ich bin eine Sünderin. Üblicherweise beginnen meine Tage mit Trägheit und Wollust. Ich bin neidisch auf die, die heute frei haben mögen. Die Gier nach Kaffee entlädt sich in einem wüsten Zornesanfall, wenn ich entdecke, dass ich vergessen habe welchen zu kaufen. Das Frühstück gerät zu einer sanften Form der Völlerei und ohne es verhindern zu können, bin ich bereits vor der ersten Zigarette mehrmals zur Hölle verdammt. Dabei hatte ich mit der Kirche nie viel zu tun. Bis vor drei Jahren. Als ich im Park lag und plötzlich meinte, eine Bilderserie zu den 7 Todsünden beginnen zu müssen. Ein spannendes Thema. Diskussionswürdig. Warum, fragte ich mich, durchsetzen scheinbar antiquierte Moralvorstellungen auch ein Leben, das noch nie in Berührung mit der Kirche kam? Was wäre das Dasein ohne all diese lässlichen Laster? Welchen Stellenwert hat die Völlerei in Zeiten von Essstörungen, Fotomontage und alltäglich gewordener Körpermodellage? Hat sich die Trägheit in unserer Gesellschaft von einer Sünde zur Tugend gewandelt? Ist Geiz wirklich geil? Oder taugt die Kleidung von »kik« tatsächlich qualitativ wenig, wie letztens jemand erstaunt auf Facebook behauptete?

Die Protagonistinnen der Bilder sollten prächtige, dicke Frauen sein. Stehen sie doch für so ziemlich alle Sünden gleichzeitig: sie sind verfressen, missmutig, träge, wollüstig sowieso und neidisch erst Recht. Sind sie das?

Die Arbeit dauerte über 10 Monate. Groß mussten die Bilder sein, wie sollten solch ein Thema und diese Prachtweiber auf kleinem Format schon wirken? Außerdem gehörte die Serie für mich von Anfang an in einen Kirchenraum, der eben wenig nach Miniaturmalerei schreit. Die Modelle zu finden war ein größeres Dilemma, als ich es geahnt hätte. Eine Anzeige in der Zitty, die nach »sehr üppigen Frauen mit weit ausladendem Gesäß« suchte, erbrachte über Nacht drei Zuschriften von Damen, die sich mit 75 Kilo für fett hielten. Am Ende kamen die Protagonistinnen aus allen Teilen Deutschlands. Es war eine wunderbare Arbeitszeit. Die Auslegung der jeweiligen Bildsujets war fast durchgängig humorig und in meiner Absicht, den frohen Sinn des Sündigens darzustellen, gelöst. Die schönste Trägheit ist die nach dem Sex, der Zorn einer Frau, die ihr Brautkleid in die BSR-Tonne stopft, findet sich in einem befriedigten Gesichtsausdruck, es gibt Dinge auf die es sich lohnt neidisch zu sein und was hat es mit dem Geiz auf sich in einem Dasein mit Hartz IV?

Frohgemut und wissend, 7 Werke geschaffen zu haben, die der Betrachtung, des Nachsinnens und der Diskussion würdig wären, begann ich die Ausstellungsbewerbung. Die bereits eintrudelnden ersten Kaufanfragen zu den Bildern wies ich ab. Nicht, dass ich mir das im Geringsten leisten konnte, aber die Bilder sollten gesehen werden, Denkanstöße liefern, Perspektiven ändern, nicht in irgendwelchen Hinterzimmern verschwinden. Ausstellungsangebote von Galerien, die wenig Öffentlichkeit boten, passten nicht. Eine Galeristin schlug vor, die Bilder wegen ihrer großen Formate nur zu fünft aufzuhängen und zwei ins Depot zu stellen. Nun heißt die Serie jedoch 7 Todsünden, nicht »Fünf hängen und zwei stehen im Depot«. Eine Kirche in Kreuzberg sagte zu, schrieb mir dann aus Panik vor der Wirkung der Bilder eine völlig idiotische Hängung vor. Geheul und Gestampf der Verantwortlichen und Vorwürfe über meine Sturheit und dann die Absage. In der nächsten Kirche beschloss der einberufene Gemeindekirchenrat, die Bilder wären »den Kirchgängern nicht zuzumuten«. Ich stand gerade unter der Dusche, als ein angefragter Kunstverantwortlicher der Berliner katholischen Kirchen anrief und sehr nett bescheinigte, dass die Bilder toll wären, aber die katholischen Kirchen überhaupt keine Ausstellungsflächen hätten. Die Matthäus-Kirche, die ständig hervorragende Ausstellungen präsentiert, wird von einer Stiftung geleitet, die sich die Kunstförderung auf die Fahnen geschrieben hat und von den Künstlern unter anderem erst einmal einen Nachweis fordert, dass sie von ihrer Kunst leben können. Ein Pfarrer aus Charlottenburg mailte, er hätte die Bilder gern ausgestellt, aber »sich gegen eine ängstliche Mehrheit nicht wehren können«. Ein Projekt, das sich großspurig „Frauen und Kunst“ nennt, von der Europäischen Union, dem Bundesverwaltungsamt, dem Land Berlin und wem noch alles finanziert wird, antwortete plump, für nächstes Jahr gäbe es keine freien Ausstellungen mehr. Viel Glück, Frau Hübner, versuchen Sie es doch woanders. Die meisten Anfragen an sogenannte Kunstkirchen erfuhren nicht einmal eine Antwort. Ansonsten wurden plötzlich die Ausstellungskonzepte geändert, Heizungen eingebaut, nur noch Installationen zugelassen. Und immer wieder wurde die Zumutung der Bilder für sämtliche Kirchenbesucher bescheinigt. Irgendwann war ich mir sicher, die Satanischen Verse gemalt zu haben und nicht in Berlin im Jahr 2013, sondern einer kleinen bayerischen Gemeinde zu leben.

Nach weit über zwei Jahren ein kaum noch erwartetes Happy End dieser Absurditäten. Pfarrerin und Pfarrer der Martin-Luther-Kirche in Neukölln war von den Bildern hingerissen. »Das machen wir, Frau Hübner.« Die für ein sehr offenes Gemeindeleben bekannte Kirche besitzt unter anderem ein Altarbild, in dem sinnreicherweise auch ein fröhlich hinterm Strauch hervorblinzelnder Teufel vorkommt. Das Kunstfestival 48h Neukölln rief das Thema »Courage« aus, die Serie wird in diesem Sinne und als Festivalbeitrag ausgestellt. Gegen wiederum aufkommende Bedenken setzte sich der Pfarrer Alexander Papst durch, was dem Festivalthema nur gerecht wird. Begleitet wird die Ausstellung von weiteren Künstlern wie Thomas Papst und Stella Ahangi, die prächtige eigene Interpretationen zum sündigen Lebensentwurf präsentieren. 3 Tage lang werden die Bilder nun endlich zu sehen sein. 7 dicke Frauen mit dem Mut zur Sünde.

Geschrieben von Sandra Hübner

Ausstellung »Zwischen Entzücken und Bedauern – zur Aktualität der 7 Todsünden«, Martin-Luther-Kirche Neukölln, 27.6.-29.6.2014

www.sandrahuebner.de




4Shorts – Die ideale Webserie für Zwischendurch – Von und mit Rahel Fiona Juschka

Seit August letzten Jahres dreht ein kleines, professionelles Team in Berlin eine Webserie nach einem ganz neuen Konzept. Inzwischen sind schon neun Folgen der ersten Staffel im Kasten und über YouTube jederzeit kostenlos abrufbar.

»4Shorts ist deine erste Serie für Zwischendurch! In vier humorvollen Szenen erkennst du dich in den verrücktesten Alltagssituationen und Beziehungsgeflechten wieder. Tolle Darsteller garantieren die perfekt genutztesten 10 Minuten des Tages. Wann immer und wo immer du 10 Minuten Überbrückungszeit hast, schaue 4Shorts auf Youtube und entfliehe deinem Alltag in die witzigste Parallelwelt, die Deutschland zu bieten hat«, empfiehlt Rahel Fiona Juschka, Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin von 4Shorts, die in der Serie außerdem selber eine durchgängige Hauptrolle spielt und den Soundtrack selber singt. Vor Drehbeginn der neunten Folge haben wir sie zum Interview getroffen.

Wie und wann kamst du auf die Idee, und wie lange hat es dann bis zu den Dreharbeiten gedauert?

Rahel: Das tägliche Leben ist für viele Menschen ein harter Kampf, sowohl beruflich als auch zwischenmenschlich. Ich glaube, dass es aber immer auch immens eine Einstellungsfrage ist. Mit 4shorts wollte ich die Realität auf humorvolle Weise spiegeln und uns die Möglichkeit geben, nicht alles so ernst zu nehmen. Bei mir ist das Prinzip, was du jetzt nicht machst, machst du nie, und lieber etwas nicht Perfektes gleich als etwas Perfektes nie. Damit verging nicht einmal ein Monat zwischen der Idee, dem Konzept und dem ersten Gespräch mit Darstellern.

Gibt es irgendwelche Vorbilder?

Rahel: Für 4Shorts gab es in dem Sinne kein Vorbild, sondern eher eine Vorstellung davon, wie die Serie nicht sein sollte. Ich wollte gerne so nah am Leben wie möglich sein und die Charaktere so natürlich wie möglich erhalten, um dieses als Basis für eine Überzeichnung an bestimmten und bewusst eingesetzen Stellen nehmen zu können. Im deutschen Fernsehen vermisse ich oft die schauspielerischen Fähigkeiten der Darsteller, realistisch spielen zu können. Bei 4Shorts suchen wir gezielt nach tollen Darstellern, die dieses beherrschen oder setzen Laien ein, die von Natur aus bestimmte Charakteristiken mitbringen.

Wo und wie hast du die Darsteller und dein Team gefunden, die ja (bisher) ohne Gage mitmachen, weil die Serie zwar gut ankommt, aber bisher noch keine Einnahmen abwirft?

Rahel: Das mit den Darstellern ist wie ein Wunder. Das Format strahlt so viel Anziehungskraft aus, dass die Darsteller eher mich gefunden haben als andersherum. Es hat sich herumgesprochen und irgendwer hat immer irgendwen mit angeschleppt und vorgestellt und meistens hat das dann perfekt gepasst. Noch dazu ist der Umgang miteinander und die Arbeitsatmosphäre so besonders, dass wir das Projekt schon alleine deshalb fortführen, weil sich jeder voll und ganz einbringt und so viel Engagement an den Tag legt, dass es mich unendlich beflügelt. Mittlerweile ist auch das Team hinter den Kulissen großartig aufeinander eingespielt und jeder hat seinen Bereich vom Drehbuch über die Dramaturgie/ Regieassistenz zur Produktionsassistentin.

Von Anfang an dabei ist Jean Denis Römer, der sonst als Darsteller bei Film, Fernsehen und Werbung sein Geld verdient und unter anderem in einer aktuellen internationalen Kinoproduktion eine Hauptrolle gespielt hat (coming soon: »Baga Beach«, 2013 in Indien gedreht und dort grade mit einem National Award ausgezeichnet) in der durchgängigen Hauptrolle Jan.

Rahel: Jan ist die Hauptfigur der Serie. Er ist ein typischer stereotyper Mann, etwas chauvinistisch und mit einem großen Ego! Nach der Trennung vom selber langjährigen Freundin merkt er immer mehr, wie sein Weltbild und sein Blick auf die Frauen eine Schieflage bekommt, die ihn aus dem Gleichgewicht bringt. Allen voran die beiden wunderbaren Darstellerinnen Katja Proxauf und Sophie Duda. Emanzipiert, unabhängig, zweifelnd und mit der Sehnsucht nach der großen Liebe. Alles spinnt sich um die Entwicklung des ersten Autos nur für die Frau, wobei sich der Geschlechterkampf aufs Feinste manifestiert.

Daneben stehen die Einblicke in das spießige Leben von Peter und Lucy, das reizend unterschiedliche Ehepaar Natalie und Gerhard, die sich gern in das Leben ihrer Tochter einmischen, und Karl und Christine die eine »normale« Beziehung zu führen scheinen, doch was ist schon normal? Und Mareike, David, Franz und Micha fühlen sich von dem modernen Leben dazu genötigt dich immer und immer wieder neu zu erfinden und das Geheimnis zu lösen, wie man glücklich wird!

Wo habt ihr schon überall gedreht und wie kommst du an die Drehorte?

Rahel: Für mich sind Drehorte das, was einen Film lebendig macht, dem Auge etwas zu sehen gibt. Im Fall von 4Shorts drehen wir in der Hauptstadt und wollen die Menschen motivieren sich mehr in der Stadt umzusehen und inspirieren zu lassen.

Oft entwickeln wir die Szenen auf Basis der Drehorte. Bars und Restaurants sind beliebt bei uns, aber auch saisonale Geschichten wie Weihnachtsmärkte und Events lassen wir nicht aus. Jeder Bezirk bietet auf seine Art außergewöhnliche Plätze, und gerade für Kreuzberg gehen einem die Ideen nie aus. Mittlerweile wenden sich sogar die Locations uns und darüber freuen wir uns sehr!

Wie ist die Perspektive für 4Shorts? Zwölf Folgen der ersten Staffel sind voraussichtlich im August 2014 abgedreht. Wie geht es dann weiter?

Rahel: Wir möchten gerne ein fortlaufendes Programm aus 4Shorts machen, mit einem Thema für jede Staffel, wofür Drehorte und Darsteller sich bewerben können. Eine verlässliche Kurzserie bei der die Menschen kaum erwarten können die nächste Folge zu sehen!

Danke für das Interview und viel Erfolg mit 4Shorts!

Geschrieben von jw

4Shorts facebook-Seite:

https://www.facebook.com/pages/4Shorts/543062859092319

4Shorts bei YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCuDip_5D2M-_umWP1QCSZrg/videos




Berlinale goes Eiszeit

Kreuzberger Kiez-Kino macht Karriere bei den Internationalen Berliner Festspielen

Beim dritten Anlauf hat es geklappt. Das Eiszeit Kino im Wrangelkiez (Zeughofstraße 20) wurde für die Veranstaltungsreihe „Berlinale goes Kiez“ ausgewählt und gehörte damit zu den offiziellen Festivalkinos der 64. Internationalen Berliner Filmfestspiele. Einen Tag lang war die Berlinale hier zu Gast, und die Organisatoren, Kinobetreiber und Besucher waren gleichermaßen glücklich über das Arrangement.

„Berlinale goes Kiez“ wurde 2010 zum 60. Berlinale-Jubiläum als zusätzliche Veranstaltungsreihe ins Programm aufgenommen, was von Anfang an hervorragend ankam. Die Berlinale wählt seitdem jedes Jahr sieben Kiezkinos in verschiedenen Bezirken aus, die jeweils für einen Tag eingebunden werden, mit rotem Teppich und allem drum und dran. Bewerben kann man sich dafür nicht. Für das Kreuzberger Eiszeit Kino interessierten sich die Verantwortlichen schon 2012 und 2013. „Aber da hatten wir noch einen gewissen Renovierungs- und Modernisierungsbedarf“, berichtet Geschäftsführer Rainer Krisp. Inzwischen sind alle wichtigen Renovierungsarbeiten erledigt, die beiden Kinosäle technisch auf dem neuesten Stand gebracht und somit endlich alle Hindernisse beseitigt. Die Eintrittskarten gingen, wie zu erwarten war, weg wie warme Semmeln. Im Internet war das Online-Kontingent in Sekundenschnelle ausverkauft, und die Karten an den zentralen Vorverkaufskassen waren innerhalb von Minuten vergriffen. Ein weiteres Kontingent bekam das Kino zum Direktverkauf, aber auch das war ganz schnell verkauft, so dass alle, die erst während der Berlinale darauf aufmerksam wurden, leider keine Chance auf eine Eintrittskarte mehr hatten. Gezeigt wurden zwei Vorführungen aus den Sektionen „Kulinarisches Kino“ und „Berlinale Shorts“, dem Kurzfilm-Wettbewerbsprogramm. Die Filme wurde von der Berlinale vorgegeben, aber die Auswahl hätte gar nicht besser sein können: Zum italienisch-kulinarischen Film Cavalieri della Laguna von Walter Bencini gab es im Anschluss ein passendes Menü in der Markthalle Neun, was durch die Nähe zur Eisenbahnstraße für die Besucher ganz ideal war. Und die Kurzfilmauswahl  passte ebenfalls hervorragend zum Eiszeit Kino: „Kurzfilm zeigen wir gern und viel. Das ist für die  ganzen Mitarbeiter hier eine leidenschaftliche Angelegenheit, neben dem Dokumentarfilm.“ Die  Leidenschaft für Dokumentarfilme zeigt sich im aktuellen Eiszeit- Kinoprogramm auf den ersten  Blick. Täglich läuft hier mindestens ein gut gewählter, künstlerisch und inhaltlich relevanter  Dokumentarfilm, an manchen Tagen sogar zwei, und das immerhin zur zweitbesten Sendezeit. Der Beleg für die Liebe zum Kurzfilm findet sich erst auf den zweiten Blick, ist dafür aber umso bemerkenswerter. Was früher gang und gäbe war, inzwischen aber nur noch in den wenigstens Kinos und bei den wenigsten Festivals gepflegt wird, ist hier Standard: Damit möglichst viele Kurzfilme dorthin kommen, wo sie hingehören, beteiligt sich das Eiszeit Kino an der Kampagne „Kurz vor Film – Mehr Vorfilme im Kino!“ und zeigt als Vorprogramm zum Hauptfilm regelmäßig einen kurzen Film. (Bravo! – Das ist angewandte Filmförderung.)

Sieger-Kurzfilm lief im Eiszeit Kino

Auch auf der Berlinale liefen früher Kurzfilme vor den Hauptfilmen, bis 2006 die Sektion für kurze  Filme gegründet wurde. Davon erhofft man sich bessere Möglichkeiten, neue Tendenzen ausfindig zu machen und die einzelnen Filme aufeinander wirken zu lassen. Zwei solche Trends zeichneten sich bei den Shorts an, zum einen als Stilmittel das Verwischen der Grenzen zwischen Fiktionalem und Dokumentarischem, wobei erst im Verlauf des Films klar wird, ob die Situation inszeniert wurde oder authentisch ist. Außerdem geht der Trend zum relativ langen Kurzfilm (zwischen 20 und 30 Minuten). Dazu gehört der Siegerfilm aus Frankreich, der mit dem Goldenen Bären für den besten Kurzfilm ausgezeichnet wurde: „Tant qu’il nous reste des fusils à pompe“ (As long as shotguns remain) von Caroline Poggi und Jonathan Vinel, der in der Kurzfilmauswahl im Eiszeit Kino zu sehen war. Besonders viel Aufmerksamkeit hatte von vorne herein der Film „Three Stones for Jean Genet“ von Frieder Schlaich, prominent besetzt mit der US-Musikerin Patti Lee Smith. Eine Weile hielt sich zudem das Gerücht hartnäckig, dass die Rock- und Punk-Ikone zur Vorstellung in Kreuzberg erwartet wird. Das wurde dann aber von offizieller Stelle dementiert.  „Insofern ist die Prominenz an uns vorüber gegangen. Aber das macht auch nichts“, meint Rainer Krisp. „Wir sind ein Hinterhofkino. Den Glamour können wir den großen Filmpalästen überlassen.“

jw

Untertext zum Foto:

Roter Teppich und großer Bahnhof für einen Tag. Das Berlinale Gastspiel im Eiszeit Kino war ein großes Fest für alle Beteiligten und ein voller Erfolg für das kleine Kino.

Info:

Das Eiszeit-Kino wurde bereits 1981 gegründet. Während der ersten vier Jahre war der Standort des Untergroundkinos allerdings in Schöneberg und erst seit 1985 in der Zeughofstraße im Wrangelkiez. Das Kinoprogramm ist breit gefächert, vom Kinderfilm am Nachmittag bis zum harten Horrorfilm am späten Abend, immer auch mit einem Anteil unangepasster Filme, jenseits der kommerziellen Trends. Kurzfilme im Vorprogramm: Welche Kurzfilme als Vorfilm laufen, ist nicht in der ProgrammÜbersicht ausgewiesen. Das kann man aber jederzeit aktuell auf der Kino-Website unter der Rubrik „Kurz vor Film“ nachsehen, oder natürlich an der Kinokasse erfragen.

Im Internet unter www.eiszeit-kino.de




Hofer Filmtage – Neuentdeckungen, neue Preise und neue Gesichter

Einmal im Jahr ist Hof H(ome)O(f)F(ilms) mit den Internationalen Hofer Filmtagen als Schaufenster und Leistungsschau des deutschen Films, Heinz Badewitz präsentiert als Talentscout mit dem siebten Sinn für das Besondere seine Entdeckungen. – Übrigens sind die Hofer Filmtage vermutlich das einzige Festival, bei dem (zumindest kleine) Hunde mit ins Kino dürfen! – Kinder aber nicht, was daran liegt, dass die Premierenfilme vielfach so neu sind, dass noch keine Einstufung für die Altersbegrenzung vorliegt.

Bei der 47. Auflage waren viele Berliner Filmschaffende mit neuen Produktionen vertreten. Insgesamt 67 Lang- und 47 Kurzfilme gab es zu sehen, darunter 30 neue deutsche Spiel- und Dokumentationsfilme und etliche internationale Koproduktionen mit deutscher Beteiligung.

Neue Preise in Hof

Bei den Preisen gab es diesmal eine ungewöhnliche Häufung: Den wichtigen neuen Förderpreis für Nachwuchsfilmer, den »Förderpreis Neues Deutsches Kino« (vorher »Förderpreis Deutsches Kino«) und die damit verbundenen 10.000 Euro, gestiftet von Bavaria Film, dem Bayerischen Rundfunk und der DZ Bank, erhielt Bastian Günther (Jahrgang 1974, Regiestudium an der DFFB First Step Award 2006) für den größtenteils in Amerika gedrehte Film »Houston«, der in einer ganz ungemütlichen Hochleistungs-Wirtsschaftswelt spielt: Clemens Trunschka (Ulrich Tukur), ein Headhunter, dessen Karrierekurve dem Ende zu geht, erhält genau zur richtigen Zeit noch einmal die Berufschance seines Lebens und mobilisiert alle Reserven, um den Auftrag erfolgreich zu Ende zu bringen.

Ulrich Tukur, obwohl inzwischen schon Jahrgang Ü50, momentan ein extrem gefragter Schauspieler, der Film- und Fernsehhauptrollen beinahe im Akkord spielt, stellt den derangierten, alkoholkranken Anti-Helden, der nur durch seine Berufsroutine die Fassade noch aufrecht erhalten kann, perfekt dar. Ihm ist es zu verdanken, dass der Film, für den man sich aufgrund der spröden Wirtschafts-Thematik erst erwärmen muss, hervorragend funktioniert.

Für den gleichen Film gab‘s obendrein – nach Entscheidung einer weiteren unabhänigen Fachjury – den Millbrook Autorenpreis. Die Jury, bestehend aus Berlinale Perspektive-Leiterin Linda Söffker, SPIEGEL-Redakteurin Hannah Pilarczyk, Regisseur und Drehbuchautor Burhan Qurbani, Schauspielerin Peri Baumeister und Produzent Amir Hamz, lobte vor allem »die virtuos in der Balance gehaltene Erzählweise«. Dieser Preis wird seit 2012 für einen Langfilm aus dem Hauptprogramm vergeben »als Beitrag zur Unterstützung und Förderung der Drehbuch- und Stoffentwicklung«, die nach Meinung der Millbrook Picture GmbH »noch immer ein Schattendasein in der deutschen Filmlandschaft fristet« … (Wahrscheinlich wurden deshalb schon im Vorfeld nur wenige der in Frage kommenden Erst-, Zweit- und Dritt-Autorenfilme, d.h. Filme, bei denen der Regisseur auch das Drehbuch geschrieben hat, nominiert?). Derartigen Klagen kamen vom den Stiftern des Preises für Kostüm- und Szenenbild nicht. Der »Bildkunst Förderpreis Bestes Kostümbild Bestes Szenenbild« ging an Stefanie Hinterauer für das Szenenbild bei »Sunny« und »Antons Fest« und an Svenja Gassen für das Kostümbild in »Couchmovie«.

Gar nicht mehr vergeben wird leider der Kodak Eastman-Förderpreis (KEF) für Nachwuchsregisseure, der mit hochwertigen Filmmaterial dotiert war. Unter anderem hat Florian Henckel von Donnersmark 2005 seinen oscar-prämierten Kultfilm »Das Leben der anderen« auf Kodak-Filmmaterial gedreht, das er zusammen mit seinem Bruder Sebastian als Förderpreisträger 2002 für einen Kurzfilm in Hof erhalten hat. Zu den ehemaligen KEF-Preisträgern gehört auch Marc Rensing, dessen neuen Film Heinz Badewitz als Eröffnungsfilm ausgewählt hat: »Die Frau die sich traut« handelt von einer ehemaligen Leistungsschwimmerin, die ihrer Familie zuliebe auf eine sportliche Karriere verzichtet. Jahrzehnte später wird sie von einer Krebsdiagnose aus ihrem Alltag und ihren Gewohnheiten gerissen, aber sie bricht darüber nicht zusammen, sondern verfolgt noch einmal mit aller Kraft ihren Lebenstraum.

In diesem Film glänzen zwei Berliner Schauspielerinnen: Die fabelhafte Charakterdarstellerin Steffi Kühnert (»Halt auf freier Strecke«) in der Hauptrolle und Jenny Schily (»Die Stille nach dem Schuss« und in Hof auch noch im Cast von »Houston«) in einer wichtigen Nebenrolle. Mehrere Theaterpreise, einen Fernsehpreis und den Bayerischen Filmpreis hat Steffi Kühnert schon. Hiermit könnten gut noch weitere dazu kommen. Der Film ist inzwischen schon im Kino und wird dort hoffentlich noch lange bleiben, weil die Geschichte nicht nur kranken Menschen viel Mut machen kann.

Julia von Heinz, seit 2002 immer mal wieder in Hof, stellte ihren pädagogisch wertvollen neuen Spielfilm »Hannas Reise« vor, eine »Romantik- und Culture-Clash-Komödie« nach dem Roman »Das war der gute Teil des Tages« von Theresa Bäuerlein: Karoline Schuch spielt eine ehrgeizige junge Frau, die durch die Geschichte ihrer Mutter, deren Beruf und den eigenen Vornamen genug Gründe hätte, sich mit Israel zu befassen. Sie tut das schließlich und reist für ein Praktikum dorthin, aber aus ganz schnöden Gründen, um ihre Biografie vor einem wichtigen Bewerbungsgespräch aufzuhübschen. Am Ende bezieht daraus ganz anderes und viel mehr, als sie erwartet hatte.

Neue Gesichter in Hof

Neben den mit Spannung erwarteten neuen Beiträgen der Festival-Stammgäste gab es diesmal etliche bemerkenswerte Debüts.

Einer der schönsten Filme des Festivals war »The Lunchbox«. Das Spielfilmdebüt von Ritesh Batra Spielfilmdebüt wurde mit reichlich Fördermitteln in indisch/französisch/deutscher Koproduktion realisiert, bekam in Holland, Italien und Frankreich schon wichtige Auszeichnungen und hat eine Oscarnominierung für die Kategorie »Bester nicht-englischsprachiger Film« nur knapp verpasst. »The Lunchbox« ist ein Gegenentwurf zu den üblichen oppulenten Bollywood-Filmen: Durch Zufall bahnt sich in der Betriebsamkeit der Stadt Mumbai unter wesentlichem Zutun der landestypischen Essenslieferanten Dabbawallas eine wunderbar zarte Liebesgeschichte zwischen einer jungen Hausfrau (Nimrat Kaur in ihrer ersten großen Rolle) und einem älteren Mann (Irrfahn Khan, in Europa u.a. bekannt aus »Life of Pi«) an.

Aus einer ganz besonderen Konstellation heraus ist der Film von Isabell Šuba »Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste« entstanden: Die Regie-Meisterschülerin der HFF »Konrad Wolf« Potsdam-Babelsberg wurde 2012 mit ihrem Kurzfilm »Chica XX Mujer«, einen gesellschaftskritischen Film über Jugendliche in Venezuela, zu den Filmfestspielen in Cannes eingeladen. Und diese Einladung nutzte sie, um – quasi undercover, ohne formelle Drehgenehmigung – ihr erstes Spielfilmprojekt zu drehen, dass die mutmaßlich mangelhafte Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Filmbranche aufzeigt.

Das Ganze ist dadurch ein sehr interessantes Experiment mit der Wirklichkeit. Den roten Teppich, auf dem die Frauen dem Vernehmen nach anderswo hauptsächlich als schöne Staffage in tiefausgeschnittenen Kleidern gern gesehen sind, gibt es wenigstens in Hof überhaupt nicht. Im Gegenteil hat die Stadt Hof vor einiger Zeit die Straße vor dem Centralkino in der Mitte rot gepflastert – als Einladung an alle, selber über den »roten Teppich« ins Festivalkino zu gehen. Und für die Beteiligung am Festival gilt für Filmemacher hier seit eh und je: Wer talentiert ist, darf seinen Film zeigen und bekommt vielleicht sogar einen Preis. Ob Mann oder Frau tut dabei nichts zur Sache, und die Beschaffenheit der Brüste schon gar nicht.

Deshalb wirkt die Botschaft »nehmt talentierte Regisseurinnen erst« nicht so brisant wie beabsichtigt. Vor allem kommt der Film leider längst nicht so leicht und locker daher, wie es die Beschreibung und das Katalogfoto erwarten lassen, sondern ist eher anstrengend anzuschauen. Einen tollen Erfolg konnte Isabell Šuba mit diesem Projekt schon im Vorfeld erzielen: Finanziert wurde der Film durch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne bei Startnext, wo 250 UnterstützerInnen insgesamt 9.000 Euro gespendet haben!

Zu den Neuentdeckungen, die man lange nicht mehr vergisst, zählt die Dokumentation »One Zero One« von Tim Lienhard über die international bekannten Dragqueens Cybersissy und BayBjane. Lienhard porträtiert in seinem Erstlingsfilm ihre Geschichte und ihr Privatleben, folgt ihnen bei ihren Auftritten vor und hinter die Kulissen, begleitet sie auf Partys, lässt beide immer wieder selber zu Wort kommen. So gelingt ein schillerndes, fast schon märchenhaftes filmisches Kaleidoskop, mit dem sich beide offenbar sehr gut identifizieren können. Zur Deutschlandpremiere in Hof begleiteten sie den Regisseur und zogen alle Blicke auf sich. Auf YouTube findet man einen internationalen und einen deutschen Trailer von »ONE ZERO ONE – The story of Cybersissy & BayBjane«, die insgesamt schon über 8.000 Aufrufe haben. Kinostart ist am 2. Januar, und auf der facebook-Seite zum Film kann man verfolgen, wo aktuelle Screenings des Films stattfinden.

Der spektakulärste Dokumentarfilm der Hofer Filmtage und ein ganz wichtiger Film, der ein Umdenken in Sachen Klimapolitik bewirken kann, ist »Chasing Ice« (auf deutsch bedeutet das in etwa »das Eis verfolgen«): Eine alarmierende Dokumentation von Jeff Orlowski über die Arbeit des Fotografen James Balog, der seinerseits mit immensem technischen und körperlichem Einsatz über mehrere Jahre die Veränderungen der Gletscher dokumentiert. Die Bilder sind wunderschön und die Ergebnisse bestürzend.

Der Film fand in Hof überaus große Beachtung, und es wurden wegen der hohen Kartennachfrage noch mehrere Zusatzvorstellungen ins Programm genommen. Seit November läuft »Chasing Ice« in Deutschland und Österreich auch im Kino – in Berlin beispielsweise aber leider nur mit mäßiger Resonanz. Für den Oscar 2013 war der Film übrigens nominiert – allerdings nicht etwa als bester Dokumentarfilm, sondern für den besten Film-Song …

Kunstgut Kurzfilm

Bemerkenswerte Neuentdeckungen gab es erwartungsgemäß ebenso im Kurzfilmbereich, der in Hof konsequent gepflegt wird: Was der Initiative »Kurz vor Film«, die Kinobetreiber ermutigen wollte, vor dem Hauptfilm nicht nur Werbung und Werbetrailer zu zeigen, sondern jeweils einen Kurzfilm voranzustellen, nicht gelungen ist – darauf legt Festivalleiter Badewitz großen Wert und hat mitunter seinen Spaß daran, auf diese Weise zwei ganz gegensätzliche Filme zu kombinieren.

Mit einem ganz brillanten Kurzfilm konnte der Berliner Filmemacher Horris, der bereits seit Jahren Außergewöhnliches und Hochwertiges unter dem Label Horris Film produziert, den Festivalchef Heinz Badewitz diesmal – nach mehreren Anläufen – überzeugen. Spannend blieb es auch diesmal bis wenige Wochen vor Festivalbeginn, aber dann kam die Zusage vom Chef selber per Telefon. Horris: »Eine echte Überraschung, denn damit rechnet man nicht.« Vor Ort war vor der Vorführung auch noch Gelegenheit für ein sehr anregendes persönliches Gespräch mit Heinz Badewitz und nach der Vorführung für den Dialog mit dem Publikum, was in Hof viel zwangloser möglich ist, als bei vielen anderen Festivals.

Angekommen! – Horris in Hof. (Foto: Diaz)

Inhaltlich ist der Kurzfilm »White Buttons« von Horris ein Psychogramm einer gescheiterten Ehe mit ganz perfiden und kriminellen Nebenwirkungen, filmisch auf hohem Niveau umgesetzt. Gedreht wurde der Film auf Englisch, was bei Horris Film ab sofort nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sein soll: »Wir planen in Zukunft fast ausschließlich auf Englisch zu drehen. Damit verfolgen wir den Plan, uns möglichst offen für den internationalen Markt aufzustellen.«

Ausgezeichnete Schauspieler dafür hatte er teilweise bereits an der Hand (Holger Handke, der seit Jahren bei allen wichtigen Produktionen von Horris dabei ist), bekam er teilweise auf Empfehlungen (Valerie Schneider und Charles Rettinghaus) und in einem Fall durch eine Festivalbegegnung: »In Biberach besuchte ich gemeinsam mit Holger Handtke den Film, in dem Anita Olantunij eine Hauptrolle spielte. Nachdem sie sich dort meinen Film ,Bild von ihr‘ angeschaut hatte, war eine Sympathie schnell gefunden, und die Idee einmal gemeinsam einen Film zu drehen entstand.« Das wurde schon wenige Monate später mit »White Buttons« eingelöst.

Eine kommerzielle Auswertung des Filmes ist übrigens nicht geplant. Horris: »Das ist zwar möglich, aber kein sonderlich erstrebenswertes Geschäftsmodell. Kurzfilme bleiben einfach immer idealitisches Kunstgut.«

Auf jeden Fall war »White Button« für den 33-Jährigen genau das Richtige für einen Einstand nach Maß bei den Internationalen Hofer Filmtagen. Und nachdem Heinz Badewitz dafür bekannt ist, vielversprechende Talente nicht mehr aus den Augen zu lassen, darf auf viele weitere Hof-Auftritte von Horris gehofft werden.

Geschrieben von Jutta Wunderlich

Infos:

Horris –geboren 1980 in Zerbst/Sachsen-Anhalt. Studium der Literaturwissenschaften und Philosophie in Bielefeld. Regieausbildung bei Walter Blohm. Tätig als Regisseur (Horris“, Drehbuchautor und Filmproduzent (Florian Anders). Im Internet unter www.horris.de

Nachgetreten: In Cannes wurde »Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste« übrigens abgelehnt