Zentrum für Politische Schönheit – Honeypot oder Mustopf?

Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) feiert seine Aktion „SoKo Chemnitz“ als vollen Erfolg. Die ZPS-Aktivisten Cesy Leonard, Stefan Pelzer und Philipp Ruch resümierten am Montag auf einer Pressekonferenz in Berlin, die Rechten seien auf einen „honeypot“ hereingefallen.

Ziel der Aktion war es Teilnehmer der Demonstrationen und Krawallen Ende August und Anfang September in Chemnitz zu identifizieren. Der Aufruf: „Denunzieren Sie noch heute Ihren Arbeitskollegen, Nachbarn oder Bekannten und kassieren Sie Sofort-Bargeld. Helfen Sie uns, die entsprechenden Problemdeutschen aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst zu entfernen. “Damit ist eindeutig klar, auf wessen Unterstützung ZPS offiziell gesetzt hat, auf das direkte Umfeld der Zielpersonen.

Der Leiter des Künstlerkollektivs Philipp Ruch sagte, dass die Daten über „die Suchfunktion, das wichtigste Element dieser Seite“, gesammelt wurden. Über die Suche sind mehr Informationen über die Rechte Szene eingegangen, „als öffentlich zugängliche Quellen je verraten hätten“ und fügte an „Wir können die Entnazifizierung nicht mehr länger den Strafverfolgungsbehörden überlassen.“ Gleichzeitig stellte er die Bereitschaft in Aussicht sich mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CDU) bei einem Kaffee über die erhobenen Daten zuunterhalten.

Es ist jedoch sehr naiv zu glauben, dass die gleichen zuständigen Sicherheitsbehörden, die im Fall des Nationalsozialistischem Untergrund (NSU) Beweismittel vernichtet haben, ein Interesse an den Unterlagen haben, geschweige denn, dendarin enthaltenen Hinweisen nachgehen werden. Wie sich die Sicherheitsbehörden gegenüber ZPS verhalten, zeigte die Entfernung von Fahndungsplakaten im eigens für die Aktion angemieteten Laden in Chemnitz.

Honeypot oder Mustopf?

Dass sich nun ausschließlich Nazis beziehungsweise Rechte (mal ist von Nazis, mal von Rechten die Rede) auf dem Portal darüber informieren, ob sie vom Fahndungsaufruf betroffen sind, darf bezweifelt werden. Den meisten Nazis geht die Aktion, mit Verlaub gesagt, am Arsch vorbei. Dass ein paar neugierige Rechte auf den „honeypot“ hereingefallen sind, mag sein, aber die Mehrzahl an Namen wird wohl aus dem Grunde zusammengekommen sein, weil Familienangehörige, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen, nachgeschaut haben, ob sich einer ihrer Bekannten unter den aufgeführten Personen befindet. Also das taten, zu dem die Aktivisten aufgerufen haben. Ein paar Puzzleteile werden auch sympathisierende Gruppen hinzu gesteuert haben, um die Ermittlungen voranzutreiben.

Die Radikalsten unter den „Fahnenflüchtigen“ sind den Behörden bereits bekannt. Es wird somit nur geringfügige neue Informationen hervorbringen und einige Kollateralschäden verursachen. Dies wird jedoch für immer ungewissbleiben, da die Daten der Öffentlichkeit nicht zugängig gemacht werden dürften. Vielleicht tauchen die Daten jedoch auch irgendwann bei Wikileaks auf.

Ein klassischer Bärendienst

In den Sozialen Medien löste die Aktion heftige Kritik aus und auch die Medien hielten sich, vorsichtig gesagt, mit Begeisterungsausbrüchen zurück. Mit Gat Ramon, Geschäftsführer des international agierenden Recycling-Unternehmens Cabka Group, äußert sich der erste „Betroffene“ zu Wort. Er wurde seitens ZPS darüber informiert, dass sein Unternehmen einen Hooligan beschäftigt.

In einem offenen Brief reagierte er auf die Konfrontation mit den Worten: „Wir erwarten, diese Art der Hetze und Denunziation zu unterlassen.“ Des weiteren erklärte er: „wir versuchen, aktiv und verantwortungsbewusst mit diesen Mitarbeitern und Mitmenschen umzugehen“ und betonte abschließend: „eine öffentliche Denunziation ist für mich persönlich und auch für unser Unternehmen nicht die geeignete Antwort.“

SoKo Chemnitz – eine Verfehlung im
Amt

Ausrede hin Ausrede her – nach vielen guten Aktionen war dies ein Griff in den Mustopf und kein honeypot. Mit der Aktion hat sich das ZPS auf das selbe Niveau herabgelassen wie die AfD mit ihrem Online-Portal „Lehrer-SOS“.

Dass das ZPS in seiner Ausdrucksweise nicht humanitärer gar mitmenschlicher da steht als eindurchschnittlicher Extremist, zeigt der Text, mit dem auf der Internetseite neue „Komplizen“ geworben werden: „Sie wünschen sich eine kompromisslosere Gangart des Humanismus? Sie wollen nicht mit Rechten reden, sondern sie grillen? Und zwar nicht per Onlinepetition, sondern in ihren Häusern und Gärten? Sie wollen den Flächenbrand der Menschenfeindlichkeit stoppen? Warum sind Sie dann noch nicht Komplize des Zentrums für Politische Schönheit?“ Dieser Text ist für normal denkende Menschen mindestens genauso niveaulos, wie die Parolen von Nazis und Rechten. NACHTRAG vom 08.12.2018: Inzwischen wurde dieser Text von der Internetseite entfernt.

Wie weit darf Kunst gehen?

Kunst darf provozieren. Doch wie weit darf sie dabei gehen? Der Aktionskünstler Pjotr Pawlenski kämpft mit seiner Kunst gegen der russischen Machtapparat und für Meinungsfreiheit. Er ist bekannt für seine „krassen“ Aktionen. Als Reaktion auf die Inhaftierung und den Prozess gegen die Band Pussy Riot 2012 nähte er sich zum Beispiel den Mund zu. Am „Tag der Polizei“ nagelt er seinen Hodensack auf dem Roten Platz in Moskau mit einem langen Nagel fest und nennt das „Fixation“. Darüber hinaus schnitt er sich, auf der Mauer einer Psychiatrie sitzend, ein Ohrläppchen ab und er zündete die Tür der Zentrale des russischen Inlandgeheimdienstes FSB – früher KGB – an.

Pjotr Pawlenski ist krass, aufsehenerregend und hat klare Aussagen und er wird eventuell auch nicht von jedem als Künstler gewertet. Was jedoch hierzulande unter dem Deckmantel der Kunst dargeboten wird, ist mehr als fragwürdig. Dass die Gesellschaft dem ohnmächtig gegenübersteht, zeigt sich unter anderem in der Verrohung des Sprachgebrauchs im musikalischen Bereich. Die Texte von Farid Bang und Kollegah haben bei der Echo-Preisverleihung 2018 in der Kategorie HipHop/Urban National dieTrophäe erhalten. Die Verleihung beruht nicht auf einerJury-Entscheidung, die den Sieger auswählt, sondern wird anhandoffizieller Verkaufszahlen getroffen. Es ist also keine Randgruppe, die diese Texte feiert.

Mit der „SoKo Chemnitz“ ist auch das Zentrum für Politische Schönheit in die künstlerisch fragwürdigen Sphären vorgedrungen. Ob die Aktion den Preis wert war?




7. Internationales Uranium Film Festival 2018

Vom 9. bis 14. Oktober fand das 7. Internationale Uranium Film Festival in Berlin statt. Hauptfestspielorte waren wie im vergangenen Jahr das Zeiss Großplanetarium in Prenzlauer Berg und das Kino in der Kulturbrauerei in Pankow. Und wie in den vergangenen Jahren gab sich das Who-is-Who der Atomfilmszene die Ehre. Unter anderem stellte der US-Amerikanische Filmemacher Tony West sein Werk THE SAFE SIDE OF THE FRENCE vor. Der Film dokumentiert die Zusammenhänge und Abläufe, im US-Amerikanischen St. Louis im Zuge des Manhattan-Projekts und wurde bereits beim St. Louis Filmakers Showcase als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Der Festivalproduzentin Jutta Wunderlich ist es diesmal nicht nur gelungen interessante Filmemacher zu präsentieren, sondern auch die Filmauswahl stellte eine gelungene Meisterleistung dar. Noch nie war der Weg des Urans anhand von Filmmaterial so anschaulich zu verfolgen. Von der Urangewinnung durch zerstörerischen Bergbau und die Aufbereitung über die Verwendung von Uran in Atomkraftwerken und als Munitionsbestandteil in Kriegen bis hin zu den Folgen, die die Bevölkerung bei Unfällen in Atomkraftwerken und durch Spätfolgen durch den Einsatz von Uranmunition erleidet.

Auftakt

Dem Schauspieler und Autor Klaus-Peter Grap kam eine besondere Ehre zu Teil. Seine Filmempfehlung TOO PRECIOUS TO MINE von Justin Clifton eröffnete das Festival. Obendrein war der Regisseur persönlich zu gegen und stellte sich nach dem Film den Fragen der anwesenden ZuschauerInnen. Zunächst aber bekamen diese eindrucksvoll geschildert, wie dem Grand Canyon der Uranbergbau droht und somit die Umwelt und das Volk der Havasupai gleichermaßen in Gefahr gebracht werden.

Mit dem Hauptfilm des Abends blieb das Festival ebenfalls in den USA. Die Regisseurin Brittany Prater zeigt mit ihrem Dokumentarfilm URANIUM DERBY, dass die Dekontaminierung von verseuchten Gebieten oftmals falsch gehandhabt wird und somit zur Gefahr für die Allgemeinheit werden. Die Verantwortlichen von Praters Heimatstadt Ames/Iowa haben sich unter Geheimhaltung am Manhattan Projekt beteiligt und somit mitschuldig an den heutigen Umständen gemacht.

Filme

Im weiteren Verlauf des Festivals präsentierte der angereiste Takuya Moriyama seinen Dokumentarfilm UNSILENCED: ANTI-NUCLEAR MOVEMENT IN TURKEY. Mit eindrucksvollen Bildern analysiert er die Anti-Atomkraft-Bewegung in der Türkei. Das Thema insbesondere aus dem Grund aktuell, weil die Türkei seit April 2018 an der Mittelmeerküste zwischen Aydıncık und Silifke, in der Provinz Mersin, im Süden der Türkei ihr erstes Atomkraftwerk (Akkuyu 1-4) errichtet.

Die Künstlerin, Filmemacherin und Produzentin Lise Autogena berichtete mit ihrem Film KUANNERSUIT / KVANEFJELD über die Überlegungen in Südgrönland Uran und Seltene Erden abzubauen. Die Landwirtschaft würde darunter leiden. Jedoch könnte Grönland durch den Abbau seine finanzielle Abhängigkeit gegenüber Dänemark minimieren, so die Befürworter des Uranabbaus. Somit gibt es Für und Wider, die in der Bevölkerung diskutiert werden. Diesen Konflikt fängt Autogena mit ihrem Film ein.

Und zu guter Letzt sei von den zahlreichen Filmemachern Ramsey Cameron erwähnt. Sein Film EINHUNDERT JAHRE URGEIRICA lief am Sonntag als Abschlussfilm des Festivals. Der Regisseur zeigt die Zusammenhänge und Folgen von 100 Jahren Uranabbau in Urgeiriça/Portugal. Die Mine in Urgeiriça war eine der ersten Uranminen weltweit und lieferte unter anderem der Physikerin und Chemikerin Marie Curie das Material für ihre Forschungen. Und obwohl die Mine inzwischen geschlossen ist, geht ihre Geschichte noch über die hundert Jahre hinaus. Die Hinterlassenschaften von einem Jahrhundert Uranbergbau werden gegenwärtig aufwendig entsorgt.

Preisverleihung

Bei der anschließenden Preisverleihung, die den krönenden Abschluss des Festivals darstellt hat in diesem Jahr  ANOINTED von Dan Lin mit Kathy Jetnil-Kijiner von den Marshall-Inseln in der Kategorie Kurzfilm den „Gelbe Einstein“, die Trophäe des Uranium Film Festivals gewonnen. In Vertretung von Kathy JetnilKijiner, die leider nicht persönlich vor Ort sein konnte, nahm die 16jährige Berlin Philippo von den Marshall-Inseln die Trophäe entgegen.

Mikel Iriarte und Laura Johnson aus England bekamen den Gelben Einstein für ihren Muppet-Animationsfilm FREDDY AND FUZMO FIX THE WORLD (FREDDY UND FUZMO REPARIEREN DIE WELT). Für seinen Feature-Dokumentarfilm ONE HUNDRED YEARS OF URGEIRIÇA bekam der schottische Filmemacher Ramsay Cameron die Festivaltrophäe.

Der Ehrenpreis ging an Antonio Minhoto aus Portugal. Er war Arbeiter in den Uranminen von Urgeiriça und setzt sich seit rund 20 Jahren für eine gerechte Entschädigung für die durch Uranbergbau erkrankten Minenarbeiter und ihre Familien sowie für die ökologische Sanierung und Sicherung der aufgegebenen Uranminen und radioaktiven Abraumhalden in der Region ein.

Filmpaten

Neben Klaus Peter Grap gaben mit Timo Jacobs, Dennis Buchner und dem Medienwissenschaftler und Moderator Thomas Zandegiacomo Del Bel drei weitere Filmpaten ihre Empfehlungen. BOBBY BROWN HOMELANDS – LIVING WITH THE LEGACY OF BRITISH NUCLEAR TESTING war die von SPD-Politiker Dennis Buchner. Der Film von Kim Mavromatis und Quenten Agius ist ein Zeitzeugengespräch mit beeindruckenden Bildern aus dem australischen Outback und den 1953 dort durchgeführten Atombombentests der Briten.

Schauspieler, Regisseur und Produzent Timo Jacobs gab seine Stimme dem Film von Kelly Whalen DIGNITY AT A MONUMENTAL SCALE. Der Kurzfilm portraitiert die Arbeiten des Straßenkünstlers Chip Thomas. Thomas Zandegiacomo Del Bel, Filmkurator,, Medienwissenschaftler und Moderator gab seine Empfehlung für den Film ANOINTED von Dan Lin und Kathy Jetnil-Kijiner. Der Film veranschaulicht eindrucksvoll, dass mit den Kernwaffentest im Bikini-Atoll, in den 1940er und 1950er Jahren, ein Paradies unwiederbringlich zerstört wurde.

Schirmherren

Neben dem Kreis der Filmpaten, findet sich der, der Schirmherren, die ebenfalls seit einigen Jahren treu dem Festival zur Seite stehen. Neben Klaus Mindrup MdB sind dort Jörg Sommer, Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung und Uwe Bünker von Bünker Casting zu nennen.

Künstlerische Darstellungen

Neben der Filmkunst gab es auch künstlerische Darstellungen. Unter anderem in Form von Tanzperformence von Kazuma Glen Motomura, Takushi Minagawa und Special Guest Maksym Kotsky. Die Künstler stzen sich in ihren Darbietungen schonungslos mit den Lügen der Atomenergie und den Katastrophen auseinander, die im Zusammenhang mit ihnen entstanden.

Festivalspielorte

Neben den bereits aus dem vergangenen Jahr bekannten Festivalspielorten dem Zeiss Großplanetarium und dem Kino in der Kulturbrauerei gab es mit dem Coop-Antikriegscafé einen weiteren Ort, in dem, im Rahmen des Festivals, eine Ausstellung und Vorträge stattfanden.

(FOTO: MAREK KARAKSEVIC)




Der Kreuzberger geht auf Sendung

Mit dem Jahreswechsel wird beim Kreuzberger ein lang geschmiedeter Plan in die Tat umgesetzt: Der Kreuzberger geht auf Sendung. Voraussichtlich ab März 2018 wird es neben dem Internet-Blog Der Kreuzberger unter dem Format Der Kreuzberger TV auch eine Nachrichten-Sendung geben. Inhaltlich werden sich die Beiträge an den bislang verfolgten Themen orientieren. Die Schwerpunkte bilden Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Darüber hinaus wird über aktuelle Ereignisse aus Kultur, Lokales, Umwelt und Wissenschaft berichtet.

Bereits im vergangenen Jahr haben wir damit begonnen, in den uns neu zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten ein kleines Fernsehstudio einzurichten. Bevor wir jedoch mit der Einrichtung der technischen Geräte und den Aufnahmen beginnen konnten, hieß es Fußboden fliesen, Kabel verlegen, Wände verputzen und dem ganzen Raum einen neuen Anstrich verpassen. Nachdem dann noch die Beleuchtung installiert und ausgerichtet war, konnten die ersten Probeaufnahmen beginnen.

Wir hoffen, den selbst auferlegten Zeitplan einzuhalten und freuen uns, euch bald das neue Format präsentieren zu können.

Der Kreuzberger – Lokale Weltnachrichten




International Uranium Film Festival 2017

Rio – Hollywood – New York – Berlin

Das International Uranium Film Festival gastiert wieder in Berlin. „Das Globale Filmfestival des Atomaren Zeitalters“ bietet vom 11.10. bis 15.10.2017 eine Reihe hochkarätiger Filmbeiträge über Atomkraft und ihre Auswirkungen auf die Umwelt. Als Einleitung für die feierliche Eröffnung findet am Mittwoch um 18 Uhr, die Präsentation der Fotoausstellung Brasiliens Tschernobyl 1987 von Odesson Alves Ferreira statt. Im Anschluss daran eröffnet Jutta Wunderlich, die Leiterin des IUFF-Berlin, gemeinsam mit den Schirmherren Klaus Mindrup (MdB), Jörg Sommer, Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung und Uwe Bünker, Bünker Casting GbR das Festival im Kino der Kulturbrauerei.

Nach dem formellen Teil des Abends öffnen sich dann erstmalig in diesem Jahr die Vorhänge beim Berliner IUFF und geben die Leinwand frei für die Schweizer Produktion Lucens von dem Regisseur Marcel Barelli (2015). Der Kurz-Trick-Film (7 min.) behandelt die Geschichte des ersten, aber auch des letzten schweizerischen Atomkraftwerks. (OmU)

Im Anschluss folgt der Dokumentarfilm Als die Sonne vom Himmel fiel. Bei dem Filmprojekt aus dem Jahr 2015 führte Aya Domenig Regie. In der 78 minütigen Dokumentation geht es um die Suche nach der Vergangenheit ihres Großvaters. Er hat sich nie zu den Erfahrungen geäußert, die er nach dem Abwurf der Atombombe, 1945 als junger Arzt im Rotkreuzspital von Hiroshima gemacht hat. Bei ihrer Recherche trifft die Regisseurin auf einen ehemaligen Arzt und eine Krankenschwester, die damals ähnliches durchleben mussten wie ihr Großvater. Nach und nach ergibt sich ein Bild dessen, von dem ihr Großvater nie sprach. Mit der Atomkatastrophe vom 11. März 2011 in Fukushima nimmt ihre Suche eine unerwartete Wendung. (OmU)

Wer nicht bis Mittwoch warten möchte, kann bereits heute in das Zeiss Großplanetarium an der Prenzlauer Allee 80 pilgern. Dort findet um 19 Uhr die Eröffnung der IPPNW-Fotoausstellung Hibakusha Weltweit statt (Der Eintritt ist frei). Gezeigt werden Aufnahmen, wie die unsachliche Handhabung von 19 Gramm Cäsium-137 einen Stadtteil und Hunderte von Menschen verstrahlten und zudem 6000 Tonnen strahlenden Abfall erzeugten. Odesson Alves Ferreira, der brasilianische Ehrengast des Film Festivals, wird ebenfalls vor Ort sein. Er ist Sprecher und bis vor kurzem langjähriger Präsident der Vereinigung der Cäsium-Opfer von Goiânia (AVCésio). Odesson selbst wurde durch das hochradioaktive Cäsium-137 stark verstrahlt und lebt seitdem mit den Folgen. Er wird das Uranium Film Festival Berlin und die Ausstellung über den Goiânia-Unfall über den gesamten Zeitraum mit begleiten.

Jutta Wunderlich IUFF
Jutta Wunderlich, Leiterin des IUFF Berlin

Im Zeiss Großplanetarium, das als zusätzlicher Veranstaltungsort für das Festival hinzugewonnen werden konnte, findet nicht nur Eröffnung der IPPNW-Fotoausstellung statt, sondern auch die ICBUW-Sonderveranstaltung am Freitag – mit Filmen und einer Podiumsdiskussion über Uranwaffeneinsatz: Umweltzerstörung durch Krieg (vom Balkan bis Nahost)

Weitere Festival Filme sind unter anderem die japanische Produktion Nuclear Cattle (Radioaktive Rinder) aus dem Jahr 2016. Die Regie bei dem 98 minütigen Dokumentarfilm, der auf japanisch mit deutschem Untertiteln gezeigt wird, führte Tamotsu Matsubara.

Eine von insgesamt sechs Deutschland-Premieren, die auf dem Festival gezeigt werden, stellt der dokumentarische Spielfilm All That Remains (Alles was bleibt, 2016) dar. Bei dem Film aus Großbritannien führten Ian & Dominic Higgins Regie.

Das Festival-Programm ist abrufbar unter:
http://uraniumfilmfestival.org/de/programm-berlin-2017

Bislang begeisterte das Internationale Uranium Film Festival Zuschauer in Hollywood, New York, Rio und zahlreichen anderen Orten auf dieser Welt.

Eröffnung: Mittwoch 11.10.2017
Beginn: 18 Uhr
Ort: Kino in der Kulturbrauerei

Vorverkauf im Kino
Einzelticket: 7 Euro – Ermäßigt Schüler/Studenten/Behinderte 5 Euro (nur an der Abendkasse)
Festivalpässe für 1 Tag: 10 Euro
Festivalpässe für alle Tage: 40 Euro

Kartenreservierung
Telefon: 0172-8927879
uraniumfilmfestivalberlin@gmx.de

http://uraniumfilmfestival.org/de
http://www.lucensfilm.blogspot.ch/
https://www.alsdiesonnevomhimmelfiel.com/

IPPNW – Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.
ICBUW – International Coalition to Ban Uranium Weapons (Internationale Koalition zur Ächtung von Uranwaffen)




Das 5. Internationale Uranium Film Festival 2016 in Berlin

Seit dem das Internationale Uranium Film Festival 2011, kurz vor dem Atomunfall in Fukushima, in Rio de Janeiro gegründet wurde, ist weltweit ein Filmfestival nach dem anderen unter dem Motto „Ein Projekt gegen das Vergessen“ entstanden. Mittlerweile gibt es das alljärlich stattfindende Festival nicht nur in Rio de Janeiro, sondern es war auch schon in Washington, Neu Delhi, New York, Mumbai, Lissabon, Muenchen, Berlin und anderen ausgesuchten Standorten präsent. Vom 28. September bis 2. Oktober ist das Uranium Film Festival wieder bei uns in Berlin zu Gast. Eröffnet wird das Festival um 18 Uhr mit der Präsentation der Fotoausstellung „Tschernobyl 30 Jahre danach“ mit dem Photographen Pierpaolo Mittica. Im Anschluss daran richtet um 19 Uhr unter anderem Klaus Mindrup (MdB) seine Grußworte an die Veranstalter, Organisatoren und anwesenden Gäste bevor der Eröffnungsfilm THE IDEALIST – Geheimakte Grönland den Auftakt bildet. Der Film dokumentiert den Absturz eines mit Atombomben beladenen US-B52-Bomber im Januar 1968 über dem dänischem Hoheitsgebiet in Grönland. Nach den Monate dauernden Aufräumarbeiten sind das Flugzeugwrack sowie das mit Plutonium kontaminierte Gletschereis beseitigt und der Fall wird zu den Akten gelegt. 18 Jahre später entdeckt der Radioreporter Poul Brink, dass viele der an den Aufräumarbeiten beteiligten Männer schwer erkrankten. Brink beginnt zu recherchieren und stößt auf noch viel größere Ungereimtheiten. Obwohl mit Drohungen konfrontiert, lässt er sich nicht von seiner Arbeit abbringen…

Das Festival Kino in der Kultur Brauerei in Prenzlauer Berg zeigt Filme aus aller Welt zu Atomkraft und radioaktiven Gefahren. Themen sind in diesem Jahr: 5 Jahre Fukushima, 30 Jahre Tschernobyl, 50 Jahre Atombomben-Unfall Palomares. Insbesondere der Fall über die atomare Verseuchung der südspanischen Gemeinde Palomares dürfte den Leserinnen und Lesern vom Kreuzberger bekannt vorkommen. Wir berichteten in der Ausgabe 30 (Mai/Juni 2014) unter dem Titel „Broken Arrows – die Geschichte der verlorenen Atombomben“ über den sorglosen Umgang mit Atomwaffen und deren Folgen – unter anderem sind bis heute noch immer vier Atombomben verschollen und liegen auf dem Grund der Meere bzw. Ozeane. Der Film über das Palomares Unglück läuft am 29. September um 20 Uhr unter dem Titel „Operation Gebrochener Pfeil. Atomunfall in Palomares“ (Originaltitel: „Operación Flecha Rota. El Accidente Nuclear de Palomares“).

Darüber hinaus präsentiert das „Globale Filmfestival des atomaren Zeitalters“ bis zum 2. Oktober weitere interessante und spannende Filme, die es in diesem Umfang nirgendwo sonst zu sehen gibt.

www.uraniumfilmfestival.org/




„Zur Hölle“ von Detlef Kowalewski – Buch Rezension

Unter dem Titel „Zur Hölle – Kohle, Knast und Rock´n´Roll“ schreibt Detlef Kowalewski eindrucksvoll über sein Leben als Musiker, Tätowierer, Geschäftsmann, Drogenschmuggler und die Zeit, die er in brasilianischen Gefängnissen verbrachte.

Das Werk enthält den Teil seines Lebens, in dem Kowalewski am Beginn einer durchaus von Erfolg geprägten Karriere als Heavy-Metal Musiker stand. Er tourte quer durch Europa und spielte unter anderem als Vorband von Iron Maiden. Neben dem Leben im Rampenlicht gab es ein bürgerliches Leben, in dem er antike Möbel aus Malta importierte und mit der Vermietung von Proberäume und einem Fitnessstudio erfolgreich sein Geld verdiente. In dieser Zeit konsumierte Kowalewski nicht geringe Mengen Kokain. Und obwohl er den Handel mit dem weißen Gold verneint, lässt das Buch offen, ob er nicht doch das ein oder andere Gramm von England nach Deutschland schmuggelte.

Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem er für seinen nicht legalen Konsum von Drogen zur Verantwortung gezogen werden sollte und landete im Zuge dessen in der Kölner JVA „Klingelpütz“. Von diesem Zeitpunkt an nahm sein Leben und somit seine Geschichte Fahrt auf und man kann sagen, dass es mit ihm und seinem Leben rasant bergab ging. Im Knast lernte er unter anderem das RAF Mitglied Wisniewski kennen. Lange hielt es ihn aber nicht hinter Gittern und es kam zu seinem ersten spektakulären Gefängnisausbruch. In Deutschland von den Strafverfolgungsbehörden gejagt, setzte er sich nach Amsterdam ab, landete aber auch dort bald wieder im Gefängnis und floh kurze Zeit später erneut aus dem Knast, der damals als das sichersten Gefängnis Europas galt. Über Spanien setzte er sich dann mitsamt seiner Frau und seinen Kindern nach Südamerika ab und hoffte, dort unbehelligt leben zu können.

Dass es für ihn dort jedoch schlimmer kommen sollte als er jemals zu denken gewagt hatte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Und wer weiß, ob er trotz der Gefahr entdeckt zu werden, nicht lieber in Europa geblieben wäre, hätte er gewusst, was ihn durch die unfreiwillige Kooperation mit dem Kali Kartell erwartete. Denn schon bei seinem ersten Versuch, eine nicht geringe Menge Kokain von Brasilien aus nach Europa zu schmuggeln, wurde er erwischt und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Eindrucksvoll beschreibt er den Alltag in brasilianischen Gefängnissen, den er hautnah und an eigenem Leib miterlebt hat. Nur seiner Cleverness und viel Glück ist es zu verdanken, dass er diese Zeit überlebt hat und heute in seinem 191 Seiten starken Buch davon berichten kann. Er überlebte nicht nur die unmenschlichen Haftbedingungen sondern auch zahlreiche Mordversuche. Das Buch enthält neben einer eindrucksvollen Geschichte, die so unglaublich wie wahr ist, zahlreiche Fotos, Zeichnungen und Zeitungsausschnitte, die das Gesamtwerk abrunden.

Das Vorwort wurde von niemand geringerem geschrieben, als von Dieter Beutel, dem Polizeibeamten, der Kowalewski jahrelang auf den Fersen war, um ihn für seine Vergehen hinter Gittern zu bringen. Empfohlen sei das Buch all jenen, die schon einmal mit dem Gedanken gespielt haben, das eine oder andere Gramm Koks zu schmuggeln.

Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur noch, dass das Buch, wie alle guten Bücher aus diesem Genre, im Edition Steffan Verlag erschienen ist und das Werk online, im Buchhandel oder direkt über den Verlag für 14,90 Euro zu beziehen ist.

www.edition-steffan.de




18. Lange Buchnacht in Kreuzberg am 4. Juni 2016

Unter dem Motto: Feingeistin meets Revoluzzer treffen zur 18. Lange Buchnacht am 4. Juni 2016 eine Autorin und ein Autor aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Beide verbindet jedoch die Leidenschaft die Gesellschaft zu hinterfragen. Anna Marin bietet mit ihrem Werk „Wir gehen jetzt!“ Tiefgründigkeit und Triviales und Oliver Jung steht mit seinem Buch „Horch & Guck – Meisterspione a. D.“ für Systemkritik und Revoluzzergeist.

Um 18 Uhr liest der Schauspieler und Sprecher Hubert Burczek aus dem Buch „Horch & Guck – Meisterspione a. D.“ von Oliver Jung. Die Geschichten entsprechen nicht immer der Wahrheit, sind aber, selbst wenn nur der Fantasie des Autors entsprungen, zu nah an der Wirklichkeit, als dass sie als unmöglich erscheinen könnten.

Im Anschluss daran liest um 19 Uhr die Zeichnerin und Autorin Anna Marin aus ihrer Graphic Novel „Wir gehen jetzt!“ und erzählt von sechs Begegnungen zweier Menschen, zwischen Mühe und Leichtigkeit, von Ärger bis Verschmelzung, auf einer immer wechselnden Strecke an Nahe und Distanz, mit wachsender oder schwindender Übereinstimmung. Die Zeichnerin wurde für ihr Buch „Wir gehen jetzt!“ mit dem Mart Stam Preis prämiert. Als präzise Beobachterin bringt sie Bilder und Worte zu Papier, in denen sich die Betrachter_innen wiedererkennen können. Humorvoll, mit ihrem ganz eigenen zeichnerischen Stil macht sie alltägliche Begebenheiten und menschliche Reaktionen zum Thema ihrer Geschichten. Eigentlich unspektakuläre Vorkommnisse zeugen von den tiefgründigen Problemen wie Nähe und Distanz, Kompromissen und Einsamkeit.

Veranstaltungsort: Müßiggang, Second Hand Buchhandlung, Oranienstraße 14a (Heinrichplatz), 10999 Berlin-Kreuzberg SO 36

Kontakt Anna Marin
Web: www.annamarin.info
Mail: annamarin@annamarin.info

Kontakt Oliver Jung
Web: www.draufhauverlag.de
Mail: info@draufhauverlag.de
Telefon: 0175 4275825

Sprecher Hubert Burczek: http://burczek.de/




Mike Breeze kommt nach Berlin – SOLOWSHOW* live glam unplugged bei Madame Claude in Kreuzberg

Am kommenden Freitag präsentiert die Kreuzberger Bar Madame Claude ein bombastisch glamouröses Live Konzert der VISUACOUSTIC (unplugged glam rock / folk / neo-classical) Band SOLOWSHOW* aus Hamburg!

SOLOWSHOW* sind Mike Breeze und Leif Astroid – ein russisch-deutsches Dreamteam. Mike Breeze stammt aus Moskau und brach als junger Nachwuchsmusiker zu neuen Ufern auf, denn in seiner Heimat ist es sehr schwer, professionell Musik zu machen. Eigentlich wollte er nach New York oder London, landete dann aber in Hamburg und gründete mit Ramin (drums) und Ian (guitar) die Bank MIRROR, die Rock, Metal, Glam, Folk und noch mehr verbindet.

2003 lernte er Leif Astroid (vocal) kennen, und arbeitete mit ihm in verschiedenen Formationen zusammen. Als Duo SOLOWSHOW* kommen die beiden ungeheuer gut an. Mit Klavier und Akkustikgitarre und Gesamg spielen sie Originalsongs und dazu ein paar bekannte Covers – Queen, Led Zeppelin, X Japan, Lou Reed. (Mit Pata von X Japan, Gorky Park, Hanoi Rocks, T Rex und White Lion gab’s auch schon gemeinsame Gigs und gemeinsames Songwriting als Band oder Einzelmusiker

Ansonsten ist Mike zum großen Teil fürs Songwriting zuständig, und seine Devise ist „Sag nur etwas, wenn du etwas zu sagen hast! Musikalisch sowie textlich.“ Und außer auf Tiefe, kommt es seiner Meinung nach auch auf eine gewisse Eingängigkeit an, denn „ohne Eingängkeit vergessen die Menschen die neuen Songs schnell“.
Bei den Alben von MIRROW gehören russische Anklänge zum Standard, mit russischen Lyrics oder der Balalaika. Ansonsten ist die bevorzugte Song-Sprache Englisch, aber auch schon mal Japanisch, und: „In einem der neuen Songs muss Leif im Duett mit Thereminvox Außerirdisch singen.“
Deutlichen Einfluss auf die Musik von MIRROR und SOLOWSHOW* hat die Vorliebe aller beteiligten Musiker für Queen, und ein besonders Highlight im Repertoire von SOLOSHOW* ist ein nie veröffentlichter Original-Song von Queen. Den hat Mike so gut und offenbar authentisch arrangiert, dass der Queen-Fan-Club Deutschland davon hellauf begeistert ist. jw

Das Konzert: Freaky Friday mit SOLOWSHOW* live glam unplugged + Metamorphonia + DJ Alice Gift am 30. Januar um 21:30 in der Bar Madame Claude, Lübbener Straße 19.
(Hier finden jeden Abend Konzerte, DJ-Sets oder andere Musikevents statt) www.madameclaude.de
https://www.facebook.com/events/289288667947129/?fref=ts
Eintritt wird auf freiwilliger Basis erhoben: zwischen 1 Euro und xxxx – je nach Ermessen der Besucher.

Mike Breeze im Internet:
www.facebook.com/Solowshow
www.solowshow.veddma.com
www.mirror.veddma.com

Der Bandname: SOLOWSHOW* mit W in der Mitte (!) und * am Schluss ergab sich, weil es zwar zwei Musiker sind, jeder von beiden aber immer und unbedingt eine Art Solo Show innerhalb des Auftritts hat. Das W in der Mitte bezieht sich auf die unplugged Thematik und die dramatischen Balladen (So Low Show), und das Sternchen muss sein, weil die beiden Glitzer und Glamour nun mal lieben.

Mike Breeze und Leif Astroid sind schon fast überall in Deutschland aufgetreten, außerdem auch in Russland. In Berlin war das DUO zuletzt vor sechs Jahren, damals im MAGNET CLUB mit Pata von X Japan. Foto: Karina Kerri

Beitrag von Jutta




Je länger die Nacht, desto kürzer die Filme

Heute ist die kürzeste Nacht des Jahres, und die wird jetzt zum dritten Mal in ganz Deutschland mit einem Kurzfilmtag gefeiert!
Veranstalter sind die AG Kurzfilm und der Bundesverband Deutscher Kurzfilm, und mitmachen kann praktisch jeder: Kinos, Theater, Museen, Galerien, Clubs, Universitäten, Schulen. Einkaufszentren, Nah- und Fernverkehrsunternehmen, Firmen, Privatpersonen waren aufgerufen, sich zu beteiligen, und deutschlandweit sind 213 Veranstaltungen angemeldet, 24 davon in Berlin. In Kreuzberg nimmt das Sputnik Kino teil (Kinderprogramm ab 13.15 Uhr, Auswahl der Filme, die in 2014 beim Open Screening liefen, um 17.30 Uhr, Wettbewerbsbeiträge zum Shocking Shorts Award 2014 um 20.30 Uhr) und das Moviemento (FESTIWELT – Best of 2014 – vom Netzwerk der Berliner Filmfestivals um 20 Uhr).

Außer in Deutschland wird der Kurzfilmtag auch in Frankreich, Dänemark, Finnland, Irland, Italien, Kanada, Kroatien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz, Serbien, Spanien, Tschechien und Zypern gefeiert.

Alle Veranstaltungen zum Kurzfilmtag in Berlin unter: http://kurzfilmtag.com/index.php?node=hingehen&ort=Berlin#uebersicht

Beitrag von Jutta




Forever young: Internationale Hofer Filmtage

Bericht von den Hofer Filmtagen von Jutta
HOF – Die Hofer Filmtage laufen grade eben auf vollen Touren und machen dem Ehrentitel H(ome) O(f) F(ilms), den Wim Wenders dem Festival schon vor vielen Jahren verliehen hat, alle Ehre. Schon im Vorfeld hat sich übrigens der Bayerische Rundfunk der Einschätzung des KREUZBERGERs angeschlossen, dass Hof nach der Berlinale das wichtigste Filmfestival in Deutschland ist (war ja eh klar!).
Eröffnet wurde am Dienstag mit dem Spielfilm von Burhan Qurbani „Wir sind jung. Wir sind stark“ – ein Titel wie gemacht für das Festival, bei dem immer wieder außerordentliche junge Talente entdeckt werden.
Der Film selber ist eine überaus gelungene und kluge Aufarbeitung der Ereignisse Rostock-Lichtenhagen 1992 mit gewaltsamen Übergriffen auf gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiter für die es viel Lob und Aufmerksamkeit gab.

Die Auszeichnungen des Festival gingen aber an andere: Den Hauptpreis des Festivals, den Preis der Stadt Hof, bekam Chris Kraus, Jahrgang 1963, der seit 2006 regelmäßig in Hof vertreten war.Den Förderpreis „Neues Deutsches Kino 2014“ erhielt Andreas Arnstedt für „Der Kuckuck und der Esel“. Und mit einem neuen Preis, dem Hans-Vogt-Filmpreis, wurde Wim Wenders asugezeichnet, als „Filmemacher, der sich innovativ und kreativ um den Ausdruck und die Qualität des Filmtons in seinem Werk bemüht“.

Überraschungen
Von allen prominenten Schauspielern und Regisseuren, die nach Hof gekommen waren, wurde einer besonders bewundert und bestaunt: Der österreichische Regisseur David Ruehm, der eine wunderschöne, prominent besetzte Vampirkomödie vorstellte, brachte seinen (Neben!-)Darsteller David Bennet (berühmt als Darsteller des “Oskar Matzerath” in der „Blechtrommel“) mit zur Premiere. Der mischte sich nach der Vorstellung ganz ungezwungen unter das Festivalpublikum und stand absolut hoch im Kurs.

Für weitere Überraschungen sorgten einige junge (noch) unbekannte Regisseure, die sich gegen eine große Konkurrenz durchsetzen und ihren Kurzfilmen einen Startplatz sichern konnten. Nach der Berliner Filmarche (ganz großer Erfolg 2012 mit „Silent Youth“ von Diemo Kemmesies) schaffte es diesmal auch die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation mit einem vorzüglichem Kurzfilm „Schnee in Rio“, der Abschlussarbeit von Manuel Vogel, ins offizielle Programm.

Was für Festivalbesucher, die selber als Komparsen aktiv sind, fast schon üblich ist, dass sie sich überraschend auf der Leinwand wiederfinden, wenn Filmproduktionen vor der Fertigstellung umbenannt wurden, passierte heuer auch mindestens einem Schauspieler (Name ist der Redaktion bekannt), der dann überraschend besonderen Grund zum Feiern hatte. Und sogar prominente Hauptdarsteller werden im Eifer des Gefechts von ihrer Produktion vor der Premiere schon mal vergessen (2011 so geschehen, wie wir aus erster Hand wissen).
Wir empfehlen deshalb ganz klar: einfach so oft wie möglich hingehen und überraschen lassen. Bei einer hervorragenden Top/Flop-Quote* lohnt sich ein Festivalausflug aus Berlin nach Hof allemal**. jw

*die aktuelle Stichprobe 2014 ergab 12/1, also 12 richtig gute bis ganz hervorragende Lang- und Kurzfilme gegenüber einem miesen Kurzfilm

** wer es dieses Jahr noch schafft: heute und morgen ist in Hof noch einmal volles Programm in acht Kinos – Programm und alle Infos zum Festival unter www.hofer-filmtage.com




Rio – Berlin – Amman – Quebec: Internationales Uranium Film Festival 2014

RIO/BERLIN – Viel Beachtung fand das Internationale Uranium Film Festival Berlin, das Anfang Oktober in zweiter Auflage (zuvor 2012 in Kreuzberg) in Berlin-Mitte stattfand.
Das Festival wurde 2010 in Rio de Janeiro von Norbert G. Suchanek und Marcia Gomes de Oliveira gegründet, um “atomaren Filmen”, die kaum im TV oder im Kino gezeigt werden, eine internationale Plattform zu geben und sie auf den “Big Screen” zu bringen, um zu verhindern, dass atomare Katatrophen wie Hiroshima oder Tschernobyl vergessen werden.

Beiträge aus aller Welt

Sechs Tage lang wurden im Babylon Kino neue Filme aus aller Welt zu den Themen Uranabbau, Reaktorkatastrophen, Atomkrieg, Atombomben-Tests und Uranmunition gezeigt. Dokumentationen, Spielfilme, Kurzfilme und Animationsfilme eröffneten auf ganz unterschiedliche Weise spannende und exklusive Einblicke.
Beim Publikum standen außer „In my Livetime“ einer Dokumentation aus der ganz persönlichen Sicht des Regisseurs Robert Frye, beginnend mit dem ersten drei Atombombenexplosionen 1945, der Uranium Film Festival Sieger-Dokumentation „Fukushame“ von Alessandro Tesei und der schon von mehreren Festivals ausgezeichneten US-Dokumentation „Nuclear Savage“ von Jonas Horowitz erwartungsgemäß die deutschen Beiträge am höchsten im Kurs: Das Atomkriegsdrama „Final Picture“ von Michael von Hohenberg konnte sich auch beim Festival in Rio durchsetzen und wurde dort mit dem Yellow Oscar in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet und „Yellow Cake. Die Lüge von der sauberen Energie“ von Joachim Tschirner über den Uranbergbau in Sachsen und Thüringen erhielt den Yellow Oscar als beste Kurzdokumentation. Daneben gab es hochinteresante Beiträge aus Japan, England, Australien, Taiwan, Polen, Tschechien, der Ukraine und dem Irak, und ein Kurzfilm der kanadischen Cree hatte beim Uranium Film Festival in Berlin seine Weltpremiere. International war auch das Publikum, darunter Gäste, die extra aus diesem Anlass aus Kanada, Österreich und Dänemark angereist waren.

Thematisch interessierten die Bereiche Atomkrieg, Reaktorkatastrophen und deren Folgen, Atombombentests und Atomabbau, aber auch das noch wenig bekannte Problem der Uranwaffen am meisten . Vergleichsweise abgeschlagen dagegen das Thema Atommüll, das die Filmemacher offenbar auch weniger inspirierte. Ausbaufähig ist die Sparte der „atomaren“ Komödien. Immerhin gibt es dafür im Uranium-Repertoire schon eine richtig gut gelungenes Bespiel: „Vasily Barkhatovs Debütfilm „Atomic Ivan“ ist eine herrliche, surrealistische Komödie im Stile von Federico Fellini, die darüber hinaus wichtige, wissenschaftliche Informationen über Atomkraft und Radioaktivität vermittelt”, so Festivaldirektor Norbert G. Suchanek.

Call for entries

Vielleicht kommt ja in der nächsten Runde noch mehr, denn nach dem Festival ist vor dem Festival: noch bis zum 1. November sind Filmemacher aufgerufen, neue Atomare Filme für die Hauptveranstaltung in Rio de Janeiro im Mai 2015 einzureichen, wo die neuen Yellow Oscar Preisträger ermittelt werden.
Bis dahin geht die Welttournee 2014/2015 weiter: Zur Zeit läuft das Uranium Film Festival in Passau. Bis zum 3. November werden dort im Scharfrichter Kino – dem größten Programmkino der Stadt – jeden Abend Atomare Filme aus dem Festivalprogramm gezeigt. Nächste Station ist im Dezember Amman/Jordanien . 2015 ist unter anderem das ein Uranium Film Festival in Quebec/Kanada und eine Neuauflage in Berlin vorgesehen.
Mehr Infos unter www.uraniumfilmfestival.org.

Foto: Marek Karakasevic – karapix.de




Kinotipp: Der Kreuzberger empfiehlt

»Berlin – In den letzten Jahren hat sich die Hauptstadt rasant verändert. Wohnungen, die lange als unattraktiv galten, werden von Anlegern als sichere Geldanlage genutzt. Massenhafte Umwandlungen in Eigentuswohnungen und Mietsteigerungen in bisher unbekanntem Ausmaß werden alltäglich. Die sichtbaren Mieterproteste in der schillernden Metropole Berlin sind eine Reaktion auf die zunehmende mangelhafte Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum.«

»Der Film ist ein Kaleidoskop der Mietkämpfe aus den nachbarschaftlichen Lebenszusammenhängen. Eine Besetzung des Berliner Rathauses, das Camp am Kottbusser Tor, der organisierte Widerstand gegen die Zwangsräumung und der Kampf von Rentnern um ihre altergerechte Wohnungen und eine Freizeitstätte symbolisieren den neuen Aufbruch der urbanen Protestbewegung.«

(Mietrebellen)

»Mietrebellen – Wiederstand gegen den Ausverkauf der Stadt« ist ein Dokumentarfilm von Gertrud Schulte Westenberg und Matthias Coers. Schulte Westenberg studierte Pädagogik, arbeitet als Projektentwicklerin im Bereich Kultur und Bildung, so wie als unabhängige Filmemacherin und lebt in Berlin. Coers, der ebenfalls in Berlin lebt, studierte Soziologie, Philosophie und Literaturwissenschaft. Seit 2008 produziert er Videos für gemeinnützige Organisationen und dreht Filme.

Seit dem 24. April läuft der Film täglich im um 18:30 Uhr im »Movimento Kino« Berlin am Kottbusser Damm 22 und um 18:00 Uhr im »Lichtblick Kino« in der Kastanienallee 77. Am 2. und 3. Mai wird der Film im Movimento und am 4. Mai um 20:00 Uhr im »Kino Central« in der Rosenthaler Straße 39 in Anwesenheit der Filmemacher und Aktivisten vorgeführt.

Weitere Informationen zum Film und zu weiteren Aufführungsterminen findet ihr im Internet unter www.mietrebellen.de oder unter schultecoersdok@gmail.com.




Gesicht eines Mörders von Volker Kaminski

Mit einem Personal von vier Hauptfiguren und nur noch einer erwähnenswerten Nebenfigur und insbesondere ohne einen einzigen Sympathieträger kommt Volker Kaminski (geboren 1958 in Karlsruhe, Alfred-Döblin-Stipendiat, Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg und des Künstlerhauses Edenkoben) in seinem neuen Roman »Gesicht eines Mörders« aus.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der eitle, selbstverliebte Schauspieler Frank, der sich mehr mit seiner Schönheit und seinem bislang einzigen, schon zurückliegenden Erfolg beschäftigt, als mit seiner möglichen Karriere. Mit einer von ihm begangenen, unentdeckten Straftat geht er um, als sei das auch nur eine Rolle gewesen, die er gespielt hat. Zwei junge Frauen – die eine wunderschön, aber kalt, berechnend und verlogen, die andere temperamentvoll, impulsiv und frei von Skrupel, sich zur Komplizin machen zu lassen – manipulieren ihn auf übelste Weise.

Mit Bestechung, Erpressung und Schmeicheleien, versuchen sie Frank dazu zu bringen, einen Mann zu töten, der ihnen im Weg steht. Und das potentielle Opfer, ein feister, gut situierter und selbstgefälliger Weinhändler, weckt beim Leser ebenso wenig Sympathien, wie die anderen. Deshalb funktioniert der durchaus spannende Roman wie ein Gesellschaftsspiel: nach jedem Kapitel werden die Karten neu gemischt, man spekuliert über den Weitergang und wird immer wieder überrascht. (Pausen nach jedem Kapitel sind empfehlenswert, um den Effekt auszukosten.) Auch der Ausgang ist überraschend, auf spezielle Weise versöhnlich und lässt den Leser zufrieden zurück.

Fazit: Eine anregende Reiselektüre, mit Außenabmessungen von 19x12x2 cm und einem Gewicht von grade mal rund 200 g ideal für den Reisekoffer. Die gebundene Ausgabe (zumindest der Prototyp) ist etwas schwergängig beim Blättern. Also am besten nach dem Lesen weitergeben, der nächste Leser hat dann noch mehr davon.

Gesicht eines Mörders – Roman von Volker Kaminski, Lindemanns Bibliothek Band 210, herausgegben von Thomas Lindemann, Info Verlag GmbH, ISBN 978-3-88190-768-2

Geschrieben von jw




Der Mut zur Sünde – Eine Ausstellungssuche in den Kirchen Berlins

Ich gestehe, ich bin eine Sünderin. Üblicherweise beginnen meine Tage mit Trägheit und Wollust. Ich bin neidisch auf die, die heute frei haben mögen. Die Gier nach Kaffee entlädt sich in einem wüsten Zornesanfall, wenn ich entdecke, dass ich vergessen habe welchen zu kaufen. Das Frühstück gerät zu einer sanften Form der Völlerei und ohne es verhindern zu können, bin ich bereits vor der ersten Zigarette mehrmals zur Hölle verdammt. Dabei hatte ich mit der Kirche nie viel zu tun. Bis vor drei Jahren. Als ich im Park lag und plötzlich meinte, eine Bilderserie zu den 7 Todsünden beginnen zu müssen. Ein spannendes Thema. Diskussionswürdig. Warum, fragte ich mich, durchsetzen scheinbar antiquierte Moralvorstellungen auch ein Leben, das noch nie in Berührung mit der Kirche kam? Was wäre das Dasein ohne all diese lässlichen Laster? Welchen Stellenwert hat die Völlerei in Zeiten von Essstörungen, Fotomontage und alltäglich gewordener Körpermodellage? Hat sich die Trägheit in unserer Gesellschaft von einer Sünde zur Tugend gewandelt? Ist Geiz wirklich geil? Oder taugt die Kleidung von »kik« tatsächlich qualitativ wenig, wie letztens jemand erstaunt auf Facebook behauptete?

Die Protagonistinnen der Bilder sollten prächtige, dicke Frauen sein. Stehen sie doch für so ziemlich alle Sünden gleichzeitig: sie sind verfressen, missmutig, träge, wollüstig sowieso und neidisch erst Recht. Sind sie das?

Die Arbeit dauerte über 10 Monate. Groß mussten die Bilder sein, wie sollten solch ein Thema und diese Prachtweiber auf kleinem Format schon wirken? Außerdem gehörte die Serie für mich von Anfang an in einen Kirchenraum, der eben wenig nach Miniaturmalerei schreit. Die Modelle zu finden war ein größeres Dilemma, als ich es geahnt hätte. Eine Anzeige in der Zitty, die nach »sehr üppigen Frauen mit weit ausladendem Gesäß« suchte, erbrachte über Nacht drei Zuschriften von Damen, die sich mit 75 Kilo für fett hielten. Am Ende kamen die Protagonistinnen aus allen Teilen Deutschlands. Es war eine wunderbare Arbeitszeit. Die Auslegung der jeweiligen Bildsujets war fast durchgängig humorig und in meiner Absicht, den frohen Sinn des Sündigens darzustellen, gelöst. Die schönste Trägheit ist die nach dem Sex, der Zorn einer Frau, die ihr Brautkleid in die BSR-Tonne stopft, findet sich in einem befriedigten Gesichtsausdruck, es gibt Dinge auf die es sich lohnt neidisch zu sein und was hat es mit dem Geiz auf sich in einem Dasein mit Hartz IV?

Frohgemut und wissend, 7 Werke geschaffen zu haben, die der Betrachtung, des Nachsinnens und der Diskussion würdig wären, begann ich die Ausstellungsbewerbung. Die bereits eintrudelnden ersten Kaufanfragen zu den Bildern wies ich ab. Nicht, dass ich mir das im Geringsten leisten konnte, aber die Bilder sollten gesehen werden, Denkanstöße liefern, Perspektiven ändern, nicht in irgendwelchen Hinterzimmern verschwinden. Ausstellungsangebote von Galerien, die wenig Öffentlichkeit boten, passten nicht. Eine Galeristin schlug vor, die Bilder wegen ihrer großen Formate nur zu fünft aufzuhängen und zwei ins Depot zu stellen. Nun heißt die Serie jedoch 7 Todsünden, nicht »Fünf hängen und zwei stehen im Depot«. Eine Kirche in Kreuzberg sagte zu, schrieb mir dann aus Panik vor der Wirkung der Bilder eine völlig idiotische Hängung vor. Geheul und Gestampf der Verantwortlichen und Vorwürfe über meine Sturheit und dann die Absage. In der nächsten Kirche beschloss der einberufene Gemeindekirchenrat, die Bilder wären »den Kirchgängern nicht zuzumuten«. Ich stand gerade unter der Dusche, als ein angefragter Kunstverantwortlicher der Berliner katholischen Kirchen anrief und sehr nett bescheinigte, dass die Bilder toll wären, aber die katholischen Kirchen überhaupt keine Ausstellungsflächen hätten. Die Matthäus-Kirche, die ständig hervorragende Ausstellungen präsentiert, wird von einer Stiftung geleitet, die sich die Kunstförderung auf die Fahnen geschrieben hat und von den Künstlern unter anderem erst einmal einen Nachweis fordert, dass sie von ihrer Kunst leben können. Ein Pfarrer aus Charlottenburg mailte, er hätte die Bilder gern ausgestellt, aber »sich gegen eine ängstliche Mehrheit nicht wehren können«. Ein Projekt, das sich großspurig „Frauen und Kunst“ nennt, von der Europäischen Union, dem Bundesverwaltungsamt, dem Land Berlin und wem noch alles finanziert wird, antwortete plump, für nächstes Jahr gäbe es keine freien Ausstellungen mehr. Viel Glück, Frau Hübner, versuchen Sie es doch woanders. Die meisten Anfragen an sogenannte Kunstkirchen erfuhren nicht einmal eine Antwort. Ansonsten wurden plötzlich die Ausstellungskonzepte geändert, Heizungen eingebaut, nur noch Installationen zugelassen. Und immer wieder wurde die Zumutung der Bilder für sämtliche Kirchenbesucher bescheinigt. Irgendwann war ich mir sicher, die Satanischen Verse gemalt zu haben und nicht in Berlin im Jahr 2013, sondern einer kleinen bayerischen Gemeinde zu leben.

Nach weit über zwei Jahren ein kaum noch erwartetes Happy End dieser Absurditäten. Pfarrerin und Pfarrer der Martin-Luther-Kirche in Neukölln war von den Bildern hingerissen. »Das machen wir, Frau Hübner.« Die für ein sehr offenes Gemeindeleben bekannte Kirche besitzt unter anderem ein Altarbild, in dem sinnreicherweise auch ein fröhlich hinterm Strauch hervorblinzelnder Teufel vorkommt. Das Kunstfestival 48h Neukölln rief das Thema »Courage« aus, die Serie wird in diesem Sinne und als Festivalbeitrag ausgestellt. Gegen wiederum aufkommende Bedenken setzte sich der Pfarrer Alexander Papst durch, was dem Festivalthema nur gerecht wird. Begleitet wird die Ausstellung von weiteren Künstlern wie Thomas Papst und Stella Ahangi, die prächtige eigene Interpretationen zum sündigen Lebensentwurf präsentieren. 3 Tage lang werden die Bilder nun endlich zu sehen sein. 7 dicke Frauen mit dem Mut zur Sünde.

Geschrieben von Sandra Hübner

Ausstellung »Zwischen Entzücken und Bedauern – zur Aktualität der 7 Todsünden«, Martin-Luther-Kirche Neukölln, 27.6.-29.6.2014

www.sandrahuebner.de




4Shorts – Die ideale Webserie für Zwischendurch – Von und mit Rahel Fiona Juschka

Seit August letzten Jahres dreht ein kleines, professionelles Team in Berlin eine Webserie nach einem ganz neuen Konzept. Inzwischen sind schon neun Folgen der ersten Staffel im Kasten und über YouTube jederzeit kostenlos abrufbar.

»4Shorts ist deine erste Serie für Zwischendurch! In vier humorvollen Szenen erkennst du dich in den verrücktesten Alltagssituationen und Beziehungsgeflechten wieder. Tolle Darsteller garantieren die perfekt genutztesten 10 Minuten des Tages. Wann immer und wo immer du 10 Minuten Überbrückungszeit hast, schaue 4Shorts auf Youtube und entfliehe deinem Alltag in die witzigste Parallelwelt, die Deutschland zu bieten hat«, empfiehlt Rahel Fiona Juschka, Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin von 4Shorts, die in der Serie außerdem selber eine durchgängige Hauptrolle spielt und den Soundtrack selber singt. Vor Drehbeginn der neunten Folge haben wir sie zum Interview getroffen.

Wie und wann kamst du auf die Idee, und wie lange hat es dann bis zu den Dreharbeiten gedauert?

Rahel: Das tägliche Leben ist für viele Menschen ein harter Kampf, sowohl beruflich als auch zwischenmenschlich. Ich glaube, dass es aber immer auch immens eine Einstellungsfrage ist. Mit 4shorts wollte ich die Realität auf humorvolle Weise spiegeln und uns die Möglichkeit geben, nicht alles so ernst zu nehmen. Bei mir ist das Prinzip, was du jetzt nicht machst, machst du nie, und lieber etwas nicht Perfektes gleich als etwas Perfektes nie. Damit verging nicht einmal ein Monat zwischen der Idee, dem Konzept und dem ersten Gespräch mit Darstellern.

Gibt es irgendwelche Vorbilder?

Rahel: Für 4Shorts gab es in dem Sinne kein Vorbild, sondern eher eine Vorstellung davon, wie die Serie nicht sein sollte. Ich wollte gerne so nah am Leben wie möglich sein und die Charaktere so natürlich wie möglich erhalten, um dieses als Basis für eine Überzeichnung an bestimmten und bewusst eingesetzen Stellen nehmen zu können. Im deutschen Fernsehen vermisse ich oft die schauspielerischen Fähigkeiten der Darsteller, realistisch spielen zu können. Bei 4Shorts suchen wir gezielt nach tollen Darstellern, die dieses beherrschen oder setzen Laien ein, die von Natur aus bestimmte Charakteristiken mitbringen.

Wo und wie hast du die Darsteller und dein Team gefunden, die ja (bisher) ohne Gage mitmachen, weil die Serie zwar gut ankommt, aber bisher noch keine Einnahmen abwirft?

Rahel: Das mit den Darstellern ist wie ein Wunder. Das Format strahlt so viel Anziehungskraft aus, dass die Darsteller eher mich gefunden haben als andersherum. Es hat sich herumgesprochen und irgendwer hat immer irgendwen mit angeschleppt und vorgestellt und meistens hat das dann perfekt gepasst. Noch dazu ist der Umgang miteinander und die Arbeitsatmosphäre so besonders, dass wir das Projekt schon alleine deshalb fortführen, weil sich jeder voll und ganz einbringt und so viel Engagement an den Tag legt, dass es mich unendlich beflügelt. Mittlerweile ist auch das Team hinter den Kulissen großartig aufeinander eingespielt und jeder hat seinen Bereich vom Drehbuch über die Dramaturgie/ Regieassistenz zur Produktionsassistentin.

Von Anfang an dabei ist Jean Denis Römer, der sonst als Darsteller bei Film, Fernsehen und Werbung sein Geld verdient und unter anderem in einer aktuellen internationalen Kinoproduktion eine Hauptrolle gespielt hat (coming soon: »Baga Beach«, 2013 in Indien gedreht und dort grade mit einem National Award ausgezeichnet) in der durchgängigen Hauptrolle Jan.

Rahel: Jan ist die Hauptfigur der Serie. Er ist ein typischer stereotyper Mann, etwas chauvinistisch und mit einem großen Ego! Nach der Trennung vom selber langjährigen Freundin merkt er immer mehr, wie sein Weltbild und sein Blick auf die Frauen eine Schieflage bekommt, die ihn aus dem Gleichgewicht bringt. Allen voran die beiden wunderbaren Darstellerinnen Katja Proxauf und Sophie Duda. Emanzipiert, unabhängig, zweifelnd und mit der Sehnsucht nach der großen Liebe. Alles spinnt sich um die Entwicklung des ersten Autos nur für die Frau, wobei sich der Geschlechterkampf aufs Feinste manifestiert.

Daneben stehen die Einblicke in das spießige Leben von Peter und Lucy, das reizend unterschiedliche Ehepaar Natalie und Gerhard, die sich gern in das Leben ihrer Tochter einmischen, und Karl und Christine die eine »normale« Beziehung zu führen scheinen, doch was ist schon normal? Und Mareike, David, Franz und Micha fühlen sich von dem modernen Leben dazu genötigt dich immer und immer wieder neu zu erfinden und das Geheimnis zu lösen, wie man glücklich wird!

Wo habt ihr schon überall gedreht und wie kommst du an die Drehorte?

Rahel: Für mich sind Drehorte das, was einen Film lebendig macht, dem Auge etwas zu sehen gibt. Im Fall von 4Shorts drehen wir in der Hauptstadt und wollen die Menschen motivieren sich mehr in der Stadt umzusehen und inspirieren zu lassen.

Oft entwickeln wir die Szenen auf Basis der Drehorte. Bars und Restaurants sind beliebt bei uns, aber auch saisonale Geschichten wie Weihnachtsmärkte und Events lassen wir nicht aus. Jeder Bezirk bietet auf seine Art außergewöhnliche Plätze, und gerade für Kreuzberg gehen einem die Ideen nie aus. Mittlerweile wenden sich sogar die Locations uns und darüber freuen wir uns sehr!

Wie ist die Perspektive für 4Shorts? Zwölf Folgen der ersten Staffel sind voraussichtlich im August 2014 abgedreht. Wie geht es dann weiter?

Rahel: Wir möchten gerne ein fortlaufendes Programm aus 4Shorts machen, mit einem Thema für jede Staffel, wofür Drehorte und Darsteller sich bewerben können. Eine verlässliche Kurzserie bei der die Menschen kaum erwarten können die nächste Folge zu sehen!

Danke für das Interview und viel Erfolg mit 4Shorts!

Geschrieben von jw

4Shorts facebook-Seite:

https://www.facebook.com/pages/4Shorts/543062859092319

4Shorts bei YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCuDip_5D2M-_umWP1QCSZrg/videos