International Uranium Film Festival 2017

Rio – Hollywood – New York – Berlin

uranium film festival berlin 2017Das International Uranium Film Festival gastiert wieder in Berlin. „Das Globale Filmfestival des Atomaren Zeitalters“ bietet vom 11.10. bis 15.10.2017 eine Reihe hochkarätiger Filmbeiträge über Atomkraft und ihre Auswirkungen auf die Umwelt. Als Einleitung für die feierliche Eröffnung findet am Mittwoch um 18 Uhr, die Präsentation der Fotoausstellung Brasiliens Tschernobyl 1987 von Odesson Alves Ferreira statt. Im Anschluss daran eröffnet Jutta Wunderlich, die Leiterin des IUFF-Berlin, gemeinsam mit den Schirmherren Klaus Mindrup (MdB), Jörg Sommer, Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung und Uwe Bünker, Bünker Casting GbR das Festival im Kino der Kulturbrauerei.

Nach dem formellen Teil des Abends öffnen sich dann erstmalig in diesem Jahr die Vorhänge beim Berliner IUFF und geben die Leinwand frei für die Schweizer Produktion Lucens von dem Regisseur Marcel Barelli (2015). Der Kurz-Trick-Film (7 min.) behandelt die Geschichte des ersten, aber auch des letzten schweizerischen Atomkraftwerks. (OmU)

Im Anschluss folgt der Dokumentarfilm Als die Sonne vom Himmel fiel. Bei dem Filmprojekt aus dem Jahr 2015 führte Aya Domenig Regie. In der 78 minütigen Dokumentation geht es um die Suche nach der Vergangenheit ihres Großvaters. Er hat sich nie zu den Erfahrungen geäußert, die er nach dem Abwurf der Atombombe, 1945 als junger Arzt im Rotkreuzspital von Hiroshima gemacht hat. Bei ihrer Recherche trifft die Regisseurin auf einen ehemaligen Arzt und eine Krankenschwester, die damals ähnliches durchleben mussten wie ihr Großvater. Nach und nach ergibt sich ein Bild dessen, von dem ihr Großvater nie sprach. Mit der Atomkatastrophe vom 11. März 2011 in Fukushima nimmt ihre Suche eine unerwartete Wendung. (OmU)

Wer nicht bis Mittwoch warten möchte, kann bereits heute in das Zeiss Großplanetarium an der Prenzlauer Allee 80 pilgern. Dort findet um 19 Uhr die Eröffnung der IPPNW-Fotoausstellung Hibakusha Weltweit statt (Der Eintritt ist frei). Gezeigt werden Aufnahmen, wie die unsachliche Handhabung von 19 Gramm Cäsium-137 einen Stadtteil und Hunderte von Menschen verstrahlten und zudem 6000 Tonnen strahlenden Abfall erzeugten. Odesson Alves Ferreira, der brasilianische Ehrengast des Film Festivals, wird ebenfalls vor Ort sein. Er ist Sprecher und bis vor kurzem langjähriger Präsident der Vereinigung der Cäsium-Opfer von Goiânia (AVCésio). Odesson selbst wurde durch das hochradioaktive Cäsium-137 stark verstrahlt und lebt seitdem mit den Folgen. Er wird das Uranium Film Festival Berlin und die Ausstellung über den Goiânia-Unfall über den gesamten Zeitraum mit begleiten.

Jutta Wunderlich IUFF

Jutta Wunderlich, Leiterin des IUFF Berlin

Im Zeiss Großplanetarium, das als zusätzlicher Veranstaltungsort für das Festival hinzugewonnen werden konnte, findet nicht nur Eröffnung der IPPNW-Fotoausstellung statt, sondern auch die ICBUW-Sonderveranstaltung am Freitag – mit Filmen und einer Podiumsdiskussion über Uranwaffeneinsatz: Umweltzerstörung durch Krieg (vom Balkan bis Nahost)

Weitere Festival Filme sind unter anderem die japanische Produktion Nuclear Cattle (Radioaktive Rinder) aus dem Jahr 2016. Die Regie bei dem 98 minütigen Dokumentarfilm, der auf japanisch mit deutschem Untertiteln gezeigt wird, führte Tamotsu Matsubara.

Eine von insgesamt sechs Deutschland-Premieren, die auf dem Festival gezeigt werden, stellt der dokumentarische Spielfilm All That Remains (Alles was bleibt, 2016) dar. Bei dem Film aus Großbritannien führten Ian & Dominic Higgins Regie.

Das Festival-Programm ist abrufbar unter:
http://uraniumfilmfestival.org/de/programm-berlin-2017

Bislang begeisterte das Internationale Uranium Film Festival Zuschauer in Hollywood, New York, Rio und zahlreichen anderen Orten auf dieser Welt.

Eröffnung: Mittwoch 11.10.2017
Beginn: 18 Uhr
Ort: Kino in der Kulturbrauerei

Vorverkauf im Kino
Einzelticket: 7 Euro – Ermäßigt Schüler/Studenten/Behinderte 5 Euro (nur an der Abendkasse)
Festivalpässe für 1 Tag: 10 Euro
Festivalpässe für alle Tage: 40 Euro

Kartenreservierung
Telefon: 0172-8927879
uraniumfilmfestivalberlin@gmx.de

http://uraniumfilmfestival.org/de
http://www.lucensfilm.blogspot.ch/
https://www.alsdiesonnevomhimmelfiel.com/

IPPNW – Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.
ICBUW – International Coalition to Ban Uranium Weapons (Internationale Koalition zur Ächtung von Uranwaffen)




18. Lange Buchnacht in Kreuzberg am 4. Juni 2016

Unter dem Motto: Feingeistin meets Revoluzzer treffen zur 18. Langen Buchnacht am 4. Juni 2016 eine Autorin und ein Autor aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Beide verbindet jedoch die Leidenschaft die Gesellschaft zu hinterfragen. Anna Marin bietet mit ihrem Werk „Wir gehen jetzt!“ Tiefgründigkeit und Triviales und Oliver Jung steht mit seinem Buch „Horch & Guck – Meisterspione a. D.“ für Systemkritik und Revoluzzergeist.

Um 18 Uhr liest der Schauspieler und Sprecher Hubert Burczek aus dem Buch „Horch & Guck – Meisterspione a. D.“ von Oliver Jung. Die Geschichten entsprechen nicht immer der Wahrheit, sind aber, selbst wenn nur der Fantasie des Autors entsprungen, zu nah an der Wirklichkeit, als dass sie als unmöglich erscheinen könnten.

Im Anschluss daran liest um 19 Uhr die Zeichnerin und Autorin Anna Marin aus ihrer Graphic Novel „Wir gehen jetzt!“ und erzählt von sechs Begegnungen zweier Menschen, zwischen Mühe und Leichtigkeit, von Ärger bis Verschmelzung, auf einer immer wechselnden Strecke an Nahe und Distanz, mit wachsender oder schwindender Übereinstimmung. Die Zeichnerin wurde für ihr Buch „Wir gehen jetzt!“ mit dem Mart Stam Preis prämiert. Als präzise Beobachterin bringt sie Bilder und Worte zu Papier, in denen sich die Betrachter_innen wiedererkennen können. Humorvoll, mit ihrem ganz eigenen zeichnerischen Stil macht sie alltägliche Begebenheiten und menschliche Reaktionen zum Thema ihrer Geschichten. Eigentlich unspektakuläre Vorkommnisse zeugen von den tiefgründigen Problemen wie Nähe und Distanz, Kompromissen und Einsamkeit.

Veranstaltungsort: Müßiggang, Second Hand Buchhandlung, Oranienstraße 14a (Heinrichplatz), 10999 Berlin-Kreuzberg SO 36

Kontakt Anna Marin

Web: www.annamarin.info

Mail: annamarin@annamarin.info

Kontakt Oliver Jung

Web: www.draufhauverlag.de

Mail: info@draufhauverlag.de

Telefon: 0175 4275825

Sprecher Hubert Burczek: http://burczek.de/




Sanitär Veredelt – Tierversuche mit Gummibärchen

Beruf Lebenskünstler? Von Haus aus sei er Lebenskünstler, erklärt Sebastian, 40 Jahre, der beruflich schon viel ausprobiert hat und momentan ein ganz besonders Projekt am Laufen hat: Mit handelsüblichen Gummibärchen veredelt er normale Waschbecken zu coolen Designerstücken.

Sebastian stammt aus Hannover. Dort hat er auch noch ein Atelier und pendelt deswegen regelmäßig zwischen Berlin und Hannover. Der Liebe wegen und wegen eines Jobs ist er nämlich vor einem halben Jahr nach Berlin gezogen und ist hier sehr zufrieden.

Zur künstlerischen Tätigkeit kam er auf Umwegen, nach einer Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen im Stadtbad Laatzen. Weil ihm aber kreative Arbeiten eindeutig mehr liegen, orientierte er sich noch mal um, verzierte erst Zimmertüren mit Glasscherben und veredelte Schränke mit Buntglas im Tiffany-Style. Von innen mit drehbaren Lichtern illuminiert, ergab das »sensationelle Effekte« und kam bei den Käufern unheimlich gut an. Nachdem Sebastian aber nicht der Typ ist, der sich gerne festlegt und des Profits wegen x-mal dasselbe machen will, hat er die Schrankveredlung nach einem Jahr selbstständiger Tätigkeit anderen überlassen und zwischendurch als Koch gearbeitet, wo er immerhin bei den Arrangements der Gerichte mit kreativen Ideen punkten konnte.

Zufällig kam er dann zur Sanitärveredlung. Ein weites Feld mit guter Perspektive: Waschbecken, Badewanne oder zumindest Duschwanne braucht jeder und benutzt sie mindestens ein- bis mehrmals am Tag. »Und dem wollte ich was Spielerisches verleihen.« So kam Sebastian auf die Idee, diese praktischen, aber meistens viel zu langweiligen Gebrauchsgegenstände von oben bis unten und rundum mit kunterbunt gemischten Gummibärchen zu beschichten. Das macht er jetzt im großen Stil unter dem Künstlernamen Eduardo Padrino und dem Label Sanitärveredlung Sesch, und sein Gummibärchen-Design hat schon jede Menge Fans.

Ganz neu ist die Idee nicht, aber total sympathisch, denn Gummibärchen liebt eigentlich jeder, und wer keine (mehr) nascht, verbindet damit zumindest schöne Kindheitserinnerungen.

Das hat auch Günther Siraky aus Reutlingen (Jahrgang 1962) erkannt, der ebenfalls Alltagsgegenstände umgestaltet und seit 2007 mit großen Aktionen auf seine »art of gum« aufmerksam macht. Da ging er mit einem alten, komplett mit Gummibärchen beklebten Mercedes-Benz auf Europa-Tour und bewies damit sowohl die Alltagstauglichkeit als auch das Kult-Potential von Gummibärchen-Kunst.

Und Johannes Cordes aus Meppen (57) hat sich auf Pop.Art mit Gummibärchen spezialisiert. Mit Tausenden der Bärchen klebt er großformatige Interpretationen von Warhol-Klassikern und knallbunte Comic-Kunst, lässt sich aber auch schon mal von Leonardo da Vinci oder René Magritte inspirieren.

Auf jeden Fall ist das Konzept Gummibärchen-Design ausbaufähig. Sebastians/Eduardos Gummibärchen-Waschbecken hat sich gut bewährt und den Langzeit-Alltagstest bestanden, wie zu erwarten war. Schließlich werden die angehefteten Bärchen nach allen Regeln der Sanitärveredlerkunst mit bis zu 35 Schichten flüssigem Kunststoff überzogen und sind danach praktisch unbegrenzt haltbar und verschleißgeschützt. Sebastian: »Wenn man die Technik beherrscht, ist das gar kein Problem. So eine Waschbeckenbeschichtung wird dann wahrscheinlich älter als der Besitzer.« Das Gleiche gilt für Badewannen, die in Planung sind. Und der Besitzer einer Gummibärchenbadewanne könnte somit lebenslang in einer Badewanne unter den Blicken von Tausenden von Gummibärchen baden.

Prototypen von sonstigen kleineren Gebrauchsgegenständen gibt es im Atelier von Sebastian noch mehrere, bisher aber jeweils nur Unikate, die als Demo-Werkstücke im Einsatz sind.

Da jedes Stück in reiner Handarbeit hergestellt wird, gibt es keine Festpreise, sondern der Preis richtet sich nach dem tatsächlichen Aufwand und ist offenbar auch verhandelbar: »Das bunt bedruckte Papier ist nicht mein Hauptinteresse«, sagt Sebastian, der auch so sein Auskommen hat. Sebastians Original-Gummibärchen-Waschbecken oder -Badewannen sind grundsätzlich kunterbunt. Auf Wunsch gibt’s aber auch sortierte Farben, wobei die Lieferfrist etwa eineinhalb Monate beträgt. (Eine Umrüstung bereits eingebauter Badewannen oder Waschbecken empfiehlt sich deswegen eher nicht, denn das wäre wegen der vielen Kunststoffschichten, die zwischendurch noch trocknen müssen, mit mindestens 35 Hausbesuchen und eineinhalb-monatiger Bade- oder Wasch-Abstinenz verbunden …).

Aktuell arbeitet er an einer limitierten Auflage von Waschbecken-Variationen, unter anderem eine Luxus-Ausführung mit Gummibärchen/Swarovski-Kristall-Kombination bei einem Gummibärchen-Anteil von rund neun Tüten. Dann beginnt die Arbeit an einer Badewannen-Kollektion (mit zehn bis 13 Kilo Gummibärchen pro Stück).

Es ginge auch noch größer: Ein Schwimmbad mit Gummibärchen wäre genauso realisierbar, würde bestimmt nicht nur bei den Kindern für gute Laune sorgen und hätte vielleicht das Zeug zur neuen Berliner Touristen-Attraktion!

Vom Ortswechsel nach Berlin hat Sebastian sehr profitiert, von der Vielfalt und dem Lebensgefühl, das viele Künstler hier schätzen. Was die machen, interessiert ihn natürlich auch. Aber Künstlertreffs, Künstlergruppen und -foren spielen für ihn keine Rolle. Selber geht er lieber seinen eigenen Weg, sucht auch keinen Anschluss: »Ich suche eigentlich gar nichts. Hab schon alles gefunden.« Und das glaubt man ihm gerne.

Sebastian Schmelz

Künstlername: Eduardo Padrino, Sanitärveredlung Sesch

Web: gummibaerchenwaschbecken.Jimdo.com

 

Geschrieben von Jutta Wunderlich

 




Kreativ in Kreuzberg

»Die besten Ideen habe ich, wenn ich sie bei anderen schon gesehen habe.« Und sind es nicht die besten Ideen, die sich aus einem marktwirtschaftlichen Kalkül heraus verwerten lassen?

Die erste Bemerkung erinnert mich an die Reaktionen mancher angesichts eines sehr hoch bewerteten abstrakten Ölbildes: »Das kann ich auch malen.« Gemeint ist: »Da steckt wenig Arbeit drin«, als ob Kunst nach Stundensatz abgerechnet würde, oder »Das ist keine Kunst«, was zugegebenermaßen eine – eventuell nicht informierte – Meinungsäußerung ist. Zusammen betrachtet dürften die Meinungsgeber mit einer Leinwand, wenigen Arbeitsstunden und ohne lästigen Anspruch, einen Haufen Geld verdienen. Dazu kann ich nur sagen: Dann los!

Die zweite Bemerkung berührt die historische und aktuelle Entwicklung der Kunstverwertung. Eines will ich dazu sagen: Die Ideen anderer lassen sich gut verkaufen. Dies bezieht sich auf die Kommerzialisierung eines Trendbezirks, z.B. das Abfotografieren von Street Art, Graffitis und Wandmalereien, die Vermarktung als Postkarten o.ä. wobei meistens die Urheber nicht mal erwähnt werden. Es findet ein Kannibalismus statt, bei dem sich Vermarkter unreflektiert auf die Ideen und Arbeit Anderer fokussieren, ohne den Einsatz eigener Kreativität. Der zu Grunde liegende Anspruch begnügt sich mit einer Anbiederung an touristische Erwartungen. Dazu gehört auch die Kategorie der platten Abarbeitung von Bauwerken, wie Brücken und Kirchen, die an die belanglosen Ansichtskarten mit der Aufschrift »Grüße aus …« erinnern.

Daraus zu schließen, dass Fotos von Street Art und Bauwerken prinzipiell unkreativ sind, ist falsch. Manche Fotografen gehen thematisch vor und zeigen in Bilderserien aussagekräftige künstlerisch-persönliche Interpretationen. Im Einzelnen spielt dabei sowohl der eigene Anspruch, als auch die öffentliche Kritik eine Rolle. Das Gesamtergebnis einer lokalen Kreativitätsbilanz gibt Aufschluss über ein Selbstverständnis, gerade wenn diese Aktivitäten dem eigenen Umfeld entspringen. Daran erkennt man eine gewisse Ehrlichkeit und Authentizität.

»Street-Arts dürfen im Rahmen der Panoramafreiheit von Dritten fotografiert und die Fotos verwertet werden, ohne dass der Künstler in diesen Fällen etwas dagegen ausrichten kann. Bleibt nur das Recht der Künstler, bei Verwertung ihrer Werke genannt zu werden, sofern dies möglich ist.«

 

Privatisiere den Görlitzer Park!

Mir fällt die zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raumes auf.

Daher wäre es konsequent, den leicht mit Gittertüren abzuschließenden Park zu privatisieren. Hunde, Drogendealer, übermäßiges Grillen wären damit unter Kontrolle gebracht. Eintrittsgelder würden die Grünpflege und das Sauberhalten finanzieren. Zu überlegen wäre die Zulassung von Verkaufsbuden entlang der bereits geteerten Gehwegachse. Noch eine Einnahmequelle… So viele Probleme auf einem Mal gelöst!

Keine gute Idee? Große Bereiche des engen Straßenraumes im Wrangelkiez sind bereits vom Bezirk an private Geschäftsinteressen vermietet: Speziell an Gaststätten, die weit über ihre beanspruchte Mietfläche hinaus weitere Quadratmeter Gehweg mit Stühlen und Tischen besetzen, frei nach dem Motto »Legal, illegal, Fresslokal«. Wie war das wieder mit dem illegalen Besetzen und der Berliner Linie?

Darüber hinaus wird die Nutzung des öffentlichen Raumes durch private Videokameras (im Wrangelkiez z.B. Kaiser’s, Green Bamboo) und andere Methoden kontrolliert. Beim Malen vor Ort in der Dieffenbachstraße kam ein Mann schnurstracks auf mich zu und verlangte, dass ich mit dem Malen sofort aufhören solle. Er gab sich als der Hauseigentümer aus und wollte nicht, dass das Haus »abgebildet« wird. Da ich ihm nicht gehorchte und weiter an der Leinwand pinselte, rief er die Polizei an. Zwei Beamte erschienen sodann am Tatort und redeten mit ihm. Wahrscheinlich wurde der Mann über den Begriff »Panoramafreiheit« unterrichtet. Dann sind sie alle gegangen, ohne mich weiter zu belästigen. Die künstlerische Freiheit lebt noch!

Geschrieben von William Wires, Oktober 2012




Das Piepvögelchen vom Görli – Dorit Schneider-Maas, Portrait einer Illustratorin aus Kreuzberg

Nachdem ich mit »Horch und Guck – Meisterspione a.D.« und »Neukölln ist Überall«, zwei Bücher für die Erwachsene, kritische Leserschaft vorgestellt habe, möchte ich es nicht versäumen eine Frau vorzustellen, die Bücher für den Nachwuchs illustriert.

In einem Portrait stelle ich euch Dorit Schneider-Maas vor. Sie lebt seit einigen Jahren in Berlin-Kreuzberg und genießt das Leben im Kiez. Damit ich mich nicht mit fremden Federn schmücke, weise ich darauf hin, dass mir der Text vom Schlehdorn Verlag zur Verfügung gestellt wurde.

Bunt. Kotti. Falafel im Görlitzer Park.

Dorit Schneider-Maas, geboren 1981, studierte Architektur und Stadtgeschichte. Heute lebt sie in ihrer Wahlheimat Berlin.

»Ich habe einen komplizierten Lebenslauf«, sagt sie von sich selbst, aber der Weg zur Illustratorin war sehr einfach. »Ich sah den Aushang: WIR SUCHEN ILLUSTRATOREN! Und da dachte ich, versuche ich’s mal«.

Das Leben hält Überraschungen bereit und so begann ihre Karriere mit der »Piepvögelchen«-Reihe des Schlehdorn Verlages. Heute ist sie froh, den Schritt gewagt zu haben.

Ihr Leben als Kinderbuchillustratorin führt sie noch nicht lange, »Ich habe erst vor drei Jahren so richtig damit angefangen«. Dennoch ist sie bereits sehr erfolgreich und hat sich schon einen Namen gemacht.

Auf die Frage, warum sie sich Kreuzberg ausgesucht hat, schmunzelt sie »Kreuzberg ist für mich am meisten Berlin. Es ist der gemischteste Bezirk von allen«.

Die eigene Zufriedenheit mit dem Ergebnis ihrer Arbeit steht für sie an oberster Stelle, ob es den anderen gefällt ist für sie zweitrangig.

Auf die Frage nach ihrem eigenen Stil lacht sie. »Ich glaube ich bin noch in der Findungsphase«. Sie liebt das Komplizierte, Bilder, bei denen man denkt »Boa, das hat richtig viel Arbeit gekostet«. Aber andererseits mag sie die »Herausforderung, mit wenigen Strichen etwas Schönes zu schaffen«.

Die Liebe zum Zeichnen begleitet die Dorit schon seit Kindertagen. »Mein Vater hat viel gezeichnet und mir schöne Bilder hinterlassen«.

Momentan genießt sie ihr Mutterglück, mit einer »Mischung aus Albernheit und Leichtigkeit« beschreibt sie ihr Leben. Aber sie will zurück zur Illustration und wünscht sich für ihre Zukunft, dass sie sich mit der Kunst ein festes Standbein aufbauen kann.

Es gibt noch viele Spielarten der Illustration, in denen sich die junge Frau ausprobieren möchte. Für ihre private Zukunft hofft sie, »es geht so weiter, wie es im Moment ist«.

 

Kurzinterview

Wie lange bist du in Kreuzberg?

Seit fünf Jahren.

Deine Lieblingsorte in Kreuzberg?

Das Kanaldreieck, die Panierstraßen Brücke (neue Admiralsbrücke) dort gibt es den schönsten Sonnenuntergang.

Kreuzberg in 3 Worten?

Bunt. Kottbusser Tor und der Falafel Mann im Görlitzer Park.

Was macht Kreuzberg für dich aus?

Ich wohne in einer Ecke, was noch das alte Kreuzberg ist – Ofenheizungswohnung! (lacht)

Dein Leben in 3 Worten?

Milla. Milla. Milla.

 

Bücher von Dorit Schneider-Maas:

»Piepvögelchen und der Schmetterling« ISBN 978-3-94-1693-00-5

»Piepvögelchen tanzt Ballett«

ISBN 978-3-94-1693-01-2

»Piepvögelchen hat Geburtstag«

ISBN 978-3-94-1693-02-9

Im Internet unter:

www.piepvögelchen.de und

www.schlehdorn-verlag.de