„Zur Hölle“ von Detlef Kowalewski – Buch Rezension

Unter dem Titel „Zur Hölle – Kohle, Knast und Rock´n´Roll“ schreibt Detlef Kowalewski eindrucksvoll über sein Leben als Musiker, Tätowierer, Geschäftsmann, Drogenschmuggler und die Zeit, die er in brasilianischen Gefängnissen verbrachte.

Das Werk enthält den Teil seines Lebens, in dem Kowalewski am Beginn einer durchaus von Erfolg geprägten Karriere als Heavy-Metal Musiker stand. Er tourte quer durch Europa und spielte unter anderem als Vorband von Iron Maiden. Neben dem Leben im Rampenlicht gab es ein bürgerliches Leben, in dem er antike Möbel aus Malta importierte und mit der Vermietung von Proberäume und einem Fitnessstudio erfolgreich sein Geld verdiente. In dieser Zeit konsumierte Kowalewski nicht geringe Mengen Kokain. Und obwohl er den Handel mit dem weißen Gold verneint, lässt das Buch offen, ob er nicht doch das ein oder andere Gramm von England nach Deutschland schmuggelte.

Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem er für seinen nicht legalen Konsum von Drogen zur Verantwortung gezogen werden sollte und landete im Zuge dessen in der Kölner JVA „Klingelpütz“. Von diesem Zeitpunkt an nahm sein Leben und somit seine Geschichte Fahrt auf und man kann sagen, dass es mit ihm und seinem Leben rasant bergab ging. Im Knast lernte er unter anderem das RAF Mitglied Wisniewski kennen. Lange hielt es ihn aber nicht hinter Gittern und es kam zu seinem ersten spektakulären Gefängnisausbruch. In Deutschland von den Strafverfolgungsbehörden gejagt, setzte er sich nach Amsterdam ab, landete aber auch dort bald wieder im Gefängnis und floh kurze Zeit später erneut aus dem Knast, der damals als das sichersten Gefängnis Europas galt. Über Spanien setzte er sich dann mitsamt seiner Frau und seinen Kindern nach Südamerika ab und hoffte, dort unbehelligt leben zu können.

Dass es für ihn dort jedoch schlimmer kommen sollte als er jemals zu denken gewagt hatte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Und wer weiß, ob er trotz der Gefahr entdeckt zu werden, nicht lieber in Europa geblieben wäre, hätte er gewusst, was ihn durch die unfreiwillige Kooperation mit dem Kali Kartell erwartete. Denn schon bei seinem ersten Versuch, eine nicht geringe Menge Kokain von Brasilien aus nach Europa zu schmuggeln, wurde er erwischt und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Eindrucksvoll beschreibt er den Alltag in brasilianischen Gefängnissen, den er hautnah und an eigenem Leib miterlebt hat. Nur seiner Cleverness und viel Glück ist es zu verdanken, dass er diese Zeit überlebt hat und heute in seinem 191 Seiten starken Buch davon berichten kann. Er überlebte nicht nur die unmenschlichen Haftbedingungen sondern auch zahlreiche Mordversuche. Das Buch enthält neben einer eindrucksvollen Geschichte, die so unglaublich wie wahr ist, zahlreiche Fotos, Zeichnungen und Zeitungsausschnitte, die das Gesamtwerk abrunden.

Das Vorwort wurde von niemand geringerem geschrieben, als von Dieter Beutel, dem Polizeibeamten, der Kowalewski jahrelang auf den Fersen war, um ihn für seine Vergehen hinter Gittern zu bringen. Empfohlen sei das Buch all jenen, die schon einmal mit dem Gedanken gespielt haben, das eine oder andere Gramm Koks zu schmuggeln.

Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur noch, dass das Buch, wie alle guten Bücher aus diesem Genre, im Edition Steffan Verlag erschienen ist und das Werk online, im Buchhandel oder direkt über den Verlag für 14,90 Euro zu beziehen ist.

www.edition-steffan.de




Lustige Kurzgeschichte

»André, die Polizei war eben da. Hast du etwa Carsten geholfen, dem Nachbarsjungen ‚Next Please!‘ auf den Arsch zu tätowieren, als der auf Speed war?«

»Ich hab ihn doch bloß festgehalten. Carsten wollte ihm eine Lektion erteilen.«

»Ach ja??“

»Ja, dass Speedkonsum zu ungewollten Tätowierungen führen kann. Ich fand das pädagogisch sehr gut durchdacht.«

Von André Marc Schneider

André Marc Schneider lebt in Berlin und arbeitet als Filmemacher und Schauspieler im In- und Ausland. Außerdem ist er als Schriftsteller tätig, verfasst Drehbücher, Fachbücher, Lyrik und Prosa und bloggt im Internet.

Sein neuestes Buch »Sie7ben« mit 21 Texten und 14 Fotos aus 21 Jahren erscheint demnächst (frühestens im Juni).

Die wunderbar politisch inkorrekten »Carsten-Dialoge«, die er seit einem Jahr in loser Folge im Internet veröffentlicht, sind einer dieser Texte, neben Gedichten, Kurzgeschichten, autobiografischen Notizen und einem kleinen Kurzroman (»Die Sprache der Scherben« von 2005).

Mehr Infos im Blog von André unter http://vivasvanpictures.wordpress.com

Geschrieben von jw




Gesicht eines Mörders von Volker Kaminski

Mit einem Personal von vier Hauptfiguren und nur noch einer erwähnenswerten Nebenfigur und insbesondere ohne einen einzigen Sympathieträger kommt Volker Kaminski (geboren 1958 in Karlsruhe, Alfred-Döblin-Stipendiat, Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg und des Künstlerhauses Edenkoben) in seinem neuen Roman »Gesicht eines Mörders« aus.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der eitle, selbstverliebte Schauspieler Frank, der sich mehr mit seiner Schönheit und seinem bislang einzigen, schon zurückliegenden Erfolg beschäftigt, als mit seiner möglichen Karriere. Mit einer von ihm begangenen, unentdeckten Straftat geht er um, als sei das auch nur eine Rolle gewesen, die er gespielt hat. Zwei junge Frauen – die eine wunderschön, aber kalt, berechnend und verlogen, die andere temperamentvoll, impulsiv und frei von Skrupel, sich zur Komplizin machen zu lassen – manipulieren ihn auf übelste Weise.

Mit Bestechung, Erpressung und Schmeicheleien, versuchen sie Frank dazu zu bringen, einen Mann zu töten, der ihnen im Weg steht. Und das potentielle Opfer, ein feister, gut situierter und selbstgefälliger Weinhändler, weckt beim Leser ebenso wenig Sympathien, wie die anderen. Deshalb funktioniert der durchaus spannende Roman wie ein Gesellschaftsspiel: nach jedem Kapitel werden die Karten neu gemischt, man spekuliert über den Weitergang und wird immer wieder überrascht. (Pausen nach jedem Kapitel sind empfehlenswert, um den Effekt auszukosten.) Auch der Ausgang ist überraschend, auf spezielle Weise versöhnlich und lässt den Leser zufrieden zurück.

Fazit: Eine anregende Reiselektüre, mit Außenabmessungen von 19x12x2 cm und einem Gewicht von grade mal rund 200 g ideal für den Reisekoffer. Die gebundene Ausgabe (zumindest der Prototyp) ist etwas schwergängig beim Blättern. Also am besten nach dem Lesen weitergeben, der nächste Leser hat dann noch mehr davon.

Gesicht eines Mörders – Roman von Volker Kaminski, Lindemanns Bibliothek Band 210, herausgegben von Thomas Lindemann, Info Verlag GmbH, ISBN 978-3-88190-768-2

Geschrieben von jw




Radikal, gnadenlos und absolut lesenswert: »Neonarr – Der Kranke Gedanke #1 – Vereinte Feinde« von Jan van Dannen, erschienen im Draufhau Verlag

Endlich hat der Draufhau Verlag die Veröffentlichungsfreigabe für die ersten beiden Texte von dem Autor Jan van Dannen erhalten. Mit diesem Schritt überlässt der Autor seine provokanten Thesen einer breiten Öffentlichkeit zur Diskussion. In seinem Erstlingswerk geht es um die Vereinigung von politisch rechts und links motivierten Personenkreisen mit der Absicht eine gemeinsame Revolution umzusetzen, an deren Ende die demokratische Volksherrschaft steht. Ohne große Umschweife kommt der Autor auf den Punkt und benennt die Fakten ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Betroffenen sowie der Leserschaft. Auf 53 Seiten schreibt Jan van Dannen seine »Kranken Gedanken« nieder und beschreibt den Weg der Vereinigung von Rechts und Links vom Anfang bis zum Ende und lädt ein, sich eigene Gedanken zu dieser These zu machen. In seiner ganz eigenen Art und Weise geht er mit seiner These um und zeigt in groben Zügen auf, wie Politik und Wirtschaft nach einer erfolgreich durchgeführten Volksrevolution strukturiert sein müssten, um gesellschaftlich Gerechtigkeit herbeizuführen. Radikal, gnadenlos und absolut lesenswert: »Neonarr – Der Kranke Gedanke #1 – Vereinte Feinde« von Jan van Dannen. Das Flugbuch ist im im Draufhau Verlag unter dem Titel. Ein weiterer Text von Jan van Dannen mit dem Titel »NEONARR Der Kranke Gedanke #2 – Der Tellerrand« liegt uns bereits vor und wird in den nächsten Monaten veröffentlicht.

Kostenloser Download: NEONARR Der Kranke Gedanke 1 – Vereinte Feinde von Jan van Dannen

Kontakt: draufhauverlag@web.de

* Eigentlich sollte es eine Flugblatt geben, aber da sich die eingereichten Texte umfangreicher gestaltet haben, haben wir uns dazu entschieden ein Flugbuch herauszugeben.




Buch Vor-Präsentation: 9/11 – Eine Analyse (Draufhau Verlag)

Das für Dezember 2013 angekündigte Buch 911 – Eine Analyse VORABVERSION über die Ereignisse vom 11. September 2001 ist nun kostenlos als Vorabausgabe exklusiv bei Der Kreuzberger erhältlich (inkl. evtl. Fehler). Mit seinen 237 Seiten ist das Buch eine Aufarbeitung nahezu der gesamten, im Zusammenhang mit den Anschläge vom 11. September 2001 veröffentlichten Verschwörungstheorien. Es widerlegt Ansichten und Behauptungen, die von den Skeptikern der Umstände, die zu den Anschlägen führten und deren Geschehen begünstigten, in Umlauf gebracht wurden.

Einige Theorien basieren auf unklaren Aussagen von Verantwortlichen aus der Regierung, den Hilfsorganisationen, den Ermittlungsbehörden und der Untersuchungskommission. Andere wieder herum entstanden wider jeder Logik und Objektivität den Fakten gegenüber.

Interessenten, die die Buch-Datei mit Abbildungen wünschen, schreiben bitte eine e-Mail an: draufhauverlag@web.de




»Das Mesa Projekt« – Das neue Buch von Johannes Hucke in Rezension

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse präsentiert der Info Verlag aus Karlsruhe in der Reihe Lindemanns Bibliothek ein neues Buch seines Bestseller-Hausautors Johannes Hucke, den Berlin-Spanien-Weinkrimi »Das Mesa-Projekt«.

Weinkrimis sind gar nicht so selten: Auf Anhieb findet sich im Internet eine Weinkrimi-Liste mit 20 empfohlenen Titeln, und schon mehrere Krimis des Weinjournalisten Johannes Hucke sind im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.

Huckes neuer, mittlerweile neunter Krimi spielt hauptsächlich in Spanien, dem Anbaugebiet des Mesa-Weines, und in Kreuzberg. Wegen ihrer Beziehungen zum dortigen Weinfachandel geraten die Romanheldin, eine junge, unbedarfte Weinliebhaberin, und mehrere Berliner Fachverkäufer völlig unerwartet zwischen die Fronten einer Weinbauerndynastie und einer kriminellen Organisation.

Nach mehreren Überfällen auf Weinhandlungen kommt es zu einer wilden Treibjagd bis nach Spanien und zurück, die sehr spannend und anschaulich beschrieben ist. Dabei bleibt sogar noch Raum und Zeit für gehaltvolle lyrische Einschübe (zitiert wird Luis de Góngara y Argote, 1561-1627) und zum Blickwechsel auf Land und Leute und den landestypischen spanischen Wein – der unglaublich bekömmlich sein muss, weil die Fliehenden ihren Flüssigkeitsbedarf ausschließlich damit decken. Auf nüchternen Magen, ohne negative Folgen für das Durchhalte- und Denkvermögen!

Schon bald (auf Seite 26 von 227) stellt sich die Frage, ob ein Wein so gut sein kann, dass er zur Gefahr für die Menschheit wird. Diese Frage bleibt ungeklärt. Aber alle anderen Fäden des geschickt konzipierten Romans werden rechtzeitig entwirrt und lassen einen zufriedenen Leser zurück.

Info: Mesa-Weine gibt es wirklich, wobei davon im Alltag außer bei hemmungslos übermäßigem Genuss ganz sicher keine Gefahr für die Menschheit ausgeht. Vino de Mesa ist die Bezeichnung für spanischen Tafelwein aus der Mesata, dem kastilischen Hochland, der aus verschiedenen Rebsorten gewonnen wird, wobei das Ergebnis bei entsprechender Sortenauswahl sehr hochwertig sein kann.

»Das Mesa Projekt«
Paperback, 232 Seiten
ISBN 978-3-88190-742-2
Lindesmanns Bibliothek, Bd. 198
Preis 13,80 Euro

Geschrieben von Jutta Wunderlich




Alltagsgeschehen mit Tiefenwirkung: „Zeitmanagement für Kids“

Es begab sich vor gar nicht allzu langer Zeit…. Was für ein kitschiger Anfang für eine Geschichte, aber es begab sich tatsächlich vor gar nicht allzu langer Zeit, dass ich mich mit meinem Sohn auf dem Gelände der Kinder-Verkehrsschule im Görlitzer Park befand. Die Kinder drehten ihre Runden und hatten ihren Spaß. Ich saß derweil auf einer Bank im Schatten und genoss die, mal mehr oder mal weniger vorhandene Ruhe. Als die Kinder so ihre Runden fuhren, die einen auf den Fahrrad, die anderen mit einem „Kettcar“ und wiederum andere auf einem Roller, fielen mir zwei Kinder auf, beide um die 4-5 Jahre alt. Der Junge, nennen wir ihn Steve und das Mädchen, nennen wir es Linda fuhren ebenfalls von links nach rechts und von vorne nach hinten. Dabei war Linda stets damit beschäftigt, Steve mit den Worten anzufeuern: „Steve, komm´… schnell“, „Steve beeile dich“, „nun mach schon Steve“. Ihr Ziel war es, die auf Grün stehende Ampel noch rechtzeitig zu erreichen, um nicht wieder bei Rot warten zu müssen. Steve war damit beschäftigt, zunächst auf einem „Bobbycar“, später dann mit dem Laufrad Anschluss an Linda zu halten. Mit seinen klobigen Gummistiefeln fiel ihm dies jedoch sichtlich schwer. So sehr er sich bemühte, er blieb stets um Längen hinter der ständig: „Steve, komm´… schnell“, „Steve beeile dich“, „nun mach schon Steve“- rufenden Linda zurück. Irgendwie tat er mir leid und leise sagte ich zu ihm: „Tja Steve, das wird sich durch dein ganzes Leben ziehen, dieses: „Steve, komm´… schnell“, „Steve beeile dich“, „nun mach schon Steve.“ Während ich Steve zuschaute, wie er versuchte Linda einzuholen, fiel mir die Werbung ein, die ich auch, vor gar nicht allzu langer Zeit auf einem Monitor in der U-Bahn gesehen hatte. In dieser Werbung wurde auf ein Buch mit dem Titel hingewiesen: „Zeitmanagement für Kids-fit in 30 Minuten“. Des Weiteren, so ergab meine oberflächliche Recherche, wird das Buch eingeleitet mit: „Zeitmanagement ist nicht nur für Erwachsene zu einem sehr heißen Thema geworden. Auch die Zeitpläne von Schülerinnen und Schülern sind neben dem Unterricht immer voller geworden durch unzählige Aktivitäten.“ Nach der Einleitung gibt es in dem Buch einen „Eingangs-Check“ mit dem die Kids die Effizienz ihres Zeitmanagements herausfinden können. Das Buch beinhaltet Kapitel wie „Zeitmanagement bringt mehr Spaß“, „Durchstarten in den Tag“ und „Planen mit der Mind-Map-Technik“. Ich kenne den Inhalt des Buches nicht im Detail und werde mir aus diesem Grund an dieser Stelle nicht das Maul darüber zerreißen. Ich finde es jedoch sehr beschämend für unsere Gesellschaft, dass bereits Kinder und Jugendliche – das Buch ist für Kinder ab 9 Jahren – ein Zeitmanagement benötigen, um ihren Alltag effizient gestalten zu können.

Warum sollten sie ihren Tag überhaupt effizient gestalten müssen? Zu meiner Jugendzeit kam man auch ohne Zeitmanagement pünktlich und zumeist ausgeschlafen zur Schule, machte die Hausaufgaben mehr oder weniger gewissenhaft und genauso pünktlich wie man in der Schule erschien, tat man dies auch im Sportverein. Die Wochenenden waren ganz ohne Zeitmanagement gut durch strukturiert. Selbstverständlich waren einige Wochenenden recht kurz, jedoch eher aus dem Grund weil man länger in einem schönen Moment verweilte und nicht weil ein Termin den anderen jagte.

Fazit: Wenn Steve „Zeitmanagement für Kids-fit in 30 Minuten“ gelesen beziehungsweise seine Mutter es ihm vorgelesen hätte, er wäre sicher nicht in dieses Situation gekommen! Wer nun denkt er benötigt für sein „Kid-2.0“ diese Buch um es auf die Zukunft vorzubereiten, bitte. Vermutlich wäre es jedoch viel effizienter, wenn wir den Kinder ihre Zeit lassen, um sich frei von Druck jeglicher Art zu entwickeln.

 




Madame Chérie: Das Leben nach dem Knast – Der steinige Weg zurück ins Leben

In ihrem neuen Buch »Madame Chérie« schreibt Andrea Mohr über ihre Zeit nach dem Aufenthalt im Deer Park Gefängnis in Melbourne/Australien. Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise durch ihr neues Leben, das sie seit der Entlassung aus der Haft 2004, und der anschließenden Rückführung nach Deutschland in ihrer Heimatstadt Neustadt an der Weinstraße lebt. Sie berichtet von der Schwierigkeiten, sich im normalen Leben, außerhalb der Gefängnismauern zurecht zu finden. So waren zum Beispiel die Aussichten mehr als bescheiden über das Jobcenter einen Arbeitsplatz zu finden, der mit ihrem Erfahrungsschatz der vergangenen zwanzig Jahre zu vereinbaren war. Somit versuchte sie aus eigener Kraft und mit legalen Mitteln den einst luxuriösen Lebensstil wieder herzustellen. Da für sie auf dem regulären Arbeitsmarkt keine geeignete Arbeitsstelle zu finden war, die diese Vision hätte Wirklichkeit werden lassen können, gründete Andrea einen Escort-Service mit dem Namen »Madame Chérie«. Sie schreibt, wie sie als Escort-Dame die verschiedensten Männer kennenlernt und mit ihnen mehr oder weniger lustvolle Nächte verbringt. Wie sie sich bei einem Verlag bewirbt und die Aufträge für zwei kulinarische Reiseführer erhält und das Buch »Pixie« schrieb, an dass das aktuelle Werk anschließt. Daneben findet ihr Familien- und Bekanntenkreis Erwähnung der anfangs den Erfolgsaussichten der Schriftstellerin Andrea Mohr skeptisch gegenüberstehen. Selbstverständlich darf Howard Marks nicht fehlen. Bereits zu ihrem ersten Werk hat er das Vorwort beigesteuert. Unschwer ist aus dem Buch Madame Chérie zu erkennen, dass Andrea ihm gegenüber zwischen Hass und Liebe, zwischen Wut und Hingabe hin und hergerissen ist.

Insgesamt beinhaltet das Buch die Geschichte eines nicht alltäglichen Lebensstils, der zudem von einer Frau in vollen Zügen ausgekostet wird, der man „so etwas“ nicht zutrauen würde. Andrea schreibt in ihrer eigenen Form und springt, für den Leser manchmal verwirrend, zwischen Erlebnissen aus der Familie, dem Beruf als Escort-Dame, ihrer Vergangenheit und Howard Marks hin und her. Hinzu kommt die Mischung aus deutscher Sprache und englischer Satzbauweise, die einen dazu veranlasst, manch einen Satz mehrfach lesen zu müssen. Alles in allem aber ein Buch, dass eine ungewöhnliche Geschichte beweist und die Stärke einer Frau hervorhebt, die sich als gefallener Engel aufgerafft hat, um aus der, von der Gesellschaft für solche Personen erschaffenen Abseitsposition wieder mitten ins Leben zu katapultieren. Mit Erfolg.

Wer das Buch Pixie gelesen hat, sollte Madame Chérie ebenfalls lesen. Wer beide Bücher nicht kennt und auf ungewöhnliche Biografien abseits von Glanz, Glamour und Gloria steht und zudem einen Blick hinter die Kulissen unserer schönen Scheinwelt werfen möchte, dem sind beide Werke zu empfehlen.

Um ihr neues Buch vorzustellen, trat Andrea im Dezember 2012 im KitKat-Klub, im Klub Zur Wilden Renate (Der Kreuzberger berichtete online) und im Insomnia auf.

Andrea Mohr wurde 1963 in Neustadt an der Weinstraße geboren. Lebte und studierte in den 90er Jahren in Berlin. Währenddessen arbeitete sie als Fotomodel, Hostess, Schauspielerin und Striptease Tänzerin. 1997 zog sie nach Melbourne/Australien. Dort wurde sie 1999 verhaftet und wegen dem Schmuggel von über fünf Kilo Kokain und der Organisation einer Kriminellen Vereinigung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Erlebnisse aus dieser Zeit finden sich in dem Buch »Pixie«.

Madame Chérie von Andrea Mohr

Erschienen im gONZo Verlag

ISBN: 978-3-9814439-8-1

Preis 12,99 Euro

300 Seiten




“Neukölln ist überall” – Das Buch von Heinz Buschkowskys (Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln) in Rezension

Mit dem Hintergedanken, mir auch endlich mal das Maul über ein von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommenes und von den Medien (zumeist negativ) kritisiertes Buch zu zerreißen, bestellte ich mir für eine Rezension das Buch »Neukölln ist überall«, von Heinz Buschkowsky, erschienen im Ullstein Verlag. Als ich das Paket mit dem vermeintlich brisanten Inhalt vom Postboten überreicht bekam, machte ich mich sogleich daran den Inhalt zu sezieren.

Nun, was soll ich euch schreiben. Ich fand nichts, absolut rein gar nichts, was irgendeinen Anlass geben könnte, dieses Buch als eine Ansammlung von Hirngespinsten, Unwahrheiten oder gar rassistischen Äußerungen zu bezeichnen. All denen, die sich das Maul zerrissen haben, kann ich nur unterstellen, sie haben das Buch nicht oder zumindest nicht aufmerksam genug gelesen oder sie leben völlig an der Realität vorbei und kennen den Bezirk Neukölln nur vom Hörensagen.

Das einzige Manko an diesem Buch, und darauf sind die meisten Kritiker angesprungen – vermutlich, weil es nichts weiter zu kritisieren gab – ist, dass Buschkowsky in seinem Bericht zur Lage der Nation eine Aufzählung vermissen lässt, die erfolgreiche Unternehmen darzustellen, gegründet von »n.d.H.-Bürgern und -Bürgerinnen«. Lediglich fünf Zeilen (S. 357) in dem 381 Seiten starken Buch widmet er diesem Thema.

Im Kern berichtet Buschkowsky über die Missstände in den Familien und den Bildungseinrichtungen sowie über die Hilflosigkeit der verschiedensten Gremien gegenüber familiären Strukturen und Traditionen.

Zunächst jedoch macht er Werbung für sein Neukölln. Er verweist auf erfolgreiche, weltweit anerkannten Unternehmen und ihre technischen Innovationen. Er zeigt geschichtliche, kulturelle und gesellschaftliche Höhepunkte seines Bezirks auf. Und er ist voll des Lobes über die Menschen, die diese Umstände zu schätzen wissen (ab S. 17) und – trotz der Probleme vor Ort – ihrer Heimat nicht den Rücken kehren.

Er schreibt über das Für und Wider von staatlichen Leistungen und er hält uns das wahre geistige Niveau (S. 303) sowie die wahre Gesinnung (S. 371) unserer Regierungselite vor Augen. Im Anschluss geht er dazu über aufzuzeigen, welche Erfahrungen er bei seinen Besuchen in anderen europäischen Städten gemacht hat, insbesondere bezüglich deren Umgang mit Schulschwänzern, Arbeitsverweigerern und intergrations- und anpassungsunwilligen Bürgerinnen und Bürgern.

Für die schulpflichtige Jugend ist ebenfalls der eine oder andere brauchbare Satz in dem Buch enthalten. Der für die SchülerInnen wohl ›nützlichste‹ Satz lautet: »Schule ist angeordnete Freiheitsberaubung« (S. 344). Mit dem Vermerk, dass dieses Zitat von Bürgermeister Buschkowsky persönlich stammt (auch wenn aus dem Zusammenhang gerissen), merke ich nicht ganz ernst gemeint an, dass einige SchülerInnen versuchen könnten, die Schulpflicht als gegenstandslos einzustufen.

Darüber hinaus hinterfragt Buschkowsky die Gerechtigkeit des Staates gegenüber »bio-Deutschen«, die bei jedem nicht einhalten der staatlichen Vorgaben – sei es beim Jobcenter oder im Straßenverkehr – mit Sanktionen zu rechnen haben, während bei integrations- und/oder lernunwilligen sowie kriminellen Personen jede Missachtung der Vorgaben folgenlos geduldet wird (S. 358). Diesbezüglich zitiert er einen Jugendrichter, der resigniert fragt: »Wie verrückt muss eine Gesellschaft sein, die noch Kindergeld für Kinder zahlt, die andere halb totgeschlagen haben und im Knast sitzen?« (S. 364).

Es gibt endlose Anmerkungen, die ich mir beim Lesen schriftlich festgehalten habe, um sie in diesen Bericht kommentiert mit einfließen zu lassen. Jedoch würde eine Behandlung dieser Kommentare den Rahmen sprengen, so dass ich nur punktuell und kurz auf einige Stellen in dem Buch eingehe.

In einigen, von ihm beschriebenen Fällen war ich nicht konform mit seinen Ansichten – vermutlich weil mir das Hintergrundwissen und seine Erfahrungswerte fehlen – in den meisten Fällen jedoch glaube ich den von ihm niedergeschriebenen Angaben. Zumal Buschkowsky sich auch auf die Erfahrungen von Personen bezieht, beziehungsweise diese in seinem Werk zu Wort kommen lässt, die in vorderster Front gegen die von ihm aufgeführten Probleme ankämpfen oder es zumindest versuchen. Darunter sind Polizisten, LehrerInnen, LeiterInnen von Bildungseinrichtungen sowie Amtskollegen aus dem Ausland, mit denen er im Erfahrungsaustausch stand.

Darüber hinaus lässt er seine Erfahrungen aus einem Treffen mit Thilo Sarrazin mit in das Buch einfließen.

Am Ende kann ich die Rezension mit einem Zitat aus dem Buch abschließen, welches den gesamten niedergeschriebenen Inhalt kurz und knapp an einer Frage fest macht: »Das Modell der Albert-Schweitzer Schule als Ganztagsgymnasium mit spezieller Sprachförderung kostet jährlich 220.000 Euro mehr als die übliche Schulform. Das ist der Gegenwert von fünf Jugendknastplätzen. Die Gesellschaft kann sich also entscheiden, ob sie fünf Knackis ernähren oder 690 Gymnasiasten zum Abitur führen will.«.

 

Fazit

Alle Menschen, die in Neukölln leben beziehungsweise die mit offenen Augen und Ohren durch das Leben gehen, kennen die in dem Buch beschriebenen Probleme oder haben sie im schlimmsten Fall selbst erlebt und benötigen deshalb die darin enthaltenen Informationen nicht wirklich. Für alle anderen ist »Neukölln ist überall« ein Werk, welches sich lohnt zu lesen, um zu begreifen, wie einige, sich in der Unterzahl befindliche Mitmenschen es schaffen, partiell das gesamte Wertegefüge des Systems ins Wanken, ja teilweise sogar zum Einsturz zu bringen.

 

»Neukölln ist überall«

Heinz Buschkowsky

ISBN 978-3-550-08011-1

Ullstein Verlag

Preis 19,99 Euro

www.ullstein.de




Lokalkrimi – „Der Weg des Bösen“, Horror aus Kreuzberg von Sybille Meyer

Lokalkrimis kommen gut an und werden immer öfters geschrieben und gelesen. Als Romane verbreiten sie sich seit den 90er Jahren schwunghaft und schaffen es längst bundesweit in die Bestseller-Listen. Inzwischen machen auch die Medien mit Lokal-Krimi-Hörbüchern und Verfilmungen gute Geschäfte. Nach dem gleichen Rezept hat die Berlinerin Sibylle Meyer einen lokalen Horror-Roman geschrieben. Ihr Erstlingswerk „Der Weg des Bösen“ spielt an bekannten und eindeutig benannten, realen Orten in Berlin. Vorwiegend – etwa zu 90 Prozent – in Berlin-Kreuzberg, der Rest in anderen Bezirken der Stadt.

Wie jemand, der sich 465 Seiten lange Horrorgeschichten ausdenkt, wirkt Sibylle Meyer auf den ersten Blick überhaupt nicht. Zum Interview kommt sie nicht etwa mit Gothic-Outfit und schwarz lackierten Fingernägeln, sondern in grüner Gärtnerkluft. Denn in erster Linie verdient sie als Landschaftsgärtnerin ihr Geld und hat inzwischen auch eine eigene Firma – einen kleinen Betrieb mit vier Leuten. Das Schreiben ist für sie nur ein Nebenberuf, aber ein sehr wichtiger.

Sibylle Meyer wurde 1960 in Kreuzberg geboren, ist hier aufgewachsen und hat auch lange hier gelebt. Mit dem Scheiben hat sie ganz früh angefangen: „Vermutlich als ich gelernt hatte, einzelne Buchstaben zu ganzen Sätzen zusammen zu setzen. Ich weiß noch, wie unsere Klassenlehrerin – es war wohl in der zweiten Klasse – mit uns zum ersten Mal in eine öffentliche Bücherei gegangen ist. Ich wusste sofort: Das ist meine Welt! Wenn ich alle Bücher, die ich in meinem Leben gelesen habe, im einem Haus zusammentragen würde, hätte ich wohl meine eigene öffentliche Bücherei.“

„Meine erste Geschichte, die ich dann auch eingesandt hatte, habe ich im Alter von zehn Jahren geschrieben. Sie handelte von einem kleinen Cockerspaniel und war etwa zwölf A4-Seiten lang. Natürlich ist daraus nichts Großes geworden, aber ich habe mein Leben lang weiter geschrieben. Erst Mal nur für mich, meine Familie und Freunde.“

Inzwischen hat Sybille Meyer noch ein Sachbuch veröffentlicht, über Haustiere aller Art, „alles, was vier Pfoten oder Flügel hat“, das ihr sehr wichtig ist. „Ich hatte mein Leben lang Tiere, immer waren es entweder ausgesetzte Tiere oder aber sie wurden einfach so mal weggegeben, weil man sie nicht mehr brauchte. Dagegen etwas unternehmen zu können, ist mein größter Wunsch.“

Gut möglich, dass ihr Buch jetzt im einen oder anderen Fall tatsächlich dazu beiträgt, dass der Mensch mit seinem Haustier besser umgeht und an Aussetzen oder Weggeben gar nicht mehr denkt.

Tierfreundin und Horror-Fan

Ihre Vorliebe als Leserin gilt aber schon lange der Horror- und Fantasy-Literatur. Lieblingsautoren sind Anne Rice, Marion Zimmer-Bradley und Wolfgang Holbein. Und der erste Roman, den sie 2009 über ‚Books-on-Demand‘ veröffentlicht hat – „Der Weg des Bösen“ – ist ihr erster eigener Horror-Roman. Ein Jahr Arbeit steckt in den 465 Seiten und das für Horrorbücher absolut ungewöhnliche Konzept, mit echten Schauplätzen, die die Autorin selbst gut kennt: Beginnend in der Yorckstraße und quer durch ganz Kreuzberg. Am Großen Stern kommt es schließlich zum Showdown von Gut und Böse: „Alles ist mit drin, allerdings vor 20 Jahren.“ Auch von der Grenzöffnung ist die Rede und von den Unruhen am 1. Mai, als es in Kreuzberg besonders hoch herging, mit rücksichtslosen Straßenschlachten zwischen Autonomen und Polizei.

Die Schauplätze sind also echt, die Personen frei erfunden. Nach bewährtem Strickmuster von Fernseh-Soaps kommen alle möglichen Berufs-, Alters- und Bevölkerungsgruppen vor – Multi-Kulti vom Schweden bis zum Inder, Professoren und Obdachlose, Homosexuelle und ungewollt Schwangere, Hausbesetzer, Punks, Skinheads und in den Hauptrollen ein sympathisches junges Pärchen und zwei markige Kommissare. Dazu kommt ein halbes Dutzend diverser Haustiere, denn ohne die geht bei Sibylle Meyer nämlich gar nichts. Auf der Gegenseite treiben, wie es sich für einen Horrorroman gehört, fiese Monster und Bestien ihr Unwesen, Leichen verschwinden auf unerklärliche Weise aus ihren Gräbern und parapsychologische Phänomene machen den Menschen im Allgemeinen und den Romanhelden im Besonderen das Leben schwer.

Ohne Risiken und Nebenwirkungen

Der Selbstversuch am zartbesaiteten Leser (also bei mir) hat gezeigt, dass man das Buch trotzdem ohne bleibende Folgen und sogar ohne Alpträume konsumieren kann.

Obwohl dauernd richtig schlimme Dinge passieren und innerhalb der ersten 100 Seite bereits elf Menschen auf brutale Art und Weise zu Tode kommen, ist das Grausige (zum Glück!) so unwahrscheinlich, dass man gar nicht in Versuchung kommt, so was im richtigen Leben zu befürchten.

Nervig ist es beim Lesen, wenn die Autorin stellenweise gar zu ausführlich die Befindlichkeiten ihrer Figuren beschreibt oder wenn Fehler im Text – grade dort, wo es besonders spannend wird – ablenken.

Alles in Allem bietet „Der Weg des Bösen“ jedenfalls viel Lesestoff und eine insgesamt klug gestrickte Story, die bis zum Schluss immer wieder für Überraschungen gut ist, ohne Risiken und Nebenwirkungen, besonders reizvoll für ortskundige Kreuzberger.

„Der Weg des Bösen“, Taschenbuch mit 468 Seiten, Verlag: Books on Demand
ISBN-10: 3837040054 und
ISBN-13: 978-3837040050,
erhältlich bei Amazon.
Leseprobe unter:
http://www.sibyllemeyer.de/leseprobe-1.html
Weiteres auf der Autorenseite von Sibylle Meyer bei Amazon.

Geschrieben von Jutta Wunderlich




“Empört Euch!” (Vorwort 18)

Von Zeit zu Zeit fallen mir Bücher in die Hände von deren Existenz ich ohne das Zutun meiner Umwelt vermutlich nie etwas erfahren hätte. So geschehen, vor einigen Wochen als mir die Streitschrift „Empört Euch!“ – von Stéphane Hessel in die Hände gegeben wurde. Trotz seiner relativ geringen Seitenzahl entwickelte es beim Lesen die volle Kraft der Worte, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Das nun Folgende, sind Auszüge aus dem Text, die aus meiner Sicht so aussagekräftig und gehaltvoll sind, dass derer von meiner Seite aus nichts mehr hinzuzufügen gibt und ich mich respektvoll vor den Worten verneige, deren Aussagekraft, das vorangegangene sowie den Rest der Zeitung als Pamphlet der Belanglosigkeit erscheinen lassen. Nun gebe ich zum ersten Mal in der Geschichte vomKreuzberger das Vorwort ab an:

Stéphane Hessel, 93, geboren in Berlin, Widerstandskämpfer der französischen Résistance (Freies Frankreich), Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, Botschafter Frankreichs bei den Vereinten Nationen in Genf.

„Wir, die Veteranen der Widerstandsbewegung und der Kampfgruppe des Freien Frankreich, rufen die Jungen auf, das geistige und moralische Erbe der Résistance, ihre Ideale mit neuem Leben zu erfüllen und weiterzugeben. Mischt euch ein, empört euch! Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die Intellektuellen, die ganze Gesellschaft dürfen sich nicht kleinmachen und kleinkriegen lassen von der internationalen Diktatur der Finanzmärkte, die es so weit gebracht hat, Frieden und Demokratie zu gefährden“ (Quelle: Stéphane Hessel, Empört euch!, S.9)

Wenn es schon so weit ist, das ein 93-jähriger Veteran die Jugend zu mehr Verantwortung aufruft sollte dies jedem/r zu denken geben. Damit nicht genug es geht noch weiter.

„Wir müssen begreifen, dass Gewalt von Hoffnung nichts wissen will. Die Hoffnung ist ihr vorzuziehen – die Hoffnung auf Gewaltlosigkeit. Das ist der Weg, den wir einschlagen müssen. Wenn es gelingt, dass Unterdrücker und Unterdrückte über das Ende der Unterdrückung verhandeln, wird keine terroristische Gewalt mehr erforderlich sein. Deshalb darf man nicht zulassen, dass sich zu viel Hass aufstaut“ (Quelle: Stéphane Hessel, Empört euch!, S.19)

Streitschrift von Stéphane Hessel
Titel Empört euch!
Ullstein Buchverlag GmbH
ISBN 978-3-550-08883-4
29 Seiten
Preis 3,99 €




PIXIE – Andrea Mohr im Interview

Wer sich den Kreuzberger regelmäßig zu Gemüte führt weiß, daß Andrea Mohr vor ein paar Monaten gemeinsam mit Howard Marks im Kit Kat Club mit der Show „Pixie meets Mr. Nice“ zu Gast war. Da mich ihre Show, die hauptsächlich ihr Leben als Schmugglerin behandelte, sehr beeindruckt hat, bin ich erfreut darüber euch diese Frau und ihr facettenreiches Leben vorstellen zu dürfen und ihr in einem Interview einige Fragen dazu sowie zu ihrem neuen Buch „Pixie“ stellen durfte.

Zunächst möchte ich euch einen kurzen Überblick zu ihrem Leben verschaffen.

Andrea Mohr kam am 19. Juli 1963 in Neustadt an der Weinstraße zur Welt. Dort besuchte sie die Grundschule und absolvierte ihr Abitur. Im Anschluß daran besuchte sie sie zur Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin die Abendschule „Inlingua“ in Mannheim. 1985 begann sie an der Freien Universität Berlin ein Studium in Japanologie und Amerikanistik. Fest nach Berlin gezogen ist sie dann allerdings erst 1986.

Von da an arbeitete sie regelmäßig in verschiedenen Cabarets der Stadt als Stripteasetänzerin. Zwischendurch verdiente sie ihr Geld auch als Fotomodel und Hostess. Diese beiden Berufe brachten sie in ferne Länder wie Tokio, Kyoto und Los Angeles. 1996 kehrte sie Berlin endgültig den Rücken und zog gemeinsam mit ihrem damaligen Mann nach Australien in die Stadt Melbourne.

Ab diesem Zeitpunkt beherrschten die Drogen ihr Leben in allen Belangen. Nicht nur, dass sie Drogen jeder Art konsumierte, nun war sie mit in das Geschäft um das schnelle Geld eingestiegen und organisierte den Handel mit der begehrten Ware. Für die Lagerung des damit verdienten Geldes hatte sie extra eine Wohnung angemietet, von deren Lage nur sie selber Kenntnis hatte. Es hätte alles so gut weiterlaufen können. Hätte. Wenn da nicht die „Spielverderber“ der Staatsmacht, genauer gesagt die Mitarbeiter der Drogenfahndung gewesen wären. Diese observierten Andrea Mohr und ihr geschäftiges Treiben und am Ende musste sie für fünf Jahre in ein australisches Gefängnis einwandern.

Verurteilt wegen der Mittäterschaft bei der Einfuhr von 5,5 Kilogramm Kokain. Nachdem sie ihre Strafe abgesessen hatte, wurde sie 2004 nach Deutschland ausgewiesen. Sie lebt seitdem wieder in ihrer Heimatstadt Neustadt an der Weinstraße. Sie arbeitet als Freie Autorin und hat Bücher wie „Trends und Lifestyle in Berlin“, „Kulinarische Entdeckungsreise durch Niederösterreich“ und „Eine Weinreise durch die Pfalz“ geschrieben.

Sie veröffentlichte eine Reihe von Kurz-geschichten, von denen zwei auch ihren Weg in das Buch von Howard Marks, „Tripping“, fanden.

Ihr neuestes Werk, dass am 5. Januar 2011 erscheint hat ihren Spitznamen „Pixie“ zum Titel. In Australien ist es bereits seit Juli 2009 auf dem Markt und gehört dort landesweit zu einem der meistverkauften Bücher. Glück für uns, denn somit entschied sich Andrea das Werk ins deutsche zu übersetzen und somit auch uns zugängig zu machen. „Pixie“ – handelt von ihrer Zeit als Drogenschmugglerin. Die Haftzeit im australischen Frauengefängnis und von der Polizeikorruption in Melbourne.

Nun fragt man sich unweigerlich, was eine Frau zu so einem Leben bewegt hat und wie sie rückblickend auf das Geschehene ihre Zukunft sieht. Ob es wirklich nur die 5,5 Kilo Kokain waren die durch ihre Hände gegangen sind und andere Fragen zu ihrer Person, kläre ich nun im Interview mit Andrea Mohr.In Deinem Buch „Pixie“ schreibst Du sehr ausführlich über Dein Leben mit Drogen.

Wann hattest Du den ersten Kontakt mit bewußtseinserweiternden Substanzen?

Andrea: „Mit 14 Jahren habe ich meinen ersten Joint auf dem Schulhof geraucht“ und fügt lachend an: „Fortan habe ich mit den anderen fast in jeder Pause gekifft. Es war auch die Zeit, wo wir alle gerne Hippies gewesen wären. Als ich 16 war, sind wir mit dem Auto durch Frankreich gefahren, haben hier und dort gecampt, vieles konsumiert und haben einfach eine schöne Zeit gehabt.“

Du hast 10 Jahre in Berlin gelebt. Wo hast Du gewohnt und in welchen Cabarets hast Du gearbeitet?

Andrea: Am Anfang habe ich in Charlottenburg gewohnt. Als ich dann Carl kennen- gelernt habe bin ich mit ihm zusammen nach Schöneberg in die Naumannstraße gezogen. Gearbeitet habe ich unter anderem in einem Cabaret in der Martin-Luther Straße, ebenfalls in Schöneberg.“

Du hast durch Deine Arbeit viel von der Welt gesehen. Kannst Du sagen wo es Dir auf Deinen Reisen am besten gefallen hat?

Andrea: „Das ist schwierig so genau fest-zulegen. Aber ich würde sagen Südameri-ka hat mich sehr beindruckt und dort insbesondere Chile, ansonsten hat der Asiatische Raum seinen Reiz.“

Wie bist Du in das Geschäft mit dem Drogenhandel reingerutscht?

Andrea: „Ich hatte schon immer das Talent die richtigen Leute kennen zu lernen. Auf meinen Reisen als Fotomodel und Hostess habe ich viele Länder gesehen und noch mehr interessante Leute getroffen. Man sitzt in einer Bar, kommt mit einigen Leuten ins Gespräch und schon war wieder ein neuer Kontakt entstanden. So kam dann auch der Einstieg ins Drogengeschäft zustande. Ich lernte in einer dieser Bars einen Mann kennen, unterhielt mich eine Weile mit ihm und kurze Zeit später waren die ersten Kilos Kokain unterwegs. Später, als beiderseitiges Vertrauen vorhanden war, wurden die Mengen immer größer.“

Kannst Du Angaben zu den Mengen machen, die Du damals geschmuggelt hast?

Andrea: „Nein, nur soviel, es waren keine geringen Mengen.“

Hast Du aus rein finanziellen Gründen angefangen mit Drogen zu handeln oder gab es für Dich auch einen ideologischen Hintergedanken bei der Sache?

Andrea: „Selbstverständlich war der Verdienst auch ausschlaggebend. Wodurch verdient man sonst so schnell, so leicht soviel Geld? Aber ich war und bin für die Legalisierung sämtlicher Drogen. Jeder Mensch sollte für sich selbst entscheiden können was er konsumieren möchte, ohne sich dabei strafbar machen zu müssen. Zudem fördert ein Verbot die Kriminalität und Machtkämpfe um die Vorherrschaft im Geschäft. Desweiteren wird der Stoff, bis er den Endverbraucher/Konsumenten erreicht mehrfach gestreckt, sodaß am Ende nur noch 30 Prozent der ursprünglichen Droge und 70 Prozent an irgendwelchen Zusatzstoffen/Streckmitteln enthalten sind, was die Gesundheit unnötig gefährdet. Und das Thema zu tabuisieren ist nicht gerade zuträglich für die Aufklärung um den „Mythos“ Droge. Das Alkoholverbot in den USA hat seinerzeit gezeigt, wohin solche Restriktionen führen.“

Wie hast Du das Geschaft mit den Drogen aus Deiner Sicht erlebt?

Andrea: „Es war ein ständiges Katz und Maus Spiel mit den Behörden. Man selber versuchte die Ware sicher von A nach B zu bekommen. Dabei war man immer wieder auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, das Geschäft sicher über die Bühne zu bringen. Wenn eine Route aufgeflogen ist, mußte für den nächsten Deal eine neue Lösung gefunden werden. Es war enorme Kreativität gefragt aber einen Weg gab es immer.“

Wie lief so ein Geschäft ab?

Andrea: „Die Deals waren gut organisiert. Die Kolumbianer haben die Ware bis an die Elfenbeinküste geliefert und ich habe sie von dort, meistens per Schiff, nach Australien weitergeleitet.“

Fällt Dir eine lustige, unglaubliche oder eine brenzlige Situation ein, die Du erlebt hast?

Andrea: „Einmal saß ich mit meinem kolumbianischen Freund, mit dem ich die meisten meiner Kokain Geschäfte abgewickelt habe, an der Elfenbeinküste in Benin in einem Art Apartement. Wir trafen uns immer irgendwo auf der Welt, wie in Aruba, in Los Angeles, Quito, Hawaii.Im Apartement gab es zwei Räume, der eine war ausgestattet mit einem Tisch und ein paar Stühlen, nebenan war ein Schlafzimmer, das eingerichtet war wie ein Hotelzimmer. Als ich mit meinem Freund am Tisch saß, bemerkte ich diese Stapel mit Kosmetiktüchern, total verpackt, also industriell verpackt, ungeöffnet. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er eine Allergie hatte, bei der man so viele Taschentücher bräuchte, oder einen Mörder-Schnupfen oder so. Ich fragte ihn, ob er nun in den Handel von Kosmetiktüchern eingestiegen wäre. Er lachte und sagte, dies sind 250 Kilo Kokain, bereit um morgen verschifft zu werden.

Für den Bruchteil einer Sekunde schoss mir der verwegene Gedanke durch den Kopf in Afrika neben 250 Kilo Kokain verhaftet zu werden.

Als wir ins Schlafzimmer gingen, wo er mir einen Koffer gab der präpariert war um Geld zu schmuggeln, öffnete er den Kleiderschrank und 100$ Noten fielen uns entgegen und erschlugen uns beinahe. Er entschuldigte sich, aber er kann das Geld nicht so schell waschen, wie es kommt.

Ach da fällt mir ein: Wie stellst du dir einen kolumbianischen Gangster vor?

Man sieht doch so einen dunkelhäutigen Typ vor sich mit nacktem Oberkörper, die Waffe hängt lässig über der Schulter, heißen Salsa tanzend, stimmts?

Mein kolumbianischer Freund schaute immer aus wie der perfekte Geschäftsmann.Mein Freund trug einen Anzug und ein Hemd, immer frisch gebügelt.“

Wo wir gerade bei Vorstellungen sind. Ich kann mir vorstellen, das Du es als Frau in einer typischen Männerdomäne nicht immer einfach hattest.

Andrea: „Im Gegenteil, in dem Geschäft war es als Frau in gewissen Situationen einfacher für mich. Mit den Geschäftspartnern gab es nie Probleme deswegen, ich wurde immer mit Respekt behandelt.“

Wie ist die Drogenfahndung damals auf Deine Spur gekommen?

Andrea: „Mein damaliger Mann Werner war ein Freund von Andrew Fraser. Andrew Fraser war ein Staranwalt aus Melbourne, der viele Größen aus der Unterwelt erfolgreich verteidigt hat. Dadurch war er den Behörden natürlich ein Dorn im Auge und sie überwachten ihn. Bei einem Besuch meines Mannes bei ihm, hörten die Beamten jedes Wort ihres Gesprächs und die währenddessen auftretenden und für den Kokainkonsum typischen Geräusche mit. Die Beamten haben Verdacht geschöpft und sich gesagt, den schauen wir uns auch mal näher an. Seit diesem Zeitpunkt standen wir und somit auch mein Geschäft unter staatlicher Überwachung und endete mit meiner Verhaftung.“

Wie hast Du die Haftzeit erlebt?

Andrea: „Ich war für fünf Jahre im Hochsicherheitsgefängnis als High Profile Fall im schlimmsten Gefängnis für Frauen in Victoria im Dame Phyllis Frost Center, unter Häftlingen als Deer Park bekannt, inhaftiert. Nach zwei Jahren hinter Gittern, als ich endlich verurteilt worden war, begann ich mein Studium in „Creative writing“ (kreatives Schreiben, Anm. d. Red.). Ich war eine der ersten Frauen, die um die Erlaubnis kämpfte, über Fernkorrespondenz im Gefängnis zu studieren. Ich entwickelte im Gefängnis unter anderem ein Peerworker Programm, eine Gemeinschaft von Häftlingen die versuchten das Leben hinter Gittern weniger brutal und unmenschlich zu machen. Denn bis dahin war der Gefängnisalltag mit Drogen, Überdosis, Selbstmord und Schlägereien übersät.“

Sind Dir Freunde aus Deiner Zeit des Drogenhandels geblieben?

Andrea: „Nein, aus dieser Zeit bestehen keine Kontakte mehr.“

Gibt es etwas was Du bereust oder würdest Du alles noch einmal genauso machen?

Andrea: „Das Einzige was ich wirklich bereue ist, daß ich meinen Eltern mit einem Teil meines Lebens viel Kummer und Sorge bereitet habe. Alles andere ist wie es ist und da bereue ich auch nichts.“

Wie gehen Deine Eltern und Dein Umfeld heute mit Deiner Vergangenheit um?

„Meine Eltern haben die ganze Zeit zu mir gehalten und an meiner Seite gestanden. Dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. Als ich damals verhaftet wurde haben sie aus Deutschland alles in die Wege geleitet um mir Unterstützung zukommen zu lassen. Das mein Buch nun auch in Deutschland auf den Markt kommt macht sie stolz und das freut mich natürlich.“

Kannst Du kurz umreißen worum es in Deinem Buch geht?

„Pixie“ erzählt von einer Welt, die nur wenige kennenlernen. Mein Lebenslauf öffnet dem Leser die Augen, führt ihn in eine Welt des Drogenschmuggels, Hostessen, Geldwäsche und anderen kriminellen Machenschaften. Ich erzähle darüber wie ich im großen Stil weltweit operierte und berichte ehrlich aus meinem teilweise glamourösen Leben. Auf Reisen rund um die Welt, traf ich prominente Personen wie Danny de Vito oder Michael Leeson.

Hat Deine kriminelle Vergangenheit heute noch Auswirkungen auf Dein Leben?

Andrea: „Ich darf nicht mehr nach Australien einreisen. Wie es mit anderen Ländern wie Amerika oder China aussieht, kann ich dir nicht sagen. Aber die haben sich ja auch bei diesem Thema immer etwas engstirnig. Ansonsten habe ich keine Nachteile, die mich beeinträchtigen würden.“

Hast Du noch einen Koffer in Berlin oder anders gefragt, hast Du hier noch Freunde aus Deiner Berliner Zeit und besuchst Du noch ab und zu die Hauptstadt?

Andrea: „Ja, ab und zu schaue ich bei Freunden vorbei und auch in der nächsten Zeit werde ich wohl öfter in Berlin sein um mein Buch zu präsentieren.“

Denkst Du manchmal darüber nach wie Dein Leben anders hätte verlaufen können?

Andrea: „Ja klar, solche Momente gibt es bei mir. Ich glaube, jeder stellt sich zwischendurch die Frage, was wäre wenn? Zum Beispiel als ich damals schwanger war und abgetrieben habe, das geht mir heute schon noch ab und zu durch den Kopf.“

Wie hast du Howard Marks kennengelernt?

Andrea: „Januar 2008 fand ich seine Website im Internet, schrieb ihn an, da seine Biographie der meinen so ähnlich ist. Dann schickte ich ihm einige meiner Kurzgeschichten. Die fand er toll, wählte zwei für sein neues Buch „Tripping“. Daraufhin im April 2008 lernten wir uns kennen als er nach Mannheim kam zu Besuch. Wir sind Freunde und treffen uns ab und zu. Er ermunterte mich immer wieder, mit demSchreiben weiter zu machen. Das gab mir den Mut mein Manuskript für „Pixie“ an Hardie Grant Books zu schicken. Ich denke man kann sagen, dass Howard mich entdeckte. Als mein Manuskript fertig war, also lektoriert, da habe ich es ihm geschickt und er fand es brillant, gab mir den Kommentar für den Einband. Wir standen auch schon einige Male zusammen auf der Bühne in „Pixie meets Mr Nice“.

Wie sieht Deine Zukunft aus?

Andrea: „Ich kann so langsam von den Einnahmen die ich als Schriftstellerin habe, meinen Lebensunterhalt bestreiten. Ich werde also versuchen meine Arbeit als Autorin weiter auszubauen.Von Januar bis März bin ich unterwegs um mein Buch vorzustellen. Desweiteren plane ich mit meiner Show „This is not a Striptease“ im nächsten Jahr auf Tournee zu gehen, sodaß ich derzeit recht optimistisch bin, was meine Zukunft angeht.“

Ich danke dir für das Interview und wünsche Dir viel Erfolg mit Deinem Buch „Pixie“.Die Internetseite von Andrea Mohr mit weiteren Informationen, Bildern sowie einigen Mitschnitten von Abhörprotokollen der Drogenfahndung aus ihrer Observation findet ihr unter:

www.andreamohr.de

Titel: Pixie. Vom Drogen-Jetset in den Frauenknast. Mein Leben.
Autor: Andrea Mohr
im Deutschen gebunden mit Schutzumschlag
Paperback in English
Seiten: ca. 320 (English 368)
Originaltitel: Pixie
Originalverlag: Hardie Grant Publishing
Deutscher Verlag: VGS Egmont
ISBN: 978-3-8025-3742-4
Erscheint in Deutschland: 05. Januar 2011
Preis: 19,99 €




Howard Marks – Dopestorys über Señor Nice im KitKat Club

Nur dem Zufall war es zu verdanken, dass ich von Howard Marks und seinem bevorstehenden Auftritt im KitKat Club erfuhr. In der Klatschpresse las ich einen achtzeiligen und gut versteckten Text der auf dieses Ereignis hinwies. Da ich zufälligerweise gerade an einer Buch-vorstellung von “Dope Stories” und “Señor Nice” saß, fügte sich die Möglichkeit, den Autor persönlich kennenzulernen, in meine Arbeit optimal ein. Komisch ist es aber schon, dass selbst der Verlag, mit dem ich seit längerer Zeit aufgrund des Berichtes in Kontakt stehe, mich nicht auf diesen Termin hingewiesen hat.

 

Zur Person:

Howard Marks (65), war in den ´70 und ´80 Jahren im großen Ausmaß dafür verantwortlich, dass Marihuana und Haschisch die Konsumenten weltweit erreichte. Von den Anbaugebieten in Asien, Südamerika und Pakistan schmuggelte er in seinen Glanzzeiten bis zu 50 Tonnen, der von staatlicher Seite her verbotenen Pflanzenteile, mit Hilfe von Flugzeugen und Frachtschiffen, quer über den gesamten Globus zu den Abnehmern in Australien, Amerika und Europa. Seit der Verhaftung und einer mehrjährigen Haftstrafe in einem amerikanischen Gefängnis ist aus dem ehemals erfolgreichen Drogenschmuggler ein nicht minder guter Schriftsteller und Unterhaltungskünstler geworden.

Dieser ehrenwerte Mann, der früher unter anderem als “Mr. Nice” seine Geschäfte abwickelte, besuchte am 17.07.2010 unserer Stadt um über seine Erlebnisse und die Erfahrungen die er im Zusammenhang mit seinem Beruf als Drogenschmuggler gemacht hat zu berichten.

Mit Kamera, Aufnahmegerät und jeder Menge Vorfreude auf diesen viel versprechenden Abend begab ich mich in Richtung Veranstaltungsort. Da ich schon reichlich spät dran war, hatte ich Bedenken noch eine Eintrittskarte zu bekommen. Ich kam, unter dem Einfluss von der in meiner Vorbereitungszeit auf dieses Ereignis eingenommenen Substanzen, am Ort des Geschehens an und war……der 1! Wie konnte das sein? Der Veranstalter hatte in der Hoffnung, dass sich weitere Zuschauer einfinden würden, um den Worten des Meisters zu lauschen, den Beginn der Veranstaltung um 30 Minuten auf 21:30 Uhr verschoben. Ich nutzte die Zeit des Wartens sinnvoll und brachte eine weitere Dosis der bewußseinsverändernden Substanz in meinen Körper ein und ließ mich auf einem der noch leider zahlreich freien Plätze nieder. Und so waren es sechs Leute die sich im kleinen Kreis um Howard scharten um seinen Auftritt zu verfolgen. Mit einer kurzen Begrüßung der Anwesenden durch Howard und seiner durchaus charmanten Begleitung Andrea Mohr, die an diesem Abend ebenfalls aus ihrem Leben berichten sollte, begann der Abend.

Einleitend wurde ein Film mit Interviews von DEA-Agenten und anderen Personen, die ihn über Jahre hin verfolgten und schließlich auf Mallorca fest-nahmen, gezeigt. Anhand dieser Aus-sagen wird deutlich, wie geschickt er es verstand, sein Spiel mit den Behörden zu treiben. Der nachfolgende Auftritt baute auf den zuvor gezeigten Beitrag auf und ergänzte ihn durch weitere Informationen. Im Wechsel mit Andrea Mohr, die an diesem Abend über ihre eigenen Erfahrungen im Drogengeschäft berichtete, sprach Howard über sein abenteuerliches Leben, in dem er unter anderem als MI6-Agent gemeinsame Sache mit DEA-Agenten, IRA-Kämpfern und der Mafia machte.

Was ich persönlich am bemerkenswertesten fand und was Nachahmer bei ihren Planungen bedenken sollten, dass Howard ausdrücklich auf sein unermessliches Glück, das er in seinem bisherigen Leben und insbesondere bei der Arbeit als Schmuggler hatte, hingewiesen hat.

Um nur einige Beispiele zu nennen: Er hat sein Studium in Physik erfolgreich beendet, danach erfolgreich Drogen gehandelt und mit noch mehr Erfolg geschmuggelt. Kam, als er er-wischt wurde, vor Gericht damit durch, im Auftrag des englischen Geheimdienstes gehandelt zu haben und musste einige Jahre später in Amerika, zu 25 Jahren verurteilt, nur sieben Jahre davon absitzen. Völlig mittellos nach England abgeschoben, bekam er das Angebot sein erstes Buch “Mr. Nice” zu schreiben. Die Auftritte bei den Werbeveranstaltungen für seine Bücher waren so erfolgreich, dass er fortan auch als Unterhaltungskünstler mit seiner Show sein Geld verdiente. Ob es immer nur Glück oder nicht doch hier und da auch mal der richtige Kontakt im Spiel war, hat er nicht verraten.

Und damit Howard auf seine alten Tage auch in Zukunft nicht auf seinen “Guten-Morgen”-Joint verzichten muß, komme ich nun zum eigentlichen Grund dieses Berichtes. Mit “Dopestories” und “Señor Nice” sind nämlich vor einiger Zeit zwei weitere Werke erschienen, die ich euch an dieser Stelle kurz vorstellen möchte.

Das Buch mit dem fast zu erwartenden und passenden Titel “Dope Stories” behandelt Themen wie das amerikanische Knastsystem, was man darüber wissen sollte und was man dort lernt. Ich vermute, die meisten von euch haben noch keine Erfahrung mit den Sitten und Gebräuchen in Gefängnissen gemacht. Sollte sich dies im Laufe eures Lebens jedoch einmal ändern, bietet euch dieses Kapitel nützliche Tipps und Informationen für das korrekte Verhalten hinter Gittern. Des Weiteren findet ihr Ratschläge, wie man als Drogenhändler spurlos verschwindet. Vermutlich wurden diese Tipps mehrfach vom Meister persönlich auf ihren Erfolg hin getestet und über die Jahre, die er auf der Flucht war, perfektioniert. Kurz und knapp berichtet er auch über die schlimmsten 10 Sekunden seines Lebens. Sein Einsatz für die Legalisierung von Marihuana und die Aufklärungsarbeit zu diesem Thema, die er durch seine Bücher und Auftritte leistet, kommt genauso zur Geltung wie seine zahlreichen Reise-berichte aus den unterschiedlichsten Ländern wie Dänemark, Brasilien, Estland und Israel.

Zudem haben einige Gastautoren ihren Beitrag zu diesem Buch geleistet und Texte der Literaten Charles Baudelaire und von William S. Burroughs finden ihre Erwähnung. Kurzum findet man auf den 179 Seiten über dreißig Kurzgeschichten die fast alle irgendwie mit Drogen zu tun haben und sei es nur deshalb weil Howard darin vorkommt.

Fazit: Die Thematik des Buches ist klar vorgegeben und man bekommt, was man erwartet. Auszüge aus dem Leben eines, an erlebten Abenteuern, reichen Mannes. Es ist gut geschrieben und noch besser zu lesen, so dass ich nach wenigen Stunden, die es dauerte, das Buch in sich auf zu saugen, feststellte: Schade, das war´s schon!?

Die Endtäuschung währte nicht lang, denn schließlich gab es da ja noch ein weiteres Buch, das darauf wartete gelesen zu werden.

Das Werk mit dem Titel “Señor Nice” ist die Fortsetzung der erfolgreichen, in fünf Sprachen übersetzten und weltweit über 750000 mal verkauften Autobiographie von Howard Marks, die 1996 unter dem Namen “Mr. Nice” veröffentlicht wurde. Das Buch schließt nahtlos an diesen Bestseller an und Howard Marks bekräftigt mit dem zweiten Teil zu seinem Leben, den Ruf als intelligenter und unterhaltsamer Schriftsteller.

Er berichtet über die Jahre 1996 bis 2006. Die Zeit nach seiner Karriere als Schmuggler und die ersten Jahre in Freiheit. Seine ersten Schritte im Showgeschäft verlaufen erfolgreich und das Rahmenprogramm bei diesen Auftritten bietet hier und da Ereignisse, die Howard mit in die Geschichten einfließen lässt. Er schreibt über die Kandidatur für die “Legalize Cannabis Party” zum britischen Unterhaus und die dafür notwendigen Auftritte in Pub´s, Club´s, Bordellen und anderweitig skurrilen Orten an denen er Werbung für die Partei machte.

Interessante Einblicke in seinen Familienstammbaum bietet die von ihm intensiv betriebene Ahnenforschung. Diese ließ er auch bei seinen zahlreichen Aufent halten in den verschiedensten Ländern, nie außer Acht und brachte Unglaubliches zu Tage. Auf der Suche nach Spuren seiner walisischen Vorfahren bereiste er unter anderem Länder wie Panama, Jamaika, und Brasilien. Er folgte Hinweisen, die ihn auf die Spur von Henry Morgan, dem berüchtigsten Piraten der Karibik, brachte.

Er trifft auf seinen Reisen die unterschiedlichsten Leute an den unwirklichsten Orten dieser Welt. Zu den prominentesten Personen zählen dabei zum Beispiel Jimmy Page, Sean Penn und weitere Größen der Promiszene. Andere Begegnungen mit völlig unbekannten Personen, die er bei seinen Aufenthalten in den verschiedensten Ländern kennen lernte, waren von von nicht minder interessanter Natur.

Von Jamaika berichtet er über ein abgefahrenes Open-Air Konzert mit Musikgrößen aus der Region und schreibt ausführlich darüber, wie er den Tod vor Augen, auf einem Traktor durch den Dschungel rast.

Ihr erfahrt warum Howard Marks auf die Schweizer Behörden, denen er stets positiv gegenüber eingestellt war, einen starken Gram hegt. Hingegen ist er von den mexikanischen Behörden, die ihn bei seiner Einreise in das Land zu einer “Autogrammstunde” zwangen, stark begeistert.

 

Fazit:

Das Buch “Señor Nice” bietet nicht die gleich hohe Spannung wie das Buch “Mr. Nice”. Doch an Witz und Provokationen mangelt es in seinen Geschichten auch diesmal nicht. Für jeden, der das erste Buch gelesen hat, ein absolutes Muss.

 

Bezugsquellen

Erschienen sind die beiden Bücher “Dopestories” und “Señor Nice” im Edition Steffan Verlag und sind in jedem gut sortierten Buchladen zu finden oder aber zu bestellen. Auch der Hanfshop eures Vertrauens kann euch bestimmt bei der Beschaffung dieser Lektüren behilflich sein. Ihr könnt euch auch direkt an den Verlag wenden,

Edition Steffan Verlag

Hansaring 145-147

D-50670 Köln

Tel.-Nr.: 02 21/ 73916 73

www.edition-steffan.de

Dope Stories ISBN: 3-923838-55-7

Preis: 9,90€/180 Seiten

Señor Nice ISBN: 3-923838-54-9

Preis:14,90€/345Seiten