Südafrika – Eine Rundreise

Südafrika Eindrücke einer Rundreise
Auf eigene Faust und entgegen aller Warnungen
22.03. – 11.04.2018

Diese Fernreise war nicht meine erste auf einen anderen Kontinent und nicht die erste, in eine andere Kultur. Doch es war meine erste Reise auf einen Kontinent, auf dem mancherorts die Rassenproblematik zwischen Schwarz und Weiss noch immer den Alltag beeinträchtigt. Hinzu kamen warnende Erzählungen, denen nach man, in der Annahme sein musste, an jeder Ecke des Landes der Gefahr ausgesetzt zu sein, überfallen zu werden. Zudem war von manipulierten Geldautomaten, Taschendieben und Schwarzmarkthändlern die Rede, die wertvolle Euro-Banknoten zu einem unwiderstehlichen Wechselkurs in wertlose 200-Rand-Fälschungen eintauschten. Meine Recherchen bestätigten das Gesagte zum Teil. Die Reisewarnungen vom Auswärtigen Amt und die Statistiken sprachen für eine erhöhte Gefahrenlage. Südafrika liegt mit 33 Morden pro 100.000 Einwohner laut Statista.com auf Platz 8 der Weltrangliste. Kapstadt ist laut travelbook.de auf Platz 15 angesiedelt, wenn es um die weltweiten Mordraten geht. Am Ende, das darf ich vorweg nehmen, bestätigte sich, was die Kriminalität betrifft, nichts von all dem. Vermutlich auch aus dem Grund, dass wir uns an bestimmte Spielregeln gehalten haben. Bestätigt hingegen haben sich die Warnungen zur Situation im Straßenverkehr. Dazu gehe ich im weiteren Verlauf aber noch ausführlicher ein.

Die Planung sah zunächst vor, Durban und dann das Land im südlichen Bereich so gut wie möglich zu erkunden. Was hieß, dass wir eine Rundreise mit dem Auto von Durban entlang der Garden Route bis nach Kapstadt und von Kapstadt durch das Landesinnere wieder zurück nach Durban vorsahen. Der Verlauf der Route war einfach. Von Durban nach Kapstadt würden wir uns, bis auf die Straßen zu den, an der Strecke gelegenen Ortschaften in denen wir übernachten würden, ausschließlich auf der Autobahn N2 befinden. Auf dem Rückweg durch das Landesinnere führte uns die N1 zunächst von Kapstadt bis hinter Bloemfontein nach Winburg und von dort an die N5 bis Harrismith und die N3 von dort aus bis direkt nach Durban. Im Anschluss an diese Tour war ein Besuch in einem der beiden staatlichen Safari-Parks in Santa Lucia angedacht. Sicher ob wir das alles in der kurzen Zeit bewältigen konnten waren wir uns jedoch nicht.

Selbstverständlich bietet Südafrika mehr, als nur die, in diesem Bericht aufgeführten Sehenswürdigkeiten und Abenteuer. Diese hier aufzuführen, würde den Rahmen jedoch sprengen. In dieser Hinsicht Interessierte sei der Lonely Planet Reiseführer Südafrika, Lesotho & Swasiland von Mairdumont GmbH & Co. KG empfohlen. Das Buch erschien 2016 und ist sehr umfangreich. Jedoch vermisst man eine Landkarte von Südafrika (Faltplan für Kapstadt liegt bei), was die Arbeit mit Kartenmaterial erschwert. Uns blieben 18 Tage, um uns einen Eindruck von Südafrika zu verschaffen. Von Berlin aus flogen wir mit der Fluggesellschaft Turkish Airlines nach Istanbul und von dort aus weiter nach Johannesburg. Der Bordservice der Fluggesellschaft war gut und dank der umfangreichen Medienauswahl an Filmen und Dokumentationen, verlief die Zeit buchstäblich wie im Flug. Jedoch sei großen Menschen empfohlen die 65 Euro Zusatzgebühr für einen Sitzplatz (Standardabstand mindestens 78 cm) mit mehr Beinfreiheit zu investieren (bis 116 cm). Spätestens bei 2,00 cm Körpergröße und 12 Stunden Flugzeit hört der Spaß auf.

1. TAG – FREITAG

Strecke: Johannesburg nach Durban (568 Km ca. 6 Stunden) N3

Nach zwanzig Stunden Anreise, landeten wir um 11 Uhr Ortszeit in Johannesburg und durchliefen vor der offiziellen Einreise in das Land den Gesundheitscheck. Per Scann wurde die Körpertemperatur auf Unregelmäßigkeiten hin überprüft und erst nach erfolgreich Absolvierung des Checks wurde der Weg frei zur darauffolgenden Passkontrolle, die wir ebenfalls ohne Komplikationen durchliefen. Im Anschluss an den offiziellen Teil, folgten die weiteren üblichen Prozeduren einer Reise: Gepäckausgabe, Autovermietung, Telefonshop – erste Zigarette! Mit unserem neuen Teammitglied, einem Toyota Etios Sprint machten wir uns auf die letzte Etappe der Anreise nach Durban und die ersten 570 Kilometer durch Afrika von Johannesburg nach Durban. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Umstellung auf Linksverkehr unproblematisch verlief. Lediglich in der Handhabung von Blinker und Scheibenwischer beide auch nach Wochen der Gewöhnungsphase noch.

Foto: Der Kreuzberger

Durban war Dreh und Angelpunkt der Reise und Ausgangspunkt für geplanten Touren. Spät am Abend kamen wir müde von der Reise in Durban/Berea an. Wir hatten ein etwa 40 Qudratmeter großes Gartenhaus zur Verfügung, das im Hinteren Teil eines Geländes lag auf dem ein Einfamilienhaus Stand. Zur Straßenseite hin war das Grundstück durch eine 2,5 Meter hohe Mauer sowie durch vier Toreinfahrten getrennt. Auf der Mauer, die das gesamte Grundstück umgab, war ein Elektrozaun aufgesetzt. Gelbe Schilder warnten vor der Berührung und unangenehmen Folgen bei Missachtung. Unser Wohnbereich war mit Küche, Bad (mit riesiger Badewanne), zwei Schlafbereichen und afrikanischem TV ausgestattet und die Putzfrau sorgte ein Mal pro Woche für die Einhaltung der Sauberkeit. Im Garten war ein Pool umgeben von Palmen. Und für die zusätzliche Sicherheit sorgten die beiden Wachhunde, die nach der offiziellen Begrüßung mehr als zutraulich waren.

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Durban hat offiziell 595.061 Einwohner und bildet mit den umliegenden Gemeinden die Metropolgemeinde eThekwini, die insgesamt über 3,4 Millionen EinwohnerInnen zählt. Am 25. Dezember 1497 entdeckte Vasco Da Gama, ein portugiesischer Seefahrer und Entdecker des Seewegs um das Kap der Guten Hoffnung die Bucht auf seiner ersten Indienreise und nannte den Ort nach dem Entdeckungstag (lateinisch dies natalis „Weihnachtstag“) Rio de Natal oder „Weihnachtsfluss“ in der falschen Annahme, dass es sich bei der Bucht um die Mündung eines großen Flusses handeln würde. Später vollzog sich eine Umbenennung in Port Natal. Für etwa dreihundert Jahre war Port Natal vor allem eine Zufluchtsstätte für Schiffbrüchige, Sklavenhändler und Kaufleute. Durban wurde durch die Gründung einer permanenten Siedlung 1823 durch britische Siedler unter der Führung von Henry Fynn ins Leben gerufen. Bis 1835 wuchs die Siedlung zu einer Stadt heran und erhielt im selben Jahr zu Ehren des damaligen Gouverneurs der Kapkolonie, Benjamin D’Urban ihren heutigen Namen. Durban besitzt eine umfangreiche Wirtschaft mit starken Industrie, Handel, Logistik, Finanz- und Regierungsinstitutionen sowie Tourismus.

2. TAG – SAMSTAG

Um die knapp vorhandene Zeit optimal zu nutzen, machten wir uns gleich am ersten Tag auf den Weg zum Zulu-Markt in der Nähe von Pietermaritzburg. Der Markt bietet viele internationale Spezialitäten. Sogar deutsche Backwaren werden frisch angeboten. Die Produkte auf dem Markt erwecken den Anschein überwiegend aus der Massenproduktion zu stammen. Wer afrikanische Handwerkskunst sucht, muss schon genau hinschauen. Beispielsweise gab es an einem Stand Ringe, die aus Münzen geformt wurden und die auf diesem Markt als wahrlich individuell zu beszeichnen sind. Und es gab Taschen und „Körbe“ aus Autoreifen! Sehr innovativ.

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Im Anschluss an diesen angenehmen Start in den Tag besuchten wir mit unserem Tour Guide die Mazarat Animal Rescue Hilfsstation für Hunde und Katzen in Durban. Der Standort lag etwas Abseits in der 25 Brackenhill Road. Wir fuhren auf einem unbefestigten Weg vorbei an Koppeln auf denen Pferde in der Sonne grasten. Die Hunde sprangen aufgeregt über den unerwarteten Besuch freudig am Zaun des Geheges hoch um uns zu begrüßen. Den Katzen hingegen waren wir egal. Sie lagen im Schatten des Außenbereichs ihres Geheges und ließen sich von uns in ihrem Dasein nicht stören. Weitere Hunde waren in gemauerten Zwingern im hinteren Bereich des Geländes untergebracht. Insgesamt waren14 Katzen und 10 Hunde dort untergebracht. Mehr als zu versprechen in diesem Reisebericht darauf hinzuweisen, das Spenden für die Versorgung der Tiere und die Erhaltung der Rettungsstation willkommen sind, ein paar Fotos zu machen, um die Lage bildlich vermitteln zu können und ein paar Rand zum Unterhalt beizusteuern war in diesem Fall nicht drin – wie so oft in den Begegnungen der nächsten Wochen.

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Zum Abschluss des Tages besuchten wir den Phezulu Safari Park. Dort gab es nicht nur Dutzende Krokodile der verschiedensten Arten, sondern auch Schlangen zum Anfassen sowie den wunderbaren Blick über das „Valley of a 1.000 Hills“. Hinzu kommt eine touristische Show, die die Traditionen und Rieten der UreinwohnerInnen widerspiegeln soll. Im Anschluss an die Vorführung gab es eine kurze Führung durch ein nachgebautes Zulu-Dorf, bestehend aus drei Hütten, in denen jeweils verschiedene Bräuche, wie zum Beispiel das Brauen von Bier vorgestellt wurden. Weitaus interessanter waren die Tiere, die man hautnah erleben hätte können. „Können“ aus dem Grund, weil einige Krokodil-Gehege baulich so konstruiert waren, dass nur eine Art Maschendrahtzaun die Tiere von den Besuchern trennte, der weder im Boden fixiert war noch sonst irgendwie den Eindruck erweckte, ein mehrere hundert Kilo schweres Tier aufhalten zu können. Und da eines der Krokodile direkt mit der Schnauze am Zaun lag, wäre es durchaus möglich gewesen es anzufassen. Freiwillige vor! Bei den Schlangen hingegen sah es hingegen anders aus. Jeder von uns legte sich die an Publikum gewöhnte Schlange um den Hals. Neben den ganzen Attraktionen gibt es auch ein Restaurant im Phezulu Safari Park, das neben den Standards wie Burgern, Pommes und Pizza auch Krokodilfleisch auf der Speisekarte anbot. Hinzu kam der beeindruckende Ausblick über das Tal mit seinen 1000 Hügeln beim Essen.

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

Am Abend und nach diesem ereignisreichen Tag, war der Durst auf ein schön kaltes Bier wohl verständlich. Doch die Versorgung mit Alkohol in Form von Bier to go sollte sich als erste wahre Herausforderung in diesem Land erweisen. In Afrika herrschen andere Gesetze im Umgang mit Alkohol. Der Vertrieb ist bis auf Wein ausschließlich sogenannten Liquor Store vorbehalten. Bars dürfen Alkohol ausschenken, aber ganz offensichtlich nicht außer Haus verkaufen. Denn bei dem Versuch in einer Restaurant, drei Flaschen Bier zum Mitnehmen zu erwerben, waren meine Überredungskünste gegenüber, der mit dem Fall beauftragten Managerin gefragt. Erst als ich ihr meine mitgebrachte Tasche zum unauffälligen Abtransport der heißen Ware vorzeigte und ich ihr sagte, dass mein „Fluchtwagen“ mit laufendem Motor vor der Tür stand war sie bereit, den Barkeeper damit zu beauftragen, mir drei Flaschen unauffällig neben den Tresen zu stellen. Immer noch beeindruckt von den strengen Alkoholvorgaben in einem Land, wo Mord und Totschlag sowie Drogenkonsum jeder Art an der Tagesordnung ist, begab ich mich zum Auto zurück und gemeinsam mit meinen Komplizen wurde die Beute unter strenger Geheimhaltung in den 100 Meter entfernt liegenden „Unterschlupf“ verbracht, gerecht geteilt und unverzüglich der ursprünglich angedachten Verwendung zugeführt. In gewissen Kreisen würde man so einen Vorgang Beweismittelvernichtung nennen.

3. TAG – SONNTAG

Am dritten Tag stand Entspannung und Erholung am Strand auf dem Programm. In direkter Nähe lag die Ushaka Marine World. Das Freizeitzentrum bietet den „Village Walk“, bestehend aus einem einem Dorf ähnelnder Bauweise Spielhallen, Restaurants, Surfboard-Verleiher und ist somit Shoppingmeile für Strandbesucher. Hauptattraktionen sind jedoch „Sea World“ (Aquarium), „Wet ’n Wild“ (Wasserrutsche), „Dangerous Creatures“ (Reptilienshow) und „Rayz Kids World“. Der als „uShaka Beach“ bezeichnete Bereich, ist der Strandabschnitt vor dem Marine World Gelände.

Foto: Der Kreuzberger

Auch am zweiten Abend stand der Nachschub von Bier auf der Kippe. Diesmal jedoch unter „erhöhter“ Gefahrenlage – laut Informationsquellen. An einer Tankstelle erhoffte ich Erfolg zu haben. Wenn schon keinen harten Alkohol, dann aber Bier, das müsste doch wenigstens zu haben sein, war noch immer meine Hoffnungslage. Fehlanzeige. Auch ein leicht alkoholisches Getränk wie Bier war nicht zu haben. Jedoch erklärte mir die Kassiererin den Weg zu einer Bar, die Bier auch außer Haus verkaufte. Der Abend war gerettet. Ich ging zum Auto um die BegleiterInnen darüber zu informieren, dass es mit dem Nachschub dauert und sie die Türen verriegeln sollen, bis ich wieder da bin. Ich ging eine Hauptstraße entlang, die tagsüber viel befahren, nachts völlig frei vom Kraftverkehr still, ruhig und verlassen war. Die einzigen vor Ort, waren Obdachlose, die sich an die Häuserwände kauernd, bestenfalls in einen Schlafsack eingerollt, zur Ruhe gebettet hatten. Fünfzig Meter weiter, an der nächsten Häuserecke, war das Licht der Bar zu erkennen und ein paar Gestalten, die davor standen und sich unterhielten. Beim Näherkommen begrüßte mich sogleich einer von ihnen. Nach dem kurzen üblichen Prozedur des gegenseitigen vorstellen, gab ich meinem neuen Bro´ zu verstehen, dass ich Bier bräuchte und sogleich geleitete dieser mich in die Bar und an den Tresen. Nun stand ich in einer Bar, die ich, bezogen auf die Sicherheitsvorkehrungen am Tresen, in meinen besten Berliner Zeiten noch nicht gesehen hatte und auch auf keiner meiner Reisen. Der Tresen war komplett vergittert und nur an zwei Stellen durch Öffnungen (breit 40cm, hoch 30 cm) war der Austausch von Geld gegen Ware möglich. Ich bestellte meine Biere und noch ein weiteres für meinen neuen Bruder, der mich noch ein Stück des Rückwegs zum Auto begleitete und sich dann dankend verabschiedete. Und auch für uns war der Abend gerettet.

4. TAG – MONTAG

Am vierten Tag unseres Aufenthalt in Durban ließen wir es erholsam ruhig angehen und genossen die Sonne im Garten unserer Unterkunft. Am Nachmittag statteten wir dem Victoria Street Market in der 151/155 Bertha Mkhize Street einen Besuch ab. Bevor wir jedoch einen Fuß in die Gegend setzten, lernten wir eine von vielen Gegebenheiten kennen. Wir waren auf der Suche nach einem Parkplatz. Dies fiel einem der sogenannten Parkplatzwächter auf und wild gestikulierend gab er uns zu verstehen, dass er uns einen freien Parkplatz direkt vor dem Objekt der Begierde anbieten kann. Wir nahmen das Angebot an und als Zusatzservice lotste er uns in die Parklücke. Es ist üblich, dass man den zumeist Obdachlosen inoffiziell offiziellen Parkplatzwächtern etwa 5-10 Rand als Dank für den Service gibt. Die als Indisch bezeichnete Markthalle bietet auf zwei Etagen neben den indischen Waren auch die, chinesischer und afrikanischer Einzelhändler. Nach dem Markt erkundeten wir die Umgebung. Die umliegenden Straßen bieten eine bunte Mischung von Läden. Vom Imbiss über Bekleidungs-, Handwerk- und Musikläden bis hin zu Frisörläden und skurrilen Apotheken war alles vor Ort, was das Herz begehrt.

Foto: Pixabay

Der lokale Einzelhandel ist an diesem Ort der Welt voll im Gange. Es waren extrem viele Menschen auf den schmalen Bürgersteigen, der auf der einen Seite von Geschäften und auf der zur Fahrbahn reichenden Seite mit Ständen gesäumt war und zwei Personen Platz bot aneinander vorbeizukommen. Manche Stände bestanden nur aus einer auf dem Boden ausgebreiteten Decke, auf der ein Haufen Wäsche aufgetürmt war, den mehrere Frauen gleichzeitig nach Brauchbarem durchwühlten. Andere HändlerInnen hatten einen Einkaufswagen, aus dem heraus sie Obst verkauften. Überall und stets und ständig wurden einem von fliegenden Händlern Speicherkarten und andere Kleinelektronische Geräte vor die Nase gehalten und zum Kauf angeboten. Die Atmosphäre war hektisch und zugleich entspannt und gelassen, wenn man sich auf den African Mood einlassen kann. Dennoch sollte man in dieser Gegend vielleicht wirklich nicht mit der Rolex am Handgelenk oder der dicken Canon EOS 6D Mark II um den Hals herumlaufen.

Am Abend grillten wir gemeinsam mit unserer Gastgeberin Tracy. Bei milden 22 Grad und sternenklarer Nacht genossen wir das Leben im Augenblick. An diesem Abend war auch endlich mal Zeit, über Themen zu reden, die Südafrika bewegen. Dies freute mich um so mehr, weil die Reise ursprünglich auch als Recherchereise geplant war, jedoch aufgrund der gescheiterten Auftragsvergabe kurzzeitig in eine private Entdeckungsreise umstrukturiert wurde. So erfuhren wir, von deutschen Studenten, die ein Auslandssemester absolvierten, dass die, während unserer Anwesenheit stattfindenden Studentenunruhen von Steinwürfen und Schüssen vor dem Universitätsgelände begleitet wurden und aufgrund dessen der Unterricht eingestellt werden musste. Die Unruhen fanden statt, weil die Studenten keine Studienzuschüsse erhalten hatten – hierzulande „Bafög“ genannt. Dies wiederum regte unsere Gastgeberin auf, die erklärte, dass sie selber auf der einstigen „Elite-Uni“ studierte und noch Studiengebühren bezahlen musste. Heutzutage ist der Besuch der Uni kostenlos. Dieser Umstand habe dem Ruf geschadet und wird seit Jahren durch die derzeitigen Studenten und Dozenten weiter ruiniert. So erwiderte, laut der Studenten, die Dozentin die Frage nach dem Format in dem die von ihr aufgetragene und von den Studenten schriftlich verfasste Arbeit abzugeben sei in „Word“ oder „PDF“ mit der Frage: „What is PDF?“. Auch die Gruppenarbeit mit afrikanischen Studenten ist nur schwer bis gar nicht möglich, da der Kenntnisstand zu gravierende Lücken und Unterschiede aufweist. Diese Problematik hängt, laut Aussage, mit dem Umgang der Kinder im Elternhaus zusammen. In Afrika werden Kinder nicht so liebevoll aufgezogen und auf das Leben vorbereitet wie in Deutschland oder anderen Europäischen Ländern. So die Begründung für den Bildungsnotstand.

Auch die allgegenwärtige Armut im Land wurde Thema der Runde und wurde emotional geführt. Bei mir persönlich fängt die Absolute Armut jedoch schon an, wenn man egal wodurch in einer Behausung wohnen muss, bei der Tierschutzverbände in Deutschland Alarm schlagen würden, wenn auch nur ein Hund unter diesen Umständen gehalten würde. Oder Menschen in Lumpen herumlaufen und um Brot und Wasser betteln. Das direkte Wahrnehmen dieser Armut ist überwältigender, als es Fernsehbilder jemals vermitteln werden können. Eine „positive“ Beobachtung hatten wir an einem Rastplatz irgendwo im Nirgendwo. Dort stand ein Obdachloser, der sich mit Planen einen kleines Zelt gebaut hatte. Aus der Not heraus hat er sich Schuhe aus alten Autoreifen geschustert. Obwohl er ein unsägliches Leben führte machte er dennoch einen zufrieden, ja geradezu fröhlichen Eindruck und unterhielt sich angeregt mit den pausierenden Lkw Fahrern.

Während insbesondere mir die Armut im Land zusetzte, befand unsere Gastgeberin, die mit ihrer eigenen Firma im Bereich Hausverwaltung selbständig ist und es oftmals mit schwarzen Mitarbeitern probiert hat zu arbeiten, dass die Schwarzen an ihrer Situation zu einem großen Teil selber Schuld sind. Durch ihre Einstellung zum Leben und zur Arbeit gelänge es nicht allen, ein kontinuierliches Berufsleben aufrechtzuerhalten. Mit dem Ergebnis, dass einige von ihnen in die absolute Armut abrutschen. So wie der „African mood“ an der einen Stelle ganz in Ordnung ist, so ist er an anderer fatal. Wenn es um die Zuverlässigkeit geht, stehen die Afrikaner den Südeuropäern nahe. Die Zeit wird nicht so genau genommen und das ist in einem Land, das versucht am Weltmarkt zu bestehen, nicht gern gesehen.

5. TAG – DIENSTAG

Der Tag begann gleichermaßen entspannt, wie der Tag zuvor. Bevor es jedoch zum Strand ging um Sonne und Kraft für die folgenden Tage zu tanken, besuchten wir das KwaMule Museum das auch Apartheidsmuseum genannt wird.

Foto: Der Kreuzberger

Es befindet sich im ehemaligen Department of Native Affairs (130 Bram Fischer Road) und diente als Sitz der Regierungsabteilung, die die Aufgabe hatte, die Gesetzgebung des Apartheidsystems (1948 – 1994) durchzusetzen. Das Gebäude wurde 1927 geplant und im darauffolgenden Jahr erbaut. Seinen Namen hat das Museum dem ersten Manager Herrn Marwick zu verdanken, der während des Anglo-Burenkrieges über 7.000 Zulus half aus dem Gebiet Gauteng zu entkommen. In dem Museum wird die Apartheid thematisiert und jene geehrt, die dagegen gekämpft haben. Im Anschluss ging es an den Strand und danach gaben wir uns bei Bekannten wieder den kulinarischen Genüssen hin.

6. TAG – MITTWOCH

Der Tag vor dem Start der Rundfahrt stand im Zeichen von Entspannung, Surfen, Sonnenbaden und den Vorbereitungen für die Fahrt. Wir besorgten ausreichend Wasservorräte – man weiß ja nie – und deckten uns auch sonst mit grundlegenden Lebensmitteln wie Keksen, Cola, Tabak, Obst und Nüssen ein. Auf umfangreiche Vorräte für die Fahrt konnten wir verzichten. Wir hatten schließlich nicht vor in die menschenleere Wildnis vorzudringen sondern auf befestigten Straßen entlang zahlreicher Dörfer und Städte das Land zu erkunden. Und zumindest auf der Garden Route war jederzeit die Versorgung gesichert. Oft, das nehme ich ebenfalls mal vorweg, nutzten wir in den Pausen die Tankstellen, auch als „Ultra City´s“ bezeichnet, die einen günstigen Mini-Market, ein Fast-Food-Anbieter und zumeist auch einen Bäcker als Nachbarn hatten und somit alles Notwendige für den Alltag bereit hielten. Und da wir auch nicht vor hatten selber zu kochen sondern die afrikanische Küche zu erkunden, war klar, dass die Zubereitung des Essens den ortsansässigen Gastronomen überlassen würden. Wir brauchten also nicht viel und so war das Packen des Autos relativ zügig erledigt. Zur Unterhaltung auf der Fahrt hatten wir noch ein paar CD´s von einheimischen Künstlern besorgt, wobei jedem, der auf HipHop steht das Album „Black Gold – Welcome into the family“ empfohlen sei. Nach Abschluss der Vorbereitungen ging es erneut an den Strand zum Surfen und Sonnenbaden . Zur Entspannung vor der Fahrt gönnte sich jeder von uns noch eine Massage bei „Mangwanani Boutique Spa“ im Ushaka Center (Shop-JO 2, Escombe Terrace, 1 Bell St, Point). Mit gekonnten Griffen wurden meine Probleme im Nacken beigelegt, sodass ich ab den Abendstunden schmerzfrei war und bestens präpariert für die Fahrt. Von daher gibt es von mir für die Massage eine 5-Sterne Bewertung. Zum vorläufigen Abschied stand am Abend ein Curry-Essen mit unserer Gastgeberin auf dem Programm. Es war wunderbar, erneut bei sommerlichen Temperaturen unter Sternen, Mond und Palmen zu sitzen.

7. TAG – DONNERSTAG

Rundfahrt: Durban-Kapstadt-Durban (Gesamtstrecke 3.340 Km)

Garden Route: 1.700 Km

Autobahn: N2

Streckenabschnitt: Durban nach Chintsa (633 Km ca. 8-9 Stunden)

Nach dem morgendlichen Berufsverkehr, der in Durban bis etwa 9 Uhr anhält, begaben wir uns auf die Fahrt nach Kapstadt entlang der Garden Route. Vor der Garden Route wurden wir gewarnt. Insbesondere vor dem Abschnitt von Durban nach Port Elisabeth. Von Geisterfahrern, Tieren und Menschen auf der Fahrbahn war die Rede. Doch eine genaue Einschätzung der Lage war dennoch nicht möglich. Und so machten wir uns mit vagen Vorstellungen über das Bevorstehende mit unserem Toyota auf den Weg. Noch wussten wir nicht, dass sich alle Warnungen bestätigen sollten.

Am Anfang standen erste unzählige Eindrücke von der Landschaft Afrikas. Hügellandschaften, die mit kleinen Dörfern von 5 bis 100 Häusern die Autobahn säumten. Die Flora beschränkte sich weitestgehend auf weitläufige, bis zum Horizont sichtbare Wiesenflächen. Nur partiell von Palmen und Wäldern bewachsen.

Foto: Der Kreuzberger

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Unser erster Abschnitt der Reise führte von Durban aus über Mthatha nach Chintsa West, etwa 20 nördlich von East London. Mthatha war eine rein schwarze und lebendige Stadt. Bekannte hatten uns eindringlich davon abgeraten, in Städten auszusteigen, die „schwarze Namen“ trugen – wie Mthatha. Ich konnte keine meiner BegleiterInnen von einem Stadtbummel überzeugen und so fuhren wir ohne Zwischenstopp weiter.

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

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Auf diesem ersten Abschnitt der Fahrt begegneten uns die ersten der von unseren Bekannten zahlreich aufgeführten Gefahren des Straßenverkehrs. So mussten wir zum Beispiel blitzschnell reagieren, als uns ein Schaf vor das Auto lief, um unser Gefährt etwa 8 Meter vor dem Tier, das sich als Ziege herausstellte, zum Stehen zu bringen. Seelenruhig stand das Tier da und schaute uns an, bevor es dann langsam in Richtung Straßenrand weiter trottete.

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

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Als nächstes begegnete uns nicht der erste und nicht der letzte, aber der schwerste Unfall der gesamten Rundfahrt. Ganz offensichtlich wollte jemand die Schnellstraße überqueren und wurde dabei von einem Auto erfasst. Die Höchstgeschwindigkeit lag an dieser Stelle bei 120 Km/h. Und so wie der materielle Schaden am Auto aussah, wurde der betroffene Fußgänger mit vollem Tempo angefahren. Das Unfallauto, ein Mittelklassewagen, war auf der Fahrerseite (rechts) im Motorbereich zu 1/3 eingedrückt. Der Verunfallte lag auf der Fahrbahn und war durch den vor ihm geparkten Krankenwagen gegen den fließenden Verkehr abgesichert. Über ihn war ein weißes Tuch gelegt worden und nur der blutüberströmte Kopf war zu erkennen. Die Infusion, die ihm verabreicht wurde, dürfte pro Forma angelegt worden sein. Dem augenscheinlichen Zustand nach, waren seine Überlebenschancen gleich null. Landesweite stetig stattfindende Geschwindigkeitskontrollen versuchen überhöhte Geschwindigkeit auf Autobahnen einzudämmen um diese Art Unfälle zu vermeiden.

In Chintsa West angekommen haben wir im „Arendsnes“ eingecheckt, einem Wohnpark der neben den komfortablen Holzhütten auch Platz für Woh

nmobile und Zelte bot. Für die nacht hatten wir eine der Holzhütten gemietet. Insgesamt machte das Dorf einen sehr verschlafenen Eindruck. Im The Barefoot Cafe (5 Chintsa Drive) gefühlt dem einzigen Restaurant im Dorf (es gibt drei Restaurants) gab es, wie so oft Pizza und Burger – und Bier. Vor der Zufahrt zum Dorf befand sich noch ein Wachhaus aus alten Tagen und eine kleine Ansiedlung von Wellblechhütten. Über den Ort gibt es ansonsten nichts spektakuläres zu berichten außer, dass er an der Mündung des Flusses Cintsa liegt.

Foto: Der Kreuzberger

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8. Tag – FREITAG

Autobahn: N2

Streckenabschnitt: Chintsa West nach Jeffrey´s Bay (409 Km ca. 5 Stunden)

Nach einer Nacht in Chintsa West und dem morgendlichen Besuch des Strandes ging die Fahrt weiter.

Foto: Der Kreuzberger

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Das nächste Ziel hieß Jeffrey´s Bay. Jeffrey´s Bay oder auch J-Bay genannt, ist ein bekannter und bei Surfern beliebter Ort, der sehr amerikanisch daher kommt. Der Strand ist weitläufig und schön. Viele kleine Läden, Restaurants und Surfshops prägen das Straßenbild. Während einer von uns sich bei der „Wavecrest Surf School“ (Drommedaris St) ein Board auslieh und surfte, gingen wir zu zweit an die Suche einer Unterkunft. Ich hatte mich bei dem Surfboard-Verleiher nach Empfehlungen für Unterkünfte erkundigt. Die Empfehlungen waren, zum Glück ausgebucht bzw. geschlossen, da es sich um Backpacker-Hostals für jüngeres Partyvolk handelte und wir einfach nur Ruhe und Kraft tanken wollten. Nach einer kurzen Suche im Internet fanden wir das Gasthaus „On The Bay“ von Soi und Karla. Nach dem Regeln der Formalien holten wir den Dritten zurück in den Bund und gingen im „Savoy Pup“ essen. Von unserer Pension aus, konnten wir im Garten sitzend, das lautstarke Partyleben von J-Bay bis spät in die Nacht erahnen.

Foto: Der Kreuzberger

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Gegründet wurde der Ort namens Jeffreys Bay im Jahr 1849. Der Namesgeber ist ein Walfänger der an diesem Ort einen Laden betrieb und J. A. Jeffreys hieß. Manchmal sind die Dinge ganz einfach. Das ursprüngliche Fischerdorf ist mittlerweile ein begehrtes touristisches Reiseziel geworden. Insbesondere bei Surfern aus aller Welt sind die Wellen beliebt – J-Bay zählt zu den beliebtesten Surfspots weltweit. Außerhalb der Saison geht es jedoch eher beschaulich und ruhig zu. Im Südafrikanischen Winter kann man vorbeiziehende Wale beobachten.

9. TAG – SAMSTAG

Autobahn: N2

Jeffrey´s Bay nach Mossel Bay (299 Km ca. 2,5 Stunden)

Am Morgen ging es nach einem gesunden Frühstück im Hostal an den Strand und auf einen Rundgang durch J-Bay City. Am frühen Nachmittag, brachten wir das Surfboard zurück zum Verleiher, nahmen noch einen kurzen Mittagstisch zu uns und machten uns dann auf den Weg nach Mossel Bay.

Foto: Der Kreuzberger

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In Mossel Bay angelangt standen wir mit Einbruch der Dunkelheit vor der Herausforderung, einen Schlafplatz für die Nacht zu organisieren. In den Hügeln über der Stadt wurden wir durch die Online-Recherche fündig. Das Back Pack Shack (Alhof Drive), das neben den üblichen Zimmern auch Schlafkabinen anbietet, hatte noch Platz. Der Haken war, durch einen Buchungsfehler unsererseits, ging das System von einer Übernachtungsperson aus. Das Hotel hatte aber nur noch maximal zwei freie Plätze. Somit hätte einer von uns im Auto auf dem bewachten Parkplatz schlafen müssen. Wir hatten jedoch schlussendlich Glück und die reservierten Schlafplätze wurden nicht in Anspruch genommen. Somit waren alle gut untergekommen und konnten uns von der Fahrt erholen. Wir aßen im Hotel-Restaurant zu Abend und saßen noch eine Weile auf der Terrasse bevor wir uns zur Ruhe betteten. Am nächsten Morgen gab es ein englisches Frühstück aus Bohnen, Speck und Spiegelei bevor wir uns auf das letzte Teilstück der Garden Route machten.

Foto: Der Kreuzberger

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Mossel Bay hat 130.000 Einwohner. Mit der ersten Landung von Europäern an der Ostküste Südafrikas, entdeckte der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz. am 3. Februar 1488 während seiner Afrikaumfahrung die Bucht und nannte sie Aguada de Sao Bras. Aufgrund der vielen Muscheln in der Bucht benannte Der Niederländer Paulus van Caerden sie in Mosselbaai um. Im 19. Jahrhundert war die Stadt Standort einer Walfangstation, heute sind Tourismus, Gas- und Ölförderung Hauptwirtschaftsfaktor.

10. TAG – SONNTAG/KAPSTADT

Autobahn: N2

Streckenabschnitt: Mossel Bay nach Kapstadt (385 Km ca. 5 Stunden)

 

Foto: Der Kreuzberger

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Wenn man über die N2 nach Kapstadt hineinfährt, kann man linksseitig auf etlichen Kilometern Länge die ersten Eindrücke der Slums erhalten, die vor der Stadt angesiedelt sind. Ein Metallzaun, etwa 2 Meter hoch grenzt die Slums von der Autobahn ab. Auf dem gut zehn Meter breiten Grünstreifen zwischen Zaun und Fahrbahn liegen vereinzelt Müllberge, die, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben angezündet werden, um Platz für neuen Müll zu schaffen.

Foto: Der Kreuzberger

Foto. Der Kreuzberger

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In Kapstadt angelangt suchten wir das gebuchte Hostal im Distrkt Woodstock auf. Das „Wish 2 where here“ (445 Albert Road) verfügte über ein Restaurant und eine einfache, aber gemütliche Bar rustikaler Bauweise. Bevor wir diese jedoch aufsuchten spazierten wir noch etwas an der Promenade entlang und haben den Sonnenuntergang betrachtet. Im weit und breit einzigen Restaurant an der Promenade haben wir uns zum Abendessen niedergelassen. In sehen-und-gesehen-werden-Atmosphäre genossen wir den Ausblick auf den Indischen Ozean. Im Anschluss fand der Tag in gemütlicher Stimmung und Runde mit anderen Backpackern seinen Ausklang.

Foto: Der Kreuzberger

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Foto: Der Kreuzberger

Kapstadt hat 3.740.026 EinwohnerInnen und wurde 1652 gegründet. Den Namen erhielt Kapstadt nach dem Kap der Guten Hoffnung, das etwa 45 Kilometer südlicher liegt. Kapstadt war die erste Stadtgründung der südafrikanischen Kolonialzeit und wird deshalb gelegentlich als „Mutterstadt“ (afrikaans: Moederstad, englisch: Mother City) bezeichnet. Ursprünglich besiedelten die San und Khoikhoi das Gebiet. 1652 ging der Niederländer Jan van Riebeeck in der Tafelbucht an Land vertrieb die Ureinwohner, gründete dort eine Versorgungsstation für die Handelsschiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oost-Indische Compagnie; kurz: VOC) und erbauten umgehend zu ihrem eigenen Schutz das Fort de Goede Hoop – das heutige Castle of Good Hope.

11. TAG – MONTAG

Um Kapstadt in kurzer Zeit möglichst umfangreich zu erkunden, haben wir uns für die Touren mit den Hop On – Hop Off-Bussen entschieden. Auf vier verschiedenen Routen bekommt man einen groben Eindruck von der Stadt und man hat an vielen interessanten Orten die Möglichkeit auszusteigen und die Gegend zu erkunden.

Foto: Der Kreuzberger

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Die „Mini Peninsula“ (Blaue Route) ist mit 2:15 Stunden die längste Tour und führt im Rücken des Tafelbergs um Tamboerskloof mit dem Lion´s Head und Signal Hill herum und fährt parallel mit der Roten Route an der Küste Kapstadts entlang. Die „City Tour“ (Rote Route) führt in 1:30 Stunden zunächst durch die Innenstadt und dann wie die Blaue Route an der Küste entlang. Die „Downtown Tour“ (Gelbe Route) fährt, wie der Name schon sagt durch Kapstadt und zeigt den Puls der Stadt. Die „Wine Tour“ (Lila Route, 30 Minuten) ist, wie auch hier der Name schon in sich birgt, eine Tour für WeinliebhaberInnen. An vier verschiedenen Punkten gibt es die Möglichkeit auszusteigen und lokale Weinspezialitäten zu verkosten. Wir haben uns aufgrund des Zeitplans auf die Stationen „Hout Bay“ und „Tafelberg“ als Zwischenstopp geeinigt. Als erster Ausstieg war somit Hout Bay angesagt. Wie eigentlich an allen Orten außer am Kap der Guten Hoffnung und am Fuße des Tafelbergs warteten auch hier Menschen um die ankommenden Touristen um Geld beziehungsweise etwas essbarem anzubetteln. Wir frühstückten im „The Lookout Deck Hout Bay„ und schauten uns den Hafen und den dort stattfindenden Markt mit Souvenirs an. Souvenirmärkte gibt es in jeder Ecke.

Foto: Der Kreuzberger

Foto: Der Kreuzberger

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Nach dem kurzen Abstecher, ging es dann mit dem Bus zurück in die Stadt, um in den Bus der Roten Linie einzusteigen, der uns zum Tafelberg brachte. Dort angekommen hatten wir das zweifelhafte Glück erleben zu dürfen, was plötzliche Wetterumschwünge am Tafelberg bedeuten. An der Talstation stehend und auf die Gondel wartend, die uns auf die Spitze des Berges bringen sollte, war der Himmel strahlend blau und die Sonne schien. Auch auf der Fahrt nach oben gelangen noch schöne Bilder, die die Stadt mit blauem Himmel zeigen. Jedoch kaum an der Bergstation angekommen zogen dichte Wolken auf und hüllten den Tafelberg in dichten Nebel. Zwischendurch riss die Wolkendecke auf und es gelangen noch ein paar nahezu wolkenfreie Bilder von Kapstadt und der Umgebung. Der zusätzlich vorhandene Wind ließ einige BesucherInnen, die nur mit leichtem Schuhwerk und noch leichterer Bekleidung dort waren extrem auskühlen. Die Lage derer wurde zudem verschlimmert, dass man sich für die Rückfahrt ebenfalls anstellen musste. Die Wetterlage ließ dieses Bedürfnis bei mehreren Menschen gleichzeitig aufkommen sodass die Wartezeit ungefähr 1,5 Stunden betrug. Es ist auf jeden Fall anzuraten warme und wetterfeste Bekleidung beim Ausflug auf den Tafelberg mitzuführen.

Foto: Der Kreuzberger

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Am Abend begaben wir uns zu „Mama Afrika“, einem für afrikanisches Essen bekanntes Restaurant in der 178 Long Street. Wir hatten Glück und es war noch ein Tisch frei. Es empfiehlt sich jedoch zu reservieren. Insbesondere, wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist. Unter anderem stehen auf der Speisekarte Krokodil, Springbock, Strauß, Kudu und Warzenschwein. Neben den reichhaltigen Fleischplatten sind auch die fleischlose Spezialitäten zu empfehlen. Gut gesättigt ging es mit einem Uber-Car zurück in die Unterkunft, wo der Abend, wie bereits der zuvor, in der Hostel-Bar seinen entspannten Ausklang fand.

12. TAG – DIENSTAG

Gesamtstrecke: Kapstadt – Kap der Guten Hoffnung – Kapstadt (125 Km ca. 2,5 Stunden)

Am zweiten Tag in Kapstadt machten wir uns auf den Weg in Richtung Kap der Guten Hoffnung mit dem Ziel, nicht nur das Kap zu besteigen, sondern auch Cape Point, dem Leuchtturm einen Besuch abzustatten. Obendrein befinden sich in der Gegend auch die Ortschaft Simon´s Town, die berühmt für den, von einer Kolonie von Brillenpinguinen besiedelten Küstenabschnitt namens Bolders Beach ist.

 

Foto: Der Kreuzberger

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Wie die Meisten, die das Kap besuchen, machten wir auch das obligatorische Foto vor dem Schild „Cape of the Good Hope“ und bestiegen dann den Felsen, der das Kap markiert. Um zum Leuchtturm, der ein paar Autominuten entfernt liegt, gelangt man entweder zu Fuß oder per Standseilbahn. Die Aussicht ist spektakulär. Es ist aber auch wieder ein sehr windiger Ort.

Foto: Der Kreuzberger

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Die Fahrt führte uns schlussendlich zum Boulder Beach und den Pinguinen. Seit 1985 gibt es an dem Strandabschnitt Brillenpinguine in einer von nur insgesamt drei Pinguin-Festland-Kolonien die in ganz Südafrika leben. Der Strand liegt südlich von Simon´s Town und ist nach den gewaltigen Granitfelsen benannt, die sich überall am Strand verteilt finden.

Foto: Der Kreuzberger

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Simon’s Town hat 6.569 Einwohner und gehört zu Kapstadt. Die Gründung erfuhr die Stadt 1747 durch die Errichtung eines Hafens mit Dockanlagen durch den Gouverneur Gustaaf Willem van Imhoff. Dieser setzte somit fort, was 1687 durch Kap-Gouverneur Simon van der Stel seinen Anfang fand. Damals erkannte van der Stel, dass die False Bay während der Wintermonate ein idealer Ankerplatz für die niederländische Flotte sein konnte. An den, im viktorianischen Stil erbauten Häusern die entlang der Hauptstraße stehen, ist der Einfluss der britischen Kolonialmacht deutlich sichtbar.

13. TAG – MITTWOCH

Innlandroute: 1.640 Km

Autobahn: N1

Streckenabschnitt: Kapstadt nach Beaufort West (463 Km ca. 5 Stunden)

Bevor wir Kapstadt verlassen und uns auf die Rückfahrt nach Durban gemacht haben, statteten wir dem Green Market Square und dem dazugehörigen Markt einen Besuch ab. Wir kauften einige Souvenirs, frühstückten in dem Café, in dem wir Tags zuvor die Hop On-Hop Off-Bustour starteten und machten uns dann auf die Fahrt nach Beaufort West. Als wir die Berge rund um Kapstadt bewältigt hatten, erwartet uns weite Flächen und gerade und gut übersichtliche Straßen.

Foto: Der Kreuzberger

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In gut 5 Stunden hatten wir das erste Ziel Beaufort West fast erreicht. Kurz vor dem Erreichen der Ortschaft fiel unser Internet mangels Datenvolumen aus. Und ohne Datenvolumen keine Recherche nach einer Unterkunft für die Nacht. So kamen wir hungrig und ohne gewisse Schlafgelegenheit in Beaufort West an. Wir steuerten zunächst ein Einkaufzentrum an in der Hoffnung einen Telefonshop vorzufinden, um unser Datenvolumen aufzuladen. Das Einkaufzentrum war ein weitreichender Flachbau. Jedoch schon beim Betreuten fiel der Leerstand auf. Zudem war es am späten Nachmittag und die Geschäfte bereiteten sich auf den bevorstehenden Feierabend vor. Alles in allem machte das Einkaufszentrum ein erbärmlichen Eindruck und war nur mit dem Nötigsten an Geschäften ausgestattet. Die andere Hälfte der Fläche war dem Leerstand preisgegeben. Aber es gab einen einem Vodacom Shop! Wir besorgten uns neues Datenvolumen und somit auch zügig eine Unterkunft. Wobei die ersten zwei angesteuerten Hostals nicht erreichbar beziehungsweise personell bsetzt waren und erst die dritte Herberge das „Donkin Country House“ (14 Donkin Street) seine Pforten für uns öffnete. Es ist ein Zeichen dafür, dass in dem Ort so wenig los ist, dass nicht einmal Gäste erwartet werden, die spontan eine Übernachtung planen. Die Hotels liegen praktisch Tür an Tür und somit war der Weg kurz. Die Masse an Unterkünften und das armselige Einkaufzentrum legen nahe, das Beaufort West ausschließlich als Durchgangsdorf für Touristen und Lastkraftfahrer genutzt wird. Das Hotel an sich ist aber sehr zu empfehlen und fast der einzige Höhepunkt um Ort.

Foto: Der Kreuzberger

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So trostlos dieser Ort mit 34.085 Einwohnern daherkommt, so trostlos ist auch dessen Vergangenheit. Über die Gemeinde ist aus geschichtlicher Sicht nur zu erwähnen, dass die Gründung 1818 stattfand und nach Henry Somerset, dem 5. Herzog von Beaufort benannt wurde. Aus medizinischer Sicht ist noch zu erwähnen, dass Christiaan Barnard (1922–2001) dort das Licht der Welt erblickte, Chirurg der ersten Herztransplantation. Ihm ist auch ein Museum mit umfangreichen Artefakten seiner Arbeit gewidmet.

14. TAG – DONNERSTAG

Autobahn: N1

Streckenabschnitt: Beaufort West nach Bloemfontein (543 Km ca. 5-6 Stunden)

Foto: Der Kreuzberger

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Die zurückzulegenden Entfernungen lagen auf den ersten zwei Etappen um die 500 Kilometer je Strecke. Dementsprechend frühzeitig und entspannt kamen wir in Bloemfontein an. Wir checkten im „Rusplek Guesthouse, Conference Centre & Spa“ (50 Scholtz Street) ein und ließen uns vom Rezeptionisten erklären, wo wir einkaufen und essen gehen konnten. Wir landeten in der Mimosa Mall (131 Kellner Street) und suchten dort zunächst den Liquor Store auf um im Anschluss daran im Euro Caffe die leeren Mägen zu füllen.

Foto: Der Kreuzberger

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Ohne große Umschweife ging es zur Abendgestaltung über. Wir besuchten das „Die Mystic Boer“ Pub in der 84 Kellner Street. In gemütlichem Ambiente ließen wir den letzten Abend unserer Rundfahrt ausklingen. Das Pub bietet hungrigen Gästen Pizza und Burger und zur Unterhaltung gibt es Live-Events oder DJ´s legen Rock und HipHop auf.

Bloemfontein wurde 1850 offiziell als Gemeinde gegründet und hat laut Volkszählung von 2001, 256.185 EinwohnerInnen. Den Grundstein legte bereits 1840 Voortrekker Johannes Nicolaas Brits der an einer Quelle, die von Blumen umwachsen war seine Farm errichtete und ihr den Namen „Bloemfontein“ gab – was übersetzt soviel heißt wie Blumenquelle. Die ab 1846 unter Major Henry Douglas Warden angeführten Einwanderer prägten die Weiterentwicklung. Unter anderemem ist zum Beispiel der britische Schriftsteller J. R. R. Tolkien (1892-1973) und „Herr der Ringe“-Autor ein gebürtiger Bloemfonteiner. Ein Mal im Jahr findet in der „Stadt der Rosen“ ein Rosen-Festival statt.

15. TAG – FREITAG

Autobahnen: N1, N5, N3

Streckenabschnitt: Bloemfontein nach Durban (635 Km ca. 7 Stunden)

Nach dem Frühstück im Schnellrestaurant Wimpy verabschiedeten uns von dem letzten Aufenthaltsort unserer Rundreise und machten uns auf die letzte Etappe zurück nach Durban. Und als wollte das Schicksal unsere Konzentration auf die Probe stellen, begegnete und auf diesem Streckenabschnitt die dritte im Bunde geschilderte und möglicherweise eintretende, auf den Straßenverkehr bezogen Warnung auf: Gegenverkehr auf der eigenen Spur! Ein Lkw-Fahrer überholte auf der für ihn einspurigen Fahrbahn und zog somit in den Gegenverkehr um einen langsamer vor ihm fahrenden Lkw-Kollegen zu überholen. Ohne Ausweichmanöver wären wir frontal ineinander gefahren.

Foto: Der Kreuzberger

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16. TAG – SAMSTAG

Autobahn: N2

Durban nach Santa Lucia (245 Km ca. 2,5 Stunden)

Am Morgen nach unserer Rückkehr nach Durban machten wir uns früh um 9:30 Uhr auf den Weg zum Markt zwischen Moses-Mabhida-Stadion, dem WM Stadion von 2010 und Kings-Park-Stadion am Jacko Jackson Drive. Lokale HändlerInnen boten ihre Waren an, die von Kleidungsstücken, über Schmuck und Accessoires bis hin zu Seifen und Cremes aus Eigenproduktion reichten. Dazu gab es, wie auf jedem Markt ein internationales kulinarisches Angebot. Nach gut einer Stunde war alles gesehen und der Magen gefüllt und wir machten uns auf den Weg nach Santa Lucia.

Foto: Der Kreuzberger

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Auch auf dieser Tour bestimmte ein strenger Zeitplan den Ablauf, da unsere Flussfahrt mit dem Veranstalter „Shoreline Boat & Walking Safari“, auf der wir Flusspferde, Krokodile und einem Hai (?) zu sehen bekommen sollten um 16:30 Uhr begann. Nach der Ankunft in St. Lucia stand jedoch erst einmal das Einchecken im Hostal und der Einkauf für den Abend auf dem Programm.

Foto: Der Kreuzberger

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Auf der Bootsfahrt, die 1,5 Stunden dauerte, bekamen wir tatsächlich jede Menge Flusspferde und ein Dutzend Krokodile zu sehen. Ob das, was wir gesehen haben aber auch tatsächlich ein Hai war, konnte trotz Fotoaufnahmen nicht geklärt werden.

Foto: Der Kreuzberger

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Nach der Bootsfahrt ging es zum Abendessen in den Ort. Dort angekommen wurde die Suche nach einem Restaurant durch einen regionalen Stromausfall erschwert. Einzig und alleine eine Pizzeria besaß das weit und breit einzige Notstromaggregat und konnte somit den Betrieb aufrecht erhalten. Somit stand zwangsweise ein Mal mehr Pizza auf dem Speiseplan. Landesweit bekommt man immer und überall Pizza und Burger. Die traditionelle afrikanische Küche muss man hingegen suchen. Aus kulinarische Sicht mussten wir leider viel zu oft auf „Wimpy“ und Pizza, Burger und Co. zurückgreifen. Sei´s wie es sei. Für diesen Abend entschädigte der Sternenhimmel, der durch die weitaus geringere Lichtverschmutzung, bis hin zu Milchstraße klar und deutlich zu sehen war für diesen Umstand.

Foto: Der Kreuzberger

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St. Lucia hat 1.104 Einwohner. Die Geschichte des Dorfes geht bis auf das Jahr 1554 zurück. Damals landeten Überlebende des portugiesischen Schiffs São Bento dort an. Zunächst hatte nur die Mündung des Tugela River den Namen St. Lucia erhalten. Am 13. Dezember 1575, dem Fest der Heiligen Lucia, benannte Manuel Peresterello das Gebiet um in „Santa Lucia“. Von den Briten wurde St. Lucia als Township institutionalisiert.

17. TAG – SONNTAG

Morgens um vier Uhr hieß es raus aus den Federn und rein in die Wildnis. Diese Tour haben wir mit „Heritage Tours & Safari“ gebucht. Eine Stunde später, pünktlich um fünf Uhr, fuhr John, unser Tour Guide mit dem Pick-up, der zu einem 9-Sitzer umgebaut worden war vor, um uns für das Abenteuer „The Big 5“ abzuholen. In tiefer Dunkelheit fuhren wir mit rasantem Tempo durch die Nacht, der aufgehenden Sonne entgegen. Am Tierpark angelangt, stiegen die anderen drei Tourteilnehmerinnen zu – und los ging´s.

Foto: Der Kreuzberger

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Wir fuhren zunächst auf asphaltierten Straßen und bogen dann auf Buschpfade ab, die deutlich machten, warum so viele Menschen in diesem Land einen Offroader fahren. Jedoch begegneten uns auf diesen Straßen auch Besucher, die auf eigene Faust den Park erkundeten. Darunter ein Duo, das mit zwei Mercedes Limousinen versuchte die Wege zu bewältigen – mit den dementsprechenden Schäden an den Fahrzeugen.

Foto: Der Kreuzberger

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Unterwegs begegneten uns immer wieder Fahrzeuge anderer Safari-Anbieter. Die Fahrer tauschten sich kurz aus, wo sie welche Tiere gesehen hatten und dann trennten sich wieder die Wege und die Jagd nach dem nächsten spektakulären Foto von einem Löwen, Elefanten oder einer Giraffe ging weiter. Am Ende standen auf unserer digitalen Abschussliste Elefanten, Einhörnern, Giraffen, Warzenschweine, Büffel, Zebras und einige Raubvögel. Der König mit samt seinem Hofstaat verwehrte uns jedoch eine Audienz.

Foto: Der Kreuzberger

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Tour Guide John erzählte uns, dass die Population der Elefanten in manchen Gebieten auch zu einem Problem werden kann. Elefanten in großen Herden walzen alles platt, was ihnen im Weg steht und gefährden somit andere Tierarten in ihrem Überleben. Auch die Wilderei kam zur Sprache. Auf die Frage, was das Ergreifen der Wilderer so schwer macht antwortete John, dass die Wilderer zum Einen bei der Jagd Schalldämpfer benutzen und die Wälder so dicht sind, dass sie jedes Schussgeräusch „schlucken“. Und zum Anderen verhindert Korruption bei der Polizei, den Politikern und in der Justiz, dass festgesetzte Wilderer angemessen bestraft und somit „beschützt“ werden. Am Ende finden die Wildhüter Nashörner, die mit mehreren Schüssen fluchtunfähig angeschossen und beim lebendigen Leib die Hörner entfernt wurden. Die grausamen Punkte der Erzählung lasse ich an dieser Stelle bewusst wegfallen.

Foto: Der Kreuzberger

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Um 14:00 Uhr war die Safari zu Ende und die einstündige Heimfahrt stand an. John legte das gleiche Tempo vor wie auf der Hinfahrt und so waren wir sogar vor der vereinbarten Zeit wieder am Hostal in Santa Lucia und holten unser Auto ab und fuhren wieder zurück nach Durban

Zuhause angekommen, lernten wir Peter kennen – oder sollte ich besser schreiben: durften wir Peter kennen lernen. Peter war ein besonderer Mensch, irgendwie. Er war über fünfzig Jahre alt, aber im Geiste ein junger Revoluzzer. Dementsprechend fielen die Themen aus. Am Ende unseres Gesprächs gestand ich ihm, warum ich, nicht besonders gut englisch verstehend, insbesondere sein Englisch gut verstanden habe, was nicht bei jedem der Fall ist. Bei ihm war es der Umstand, dass jedes dritte Wort, spätestens aber jedes sechste, „Fuck“ war. Da am Abend noch das Essen zum Auftakt der Geburtstagsfeier von einem unsrer Teammitglieder anstand, hatte ich nur knapp eine Stunde Zeit, um mit Peter über die Welt und ihre Probleme zu philosophieren. Dennoch war es geistig sehr erfrischend.

18. TAG – MONTAG

Da der Abend zu vor bis in die frühen Morgenstunde reichte, begann der Tag etwas später als gewöhnlich. Gegen Mittag frühstückten wir an der Promenade beim Surf Riders Food Shack (17 Erskine Terrace, South Beach) und besuchten im Anschluss den Souvenir-Markt an der OR Tambo Parade, direkt an der Promenade, der mit Basecaps, T-Shirts, Holz- und Schmuckarbeiten die typischen Souvenirs bot. Beim Spazieren und feilschen um angemessene Preise verflogen die Stunden ohne es wirklich wahrgenommen zu haben und schon war es wieder Zeit, sich für den Abend fertig zu machen, um beim Steakhaus mit dem passenden Namen „Butcher Boys“ (170 Florida Rd, Morningside) essen zu gehen.

19. TAG – DIENSTAG

Am letzten Tag, die anderen waren bereits am Strand, entschloss ich mich, dem Viertel rund um den Victoria´s Street Market einen erneuten Besuch abzustatten. Entgegen allen guten Ratschlägen begab ich mich alleine in die Gegend. Zum einen wollte ich die Atmosphäre und die Stimmung noch einmal erleben und zum Anderen hatte ich ja noch kein persönliches Souvenir. Ein schönes landestypisches Gartenwerkzeug schwebte mir vor: Panga – eine Machete. Die Straßen durch die ich lief, waren mir genauso fremd, wie ich Jenen fremd war, die sie belebten. Auf der gesamten Wegstrecke begegnete und sah ich keinen anderen Weißen Menschen und dennoch verspürte ich nicht wirklich ein Gefühl der Unsicherheit. Warum auch? Ich war unter Brüdern oder in der Landessprache Bro´. Die einzige „Unsicherheit“ war wen überhaupt, jene, sich in dem Gewirr zurechtzufinden und somit den Weg zum Strand zu im Fokus zu behalten. Ich genoss die Atmosphäre und den Trubel um mich herum. Ich kaufte gleich zwei Panga´s – man weiß ja nie – und zog durch die Straßen. Schlussendlich bin ich aber dann aus zeitlichen Gründen doch mit einem Taxi zum vereinbarten Treffpunkt am Strand gefahren. Wie sich herausstellte, war es die richtige Entscheidung – zu Fuß wäre es mir in dem Moment zu weit gewesen und der Fahrer, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe, bot mir als Zusatzleitung zu seinen Fahrdiensten auch den Lieferservice für „Weed“ an, was ich dankend ablehnte. Am Ende der Fahrt war ich mit dem Taxifahrer, wie mit den meisten anderen denen ich begegnet bin mit „yo, my Bro`“ auseinandergegangen – African mood eben.

Später am Abend, auf einem multikulturellem kulinarischen Parkdeck-Markt erfuhr ich von anderen Touristen Paar, dass sie ebenfalls in der Gegend unterwegs waren. Bei ihrem Stadtbummel, der sie auch über den Schamanenmarkt führte, wollten sie Fotos machen, was von den Umstehenden negativ aufgefasst wurde. Man sollte halt immer die Lage abschätzen und ein Gefühl dafür haben, wo und wann man sich wie verhalten sollte.

Auf meinem Rundgang habe ich auch interessante Gassen gesehen, in die ich mich ohne schwarzen Bruder jedoch nicht wagen würde. Es waren dunkle unbeleuchtete Gassen, die, 2 Meter breit, durch tiefe, einst weiß gestrichene, heute grau schwarze Häuserschluchten führten, in die selbst bei strahlendem Sonnenschein kein Licht fiel und die den bunten Lebensalltag in meinem Rücken in ein absolutes schwarzweiß Bild eintauschten. Eigene, offizielle und uniformierte Sicherheitsleute sorgten dort für Ordnung. Sehr interessant, aber nicht unbedingt etwas für den ersten Aufenthalt in dieser Stadt.

Der erwähnte multikulturelle kulinarische Parkdeck-Markt fand im Musgrave Center statt. Auf einem der oberen Parkdecks waren Dutzende Verkaufsstände aufgebaut worden, an denen die verschiedensten Spezialitäten aus Ländern wie Mexiko, Türkei, Indien usw. angeboten wurden. Zwischendurch haben 3-4 lokale Händler ihre Waren (Textilien, Deko, Technik) angeboten. Kulinarisch und gesellschaftlich empfehlenswert – wenn man den Zeitpunkt erwischt, dass die Veranstaltung stattfindet.

20. TAG – MITTWOCH

Autobahn: N3

Streckenabschnitt: Durban nach Johannesburg (568 Km ca. 6 Stunden)

Unser letzter Tag in Afrika. Um 8:30 Uhr war es für uns an der Zeit uns auf den Weg zum Flughafen in Johannesburg zu machen. Wir verabschiedeten uns von dem Wachhund, der uns treu behütet hat und dann ging es los. Google Maps ersparte uns durch eine kurze und abenteuerliche Umfahrung von 3 Kilometern eine ganze Stunde Stau. Ansonsten gab es keine weiteren Vorkommnisse. Wir gaben dem Mietwagen ab, brachten den Mobilen Internet Router zurück und ich nahm bei einer letzten Zigarette Abschied von Afrika bevor wir uns zum Check In-Schalter und Passkontrolle begaben.

Fazit

Alles in allem, war es eine Reise, auf der es gelungen ist, die Landschaft zu erkunden und das Land in seinem Sein kennen- und lieben zu lernen. Wer wirklich tiefgründig in das Land, die Menschen und deren Kultur vordringen möchte, ist mit einem ortskundigen Tour Guide gut beraten. Bei dem nächsten Besuch werde die Vorbereitungen dahingehend ganz sicher intensiver gestaltet.

Rückblickend war die Garden Route die landschaftlich sowie gesellschaftlich eindrucksvollste, jedoch auch die von Mensch und Tier belebteste, mit den geschilderten Folgen. Somit ist für jeden etwas dabei: Natur und Landschaft sowie Surf-, Strand- und Partyvergnügen. Die Inland Route kommt da etwas nüchterner daher. Der Verkehr wird von Lkw´s dominiert, jedoch sind die Strecken übersichtlicher und angenehmer zu fahren. Es waren kaum Menschen und Tiere links rechts der Fahrbahn und aufgrund der teilweise schnurgeraden Fahrbahnen war die Übersicht hervorragend.

Über die Sicherheit braucht man sich als klar denkender und handelnder Mensch keine Sorgen machen. Das was einem passieren kann, kann einem auch in London, Paris oder Berlin passieren. Gewiss sind dennoch einige Grundregeln einzuhalten wie das Sperren der Autotüren bei der Fahrt, nicht alleine in der Nacht durch dunkele Straßen laufen und keine Wertgegenstände zur Schau tragen. Dennoch stelle ich mir im Nachhinein immer noch die Frage, ob es wirklich so viel Wert auf die Meinung andere zu legen was die Kriminalität angeht. Oftmals reicht das eigene Bauchgefühl aus um zu entscheiden was das Richtige zu sein scheint (bzg. Dunkle Gassen am Victoria Street Market). Außerdem hatte ich mich mehr als ein Mal in Lebensgefahr begeben – laut Aussagen.

Öffnungszeiten
Läden, auch in Einkaufszentren haben von 9:00 bis maximal 18:30 Uhr auf. Supermärkte öffnen in der Regel von 9:00 bis 19:00 Uhr.

Essen
Gutes Essen bekommt man eigentlich überall. Für unser dreiköpfiges Team haben wir von 15 Euro bis 80 Euro alle Preisklassen erlebt. Im Regelfall bezahlt man jedoch für ein Frühstück insgesamt 10-20 Euro. Für ein Abendessen insgesamt 20 bis 40 Euro.

Alkohol
Alkohol gibt es ausschließlich in Liquor Stores zu kaufen oder wird in Bar´s und Restaurants ausgeschenkt.

Einwohnerzahlen
Alle Angaben zu Einwohnerzahlen berufen sich auf die letzte, landesweite Volkszählung aus dem Jahr 2011.

Wichtige Apps
Booking.com, Uber und Google Maps waren die technisch hilfreichen Begleiter auf dieser Reise.

Reisekosten
Flug 600,00 Euro Hin- und Rückflug pro Person 1.800 Euro
Mietwagen 500 Euro
Sprit
Maut 50 Euro
Übernachtung
Essen
Sonstiges
Gesamtbetrag: 6.000 Euro

Reisezeit
22. März bis 11. April 2018

Webseiten
http://mazaratanimalrescue.webs.com/




Stadtgeschichte Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park

Der »Führerbunker« im Zentrum der Stadt wurde zugeschüttet und steht somit nicht mehr als Mahnmal für die vergangene und vergessene Geschichte des Landes zur Verfügung. Über das derzeitige Führerhauptquartier habe ich bereits in der letzten Ausgabe berichtet. Somit ist es an der Zeit über ein Mahnmal zu berichten, das die vergangene und aktuelle Geschichte des Landes gleichermaßen berührt.

Der Treptower Park im Stadtteil Treptow ist das Ziel der geschichtlichen Exkursion. Zwischen der Puschkinallee und der Straße Am Treptower Park gelegen, erstreckt sich der in den Jahren 1876 bis 1888 und nach den Plänen von Gustav Meyer angelegte Park auf einer Gesamtfläche von 88,2 Hektar. Aber nicht der für 1,2 Millionen Goldmark angelegte Park an sich ist das Ziel.

Dort, wo sich früher eine große Spiel- und Sportwiese befand, liegt heute, versteckt im Treptower Park, das Sowjetische Ehrenmal. Es wurde nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Auftrag der Sowjetischen Armee errichtet, um den gefallenen Rotarmisten, insbesondere den 80.000 im Kampf um Berlin Gefallenen der Sowjetischen Armee angemessen zu gedenken.

Von den 33 eingereichten Entwürfen wurde ab Juni 1946 der von einem sowjetischen Kollektiv umgesetzt, dem der Architekt Jakow S. Belopolski, der Bildhauer Jewgeni Wutschetitsch, der Maler Alexander A. Gorpenko und die Ingenieurin Sarra S. Walerius vorstanden.

Am 4. Jahrestages des Kriegsendes dem 8. Mai 1949, wurde das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Anwesenheit von Otto Grotewohl, Leiter der deutschen Delegation und späteren Ministerpräsident der im selben Jahr gegründeten DDR, eingeweiht. Seine Rede beendete er mit den Worten: »Wir danken der ruhmreichen Sowjetarmee, die uns von der Geißel der Menschheit, dem Faschismus, befreit hat. Das Gelöbnis von Millionen Proletariern lautet in dieser Stunde: Für Demokratie, Frieden und Sozialismus zu kämpfen.«

Betritt man das Ehrenmal, das 7.000 Soldaten als letzte Ruhestätte dient, von der Puschkinallee aus, durchschreitet man einen Triumpbogen aus grauem Granitstein, der zu Ehren der Soldaten die Inschrift trägt: »Die für Freiheit und Unabhängigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind.« Folgt man dem Weg, kommt man zu einem Vorplatz mit der Frauenstatue »Mutter Heimat«, dies für die, um ihre Söhne trauernden Mütter steht. Der von dort aus großzügig angelegte Weg führt direkt zum Hauptfeld der Anlage. Es wird durch zwei, aus rotem Granit bestehenden stilisierten Fahnen markiert, an deren Stirnseiten zwei Skulpturen stehen. Beide Skulpturen zeigen jeweils einen knienden Soldaten mit Maschinengewehr in der Hand, wobei der linke älter und der rechte jünger dargestellt wird. Verfolgt man den Weg weiter, gelangt man zu einer Treppe, die zum symbolischen Gräberfeld hinabführt, das das Zentrum der Anlage bildet.

In der Mitte des Hauptfeldes befinden sich fünf Steinplatten, die jeweils mit einem Lorbeerkranz verziert sind. Links und rechts davon sind, entlang des Weges, jeweils acht Sarkopharge aus Marmor aufgereiht.

Am Ende der Anlage befindet sich der künstlich angelegte Grabhügel, auf dem die, auf zwei konischen Sockeln errichtete 70 Tonnen schwere und 12 Meter hohe Skulptur »Der Befreier« von Jewgeni Wutschetitschi steht. Sie zeigt einen Soldaten, der in der rechten Hand ein Schwert hält, auf dem linken Arm ein Kind trägt und unter dessen Stiefel ein zerborstenes Hakenkreuz zu erkennen ist. Das Kind symbolisiert das Volk, das unter dem Schutz des Retters einer hoffnungsvolleren Zukunft entgegenblicken kann. Unter der Skulptur befindet sich ein Pavillon, in dessen Kuppel sich ein Mosaik mit russischer Inschrift befindet.

Um die Entstehungsgeschichte der Skulptur ranken sich verschiedene Gerüchte. Tatsache ist, dass der sowjetische Soldat Iwan Odartschenko (1926-2013) Modell stand. Einen Zusammenhang mit den ehrenvollen Taten von Sergant Nikolaj Iwanowitsch Massalow (1921-2001), der beim Sturm auf die Reichskanzlei ein kleines Mädchen in Sicherheit gebracht hat oder dem Sowjetsoldaten T. A. Lukjanowitsch, der die Rettung eines kleinen Mädchens mit seinem Leben bezahlt hat und aufgrund dessen je nach Meinung Massalow oder Lukjanowitsch als Helden in der Skulptur verewigt wurden, bestritt Wutschetischi in mehreren Interviews.

Dass jede auch noch so glanzvolle Medaille eine Schattenseite besitzt, zeigt, dass laut der englischsprachigen Fachliteratur Frauen, die die massenhaften sexuellen Gewalttaten, die in der Zeit von 1945/46 von Rotarmisten verübt wurden, miterlebt haben, das Ehrenmal als »Grab des unbekannten Vergewaltigers« bezeichnen.

Neben dem Ehrenmal im Treptower Park gibt es zwei weitere, eines in der Schönholzer Eiche im Stadtteil Pankow und ein weiteres im Stadtteil Tiergarten an der »Straße des 17. Juni« gelegen. Wie auch das Ehrenmal im Treptower Park, dienen auch diese Gedenkstätten gleichzeitig als Friedhof für gefallene Soldaten und sind somit auch Kriegsgräberstätten.

Anfahrt: Die S-Bahn Station »Treptower Park« ist mit den Linien der S8, S9, S41, S42, S85 zu erreichen oder mit den Buslinien 166, 167, 194, 265, 104, 167.

Interessante Orte in der Umgebung: Die »Archenhold Sternwarte«, 1896 errichtet, beherbergt mit dem »Großen Refraktor« das längste bewegliche Fernrohr der Welt.

Geschrieben von Oliver Jung

 




Das Regierungsviertel – Schaltzentrale der Macht

Das Regierungsviertel, die Schaltzentrale der Macht, befindet sich im Herzen der Stadt, in den Ortsteilen Tiergarten und Mitte. Es erstreckt sich von der Wilhelmstraße im Süden bis zur Invalidenstraße im Norden und vom Schloss Bellevue im Westen bis zur Fischerinsel im Osten. Auf diesem Gebiet verteilt befinden sich das Reichstagsgebäude, der Deutsche Bundestag und das Band des Bundes mit dem Bundeskanzler(innen)amt. Des Weiteren befinden sich dort das Paul-Löbe-Haus in dem sich die Abgeordnetenbüros und die Sitzungssäle des Bundestages befinden sowie das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, welches den Große Anhörungsaal und das wissenschaftliche Dienstleistungszentrum beheimatet.Lage

Der kulturell wertvollste Bau ist neben dem Brandenburger Tor, das Reichstagsgebäude (geöffnet von 8-24 Uhr, der Eintritt ist frei). Es wurde von dem Architekten Paul Wallot im Stil der Neorenaissance entworfen und in den Jahren 1884 bis 1894 auf einer Grundfläche von 13.290 m² errichtet. Das Gebäude hat eine Höhe von bis zu 47 Metern und wurde von 1994 bis 1999 umfangreich saniert. Während dieser Zeit wurde es von dem Künstlerpaar Christo und Jeanne- Claude zu einem Kunstwerk umfunktioniert. Unter dem Motto »Verhüllter Reichstag« überspannten sie das Gebäude im Jahr 1995 mit einem Gewebetuch.

 

Geschichte

Ein Gebäude, das dem Reichstag des Deutschen Kaiserreichs sowie auch dem der Weimarer Republik ausreichte, um Politik zu zelebrieren, genügte dem größenwahnsinnigen Nazi- Regime natürlich nicht und so bauten sie weitere kolossale Gebäude wie das Detlev-Rohwedder-Haus in der Wilhelmstraße. Es wurde 1935 nach den Plänen des Architekten Ernst Sagebiel errichtet. Die heutige Verwendung als Bundesministerium für Finanzen fügt sich nahtlos an die ursprüngliche Nutzung als Reichsluftfahrtmuseum an. Beide Einrichtungen hatten beziehungsweise haben es mit abhebender Materie zu tun. Das Reichsluftfahrtmuseum mit Fluggeräten und das Bundesministerium für Finanzen mit Politikern. Diese Tatsache reflektierend betrachtend, erkennt man, dass die sich an der Macht befindliche Regimeelite gar noch größenwahnsinniger ist, als die längst der Geschichte angehörenden. Sie haben für über 3,44 Milliarden Euro das Regierungsviertel um weitere Gebäude erweitert. Dazu gehören wie bereits erwähnt das Paul-Löbe-Haus, das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und das, als »Waschmaschine« bekannte Bundeskanzleramt. Dass die Regierung mit dem Ausbau des Regierungsviertels nicht nur ihren Größenwahn offen zur Schau stellt, sondern obendrein auch unser hart verdientes Steuergeld mir nichts dir nichts zum Fenster hinausgeworfen hat, zeigen die bereits im Jahr 2010 aufgetretenen Baumängel (über 900!), deren Beseitigung über 68 Millionen Euro gekostet hat.

 

Aktuell

Damit das Pack unter sich bleibt und ungestört dem Volk das Fell über die Ohren ziehen kann, befinden sich auch die meisten Wirtschaftsverbände und Interessenvertretungen im Regierungsviertel. Die Ländervertretungen gönnen sich auf Kosten der Steuerzahler ebenfalls einige der besten Grundstücke im Stadtzentrum. Da sich auch ausländische Botschaften in dem Regierungsviertel befinden, könnte man manch diplomatische Verwicklung als Nachbarschaftskrieg bezeichnen.

Im Zuge dieses TouriTipps möchte ich es nicht versäumen, meinen Aufruf zu erneuern, der die Bitte beinhaltet, nicht mehr benötigte Silvesterböller der Kreuzberger-Redaktion zukommen zulassen, damit wir dem »alternativlosen« Ziel näher kommen eine Superbombe zu bauen, mit der wir das Regierungsviertel zusammen mit all seinen sich dort aufhaltenden politischen Nichtskönnern in dem sandigen Untergrund der Stadt verschwinden zu lassen. Getreu dem Motto der volkswirtschaftlich gewichtigen Märkte: Abreißen und neu bauen.

 

Interessante Orte in der Nähe

In Zeiten, wie diesen, in denen Hartz-IV-Empfänger mit ihren Leistungen nicht wissen wie sie überleben sollen und mehr oder weniger schwer Arbeitende sich von der Politik eine »spätrömisch dekadente« Lebensweise nachsagen lassen müssen, ist es mehr als nur eine bodenlose Frechheit, dass sich unsere Damen und Herren Volksvertreter mit allem umgeben, was das arme unterbezahlte und von Stress zerfressene Politiker-Herz begehrt. Wer also das nötige Kleingeld oder die schwarze American Express-Karte auf Tasche hat, kann in unzähligen Läden, Galerien, Boutiquen und Restaurants im und um das Regierungsviertel herum seine Urlaubskasse plündern. Darüber hinaus finden sich im direkten Umfeld aber auch noch weitere Sehenswürdigkeiten. Westlich vom Regierungsviertel liegt der Tiergarten mit seinen Skulpturen. Das Richard-Wagner-Denkmal mit mit einigen Figuren aus seinen Opern, Otto von Bismarck der auf seinem Sockel 15 Meter empor ragt und das aufwendig restaurierte Musiker-Denkmal von 1904 sind nur drei der insgesamt 67 Skulpturen. An der Straße des 17. Juni befindet sich zudem das Sowjetische Ehrenmal mit zwei T-34-Panzern. In östlicher Richtung reihen sich links und rechts des Boulevards Unter den Linden geschichtsträchtige Gebäude aneinander. Darunter die Staatsbibliothek, die Neue Wache und das Kronprinzenpalais.

 

Anfahrt

Obwohl die Fahrradwege, wie in der letzten Ausgabe berichtet, ungenügend ausgebaut sind, ist die Anfahrt mit dem Drahtesel schon aus dem Grund zu empfehlen, um die letzte Fahrpreiserhöhung im öffentlichen Personennahverkehr von 2,40 Euro auf 2,60 Euro je Fahrtstrecke nicht zu unterstützen. Dennoch hier die Alternative mit dem ÖPNV.

S-Bahn: Linie 25/Station Brandenburger Tor

U-Bahn: Linie 55 (Bundestag)

Bus: 100, M85 (Reichstag/Bundestag), TXL (Brandenburger Tor), 200, N2 (Behrenstr./Wilhelmstr.)




Die Wasserkutsche – Mit dem Hausboot auf Entdeckungstour

Das Streckennetz der Berliner Wasserstraßen beläuft sich auf eine Gesamtlänge von zirka 6.700 Kilometern, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen von prachtvollen Brücken überspannt werden. Was läge da näher, die Stadt und ihre Umgebung vom Wasser aus zu erkunden? Mit einem der in liebevoller Handarbeit und komplett aus Holz gefertigten Hausboote von Franz, Johannes und Jan-Niklas Rademacher, dem Kopf von Wasserkutsche, ist dies seit 2010 möglich. Ohne die Verpflichtung, einen Bootsführerschein besitzen zu müssen, kann jeder nach einer Einweisung in die Bootstechnik und Bootskunde zum Kapitän werden.

Wer sich zu Wasser in Berlin nicht so gut auskennt, was bei den meisten Berlinern der Fall sein dürfte, kann sich von einer der kleineren Tagestouren bis hin zu mehrtägigen Fahrten über die Gewässer der Stadt und im Umland leiten lassen. Die kleineren Touren führen durch Neukölln, Kreuzberg, zum Lange See, der zwischen Grünau und den Müggelbergen liegt, oder einfach nur direkt um die Ecke zum gemütlichen Abhängen in die Rummelsburger Bucht. Die längeren Touren bringen einen vorbei an der Glienicker Brücke, dem Albert-Einstein-Haus in Caputh, zum Schloss Sanssouci in Potsdam und nach Werder und dort, je nach Saison, zum jährlich stattfindenden Baumblütenfest.

Die kleinen Hausboote sind aber nicht nur für Ausflüge und Kurzurlaube geeignet, sondern es lässt sich auf ihnen genauso gut zu zweit die Ruhe bei einem romantischen Picknick genießen oder ein lustiger Firmenausflug gestalten, bei dem der Chef ganz beruhigt mal das Ruder aus der Hand geben kann. Ganz gleich, für welche Tour man sich entscheidet, der Ausgangspunkt ist der Heimathafen in den „Höfen am Osthafen“ in der Schlesischen Straße 28 in Berlin-Kreuzberg.

 

Die Ausstattung

Die Boote sind zwei Meter breit und sechs Meter lang, und die Ausstattung bietet alles notwendige wie Kühlschrank, Musikanlage und Kochgelegenheit in Form eines zwei-flammigen Gaskochers. Das Boot bietet insgesamt sechs Personen Platz. Bei mehrtägigen Fahrten muss jedoch berücksichtigt werde, dass nur vier Schlafplätze vorhanden sind. Im Sommer könnte man eventuell die auf dem Dach zur Verfügung stehenden Liegeflächen als zusätzlichen Schlafplatz nutzen. Für die kühlen Tage gibt es eine Heizung, und selbstverständlich ist auch eine (chemiefreie) Toilette an Bord vorhanden, damit niemand Gefahr läuft, beim über die Reling scheißen ins Wasser und somit in die eigenen Hinterlassenschaften zu stürzen. Um nicht der Wasserschutzpolizei vor den Bug zu treiben, besitzt das Boot auch einen Anker, der es ermöglicht, vor unbefestigten Landabschnitten fest zu machen und an Land zu schwimmen. Dem Elektroantrieb sei dank, darf man mit den Booten auch in Naturschutzgebiete einfahren und die zum Teil unberührte Naturlandschaft genießen. Einziger Wermutstropfen ist, dass die innerstädtischen Verkehrswege nicht befahren werden dürfen und somit ein spät römisch dekadenter Landgang vor dem Szeneklub, durch das eigene Boot stilgerecht in Szene gesetzt, nicht möglich ist.

Auf der Internetseite von Wasserkutsche bekommt ihr von Elisa in einem fünf minütigem Film einen Eindruck davon vermittelt, wie die Boote gebaut werden, mit welcher Ausstattung die Boote ausgerüstet sind und dass die Musiker von »Mouse on Mars« auch schon mit den schwimmenden Kult-Booten unterwegs waren und aus Begeisterung über das Erlebnis ein Lied darüber komponiert haben.

Tel. 0157-86768468

Web: www.wasserkutsche.com




Zinnowitz ist eine Reise wert – Über Bauernstuben auf Usedom

BERLIN/ZINNOWITZ Wir, meine durchaus charmante Begleiterin, Schröder und ich, hatten uns für vier Tage auf dem Anwesen der Familie Schönherr im beschaulichen Ostseebad-Zinnowitz eingemietet, um uns ein paar Tage Ruhe zu gönnen. Ein wohliges Gefühl machte sich breit, als wir die Tür zu unserem kleinen Feriendomizil namens »Zwergenhaus Dustin« öffneten und aus der winterlichen Kälte in das kleinen Haus eintraten. Bevor wir jedoch das Haus betreten und uns wie zuhause fühlen konnten, hatte uns Usedom zuvor Einiges abverlangt. Bereits zwei Mal war meine durchaus charmante Begleiterin auf der Insel und ein Mal hatte es mich zuvor dorthin verschlagen. Dabei gab es nie Probleme mit der Insel und ihrer BewohnerInnen, sondern stets bei der An- und Abreise. Auch dieses Mal sollte zumindest die Anreise unter keinem guten Stern stehen. Als wir am Hauptbahnhof in Berlin in den Regionalzug in Richtung Usedom einstiegen, war der Zug so voll, wie die Tokioter U-Bahn zur Hauptverkehrszeit. Stehend, wie Ölsardinen gedrängt, fuhren wir annähernd drei Stunden unserem Ziel entgegen. Vor Ort angekommen, tobte ein Schneesturm, sodass wir froh waren, dass uns der Vermieter mit dem Auto vom Bahnhof abholte und die kurze Strecke von ungefähr 800 Metern zu unserem Domizil fuhr.

Während sich meine durchaus charmante Begleiterin daran machte, den Inhalt ihres Rucksacks in den Schränken zu verstauen, legt sich Schröder, der Redaktionshund auf die faule Haut und ich begutachtete unser Teilzeit-Zuhause.

Das Haus bestand aus einem Raum im Erdgeschoss und einem weiteren, als Schlafzimmer eingerichtetem Zimmer im Dachgeschoss. Insgesamt standen uns 40m² zur freien Entfaltung zur Verfügung. Die Einrichtung ist im Stil einer alten Bauernstube gehalten, war urgemütlich und somit bestens für einen romantischen Urlaub zu zweit geeignet. Im Wohnraum befinden sich eine Sitzbank mit davorstehenden Esstisch, an den sich die Kochzeile anschließt. Direkt daneben führte eine Tür zum Spa Bereich – in bürgerlichen Kreisen auch Badezimmer genannt. Rechts vom Eingang führt eine schmale und recht steile Treppe in das Dachgeschoss, wo sich das Schlafzimmer befindet. Auch dort gibt es ausreichend Stauraum, so wie einen Fernseher, ein Doppelbett mit bemerkenswert rückenfreundlichen Matratzen und einer bequemen Sitzecke. Hinzu kommt die, überall im Haus liebevoll und bis ins Detail gestaltete Dekoration. An technischer Ausstattung blieb ebenfalls kein Wunsch offen. Im Wohnbereich finden sich Radio und CD-Spieler, in der Küche Toaster, Mikrowelle, Wasserkocher, Miniherd und Kaffeemaschine. Nicht zu vergessen die an kalten Tagen angenehme Fußwärme bereitende Fußbodenheizung im Erdgeschoss. Das Grundstück ist komplett eingezäunt und somit ideal für alles was kreucht und fleucht und nicht aufs Wort hört wie Kinder und Hunde. Darüber hinaus bietet der Garten einen Grill, Liegestühle und jede Menge Platz zum Herumtoben.

Am nächsten Morgen machten wir uns daran, die Vorräte für die nächsten Tage aufzufüllen. Dabei empfiehlt es sich auch hier, auf die alteingesessenen und zum Teil als Familienbetriebe geführten Geschäfte zurückzugreifen. Im Anschluss daran erkundeten wir die örtlichen Begebenheiten. Zinnowitz ist ein Badeort und dafür typisch, gibt es auf dem Weg zum Strand eine (fast) unumgängliche Einkaufsstraße, auf der man, von der Apotheke bis zum Zimtstern alles zu finden ist, was das Herz begehrt. Ist die Konsum- und Fressmeile passiert, eröffnete sich einem der Strand, das Meer und der grenzenlose Horizont. Schröder war fortan damit beschäftigt, den aufschäumenden Wellen Einhalt gebieten zu wollen, indem er bellend in sie hinein biss. Wir schauten dem Treiben zu und genossen die frische Seeluft und dank unserer Gummistiefel konnten wir fernab der anderen Touristen allein auf einer Sandbank stehend ungestört in die Ferne schweifen.

Da gefühlt jedes zweite Haus in Zinnowitz Gästezimmer, -wohnungen und -häuser anbietet, ist davon auszugehen, dass im Sommer die Hölle los ist. Wer sich fernab von Touristentrubel ein paar Tage der Ruhe und Abgeschiedenheit gönnen möchte, ist mit der Nebensaison bestens beraten.

Zum Jahreswechsel findet ein spektakuläre Strandfeuerwerk statt.

Neben dem von uns bewohnten Haus, gibt es auf dem Schönherrschen Grundstück noch ein weiteres, die „Bauernscheune“. Ebenfalls mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und für eine Kleinfamilie oder 2 Personen plus Hund geeignet.

Abschließend bedanken wir uns bei Familie Schönherr für einen rundum schönen und erholsamen Aufenthalt im Zwergenhaus Dustin.

www.zwergenland-zinnowitz.de

Telefon 0172-3236657




Murellenschlucht und Schanzenberg – Natur- und Zeitgeschichte vereint

Passend zur kalten Jahreszeit gibt es in dieser Ausgabe ein Ausflugsziel, welches durch Schnee und Eis entstanden ist und die BesucherInnen in winterlichen Tagen – sofern Schnee liegen sollte – um etwa 20.000 Jahre in der Weltgeschichte zurückversetzt. So lange ist es her, dass die Murellenschlucht entstand. Im Sommer ein immergrünes Kleinod, ist es im Winter ein nicht minder attraktives Ausflugsziel.

Die Murellenschlucht ist durch schmelzendes Gletschereis geformt worden und bis zu 30 Meter tief. Die emporragenden Murellenberge gehören zu dem Teil des Teltownordbandes, welches den nördlichsten Ausläufer des Teltowplateaus zum Berliner Urstromtal bildet. Durch die baulichen Veränderungen der vergangenen Jahrhunderte hat sich das natürliche Landschaftsbild gravierend verändert. Der Bau von S-Bahnlinien, Straßen und Wohngebieten haben Narben im einst unberührten Landschaftsbild hinterlassen. Dennoch bietet die Murellenschlucht den Besuchern viel Natur und noch mehr Ruhe. Hinzu kommen unzählige vom Aussterben bedrohte Tierarten und eine nahezu einzigartige Vegetation. Da sich aber auch wildes Getier umher treibt, sind Hunde unbedingt an der Leine zu führen. Das Naturschutzgebiet umfasst ein Gesamtgröße von 28,5 Hektar.

Neben der Natur, Ruhe und Erholung, findet sich auch ein Hinweis auf die dunklen Jahre in Deutschlands Geschichte. Kurz vor den Fließwiesen befindet sich mit 63 Metern der höchste Punkt der Murellenberge. Dort ist auch der Schanzenwald. In mitten des heutigen Naturschutzgebietes wurden über 230 Todesurteile vollstreckt. Verhängt durch das Zentralgericht des Heeres und andere Kriegsgerichte wurden Fahnenflüchtlinge und Wehrkraftzersetzer in der Endphase des Zweiten Weltkriegs hingerichtet.

Eine Installation aus 104 Verkehrsspiegeln, die entlang des Weges aufgestellt sind – ausgehend von der Glockenturmstraße – berichten mit kurzen Texten über das Verbrechen aus der NS-Zeit. Der Entwurf für die Spiegelinstallation stammt von der, aus Argentinien stammenden und in Berlin lebenden Künstlerin Patricia Pisani. Sie gewann den im Jahr 2000 vom der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgeschriebenen Wettbewerb unter dem Titel: Denkzeichen zur Erinnerung an die Ermordeten der NS-Militärjustiz am Murellenberg. Um die Spiegelinstallation von der richtigen Seite aus zu begehen, fängt man die Wanderung von der Glockenturmstraße aus an. Vom S-Bahnhof Pichelswerder aus kommend führt zwischen der Eissporthalle und der Waldbühne ein Weg direkt in den Wald. Neben der warm haltenden Bekleidung ist festes Schuhwerk unbedingt zu empfehlen.

Bereits 1840 begann mit der Errichtung von Kasernen und Schießständen die militärische Nutzung des Areals. Zunächst durch das Preußischen Militär, dann durch die Wehrmacht und zum Schluss durch die Britischen Alliierten. Erst mit der Rückgabe an das Land Berlin 1994 änderte sich dies. Ein Großteil wurde den Berliner Forsten übertragen. Lediglich ein geringer Teil verblieb bei der Polizei. Dabei handelt es sich um ein Munitionsdepot und die sogenannte »fighting city«, in der das britische Militär den Häuserkampf trainierte.

Neigt sich der Ausflug dem Ende, kann man einen der weiteren, sich in direkter Nähe befindlichen und durchaus interessanten Orte Berlins aufsuchen, wie das Olympia Stadion, der Glockenturm und die Waldbühne. Wenn es einen jedoch dürstet und man Hunger hat, empfiehlt es sich den Heimweg mit der U-Bahnline zwei (U2) vom U-Bahnhof Ruhleben anzutreten. Drei Stationen entfernt, direkt am U-Bahnhof Theodor-Heuss-Platz befindet sich »Prime Kebap«. Der Imbiss ist ein echter Geheimtipp für all jene, die schon immer einmal wissen wollten, wie eine wirklich gute Berliner Currywurst schmeckt. An dem Umstand, dass ausgerechnet ein Laden mit dem Namen »Prime Kebap« zu einer der – aus meiner Sicht – besten Currywurstbuden der Stadt zählt, sollte sich niemand stören, sondern die Tatsache akzeptieren, dass die Integration auch kulinarisch erfolgreich verlaufen ist.

 

Kulinarischer Tipp:

Prime Kebap

Reichsstraße 1

(am U-Bhf. Theodor-Heuss-Platz)

14052 Berlin

Currywurst 1,60 €

Pommes 1,60 €

 




Wir stehen auf Heilkräuter – Heilsames Kreuzberger Stadtunkraut

Eine Gruppe Frauen und Männer, dazwischen auch ein Kind, stehen in gebückter Haltung rund um einen Fahrradständer in der Kreuzbergstraße. Passanten, die an dieser Gruppe vorbeilaufen, versuchen deren Inneres zu erblicken. Manch einer gesellt sich dazu, ein anderer läuft kopfschüttelnd weiter, ein weiterer versucht aus der Ferne zu enträtseln, was denn der Kern des Interesses sein möge.

Heilkundige früherer Zeiten liefen oft nicht weit, um die geeignete Medizin für ein Leiden zu finden. Rund ums Haus, in der Hecke, am Brunnen, am Wegesrand fanden sie eine Vielzahl ihnen bekannter Heilpflanzen. Dieses Vorgehen erscheint uns heutzutage als befremdlich, einfach und naiv. Wir erwarten von unseren Pharmakologen, dass sie im Labor mit chemischen Reagenzien hantieren und nicht wie Wilde in den Büschen herumkriechen. Unsere heutige Medizin ist komplex und hoch spezialisiert – und doch bringen die modernen Leiden sie bisweilen an ihre Grenzen.

Auf der Suche nach Lösungsansätzen blickt man sich um: Was nun? Neue Wege beschreiten? Oft genügt jedoch das Beschreiten ganz gewöhnlicher Wege. Den Gehsteigen zum Beispiel.

Auf den Gehsteigen Kreuzbergs wird kaum einer Heilpflanzen sammeln. Soll er auch nicht. Doch lassen sich direkt vor den Haustüren der Kreuzberger Bürger Heilpflanzen kennenlernen und ihre Heilwirkungen verstehen. Man muss nur lernen, genau hinzuschauen. Doch wo sind sie bloß, diese Heilpflanzen? Wir stehen darauf! Sie sind buchstäblich unter uns, zu finden in Parks, an Baumscheiben oder als vermeintliches Unkraut zwischen Gehwegplatten.

Die Gruppe von Frauen und Männern beginnt vorsichtig zu tippeln, drehen die Schuhsohlen beiseite, um eine solche Heilpflanze zu entdecken. Hier und da erscheint ein kleiner Klecks Grün, mal mit bekannter Form, ein Grashalm, mal völlig unbekannt. Langsam und Pflanze für Pflanze beginnen wir die verschiedenen Vertreter der Trittpflanzengesellschaften kennenzulernen. Es sind Pflanzenspezies, die sich ein sehr besonderes Biotop ausgesucht haben: Sie wachsen dort, wo wir lang laufen, dort, wo wir unsere Füße hinsetzen, sie bevölkern unsere Gehsteige und finden sich in spärlichen, schmalen Ritzen zurecht.

„Wer hat denn schon an einer wiederkehrenden schmerzhaften Blasenentzündung gelitten?“ In der Gruppe meldet sich die eine oder andere Hand. Sollte die Antibiotikatherapie keine dauerhafte Symptomfreiheit gewährleisten, so darf man sich ruhig die Unterstützung von ganz unscheinbaren Helferlein sichern. Gerade Therapeutika für die Niere und Blase finden sich ausreichend auf den Gehsteigen.

Eine davon bildet einen Miniaturteppich aus unzähligen noch kleinen Blättern und wahrscheinlich tausend noch kleineren Blüten: Das Bruchkraut.

Ein Tee aus diesem Kraut mit der lateinischen Bezeichnung Herba Hernariae riecht überraschend aromatisch, lieblich. Die enthaltenen Cumarine riechen und schmecken nicht nur gut, sondern sie entspannen auch schmerzhaft verkrampfte Muskulatur, vor allem im Beckenbereich. Bei einer Blasenentzündung lindert dieses pflanzliche Spasmolytikum die unangenehmen Krämpfe der Blasenmuskulatur. Von den Saponinen des Bruchkrautes weiß man, dass sie einen günstigen Einfluss auf den Blutdruck haben. Unterstützend kann diese Pflanze also in Kräutermischungen bei erhöhten Blutdruckwerten eingesetzt werden. Dies kann auch während einer schulmedizinischen Therapie geschehen, sollte jedoch auf längere Zeit von professioneller Seite begleitet werden.

In einer Stadt wie Berlin ist es fast unmöglich, nicht auf Heilpflanzen zu stehen. Alle stehen wir auf Heilpflanzen. Tagtäglich. Die meisten jedoch nur mit dem Fuß, manche aus gutem Grund nicht nur damit.

Sebastian Vigl ist ein in Kreuzberg praktizierender Heilpraktiker und Pflanzenkundler sowie Mitarbeiter der Zieten Apotheke Berlin im Fachbereich westliche Heilkräuter. Auf seinen Heilpflanzenführungen rund um den Kreuzberg bringt er Interessierten die Heilpflanzen der Stadt nahe. Die Führungen finden an verschiedenen Samstagen im Jahreskreis statt. Teilnahme gegen Spende.

Termine und mehr Informationen zu den Führungen im Netz: www.sebastianvigl.de

Geschrieben von Sebastian Vigl




Touri-Tipp: Am Kupfergraben

Eine erwähnenswerte Sehenswürdigkeit stellt der Touri-Tipp diesmal nicht gerade dar und als besonders spektakulär würde ich ihn auch nicht bezeichnen, aber ich kann nicht bestreiten, dass von ihm (dem Tipp) ein gewisser Reiz ausgeht. Nun kann man das Gefühl des Reizes in verschiedenen Formen durchleben: Wenn meine Freundin leicht bekleidet vor mir steht und sie weiß, dass ich weiß, was sie jetzt will, finde ich diesen Wissen positiv und ein angenehmer Reiz durchflutet meinen Körper. Saufe ich hingegen ein Kiste Bier, führt dies zu dem negativen Wissen, dass ich mich demnächst aufgrund von dem unangenehmen Reiz der Übelkeit übergeben muss. So, oder so ähnlich wird es dem ein oder der Anderen von euch ergehen wenn er/sie vor dem Objekt steht, welches den Kern des heutigen Tour-Tipps bildet. Einige von euch werden, mit dem Wissen um die Hintergründe von dem Objekt, unverständlicher Weise ergriffen stehen bleiben, die Anderen, mit gerechtfertigter Weise brodelnden Magensäften zum Weitergehen drängen.

Nun könnte man fragend anmerken: Über Berlin gibt es soviel schönes zu berichten, warum muss ich ausgerechnet ein gehaltloses Objekt heraussuchen? Ganz einfach: Viel zu oft geschieht es, dass Berlin BesucherInnen und auch BerlinerInnen an diesem Objekt vorbei laufen und sich fragen warum die Beamten der Polizei vor der Tür herumlungern, aber diesen Umstand nicht weiter hinterfragen. Diese Bildungslücke zu schließen ist der Auftrag und einzig wahre Grund für diesen Bericht. Was das für ein Ort ist, der einige Gemüter reizt und es gerade deshalb geschafft hat im Bildungsauftrag vom Kreuzberger Erwähnung zu finden? Dazu komme ich gleich, ich baue die Spannung noch ein wenig auf.

Jeder Regime-Führer auf dieser Welt hat einen Rückzugspunkt an dem er sich erholen und neue Kräfte sammeln kann. In Amerika erholt sich der amtierende US-Präsident in Camp David*, der Papst in seinem Feriendomizil Les Combes und Osama Bin Laden nahm sich seine Auszeit vom anstrengenden Alltag als Terroristen auf einem Anwesen in Abbottabad. Angela Merkels Camp David beziehungsweise Abbottabad befindet sich Am Kupfergraben, um genauer zu sein in einer der Wohnungen von Haus Nummer 6. Dorthin zieht sich unsere Regimeführerin zurück wenn sie Abstand von den nicht minder minderbemittelten Hackfressen ihrer Kolleginnen und Kollegen benötigt. Jede/r die/der bis hierher gekommen ist ohne im Sumpf der Inhaltslosigkeit meiner sinnfreien Worte versunken zu sein, erfährt nun auch den wissenswerten Teil über die recht spärlich dokumentierte Geschichte des Hauses.

Das Haus wurde im Jahre 1832 für den Kaufmann Johann Traugot Börner errichtet und liegt gegenüber der Museumsinsel. So viel zur Geschichte des Hauses – zurück zum Thema.

Manch eine/r wird sich wundern in was für einer vergleichsweise schäbigen Baracke unsere Frau Bundeskanzlerin da haust, wo sie mit ihrem Mann doch im Bundeskanzleramt residieren könnten. Selbstverständlich steht das Haus rund um die Uhr unter der Bewachung von mehreren Beamten der Polizei. Und auch in einer der anderen Wohnungen dürften noch ein paar von den Kollegen der „Türsteher“ herumlungern die dafür sorge zu tragen haben, dass Deutschland auch Morgen wieder sagen kann: „Einen wunderschönen guten Tag Frau Merkel. Schade sie wiedersehen zu müssen, aber gut zu Wissen, dass der Sicherheitsapparat noch einwandfrei funktioniert.“

Tipp:

Um das ortsansässige Kunsthandwerk zu unterstützen, möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass Geigenbaumeister Lehmann in der Planckstraße 20 (Hof rechts) für alle, die der mächtigsten Frau im Land schon immer mal die Meinung geigen wollten auch Mietinstrumente bereit hält (Kindergeige 8,50 €; 4/4 Geige 15,00 €).

* Offizielle Bezeichnung: Naval Support Facility Thurmond




Touri – Tipp Der Mauerweg

Ich möchten mit diesem Touri – Tipp an den, der in Ausgabe 12 erschienen ist und den darin enthaltenen Hintergedanken anknüpfen. Der Hintergedanke seinerzeit war, den Touristen unseren schönen Kiez zu zeigen, aber so, dass beide Seiten ihre Nutzen daraus ziehen: Die Touristen haben ihren Spaß und wir unsere Ruhe.

Mit dem Mauerweg stellen wir diesmal wieder eine weltbekannte Berliner Attraktion vor die diesen Gedanken zu hundert Prozent erfüllt. Zudem ist der Mauerweg eine Attraktion die man entweder in absoluter Ruhe fernab des hektischen Treibens genießen kann oder aber mitten im Herzen von Berlin erleben kann. Ein weiterer Vorteil, es bedarf keiner langen Anfahrt. Raus aus dem Hotel, rauf auf den (Mauer)Weg und ab geht´s. Immer schön in der Mitte vom Weg und am Rand von Kreuzberg entlang. Nachdem die Fronten geklärt wären, nun zum eigentlichem Thema.

Der Mauerweg

Der Mauerweg wurde er in den Jahren zwischen 2002 – 2006 eingerichtet. Er soll den Berlin BesucherInnen einen Eindruck vermitteln wie lang und vor allem wo entlang die Mauer von 1962 bis 1990 verlief. Die meiste Zeit der Wanderung befindet man sich auf dem ehemaligen Zollweg oder auf einem der Kolonnen Wege, auf denen die DDR-Grenztruppen ihre Kontrollfahrten zur Sicherung der Staatsgrenze durchführten. Auf dieser geschichtsträchtigen Wanderung bekommt man einen Eindruck von dem vollem Umfang der ehemaligen Mauer die sich auf mehr oder weniger 160 Kilometer belief. Man hat die Wahl den Weg fernab vom hektischen Treiben der Großstadt zu beschreiten der Stadt wie zum Beispiel am Brandenburger Tor bis hin zu absoluten Friedlichkeit in der Einöde von Albrechts Teerofen, hinter Wannsee gelegen, gerade zu ein Wechselbad der Gefühle. Naja, so oder so ähnlich zumindest.

Dank der umfangreichen Weg – Beschilderung kann man dem Mauerweg gut folgen und an über 40 Stationen gibt es mehrsprachige Informationstafeln die über die Geschichte der Mauer an den jeweiligen Stelle berichten.

Die Routen

Für diejenigen die nicht vorhaben eine komplette Berlin – Umrundung hinzulegen gibt es noch die Möglichkeit sich für eine der 14 Rad- und Wanderrouten zu entscheiden. Die Länge der Routen variiert zwischen sieben und 21 Kilometern. Zu den Innerstädtischen Routen gehören Wollankstraße – Nordbahnhof, Nordbahnhof – Potsdamer Platz, Potsdamer Platz – Warschauer Straße, Warschauer Straße – Schöneweide. Die nachstehenden Routen führen entlang der dezentralen Bezirke der Stadt: Schöneweide – Schönefeld, Schönefeld – Lichtenrade, Lichtenrade – Lichterfelde Süd, Lichterfelde Süd – Griebnitzsee, Griebnitzsee – Wannsee, Wannsee – Staaken, Staaken – Henningsdorf, Hohen Neuendorf – Hermsdorf, Hermsdorf – Wollankstraße. Im günstigsten Fall, für beide Seiten, fällt die Wahl sogar auf eine Route die nicht durch Kreuzberg/Friedrichshain führt.

Punkte an denen man vorbei kommt

Läuft man den Mauerweg in seiner Gänze ab, führte einen dies unweigerlich an einigen Sehenswürdigkeiten der Stadt entlang. Je nach dem von wo man die Route beginnt kommt man früher oder später am Brandenburger Tor, dem Reichstag, den ehemaligen Grenzkontrollpunkten Checkpoint Charly und der —- erbauten Warschauer Brücke. Die Glienicker Brücke auf der zahlreiche Agenten beider Seiten tot oder lebendig ausgetauscht wurden befindet sich genauso auf dem Weg wie die durchaus interessanten Wälder Berlins. Die Ausdauerläufer werden auch an dem ursprünglichen Grenzkontrollpunkt Dreilinden in Albrechts Teerofen vorbeikommen.

Mauerreste

In der Bernauer Straße/Ackerstraße findet man teilweise rekonstruierte und sanierte Segmente der Berliner Mauer. East Side Gallery in de Mühlenstraße bietet neben den Segmenten der ineren Mauer auch eine Open Air Gallery mit Kunstwerken von internationalen Künstlern. Checkpoint Charly Alliierten Kontrollbaracke vor der man sich mit US – und Sowjet – Soldat ablichten lassen kann. In direkter Nachbarschaft findet man in der Schützenstraße ebenfalls Mauerreste vor. In der Kieler Straße in Mitte , in der Erna-Berger-Straße und in der Puschkinalle in Treptow stehen die letzten Wachtürme im Stadtzentrum. Weiter Reste der Mauer findet man in der Bornholmer Straße (Bösebrücke), Gartenstraße/Bernauer Straße, Niederkirchner Straße, Schwartzkopfstraße, im Mauerpark, auf dem Invaliden- und St. Hedwigs Friedhof.

TIPP: Es ist zu empfehlen sich strikt an die Wegvorgabe zu halten. Insbesondere in den ehemaligen Grenzgebieten die zwischen Friedrichshain und Kreuzberg verlaufen könnte es beim verlassen des Weges zu Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung kommen. Sollte es zu einem unvermeidbarem Aufeinander treffen kommen unbedingt folgenden Rat befolgen: Schnauze halten und nicht versuchen die Lage durch künstliche Freundlichkeit oder dem Vortragen eines flachen Witzes entschärfen zu wollen. Die Erfahrung zeigt negative Erfolgsaussichten, mit dieser Taktik heile aus der Situation heraus zu kommen. Des weiteren empfiehlt es sich keinen Augenkontakt mit der einheimischen Bevölkerung herzustellen. Sollte dies wider erwartend eintreten sollte man umgehend die Augen mit klarem Wasser ausspülen und anschließend einen Facharzt aufsuchen um die Verblendung der Augen durch die Schönheit der KreuzbergerInnen behandeln zu lassen. So das soll es dann auch gewesen sein.

P.S. Vielleicht begegnen dem ein oder der Anderen Horch & Guck auf ihrer




Der Touri – Tipp Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön …

Nachdem ich in der touristischen Winterpause, das Problem des Kreuzberg – Touristen an sich behandelt habe, werde ich mit dieser Ausgabe wieder dahin zurück kehren, einen interessanten und unterhaltsamen Ausflugstipp vorzustellen. Der heutige Touri – Tipp bedient, wie bereits im Vorwort erwähnt gleichzeitig die Interessen der Touristen sowie der, von ihnen genervten, KreuzbergerInnen. Unter dem Motto: „Eine Bootsfahrt die ist lustig eine Bootsfahrt die ist schön“ und aus dem Grund das die Ausflugsdampfer seit dem 11. März wieder ihren Betrieb aufgenommen haben, stelle ich eines der Unternehmen vor, die gerade im Vorbereitungsstress für die kommenden Sommersaison stecken. Die Reederei Riedel hat sich spontan bereit erklärt, mich mit Informationen und Wissenswertem zu versorgen damit ich euch einen kleinen Einblick in das Unternehmen und dessen Angebot und Serviceleistungen liefern kann.

Zunächst zu den Fakten und Zahlen. Die Reederei Riedel wurde 1971 von Heinz und Margarete Riedel gegründet und war bis zu ihrem Ableben in ihrem Besitz. 1991 wurde der Betrieb durch Lutz und Stefan Freise von den Erben übernommen und erfolgreich fortgeführt. Die Reederei gehört heute zu den stärksten Anbietern von Fahrten auf der Spree und dem Landwehrkanal. Die achtunddreißig Angestellten der Reederei – Riedel sorgen für einen reibungslosen Betriebsablauf. Vom Planufer, dem Sitz der Firmenzentrale, aus koordinieren die Mitarbeiter im Büro die Fahrten und bearbeiten die Anfragen und Bestellungen. Die Mitarbeiter an Bord kümmern sich um die Instandhaltung der 14 Schiffe, die Sauberkeit, versorgen die Gäste mit den verschiedensten kulinarischen Spezialitäten und steuern sie sicher durch die Kanäle und Flüsse um am Ende einer Rundfahrt mit glücklichen und zufriedenen Hauptstadtbesuchern im Heimathafen einzulaufen. Die Verantwortung für einen reibungslosen Fahrbetrieb sowie der Qualität der erbrachten Dienstleistungen liegt auf den Schultern der Brüder Lutz und Stefan Freise

Schauen wir uns nun an wohin die Reise mit der Reederei – Riedel führt und was einen im einzelnen auf den verschiedenen Rundfahrten erwartet. Die Hauptrouten die von den Schiffen der Reederei bedient werden führen durch den Stadtkern, über die Spree oder haben auf der Brückenfahrt, wie der Name schon sagt das Hautaugenmerk auf die zahlreichen Brücken der Stadt gelegt. Darüber hinaus gibt es Abend- und Ausflugsfahrten sowie Sonderfahrten zu bestimmten Anlässen wie Wannsee in Flammen® oder Festival of Lights, die jährlich stattfinden.Die Reederei Riedel stellt ihre Flotte auch gerne für Veranstaltungen wie Familienfeiern, Betriebsausflüge und Konferenzen zur Verfügung. Zum Service dieser Angebote gehört ein Rundum – Sorglos – Paket, wobei es sich um die gesamte Abwicklung der Vorbereitung und Durchführung der unterschiedlichsten Veranstaltungen handelt. Von der musikalischen Untermalung des Abends, über die kulinarische Versorgung der Gäste bis hin zur Dekoration und technischen Ausrüstung kümmert sich das Team professionell.

 

Nun zu den Details

Die „Stadtkerntour„ beginnt man am besten ab dem Haus der Kulturen der Welt. Dadurch bekommt man unter anderem das Schloss Bellevue, das Innenministerium und den Spreebogen zusätzlich zu sehen. Nach dem Zwischenstopp an der Moltkebrücke führt einen die insgesamt 1,5 stündige Fahrt vorbei am Berliner Hauptbahnhof, das Bundespresseamt, dem ARD-Hauptstadtstudio, dem Reichstagsgebäude, das Nikolaiviertel, dem Fernsehturm und zahlreichen anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Die 3 stündige „Brückentour“ bietet einem die Möglichkeit, die zahlreichen Brücken Berlins, mehr als in Venedig sollen es sein, mal von einer ganz anderen Sichtweise zu betrachten. Vorbei an der Siegessäule, dem Berliner Dom und direkt durch das Herz der Stadt, werden einem auf dieser Tour 63 Brücken vorgestellt und ihre Geschichte erzählt.

Zwischen der O2 – Welt in Friedrichshain und der Hansabrücke in Moabit pendelt die „Spreetour“ hin und her. Diese Fahrt konzentriert sich mit seinen Erklärungen zu dem Gesehenen auf den Stadtkern an sich. Die Gebäude und Objekte werden im einzelnen vorgestellt und es ergibt sich ein Bild der Stadt und ihres Aufbaus vom Wasserweg aus. Diese Route bietet sich sehr gut für Kurzzeitbesucher der Stadt an, da sie mit 1-1,5 Stunden in kurzer Zeit ein Höchstmaß an Sehenswürdigkeiten und Informationen abhandelt.

Um die Stadt im Glanz und dem Wechselspiel der Lichter zu erleben, bietet die Reederei-Riedel ihre „Abendfahrten“ an. Dieses fantastische Erlebnis bietet einem zugleich die Möglichkeit sich an Bord zu entspannen, sich wohl zu fühlen und sich von dem freundlichen Mitarbeitern mit Speis´und Trank versorgen zu lassen. Auf der dreistündigen Fahrt, die ohne Zwischenstopp ein durchgehendes Fahrvergnügen bietet, geht es vorbei am Haus der Kulturen der Welt, der Alten Nationalgalerie, dem Potsdamer Platz sowie an den bereits zuvor erwähnten Sehenswürdigkeiten. Jede dieser Fahrten werden in der Saison täglich beziehungsweise mehrmals täglich durchgeführt und können bei Bedarf über ein GPS gesteuertes Informationssystem in insgesamt zehn Sprachen erklärt werden.

Die zu Beginn erwähnten Ausflugs- und Sonderfahrten hingegen, finden nur zu bestimmten Terminen statt und die Teilnahme muss im Vorfeld reserviert werden.

Die idyllische Fahrt ab der Strandpromenade Woltersdorf über den Falkensee bis zum Dämeritzsee, findet in der Vor- und Nachsaison einmal und in der Hauptsaison zweimal im Monat statt. Diese Tour dauert eine Stunde und zeigt die Stadt von ihrer grünsten Seite.

Die Sonderfahrten stehen immer unter einem anderen Motto. Es fängt am 07.04.2011 mit dem Krimimobil – Mord in der Südsee an, geht weiter mit Veranstaltungen wie die Vatertags Fahrt, den Country Abend, die Brunch Fahrt, die Schlagerparty, die Rhythm and Swing-Night und die legendäre Veranstaltung Wannsee in Flammen ® und endet am 14.12.2011 wenn das Krimimobil die Saison beendet. Als besonders heißer Tipp gilt das Eisbeinessen am 08. Oktober. Eine Tradition die man nicht verpassen sollte.

Weitere Informationen zu den Details der Touren, den Preisen und verschiedenen Zustiegsmöglichkeiten findet ihr auf der Internetseite der Reederei – Riedel.

Na dann – Ahoi und viel Spaß.

Reederei Riedel GmbH

Planufer 78

10967 Berlin

Telefon (030) 61 65 79 – 30

Telefax (030) 6 94 21 91

Internet www.reederei-riedel.de

E-Mail info@reederei-riedel.de




Touri-Tipp Fluch oder Segen?

Der Touri-Tipp ist eigentlich dafür gedacht dem ortsunkundigen Berlinern und Berlinbesuchern unseren Bezirk und die in ihm enthaltenen, verschiedenen Kieze und deren Sehenswürdigkeiten näher zu bringen und ein paar interessante Informationen darüber zu liefern. Ausgabe für Ausgabe gebe die Geheimtipps, die in keinem Reiseführer Erwähnung finden, aber dennoch prägend für Kreuzberg und seine Einwohner sind. Seitdem ich mich mit Themen für die BerlinerInnen und Berlin-BesucherInnen beschäftige, bekomme ich auch die unterschiedlichsten Meinungen zu hören. Denjenigen, denen die Touristen gute und stetig steigende Umsatzzahlen bescheren, sind sie herzlich willkommen. Den alteingesessenen Händlern und Kiezkneipen-Besitzern sind sie ein Dorn im Auge. Die Anwohner der betroffenen Straßenzüge vermissen die frühere Ruhe und Beschaulichkeit in ihrem Lebensumfeld.

Aus diesem Grund werde ich an dieser Stelle für das Verständnis für jeden einzelnen Betroffenen in dieser Sache werben und aufzeigen, dass mit dem nötigen Respekt auch ein Miteinander möglich ist. Denn selbst unter den Alteingesessenen sind die Meinungen geteilt. Die meisten jedoch sind sich in ihrer, nicht immer zu unrecht, negativen Haltung in diesem Punkt einig. So zogen bereits mehrere Demonstrationszüge, bestehend aus Anwohnern, Gewerbetreibenden und sonstigen Gegnern der stattfindenden Veränderungen im Kiez, durch die Straßen Kreuzbergs um ihrem Unmut Luft zu machen. Hauptsächlichster Streitpunkt sind die, sich durch die engen und eh völlig überfüllten (teilweise verkehrsberuhigt) Straßen, zwängenden Reisebusse, die kommerzialisierten Radtouren und die sich immer weiter ausbreitenden gastronomischen Betriebe. Die geführten Stadtrundfahrten per Bus und Fahrrad verhindern aufgrund ihres eng gesteckten Zeitrahmens, dass die Teilnehmer den Kiez weder richtig kennenlernen, noch dass sie einen Teil ihrer Reisekasse hier leeren können. Somit bleibt einzig und allein der Umstand, dass die Busse lärmend die Straßen verstopfen und die Fahrradtouren einen unnötigen Störfaktor in einem ansonsten recht friedlichen Kreuzberger Alltag darstellen. Die Händler im Kiez sehen sich durch den Zuzug neuer Geschäfte, die es ausschließlich auf die Brieftasche der Touristen abgesehen haben und denen der Kiez an sich scheißegal ist in ihrer Existenz gefährdet. Das beste Beispiel hierfür ist der Wegzug des Malerbedarfladens Herman Sachse im vergangenen Jahr. Zudem ändert die zuvor erwähnte „Tourismusförderung“ auch das Bild der Touristen, die uns besuchen. Waren es in den letzten Jahren noch die Individual-Touristen die unseren Kiez belebten, erforschten, beidem ein oder anderen Einzelhändler ihr Geld ließen und mit uns in den Clubs und Parks feierten, sind es seit 2010 ausschließlich die Hungrigen und Feierwütigen die uns mehr oder weniger angetrunken und mit der Bierflasche in der Hand belästigen. Dazwischen finden sich aber auch immer wieder Besucher, die es ernst meinen und die sich mit dem Kiez und seiner Geschichte beschäftigen und auseinandersetzen, wobei der Anteil derer weiterhin rückläufig ist. Aber sie sind die Ausnahme und so werden auch wieder in der kommenden Sommersaison die Pauschalreisegruppen mit Reiseleitern und eng gestecktem Zeitplan durch unsere Straßen hetzen. Da bleibt allenfalls Zeit für ein zuvor gemeinsam geplanter Zwischenhalt bei einem der zahlreichen gastronomischen Einrichtungen, aber nicht für einen entspannten und gemütlichen Einkaufsbummel, von dem alle Händler etwas hätten und der den Missmut über die Lage etwas dämpfen würde.

Dazu kommt, dass der massive Zustrom von Pauschaltouristen zeitgleich mit der Umstrukturierung, insbesondere des Wrangelkiezes und seiner Umgebung, stattfindet. Die im Zusammenspiel dieser beiden Faktoren resultierenden Umstände, wie zum Beispiel der Anstieg der Mieten, wird zu Recht beiden, den Touristen sowie den Umstrukturierungsmaßnahmen zur Last gelegt. Wobei man berücksichtigen muss, dass die meisten Kreuzberger von einer Erhöhung der Wohnraummiete betroffen sind, die auf den Zuzug der gutbürgerlichen und gutverdienenden Gesellschaft zurückzuführen ist und so rein gar nichts mit den Touristen zu tun hat. Denn der gern gesehene Tourist kommt, gibt im Optimalfall jede Menge Kohle aus und verschwindet dann auch wieder. Das Pack, was sich hier derzeit versucht anzusiedeln und sich dann über die hier vorherrschende Lebensweise beschwert, nistet sich auf Dauer hier ein und versaut den Mietspiegel. Das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Trotzdem bleibt mir in diesem Zusammenhang der Aufruf, der in einer Zeitung erschienen war und der zu massiven Angriffen auf Touristen aufgerufen hat, völlig unverständlich.

Da lässt man nach meiner Meinung, wie bei den 1. Mai Krawallen, den Druck am falschen Ventil ab. Denn so wie es völlig sinnfrei ist am 1.Mai aus Protest gegen das Kapital, dem kleinen „Händler umme Ecke“ den Laden abzufackeln und nicht die Fabrikantenvilla in Wannsee oder Frohnau, so ist es genauso wenig sinnvoll Touristengruppen mit Farbbeuteln und mit grober körperlicher Gewalt entgegenzutreten und damit vertreiben zu wollen. Zumal die Schuldigen für den Streit dasTouristen mit Reisebussen durch die Straßen Kreuzbergs kutschiert werden unweit vom eigenen Kiez zu finden sind. Die Angebote der auf optimierte Profitgewinnung ausgelegten Unternehmen sind es, die es gilt für beide Seiten angenehm zu gestalten. Sollte dies nicht möglich sein, gilt es andere Mittel und Wege zu finden, um das Übel an der Wurzel zu packen und auszumerzen.

Nun ist es aber so, das jeder von uns dann und wann auch mal verreist. In diesem Moment befindet man sich auch in der Heimat und der gewohnten Umgebung von anderen Menschen und hofft darauf, wenn auch nicht unbedingt freundlich, dann aber doch wenigstens respektvoll empfangen und behandelt zu werden.

Ganz nach dem Spruch: „Alle Menschen sind Ausländer – Fast überall“. So könnte man hierbei sagen: „Fast alle Menschen sind Touristen – Fast überall“.

Denkt mal drüber nach, in einem angeblich so toleranten Bezirk wie wir eigentlich immer vorgeben, sein zu wollen.

Der Stadtführer Horst Schulz, ist ein gutes Beispiel für kiezverträglichen Tourismus und bietet zudem eine (touristische) Völkerverständigung der besonderen Art. Zu seinen Kunden zählen Berlin Besucher genauso wie Berliner die, ob aus Zeitmangel oder aus Furcht vor dem Berliner „Ghetto“, noch nie die Grenze nach Kreuzberg überschritten haben. Gemeinsam mit ihnen erforscht er den Bezirk und erklärt von Grund auf seine Geschichte. Er gehört zwar auch zu denen der seine Kunden mit dem Bus durch die Straßen kutschiert, aber im Gegensatz zu anderen Stadtrundfahrten hält er an und läßt seine Gruppe auf die Menschheit los. Die dabei zustande kommenden Kontakte und die daraus resultierenden Gespräche helfen die Barrieren und (teilweise gegenseitigen) Vorurteile abzubauen und im besten Fall, ganz zu beseitigen. So steht ein Besuch einer Moschee auf dem Programm, bei dem der Interessierte seine Fragen stellen kann und das Gebet ansich erklärt und vorgeführt bekommt. Dass auf dieser Tour auch der ein oder andere Einkauf getätigt wird, und somit beide Seiten ihren „Nutzen“ ziehen, zeigt der Besuch auf dem türkischen Wochenmarkt. Erstaunt über das reichhaltige Angebot und die Freundlichkeit der VerkäuferInnen, haben viele zum Schluß des Einkaufsbummels die HändlerIn vor Ort mehr „unterstützt“ als sie dies eigentlich vorhatten.

Nun denkt darüber nach und versucht im respektvollen Umgang miteinander die Situation für alle so angenehm wie möglich zu gestalten.




Radio36 ist wieder „ON AIR“…

…und hat seit einigen Wochen seinen Sendebetrieb wieder aufgenommen. Nun werden sich einige fragen: “Radio36? Hieß das Ganze nicht früher einmal irgendwie anders?” Dazu kann ich nur sagen – neuer Name neues Glück.

Die gründlichen Renovierung der Führungsebene führte dazu, dass der Name gewechselt wurde, ein neues Logo entworfen wurde und das Ganze nun unter www.radio36.de im Internet zu finden ist und in neuem Aussehen erstrahlt.Das Programm bleibt nach wie vor interessant, bunt und abwechslungsreich.

Kontaktdaten

Groove Records

Pücklerstraße 36

10997 Berlin

Tel.: 030/ 618 86 39

www.radio36.de

mail@grooverecords.de

Skype: Dr. Groove36




Galerien, Ateliers & Co

Ich begrüße alle Touris und Einheimischen zu einem weiteren Bericht aus der Reihe „Touri-Tipp“. In der heutigen Ausgabe stellen wir euch einige Galerien und Ateliers von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern aus Kreuzberg vor. Dabei kam es uns darauf an, euch einen möglichst großen Querschnitt der unterschiedlichsten Kunsthandwerke zu bieten.

Beginnend mit dem Rundgang am Tempelhofer Berg 5a und der dort beheimateten Künstlerwerkstatt „Malfleck“ von Jerry Trezdziak. In seinem Atelier entstehen Gemälde aus Lack und Acryl, wahlweise auf Papier oder Leinwand. Die Monotypie, ein im 17. Jahrhundert erfundenes Verfahren der Bildenden Kunst, wird hier eindrucksvoll am Leben erhalten. Desweiteren sind eindrucksvolle Tisch und Wandskulpturen zu bewundern.

„Galerie Cafe DIDILE“ in der Dieffenbachstraße 62, ist ein Ort, an dem die mediterrane Kunst im Vordergrund steht. Wechselnde Ausstellungen bieten verschiedenen Künstlern und ihren Werken eine Plattform.

„ZeBa“ steht für die Keramikkunst von Tina Bach. Sie selbst beschreibt ihre Kunst als: „Klassische, zeitlose Formen mit persönlicher Ästhetik“. Einen eigenen Stil entwickelte sie mit den „fließenden Grenzen zwischen Gefäßkeramik und rituellem Raumschmuck“.

Die Galerie „Wiensalonberlin“ von Marianne Sajdik befindet sich in der Hornstraße 9 und stellt zeitgenössische Kunst, die unterschiedliche Themen abhandelt, aus. Einen Überblick der bisher ausgestellten Künstlerinnen und Künstler findet ihr auf der Internetseite (www.wiensalonberlin.eu).

In der Hasenheide 9 arbeitet Dörte Kordts an ihrer Kunst. Dazu gehört unter anderem die Dekorations- und Wandmalerei, die Freie Malerei und Zeichnungen. Gerne arbeitet sie auch mit Kindern und Behinderten zusammen und bringt ihnen die Kunst auf ihre eigene Art näher.

Tatiana Sophia Sainz hat ihr Atelier in der Kreuzbergstraße 7. In einer, für Kreuzberg typischen Fabriketage (2.HH, rechter Aufgang, 1. Stock), arbeitet sie an ihren Bildern. Dabei kommen diverse Formen der Farbverarbeitung zum Einsatz. Neben dem üblichen Werkzeug der Malerin, dem Pinsel, arbeitet sie auch mit dem Siebdruckverfahren um ihre Ideen auf die Leinwand zu bannen. Die aktuelle Ausstellung von Señora Sainz findet ihr bei Geiser & vonOppen in der Leibnitzstraße 60, 10629 Berlin. In der Zeit von 9 – 17 Uhr kann jeder Interessent die Werke betrachten. Um Voranmeldung, unter 030/ 31019200, wir gebeten.

Skulpturen der ganz besonderen Art findet man in der Falckensteinstraße 37. In der Galerie „Heba im Atelier Hermann Solowe“ zeigt und erklärt der Künstler von Zeit zu Zeit, wie seine urig gestalteten Figuren entstehen.

Das „Cafe Nest“ in der Görlitzer Straße 53 (siehe unten), bietet seinen Gästen ständig wechselnde Ausstellungen. So ist zum Beispiel der Kiez Maler William Wires, vom 18.11. bis zu 31.12.2010, mit seinen Werken vertreten. Mit ihm kommen wir auch zu einem Künstler, der weder Atelier noch Werkstatt benötigt. Seine Inspiration findet er auf der Straße und somit hat er kurzerhand auch seinen Arbeitsbereichdorthin verlegt. Oft sieht man ihn hier oder da stehen, die Verkaufsmappe mit seinen Kunstpostkarten aus dem Kiez geöffnet und an einem neuen Bild arbeiten.

Tipp: Die Kiez-Kalender für das Jahr 2011 sind ab sofort in jedem guten Kiezladen für 15,90 € erhältlich.

In der Falckensteinstraße 45, findet sich die Werkstatt-Galerie von Paul Reimert. Er beschäftigt sich mit Keramikcollagen in jeder Form, Farbe und Größe. Über einen Besuch freut er sich immer. Damit er dann aber auch Zeit hat, sich um seine Besucher zu kümmern, bittet er um Voranmeldung unter 030/612 51 73

Wir hoffen das wir euch mit diesem kurzen Überblick die Kunst im Kiez ein wenig näher bringen konnten und das ein oder andere Interesse geweckt haben.




Touri-Tipp – Wrangelkiez

Pünktlich zur Urlaubssaison möchten wir es nicht versäumen, dem Berlin-Besucher eine Möglichkeit aufzuzeigen seinen Urlaub in entspannter Ruhe und in geselliger Umgebung zu verbringen. Was würde sich da besser anbieten als der Besuch des berühmt-berüchtigten Wrangel-Kiezes?! Die sagenumwobenen und bereits weltweit gestreuten Gerüchte und Geschichten um unseren schönen Kiez reichen von “abgefahren” und “geil” bis zu “No Go Area”. Einige Vergleiche reichen sogar soweit, den Wrangelkiez mit den Zuständen in New York Harlem gleichzusetzen. Ein Grund mehr den Rest der Welt über die Lage im Kiez auf zu klären.

Die Geschichte um das Gebiet des heutigen Wrangel-Kiez beginnt um das Jahr 1845. Mit dem Bau des Landwehr Kanals und der Errichtung von ersten Wohnhäusern und Industrieanlagen. 1865 entstand der Görlitzer Bahnhof. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Berlin-Görlitz nahm die Bebauung rund um den Bahnhof enorm zu. In den Folgejahren entstand ein Mischviertel in dem sich überwiegend Arbeiter mit ihren Familien ansiedelten. Von 1874 bis 1878 wurde das heutige Oberstufenzentrum -Handel (Skalitzer-/Wrangelstr.), als Kaserne errichtet. In dieser Zeit wurden auch die letzten Grundstücke in der Wrangelstraße bebaut und das “Schlesische Viertel” wie es später genannt wurde, wurde um die Falckensteinstraße bis hin zur Taborstraße erweitert. Bis auf ein paar Ausnahmen waren die Bebauungspläne von Kreuz-berg 1910 abgeschlossen.

Vom 2. Weltkrieg und dem Bombardement der Alliierten weitgehenst verschont geblieben, präsentiert sich der Kiez in fast ursprünglicher Form. Auch die mutwillige Begünstigung des Verfalls einiger Hauseigentümer konnte der Bausubstanz nichts anhaben, sodaß sich der heutige Wrangelkiez in einem überwiegend renovierten Zustand präsen-tieren kann. Das älteste Haus, in dieser Gegend ist das Haus in der Görlitzer Straße 49 und stammt aus dem Jahr 1865.

Nun aber zur gegenwärtigen Geschichte vom Wrangelkiez. Seit der Mauer-öffnung und insbesondere in den letzten Jahren findet ein Wechsel vom Stadtrandbezirk, indem sich Imigranten, Sozialfälle und Staatsnonconforme Gestalten angesiedelt hatten, zum angesagten Wohngebiet für Künstler, Schauspieler und Jung-Yuppies statt. Die zentrale Lage bietet es an und so liegen auch einige der derzeit angesagtesten Clubs im und um den Wrangelkiez herum verteilt. Mit den Bewohnern änderte sich auch zunehmend das Bild der ansässigen Gewerbetreibenden. Neben dem Imbiss an der Berufsschule eröffnete eine McDonalds-Filiale Die Fast-Food Baguetteria “Subay´s” ließ sich an strategisch günstiger Position nieder und eine Reihe von unzähligen, neu eröffneten Backshops und Spätkauf-Läden buhlen um die Kundschaft. Die alteingesessenen Geschäftsleute und Gastronomen versuchen im Gegenzug mit neuen Ideen ihr Geschäft zu erhalten und sich gegen die immer stärker werdende Konkurrenz und steigende Mieten durchzusetzen.

Dazwischen versuchen Künstler und Designer mit ihrem Angebot und teil-weise innovativ eingerichteten Läden die “Anerkennung” der Nachbarn, in Form von Dazugehörigkeit zum Stamm der Kreuzberger, zu bekommen. Gleich-zeitig buhlen sie um die Aufmerksamkeit der Touristen um deren locker sitzendes Geld zu erhaschen. Alles in allem ein Bunter Mix der immer bunter zu werden scheint.

Damit wir wenigstens ein negatives Klischee vom Wrangelkiez bedienen und sich nicht noch mehr Menschen von außerhalb in unseren Kiez verlieben und herziehen möchten. Ja es gibt SIE. Und obwohl ein nicht unbeträchtlicher Teil der Kreuzberger Urbevölkerung dem Genuss von Zustandsverändernder Substanzen frönt, sind sie dennoch nicht glücklich über die Existenz vom “Schwarzen Block” (nicht zu verwechseln mit der politisch orientierten Gruppe “Schwarze Block”) am Eingang zum Görlitzer Park. Zentral gelegen betreiben dort täglich die gleichen Suchtmittelhändler, afrikanischer Abstammung unbehelligt ihr Geschäft. Verhaltensregeln für den Kiez:

Die Kreuzbergerinnen und Kreuzberger sind im allgemeinen ein recht friedliebendes Völkchen Doch sollten einige Regeln beachtet und unbedingt eingehalten werden, damit dies auch so bleibt.

– Auch hier gilt das Recht am “Eigenen Bild”, also vorher fragen bevor ihr den urigen Punk oder die Straßengang ablichten möchtet. Es erspart unnötige Auseinandersetzungen, die insbesondere in Kreuzberg gerne bis auf Blut geführt werden.

– Nicht pfeifend durch den Görlitzer Park spazieren Die ortsansässigen BTM-Händler könnten sich angesprochen fühlen und euch die gesamte Produktpalette ihres Angebots ungewollt präsentieren.

– Jeden Umstand belassen wir er ist!

Keine Belehrungen, Ratschläge oder sonstige Lebensweisheiten zum Besten geben. Schnauze halten und durch!

Im Anschluß haben wir für euch die Höhepunkte vom Kiez zusammengefasst:

Shopping: Der “T-Shirt-Style”-Shop, in der Wrangelstraße 54 bietet euch coole Streetwear und Kunst aus dem Kiez zu fairen Preisen.

Kulinarisch: Kaffee-Kultur erlebt man im “Les Enfants Gates” Bei gutem Wetter lädt eine liebevoll gestaltete Terrassenkulisse inklusive kostenlosem Fußbad zum Verweilen ein.

Bäcker “Ladewig” steht für die Backkunst im Kiez. Hier gibt es überdimensionale Pfannkuchen, das beste Brot und die leckersten Kuchen und Torten.

Für die gute deutsche Küche empfiehlt sich ein Besuch im neu eröffneten “Eckbert Zwo”, in der Görlitzer Straße.

Party: Das “Lido” veranstaltet Konzerte und Partys, laut Veranstaltungsplan.

Der “Club der Visionäre” liegt unweit vom Wrangel-Kiez, Am Flutgraben 1 und lädt zum gemütlichen Abhängen und Feiern ein.

Kultur: Die Sankt Marien-Liebfrauen Kirche in der Wrangelstr. 50/51 ist ein neoromanischer Bau aus dem Jahr 1905 und war in der Vergangenheit des öfteren Drehort für verschiedene Film-produktionen.

Entspannung: Der Görlitzer Park bietet Abwechlung und Erholung für Groß und Klein. Das “Edelweiß” versorgt euch mit Speis´ und Trank. Die zahlreichen Spielplätze und der Kinderbauernhof bieten Spaß und Unterhaltung für die Kleinen.




Touri – Tipp – Der Chamissoplatz

Diesmal berichten wir euch von einem Geheimtipp architektonischer Baukunst, aus der südwestlichen Ecke von Kreuzberg. Dem Chamissoplatz.

Er wurde nach dem Naturforscher und Dichter Adelbert von Chamisso (1781-1838) benannt. Zwischen Willibald-Alexis- und Arndtstraße gelegen ist der Chamissoplatz nur einen Katzensprung von der Bergmannstraße entfernt. Er ist in dem hektischen Treiben, welches um ihn herum stattfindet, eine Oase der Ruhe und Erholung.

Der Platz ist durchweg eingerahmt von Häusern aus der Gründerzeit (1859-1873). Detail liebende Hausbesitzer haben in den vergangenen Jahrzehnten liebevoll in den nahezu originalgetreuen Erhalt ihrer Häuser investiert. Mit dem im Zentrum gelegenen Spielplatz ist er auch für Familien aus der Umgebung ein beliebter Treffpunkt, um vom Alltag abzuschalten. Der Bestand an alten Bäumen und die um den Spielplatz angelegte Grünanlage trägt zu einem harmonischen Gesamtbild bei und bietet zugleich einen natürlichen Schallschutz.

So verwundert es kaum, dass die Kulisse rund um den Chamissoplatz regelmäßig von Filmproduktionen für Dreharbeiten genutzt wird. Auch die meisten Stadtrundfahrten steuern diesen Kiez an, wenn es darum geht einen gut erhaltenen und typischen Ort Berlins zu präsentieren. Rund um den Platz laden zahlreiche Bars und Restaurants zum gemütlichen Verweilen ein. Auch das ein oder andere Geschäft bietet fernab von dem sonst üblichen Einkaufstrubel seine Waren an, zudem findet an der Ostseite des Chamissoplatzes jeden Samstag ein Biomarkt statt. Die Produkte, die dort angeboten werden, stammen alle aus eigenem Anbau beziehungsweise eigener Produktion und kommen ausschließlich aus der Region Berlin und Brandenburg.

Ein weiteres “Bauwerk” aus der Zeit um 1900 verschafft dem originalgetreuen Gesamtbild des Chamissoplatzes eine einmalige Vollständigkeit. An der nordwestlichen Ecke, schräg gegenüber von Haus Nr. 1 befindet sich ein voll funktionsfähiges Pissoir und zugleich eine der letzten Domänen der Männlichkeit.

Die Geschichte dieser öffentlichen Bedürfnisanstalten lässt sich bis in die 1870er-Jahre zurückverfolgen. Den Bau dieser, im Volksmund auch als “Madai-Tempel” bezeichneten Anlagen, veranlasste der damalige Polizeipräsident von Berlin, Guido von Madai. 1878 wurden diese durch modernere, nach Plänen des Baustadtrats Carl-Theodor Rospatt entwickelten Nachfolger ersetzt. Aufgrund ihrer Form waren sie allgemein als “Café Achteck” bekannt. Mit dem Einzug der “Mir-Egal”-Mentalität in den 70er und 80er-Jahren verkamen diese, zu stinkenden Kloaken. Erst seit 1996 bemüht sich ein Berliner Unternehmen um die Sanierung und den Unterhalt dieser Anlagen. Das Pissoir am Chamissoplatz war eines der ersten das im Zuge dieser Maßnahme denkmalgerecht restauriert wurde. Um das Niveau dieses Berichtes ein wenig anzuheben, begeben wir uns nun in die kulturellen Kreise rund um den Chamissoplatz.

Kurt Mühlenhaupt (1921 – 2006), ein erfolgreicher Maler, Bildhauer und Schriftsteller, verbrachte hier viel Zeit mit Freunden und hielt unzählige Augenblicke vom Kiez in seinen Bildern fest. Genauso wie der Dichter Gerhard Kerfin. Nicht so bekannt, aber kulturell nicht minder wertvoll, beschreibt dieser in seinen Büchern die Eindrücke und Erlebnisse, die er in seinem Kiezleben gesammelt hat. Bisher sind 17 Werke in Eigenauflage und in limitierter Stückzahl von 300 bis 500 Auflage erschienen. Zwei Menschen deren Leben und Karriere nicht unterschiedlicher hätten verlaufen können. Nach wie vor ist der Chamissoplatz ein beliebter Treffpunkt für Künstler und Individualisten und nicht selten läuft einem hier oder da ein Schauspieler, Filmproduzent oder Musiker über den Weg.

 

Aufgrund seiner zentralen Lage ist der Chamissoplatz aus allen Richtungen gut zu erreichen.

Verkehrsanbindung
U7 – Station Gneisenaustraße
U6 – Station Platz der Luftbrücke
U6, U7 – Station Mehringdamm
Bus 140, M19 – Station U Bhf. Mehringdamm

TIPP: Die Bergmannstraße – mit vielen verschiedenen Läden, Cafés und Bars die Flaniermeile des Kiez´ und ein Muss für jeden, der von sich behaupten möchte, Kreuzberg erlebt zu haben. Die weltberühmte Currywurstbude “Curry 36” befindet sich direkt um die Ecke, am Mehringdamm 36 direkt an der Kreuzung Mehringdamm/Yorckstraße. Der ehemalige Flughafen Tempelhof und das Denkmal für die Opfer der Luftbrücke von 1948/49, liegen etwa 15 Minuten Fußweg entfernt.