Stadtgeschichte Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park

Der »Führerbunker« im Zentrum der Stadt wurde zugeschüttet und steht somit nicht mehr als Mahnmal für die vergangene und vergessene Geschichte des Landes zur Verfügung. Über das derzeitige Führerhauptquartier habe ich bereits in der letzten Ausgabe berichtet. Somit ist es an der Zeit über ein Mahnmal zu berichten, das die vergangene und aktuelle Geschichte des Landes gleichermaßen berührt.

Der Treptower Park im Stadtteil Treptow ist das Ziel der geschichtlichen Exkursion. Zwischen der Puschkinallee und der Straße Am Treptower Park gelegen, erstreckt sich der in den Jahren 1876 bis 1888 und nach den Plänen von Gustav Meyer angelegte Park auf einer Gesamtfläche von 88,2 Hektar. Aber nicht der für 1,2 Millionen Goldmark angelegte Park an sich ist das Ziel.

Dort, wo sich früher eine große Spiel- und Sportwiese befand, liegt heute, versteckt im Treptower Park, das Sowjetische Ehrenmal. Es wurde nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Auftrag der Sowjetischen Armee errichtet, um den gefallenen Rotarmisten, insbesondere den 80.000 im Kampf um Berlin Gefallenen der Sowjetischen Armee angemessen zu gedenken.

Von den 33 eingereichten Entwürfen wurde ab Juni 1946 der von einem sowjetischen Kollektiv umgesetzt, dem der Architekt Jakow S. Belopolski, der Bildhauer Jewgeni Wutschetitsch, der Maler Alexander A. Gorpenko und die Ingenieurin Sarra S. Walerius vorstanden.

Am 4. Jahrestages des Kriegsendes dem 8. Mai 1949, wurde das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Anwesenheit von Otto Grotewohl, Leiter der deutschen Delegation und späteren Ministerpräsident der im selben Jahr gegründeten DDR, eingeweiht. Seine Rede beendete er mit den Worten: »Wir danken der ruhmreichen Sowjetarmee, die uns von der Geißel der Menschheit, dem Faschismus, befreit hat. Das Gelöbnis von Millionen Proletariern lautet in dieser Stunde: Für Demokratie, Frieden und Sozialismus zu kämpfen.«

Betritt man das Ehrenmal, das 7.000 Soldaten als letzte Ruhestätte dient, von der Puschkinallee aus, durchschreitet man einen Triumpbogen aus grauem Granitstein, der zu Ehren der Soldaten die Inschrift trägt: »Die für Freiheit und Unabhängigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind.« Folgt man dem Weg, kommt man zu einem Vorplatz mit der Frauenstatue »Mutter Heimat«, dies für die, um ihre Söhne trauernden Mütter steht. Der von dort aus großzügig angelegte Weg führt direkt zum Hauptfeld der Anlage. Es wird durch zwei, aus rotem Granit bestehenden stilisierten Fahnen markiert, an deren Stirnseiten zwei Skulpturen stehen. Beide Skulpturen zeigen jeweils einen knienden Soldaten mit Maschinengewehr in der Hand, wobei der linke älter und der rechte jünger dargestellt wird. Verfolgt man den Weg weiter, gelangt man zu einer Treppe, die zum symbolischen Gräberfeld hinabführt, das das Zentrum der Anlage bildet.

In der Mitte des Hauptfeldes befinden sich fünf Steinplatten, die jeweils mit einem Lorbeerkranz verziert sind. Links und rechts davon sind, entlang des Weges, jeweils acht Sarkopharge aus Marmor aufgereiht.

Am Ende der Anlage befindet sich der künstlich angelegte Grabhügel, auf dem die, auf zwei konischen Sockeln errichtete 70 Tonnen schwere und 12 Meter hohe Skulptur »Der Befreier« von Jewgeni Wutschetitschi steht. Sie zeigt einen Soldaten, der in der rechten Hand ein Schwert hält, auf dem linken Arm ein Kind trägt und unter dessen Stiefel ein zerborstenes Hakenkreuz zu erkennen ist. Das Kind symbolisiert das Volk, das unter dem Schutz des Retters einer hoffnungsvolleren Zukunft entgegenblicken kann. Unter der Skulptur befindet sich ein Pavillon, in dessen Kuppel sich ein Mosaik mit russischer Inschrift befindet.

Um die Entstehungsgeschichte der Skulptur ranken sich verschiedene Gerüchte. Tatsache ist, dass der sowjetische Soldat Iwan Odartschenko (1926-2013) Modell stand. Einen Zusammenhang mit den ehrenvollen Taten von Sergant Nikolaj Iwanowitsch Massalow (1921-2001), der beim Sturm auf die Reichskanzlei ein kleines Mädchen in Sicherheit gebracht hat oder dem Sowjetsoldaten T. A. Lukjanowitsch, der die Rettung eines kleinen Mädchens mit seinem Leben bezahlt hat und aufgrund dessen je nach Meinung Massalow oder Lukjanowitsch als Helden in der Skulptur verewigt wurden, bestritt Wutschetischi in mehreren Interviews.

Dass jede auch noch so glanzvolle Medaille eine Schattenseite besitzt, zeigt, dass laut der englischsprachigen Fachliteratur Frauen, die die massenhaften sexuellen Gewalttaten, die in der Zeit von 1945/46 von Rotarmisten verübt wurden, miterlebt haben, das Ehrenmal als »Grab des unbekannten Vergewaltigers« bezeichnen.

Neben dem Ehrenmal im Treptower Park gibt es zwei weitere, eines in der Schönholzer Eiche im Stadtteil Pankow und ein weiteres im Stadtteil Tiergarten an der »Straße des 17. Juni« gelegen. Wie auch das Ehrenmal im Treptower Park, dienen auch diese Gedenkstätten gleichzeitig als Friedhof für gefallene Soldaten und sind somit auch Kriegsgräberstätten.

Anfahrt: Die S-Bahn Station »Treptower Park« ist mit den Linien der S8, S9, S41, S42, S85 zu erreichen oder mit den Buslinien 166, 167, 194, 265, 104, 167.

Interessante Orte in der Umgebung: Die »Archenhold Sternwarte«, 1896 errichtet, beherbergt mit dem »Großen Refraktor« das längste bewegliche Fernrohr der Welt.

Geschrieben von Oliver Jung

 




Das Regierungsviertel – Schaltzentrale der Macht

Das Regierungsviertel, die Schaltzentrale der Macht, befindet sich im Herzen der Stadt, in den Ortsteilen Tiergarten und Mitte. Es erstreckt sich von der Wilhelmstraße im Süden bis zur Invalidenstraße im Norden und vom Schloss Bellevue im Westen bis zur Fischerinsel im Osten. Auf diesem Gebiet verteilt befinden sich das Reichstagsgebäude, der Deutsche Bundestag und das Band des Bundes mit dem Bundeskanzler(innen)amt. Des Weiteren befinden sich dort das Paul-Löbe-Haus in dem sich die Abgeordnetenbüros und die Sitzungssäle des Bundestages befinden sowie das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, welches den Große Anhörungsaal und das wissenschaftliche Dienstleistungszentrum beheimatet.Lage

Der kulturell wertvollste Bau ist neben dem Brandenburger Tor, das Reichstagsgebäude (geöffnet von 8-24 Uhr, der Eintritt ist frei). Es wurde von dem Architekten Paul Wallot im Stil der Neorenaissance entworfen und in den Jahren 1884 bis 1894 auf einer Grundfläche von 13.290 m² errichtet. Das Gebäude hat eine Höhe von bis zu 47 Metern und wurde von 1994 bis 1999 umfangreich saniert. Während dieser Zeit wurde es von dem Künstlerpaar Christo und Jeanne- Claude zu einem Kunstwerk umfunktioniert. Unter dem Motto »Verhüllter Reichstag« überspannten sie das Gebäude im Jahr 1995 mit einem Gewebetuch.

 

Geschichte

Ein Gebäude, das dem Reichstag des Deutschen Kaiserreichs sowie auch dem der Weimarer Republik ausreichte, um Politik zu zelebrieren, genügte dem größenwahnsinnigen Nazi- Regime natürlich nicht und so bauten sie weitere kolossale Gebäude wie das Detlev-Rohwedder-Haus in der Wilhelmstraße. Es wurde 1935 nach den Plänen des Architekten Ernst Sagebiel errichtet. Die heutige Verwendung als Bundesministerium für Finanzen fügt sich nahtlos an die ursprüngliche Nutzung als Reichsluftfahrtmuseum an. Beide Einrichtungen hatten beziehungsweise haben es mit abhebender Materie zu tun. Das Reichsluftfahrtmuseum mit Fluggeräten und das Bundesministerium für Finanzen mit Politikern. Diese Tatsache reflektierend betrachtend, erkennt man, dass die sich an der Macht befindliche Regimeelite gar noch größenwahnsinniger ist, als die längst der Geschichte angehörenden. Sie haben für über 3,44 Milliarden Euro das Regierungsviertel um weitere Gebäude erweitert. Dazu gehören wie bereits erwähnt das Paul-Löbe-Haus, das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und das, als »Waschmaschine« bekannte Bundeskanzleramt. Dass die Regierung mit dem Ausbau des Regierungsviertels nicht nur ihren Größenwahn offen zur Schau stellt, sondern obendrein auch unser hart verdientes Steuergeld mir nichts dir nichts zum Fenster hinausgeworfen hat, zeigen die bereits im Jahr 2010 aufgetretenen Baumängel (über 900!), deren Beseitigung über 68 Millionen Euro gekostet hat.

 

Aktuell

Damit das Pack unter sich bleibt und ungestört dem Volk das Fell über die Ohren ziehen kann, befinden sich auch die meisten Wirtschaftsverbände und Interessenvertretungen im Regierungsviertel. Die Ländervertretungen gönnen sich auf Kosten der Steuerzahler ebenfalls einige der besten Grundstücke im Stadtzentrum. Da sich auch ausländische Botschaften in dem Regierungsviertel befinden, könnte man manch diplomatische Verwicklung als Nachbarschaftskrieg bezeichnen.

Im Zuge dieses TouriTipps möchte ich es nicht versäumen, meinen Aufruf zu erneuern, der die Bitte beinhaltet, nicht mehr benötigte Silvesterböller der Kreuzberger-Redaktion zukommen zulassen, damit wir dem »alternativlosen« Ziel näher kommen eine Superbombe zu bauen, mit der wir das Regierungsviertel zusammen mit all seinen sich dort aufhaltenden politischen Nichtskönnern in dem sandigen Untergrund der Stadt verschwinden zu lassen. Getreu dem Motto der volkswirtschaftlich gewichtigen Märkte: Abreißen und neu bauen.

 

Interessante Orte in der Nähe

In Zeiten, wie diesen, in denen Hartz-IV-Empfänger mit ihren Leistungen nicht wissen wie sie überleben sollen und mehr oder weniger schwer Arbeitende sich von der Politik eine »spätrömisch dekadente« Lebensweise nachsagen lassen müssen, ist es mehr als nur eine bodenlose Frechheit, dass sich unsere Damen und Herren Volksvertreter mit allem umgeben, was das arme unterbezahlte und von Stress zerfressene Politiker-Herz begehrt. Wer also das nötige Kleingeld oder die schwarze American Express-Karte auf Tasche hat, kann in unzähligen Läden, Galerien, Boutiquen und Restaurants im und um das Regierungsviertel herum seine Urlaubskasse plündern. Darüber hinaus finden sich im direkten Umfeld aber auch noch weitere Sehenswürdigkeiten. Westlich vom Regierungsviertel liegt der Tiergarten mit seinen Skulpturen. Das Richard-Wagner-Denkmal mit mit einigen Figuren aus seinen Opern, Otto von Bismarck der auf seinem Sockel 15 Meter empor ragt und das aufwendig restaurierte Musiker-Denkmal von 1904 sind nur drei der insgesamt 67 Skulpturen. An der Straße des 17. Juni befindet sich zudem das Sowjetische Ehrenmal mit zwei T-34-Panzern. In östlicher Richtung reihen sich links und rechts des Boulevards Unter den Linden geschichtsträchtige Gebäude aneinander. Darunter die Staatsbibliothek, die Neue Wache und das Kronprinzenpalais.

 

Anfahrt

Obwohl die Fahrradwege, wie in der letzten Ausgabe berichtet, ungenügend ausgebaut sind, ist die Anfahrt mit dem Drahtesel schon aus dem Grund zu empfehlen, um die letzte Fahrpreiserhöhung im öffentlichen Personennahverkehr von 2,40 Euro auf 2,60 Euro je Fahrtstrecke nicht zu unterstützen. Dennoch hier die Alternative mit dem ÖPNV.

S-Bahn: Linie 25/Station Brandenburger Tor

U-Bahn: Linie 55 (Bundestag)

Bus: 100, M85 (Reichstag/Bundestag), TXL (Brandenburger Tor), 200, N2 (Behrenstr./Wilhelmstr.)




Die Wasserkutsche – Mit dem Hausboot auf Entdeckungstour

Das Streckennetz der Berliner Wasserstraßen beläuft sich auf eine Gesamtlänge von zirka 6.700 Kilometern, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen von prachtvollen Brücken überspannt werden. Was läge da näher, die Stadt und ihre Umgebung vom Wasser aus zu erkunden? Mit einem der in liebevoller Handarbeit und komplett aus Holz gefertigten Hausboote von Franz, Johannes und Jan-Niklas Rademacher, dem Kopf von Wasserkutsche, ist dies seit 2010 möglich. Ohne die Verpflichtung, einen Bootsführerschein besitzen zu müssen, kann jeder nach einer Einweisung in die Bootstechnik und Bootskunde zum Kapitän werden.

Wer sich zu Wasser in Berlin nicht so gut auskennt, was bei den meisten Berlinern der Fall sein dürfte, kann sich von einer der kleineren Tagestouren bis hin zu mehrtägigen Fahrten über die Gewässer der Stadt und im Umland leiten lassen. Die kleineren Touren führen durch Neukölln, Kreuzberg, zum Lange See, der zwischen Grünau und den Müggelbergen liegt, oder einfach nur direkt um die Ecke zum gemütlichen Abhängen in die Rummelsburger Bucht. Die längeren Touren bringen einen vorbei an der Glienicker Brücke, dem Albert-Einstein-Haus in Caputh, zum Schloss Sanssouci in Potsdam und nach Werder und dort, je nach Saison, zum jährlich stattfindenden Baumblütenfest.

Die kleinen Hausboote sind aber nicht nur für Ausflüge und Kurzurlaube geeignet, sondern es lässt sich auf ihnen genauso gut zu zweit die Ruhe bei einem romantischen Picknick genießen oder ein lustiger Firmenausflug gestalten, bei dem der Chef ganz beruhigt mal das Ruder aus der Hand geben kann. Ganz gleich, für welche Tour man sich entscheidet, der Ausgangspunkt ist der Heimathafen in den „Höfen am Osthafen“ in der Schlesischen Straße 28 in Berlin-Kreuzberg.

 

Die Ausstattung

Die Boote sind zwei Meter breit und sechs Meter lang, und die Ausstattung bietet alles notwendige wie Kühlschrank, Musikanlage und Kochgelegenheit in Form eines zwei-flammigen Gaskochers. Das Boot bietet insgesamt sechs Personen Platz. Bei mehrtägigen Fahrten muss jedoch berücksichtigt werde, dass nur vier Schlafplätze vorhanden sind. Im Sommer könnte man eventuell die auf dem Dach zur Verfügung stehenden Liegeflächen als zusätzlichen Schlafplatz nutzen. Für die kühlen Tage gibt es eine Heizung, und selbstverständlich ist auch eine (chemiefreie) Toilette an Bord vorhanden, damit niemand Gefahr läuft, beim über die Reling scheißen ins Wasser und somit in die eigenen Hinterlassenschaften zu stürzen. Um nicht der Wasserschutzpolizei vor den Bug zu treiben, besitzt das Boot auch einen Anker, der es ermöglicht, vor unbefestigten Landabschnitten fest zu machen und an Land zu schwimmen. Dem Elektroantrieb sei dank, darf man mit den Booten auch in Naturschutzgebiete einfahren und die zum Teil unberührte Naturlandschaft genießen. Einziger Wermutstropfen ist, dass die innerstädtischen Verkehrswege nicht befahren werden dürfen und somit ein spät römisch dekadenter Landgang vor dem Szeneklub, durch das eigene Boot stilgerecht in Szene gesetzt, nicht möglich ist.

Auf der Internetseite von Wasserkutsche bekommt ihr von Elisa in einem fünf minütigem Film einen Eindruck davon vermittelt, wie die Boote gebaut werden, mit welcher Ausstattung die Boote ausgerüstet sind und dass die Musiker von »Mouse on Mars« auch schon mit den schwimmenden Kult-Booten unterwegs waren und aus Begeisterung über das Erlebnis ein Lied darüber komponiert haben.

Tel. 0157-86768468

Web: www.wasserkutsche.com




Zinnowitz ist eine Reise wert – Über Bauernstuben auf Usedom

BERLIN/ZINNOWITZ Wir, meine durchaus charmante Begleiterin, Schröder und ich, hatten uns für vier Tage auf dem Anwesen der Familie Schönherr im beschaulichen Ostseebad-Zinnowitz eingemietet, um uns ein paar Tage Ruhe zu gönnen. Ein wohliges Gefühl machte sich breit, als wir die Tür zu unserem kleinen Feriendomizil namens »Zwergenhaus Dustin« öffneten und aus der winterlichen Kälte in das kleinen Haus eintraten. Bevor wir jedoch das Haus betreten und uns wie zuhause fühlen konnten, hatte uns Usedom zuvor Einiges abverlangt. Bereits zwei Mal war meine durchaus charmante Begleiterin auf der Insel und ein Mal hatte es mich zuvor dorthin verschlagen. Dabei gab es nie Probleme mit der Insel und ihrer BewohnerInnen, sondern stets bei der An- und Abreise. Auch dieses Mal sollte zumindest die Anreise unter keinem guten Stern stehen. Als wir am Hauptbahnhof in Berlin in den Regionalzug in Richtung Usedom einstiegen, war der Zug so voll, wie die Tokioter U-Bahn zur Hauptverkehrszeit. Stehend, wie Ölsardinen gedrängt, fuhren wir annähernd drei Stunden unserem Ziel entgegen. Vor Ort angekommen, tobte ein Schneesturm, sodass wir froh waren, dass uns der Vermieter mit dem Auto vom Bahnhof abholte und die kurze Strecke von ungefähr 800 Metern zu unserem Domizil fuhr.

Während sich meine durchaus charmante Begleiterin daran machte, den Inhalt ihres Rucksacks in den Schränken zu verstauen, legt sich Schröder, der Redaktionshund auf die faule Haut und ich begutachtete unser Teilzeit-Zuhause.

Das Haus bestand aus einem Raum im Erdgeschoss und einem weiteren, als Schlafzimmer eingerichtetem Zimmer im Dachgeschoss. Insgesamt standen uns 40m² zur freien Entfaltung zur Verfügung. Die Einrichtung ist im Stil einer alten Bauernstube gehalten, war urgemütlich und somit bestens für einen romantischen Urlaub zu zweit geeignet. Im Wohnraum befinden sich eine Sitzbank mit davorstehenden Esstisch, an den sich die Kochzeile anschließt. Direkt daneben führte eine Tür zum Spa Bereich – in bürgerlichen Kreisen auch Badezimmer genannt. Rechts vom Eingang führt eine schmale und recht steile Treppe in das Dachgeschoss, wo sich das Schlafzimmer befindet. Auch dort gibt es ausreichend Stauraum, so wie einen Fernseher, ein Doppelbett mit bemerkenswert rückenfreundlichen Matratzen und einer bequemen Sitzecke. Hinzu kommt die, überall im Haus liebevoll und bis ins Detail gestaltete Dekoration. An technischer Ausstattung blieb ebenfalls kein Wunsch offen. Im Wohnbereich finden sich Radio und CD-Spieler, in der Küche Toaster, Mikrowelle, Wasserkocher, Miniherd und Kaffeemaschine. Nicht zu vergessen die an kalten Tagen angenehme Fußwärme bereitende Fußbodenheizung im Erdgeschoss. Das Grundstück ist komplett eingezäunt und somit ideal für alles was kreucht und fleucht und nicht aufs Wort hört wie Kinder und Hunde. Darüber hinaus bietet der Garten einen Grill, Liegestühle und jede Menge Platz zum Herumtoben.

Am nächsten Morgen machten wir uns daran, die Vorräte für die nächsten Tage aufzufüllen. Dabei empfiehlt es sich auch hier, auf die alteingesessenen und zum Teil als Familienbetriebe geführten Geschäfte zurückzugreifen. Im Anschluss daran erkundeten wir die örtlichen Begebenheiten. Zinnowitz ist ein Badeort und dafür typisch, gibt es auf dem Weg zum Strand eine (fast) unumgängliche Einkaufsstraße, auf der man, von der Apotheke bis zum Zimtstern alles zu finden ist, was das Herz begehrt. Ist die Konsum- und Fressmeile passiert, eröffnete sich einem der Strand, das Meer und der grenzenlose Horizont. Schröder war fortan damit beschäftigt, den aufschäumenden Wellen Einhalt gebieten zu wollen, indem er bellend in sie hinein biss. Wir schauten dem Treiben zu und genossen die frische Seeluft und dank unserer Gummistiefel konnten wir fernab der anderen Touristen allein auf einer Sandbank stehend ungestört in die Ferne schweifen.

Da gefühlt jedes zweite Haus in Zinnowitz Gästezimmer, -wohnungen und -häuser anbietet, ist davon auszugehen, dass im Sommer die Hölle los ist. Wer sich fernab von Touristentrubel ein paar Tage der Ruhe und Abgeschiedenheit gönnen möchte, ist mit der Nebensaison bestens beraten.

Zum Jahreswechsel findet ein spektakuläre Strandfeuerwerk statt.

Neben dem von uns bewohnten Haus, gibt es auf dem Schönherrschen Grundstück noch ein weiteres, die „Bauernscheune“. Ebenfalls mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und für eine Kleinfamilie oder 2 Personen plus Hund geeignet.

Abschließend bedanken wir uns bei Familie Schönherr für einen rundum schönen und erholsamen Aufenthalt im Zwergenhaus Dustin.

www.zwergenland-zinnowitz.de

Telefon 0172-3236657




Murellenschlucht und Schanzenberg – Natur- und Zeitgeschichte vereint

Passend zur kalten Jahreszeit gibt es in dieser Ausgabe ein Ausflugsziel, welches durch Schnee und Eis entstanden ist und die BesucherInnen in winterlichen Tagen – sofern Schnee liegen sollte – um etwa 20.000 Jahre in der Weltgeschichte zurückversetzt. So lange ist es her, dass die Murellenschlucht entstand. Im Sommer ein immergrünes Kleinod, ist es im Winter ein nicht minder attraktives Ausflugsziel.

Die Murellenschlucht ist durch schmelzendes Gletschereis geformt worden und bis zu 30 Meter tief. Die emporragenden Murellenberge gehören zu dem Teil des Teltownordbandes, welches den nördlichsten Ausläufer des Teltowplateaus zum Berliner Urstromtal bildet. Durch die baulichen Veränderungen der vergangenen Jahrhunderte hat sich das natürliche Landschaftsbild gravierend verändert. Der Bau von S-Bahnlinien, Straßen und Wohngebieten haben Narben im einst unberührten Landschaftsbild hinterlassen. Dennoch bietet die Murellenschlucht den Besuchern viel Natur und noch mehr Ruhe. Hinzu kommen unzählige vom Aussterben bedrohte Tierarten und eine nahezu einzigartige Vegetation. Da sich aber auch wildes Getier umher treibt, sind Hunde unbedingt an der Leine zu führen. Das Naturschutzgebiet umfasst ein Gesamtgröße von 28,5 Hektar.

Neben der Natur, Ruhe und Erholung, findet sich auch ein Hinweis auf die dunklen Jahre in Deutschlands Geschichte. Kurz vor den Fließwiesen befindet sich mit 63 Metern der höchste Punkt der Murellenberge. Dort ist auch der Schanzenwald. In mitten des heutigen Naturschutzgebietes wurden über 230 Todesurteile vollstreckt. Verhängt durch das Zentralgericht des Heeres und andere Kriegsgerichte wurden Fahnenflüchtlinge und Wehrkraftzersetzer in der Endphase des Zweiten Weltkriegs hingerichtet.

Eine Installation aus 104 Verkehrsspiegeln, die entlang des Weges aufgestellt sind – ausgehend von der Glockenturmstraße – berichten mit kurzen Texten über das Verbrechen aus der NS-Zeit. Der Entwurf für die Spiegelinstallation stammt von der, aus Argentinien stammenden und in Berlin lebenden Künstlerin Patricia Pisani. Sie gewann den im Jahr 2000 vom der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgeschriebenen Wettbewerb unter dem Titel: Denkzeichen zur Erinnerung an die Ermordeten der NS-Militärjustiz am Murellenberg. Um die Spiegelinstallation von der richtigen Seite aus zu begehen, fängt man die Wanderung von der Glockenturmstraße aus an. Vom S-Bahnhof Pichelswerder aus kommend führt zwischen der Eissporthalle und der Waldbühne ein Weg direkt in den Wald. Neben der warm haltenden Bekleidung ist festes Schuhwerk unbedingt zu empfehlen.

Bereits 1840 begann mit der Errichtung von Kasernen und Schießständen die militärische Nutzung des Areals. Zunächst durch das Preußischen Militär, dann durch die Wehrmacht und zum Schluss durch die Britischen Alliierten. Erst mit der Rückgabe an das Land Berlin 1994 änderte sich dies. Ein Großteil wurde den Berliner Forsten übertragen. Lediglich ein geringer Teil verblieb bei der Polizei. Dabei handelt es sich um ein Munitionsdepot und die sogenannte »fighting city«, in der das britische Militär den Häuserkampf trainierte.

Neigt sich der Ausflug dem Ende, kann man einen der weiteren, sich in direkter Nähe befindlichen und durchaus interessanten Orte Berlins aufsuchen, wie das Olympia Stadion, der Glockenturm und die Waldbühne. Wenn es einen jedoch dürstet und man Hunger hat, empfiehlt es sich den Heimweg mit der U-Bahnline zwei (U2) vom U-Bahnhof Ruhleben anzutreten. Drei Stationen entfernt, direkt am U-Bahnhof Theodor-Heuss-Platz befindet sich »Prime Kebap«. Der Imbiss ist ein echter Geheimtipp für all jene, die schon immer einmal wissen wollten, wie eine wirklich gute Berliner Currywurst schmeckt. An dem Umstand, dass ausgerechnet ein Laden mit dem Namen »Prime Kebap« zu einer der – aus meiner Sicht – besten Currywurstbuden der Stadt zählt, sollte sich niemand stören, sondern die Tatsache akzeptieren, dass die Integration auch kulinarisch erfolgreich verlaufen ist.

 

Kulinarischer Tipp:

Prime Kebap

Reichsstraße 1

(am U-Bhf. Theodor-Heuss-Platz)

14052 Berlin

Currywurst 1,60 €

Pommes 1,60 €