Bitcoin, Ripple & Co – Der Selbstversuch

Nie wollte ich wirklich in das Geschäft mit den Aktien, ETFs oder Kryptowährungen einsteigen. Nun ist es doch geschehen. Seit einigen Wochen hat mich das Börsenfieber gepackt.

Alles fing vor ungefähr 9 Jahren an. Nach dem Börsencrash 2008/2009 habe ich mich mit dem Thema Aktienhandel journalistisch auseinandergesetzt. Von Beginn an faszinierte mich die strategische Vorgehensweise der Broker. Das Abwägen von verschiedenen Informationen und der daraus resultierenden Kursbewertung und Kaufentscheidung von Aktien. Die Nerven zerreißenden Momente, in denen es um die Entscheidung geht: kaufen und sich damit der Option berauben, zu einem noch besseren Kurs einkaufen zu können oder warten, mit der Gefahr, dass der Kurs wieder in die Höhe schnellt und den erhofften Gewinn mindert. Gleiche Entscheidung steht umgekehrt beim Verkauf an. Tag ein Tag aus müssen strategisch ausgerichtete und schnelle Entscheidungen getroffen werden. Das Ganze kam mir vor wie die Strategie Spiele aus meiner Jugend, in denen es darum ging mit vorausschauenden Maßnahmen das Ziel zu erringen – den Sieg.

Somit kam in mir der Gedanke auf, das im Zuge meiner Recherchen erlangte Wissen auch privat zu nutzen und ein paar Euros in den Kauf einiger Wertpapiere zu stecken. Damals lag die Aktie des DAX-Unternehmens Infineon bei einem Allzeittief von 0,35 Euro. Entgegen aller Spekulationen war ich mir sicher, dass der Staat nicht nur systemrelevante Banken sondern auch DAX-Unternehmen retten, zumindest nicht sang und klanglos ohne den Versuch der Gegenwehr untergehen lassen würde. So kam es dann ja auch. Infineon erholte sich und der Kurs liegt heute zwischen 24 und 25 Euro. Das würde zum heutigen Tag einen Bruttogewinn von 23 Euro entsprechen – pro Aktie! Leider waren zum damaligen Zeitpunkt meine bescheidenen finanziellen Mittel in anderen Projekten gebunden. Somit war der Gedanke eintausend Infineon Aktien für 350 Euro zu ergattern passé.

Der Frust über diesen Zustand (ich habe den Wachstum der Aktie über die Jahre verfolgt), brachte die stets standhafte Mauer meines Widerstandes nun zum Einsturz. Die Mauer in meinem Kopf fiel auch, weil ich seit längerem die steigenden Kurse der Kryptowährungen im Blick hatte. Und darüber hinaus auch einer meiner Provider sowie zahlreiche weitere Online-HändlerInnen sich in zunehmendem Ausmaß mit den verschiedensten Kryptowährungen bezahlen ließen, was eine weitere Verbreitung und damit einhergehende Kursgewinne in Aussicht stellte.

Anfang Dezember war es dann soweit. Es gab kein zurück mehr. Mein Entschluss stand fest. Ich werde zu gegebener Zeit das Investment wagen. Vorkenntnisse oder Erfahrungen, auf die ich hätte zurückgreifen können gab es bis auf meine damalige Recherche als Journalist nicht. Es gab auch niemanden in meinem Umfeld, der mit Online-Brokern bereits Erfahrung gemacht hatte geschweige denn mit dem Handel von Aktien. Die meisten meiner Freunde, Bekannten und Verwandten hatten keine Ahnung oder wollten nichts davon wissen. Andere wiederum hatten sich oberflächlich mit dem Thema befasst, so dass ein semiprofessionelles Fachgespräch entstand. Nur ein ganz kleiner Teil meiner GesprächspartnerInnen hatten sich mit Kryptowährungen eingehender beschäftigt und ich konnte neue Erkenntnisse hinzugewinnen und für mein Vorhaben nutzen. Keiner hatte jedoch bereits eigene Erfahrung gemacht oder war gar in Besitz von Bitcoin und Co.. Um mir die notwendige Klarheit zu verschaffen, begab ich mich zunächst einmal im weltweiten Web auf die Suche nach einem seriösen Broker. Die zahlreichen Testberichte, die ich im Zuge dessen auf einschlägigen Internetplattformen fand, gaben mir eine grobe Wegrichtung vor. Mit dem Durchstöbern von Bewertungen, die erfahrene Nutzer von verschiedener Handelsplattformen in den Börsen-Foren hinterlassen haben, hatte ich ein weiteres Instrument zur Verfügung, um das Für und Wider der verschiedenen Anbieter herauszufinden. Schlussendlich entschied ich mich für den Online-Broker Etoro.com.

Das US-amerikanische Unternehmen eignet sich für Neueinsteiger besonders gut – so die Aussagen in der verschiedenen Blog-VerfasserInnen in den Foren. Mit der Registrierung auf der Internetseite des Unternehmens war der erste Schritt in Richtung Börsenparkett getan. Um nun aktiv mitmischen zu können, musste ich mich mit der beidseitigen Kopie von meinem Personalausweis sowie der Angabe meiner Bankdaten verifizieren. Während meine Daten verarbeitet wurden, hatte ich Zeit, einen ersten Blick auf die Navigation der Seite zu werfen und die Börsenkurse zu studieren. Etoro.com bietet neben Aktien auch Indizes, Rohstoffe, Devisen, ETFs und Kryptowährungen an – auf die ich es abgesehen hatte.

In den nächsten Tagen war ich damit beschäftigt, die Kurse von Bitcoin, XRP, ETC und Co. zu verfolgen. Nach einem Allzeithoch hatten alle Währungen bereits den Sturzflug eingeleitet. Der Bitcoin fiel von 20.000 US$ auf 16.000 US$. Der Ripple (XRP) fiel von 3,50 US$ in der Spitze auf 2,50 US$. So wie Bitcoin und Ripple erging es Ethereum, Dash und all den anderen Kryptowährungen. Sie befanden sich allesamt im freien Fall. Trotz dem Wissen um die Regel: „Greife nie in ein fallendes Messer“ siegte die Gier nach der Erfüllung des Wunsches endlich dabei zu sein und auszuprobieren, ob das Jahrzehnte lange körperliche Arbeiten nicht durch einen Sesselfurtzerjob als Online-Broker erfolgreich zu ersetzen sei. Ich kaufte im Dezember 2017 für 200 US$ (Mindestsumme für einen Trade bei Etoro.com) Anteile vom Bitcoin bei einem Kurs von 14.989 US$. Im Anschluss daran folgte der Ripple, den ich ebenfalls für 200 US$ und zu einem Marktwert von 2,45 US$ kaufte. Somit hatte ich nun 0,01 Bitcoin und 86,36 Ripple in meinem Portfolio.

Als hätte ich es geahnt, fingen die Kurse mit dem Kauf an weiter in die Tiefe zu stürzen. Zudem wurde der Kurssturz durch die Androhung der Chinesischen Regierung begünstigt, den Handel mit Kryptowährungen zu reglementieren gar zu verbieten und das Bitcoin-Mining aufgrund des enormen Energieverbrauchs gleichermaßen zu unterbinden. Zu allem Unglück kündigte Südkorea ebenfalls an, den Markt zu regulieren. Mit dem Unvorhersehbaren muss man immer rechnen. Um sich die negativen Gedanken zu vertreiben, reichte mir das Lesen von Kurs-Prognosen der Börsen-Analysten, die den Bitcoin in der Zukunft einen Höchststand von bis zu 500.000.000 US$ zutrauten.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (19.01.2018) liegt der Bitcoin-Kurs bei 11.400 US$ und der Ripple bei 1,65 US$. Mit dem Bewusstsein, dass der Hype abgeklungen ist und mit der Hoffnung, dass die Talsohle erreicht sei und die Werte sich auf einem überdurchschnittlichen Mittel einpendeln werden, bin ich das Wagnis eingegangen und habe den Ethereum Classic (ETC) zu einem Kurs von 30,90 US$ mit in mein Portfolio aufgenommen. So liegen bislang 600 US$ in Form von Kryptowährungen in meinem Depot. Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich über so viel Leichtsinn. Aber für was habe ich im Leben nicht alles schon Geld ausgegeben ohne das es einen Mehrwert für die Zukunft beinhaltete? Es gab Zeiten, da habe ich die selbe Summe an einem Wochenende für meine Bespaßung ausgegeben. Außer einem dicken Schädel vom Saufen, Koksen und Kiffen ist da nichts von übrig geblieben. Wie sollte da der mögliche Kursverfall einen, aus finanzieller Sicht gesehen, größeren Schaden anrichten können?

Aktuell liegen meine Investitionen von 600 US$in einem Minus von 25 Prozent. Die Zeit wird zeigen, wie sich die Verbreitung der Kryptowährung fortsetzt oder der Trend wieder gänzlich von der Bildfläche verschwindet. In drei Monaten werde ich mich erneut zu Wort melden und Bericht erstatten bezüglich meiner Erfahrungen mit Bitcoin, Ripple und Co.. Entweder haben sich bis dahin die Investitionen weiter in Luft aufgelöst oder die Kurse sind mehr oder weniger gleich geblieben oder es ist ein Plus zu verzeichnen. Sollte ich mich gar nicht mehr melden, ist der höchst unwahrscheinliche Fall eingetreten, dass ich Börsen-Millionär geworden bin und in Spanien auf meiner Finca den Blick auf das Meer genieße.

In diesem Sinne: Hasta la próxima (bis zum nächsten Mal)

Olly

Weitere Informationen zu Kryptowährungen unter: https://www.krypto-magazin.de/




Wenn’s um die Wurst geht – Alanya bietet mit der Hundetoilette tierische Service-Innovation

Nachdem ich vor Jahren das erste Mal in der Türkei war, um dem Gerücht: »Döner macht schöner – mit einem Dönerteller geht´s schneller« auf den Grund zu gehen, war ich diesmal in Alanya, um meine Freunde, die Mut-Brüder zu besuchen und gemeinsam mit ihnen die Trends des Morgenlandes zu ergründen.

Ich hatte mich gerade in meinem Hotelzimmer eingerichtet, als es an der Tür klopfte. Verwundert darüber, wer so kurz nach meiner Ankunft schon von meiner Anwesenheit wusste und sich zu Besuch einlud, öffnete ich die Tür. Der Grund meiner Reise stand vor mir. Genauer gesagt waren es drei Gründe: Machmut, Unmut und Mitmut – die Mut-Brüder. Freudig fielen wir uns zur Begrüßung in die Arme.

Kurz darauf befanden wir uns in dem Gewimmel von Alanya. Die Stadt kann auf eine mehr als 2.000-Jährige Geschichte zurückblicken. Dementsprechend abwechslungsreich gestaltet sich das Bild der Stadt, die dem seldschukischen Sultan von Rum Alaeddin Kai Kobad I. ihren ursprünglichen Namen Ala-iye, »Stadt des Ala«, verdankt. Erst Kemal Atatürk gab ihr im Jahr 1933 den heutigen Namen Alanya.

Wir gingen durch die Stadt, an der Alten Stadtmauer mit ihren historischen Türmen entlang bis zum Hafen. Wir liefen hier und liefen dort und schauten an manch verwegenen Ort, aber so richtig wollte meine Trendscout-Spürnase keine Fährte nach einer versteckten und neuen Innovation auf dem Markt oder wie man in der Türkei sagt »Bazar« aufnehmen.

»Hm, dass sieht nicht gut aus. Wir sind nun schon stundenlang unterwegs, aber einen interessanten Trend habe ich noch nicht gefunden. So langsam geht´s um die Wurst.« Noch wusste ich nicht, wie sehr sich meine Worte im weiteren Verlauf des Tages bewahrheiten sollten. Mitmut erwiderte: »Immer löcker vom Höcker wie das arabische Kamel sagen würde«, und wollte mir damit ganz offensichtlich Mut machen. Ich jedoch hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, noch einen für Kreuzberg neuen Trend aufzuspüren, als ein kleiner und völlig zerzauster Hund an uns vorbeilief und einen unweit entfernt von uns stehenden Baum ansteuerte. Er hockte sich hin, verrichtete seine Notdurft, drehte sich um, schüttelte sich kurz und machte sich dann über das bereit gestellte Fressen und Wasser her. Danach verschwand er wieder und zog seiner Wege.

Die drei Mut-Brüder machten sich lustig darüber, wie fasziniert ich dem Hund bei seinem Treiben zugesehen hatte. »Na, noch nie gesehen, wie dem Hund die Wurst kommt?«, scherzte Unmut. Gedankenverloren fragte ich: »Was?« obwohl ich seine Frage verstanden hatte. Aber ich war in Gedanken schon viel weiter. Ich hatte meinen Trend gefunden. Nun galt es die Hintergrundinformationen zu beschaffen, um euch mit dem nötigen Wissen versorgen zu können.

Meine Nachforschungen ergaben, dass bereits Ende 2010 im Damalatas Abdurrahman Alattinoglu Park die ersten zehn Hundetoiletten installiert wurden. Eine Tatsache, die diesen Trend für morgenländische Verhältnisse alt aussehen lässt, für uns abendländische Kreuzberger jedoch ein Vorbild ist. Es wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, um auf etwa vier Quadratmetern alles bereitzustellen, was das Hundeherz begehrt. Die öffentliche »Bedürfnisanstalt« für Hunde ist mit Holz umrahmt und mit feinem Sand aufgefüllt. Am Rand steht ein Wassernapf und ein gefüllter Fressnapf, beide aus Metall. Daneben steht ein Mülleimer für die mit den Hinterlassenschaften des Hundes gefüllten Hundekotbeutel bereit.

Während in anderen Ländern wie Rumänien, Bulgarien und Spanien ein Hundeleben keinen Knochen wert ist, versucht die Stadtverwaltung von Alanya die Straßenhunde gesellschaftlich zu integrieren anstatt zu eliminieren. Die Stadtverwaltung hofft mit der Installation von Hundetoiletten den Umfang der Reinigung von Straßen und Parkanlagen minimieren zu können. Ob dies gelungen ist, konnte ich in der kurzen Zeit meines Aufenthaltes bei den zuständigen Stellen nicht in Erfahrung bringen.

Als wir am Abend zusammensaßen und den Tag ausklingen ließen, kamen wir erneut auf die Hundetoiletten zu sprechen und Mitmut sagte: »So etwas hat es früher nicht gegeben!«

Euer Trend Scout

 




Illegaler Gemüseanbau – Utopie oder Zukunft? Eine weitere Zeitreise ins Jahr 2030…

Erst in der Ausgabe 24 habe ich die Zukunft von Kreuzberg (1. Mai) im Jahr 2030 prognostiziert. Wie das Leben so spielt, liefert mir ausgerechnet die Gentechnologie und ihre Verfechter einen Anlass, um erneut eine Prognose zu erstellen. Diesmal nicht über eine lokale Veränderung, sondern eine, die weltweite Auswirkungen hätte, träfe sie denn ein.

Wir schreiben das Jahr 2030. Die Menschen laufen durch die Straßen, der Verkehr rollt und alles scheint wie immer. Doch der Schein trügt. Ein Blick in die Auslagen der Obst- und Gemüsehändler reicht aus, um zu erkennen, dass die Gentechnikkonzerne mit ihrem Bestreben den Agrarsektor zu beherrschen, erfolgreicher waren, als der aufbegehrende Widerstand. Die Preise für Kartoffeln, Äpfel und Erdbeeren sind in astronomische Höhen gestiegen. Auch die sonst immer am günstigsten angebotene Obstsorte – die Banane – kostet ein vielfaches des heutigen Preises. Sinkende Löhne und steigende Lebenshaltungs- und Lebensmittelkosten sind verantwortlich dafür, dass die Kunden von den Ständen der Händler fern bleiben. Wie Blei liegt das Obst und Gemüse als Ladenhüter in den Auslagen. Auch die großen Lebensmittelketten bieten nur noch eine kleine Auswahl für ihr zahlungskräftigeres Klientel an.

Als ich so durch die Straßen lief sprach mich ein junger Mann an: »Erika?«

»Ich? Erika? Seh ick so aus oder wat?« erwiderte ich verwundert.

»Quatsch, man. Ich wollte wissen ob du´n Kilo Erika kaufen willst.«

»Die bekomme ich doch auch im Laden um die Ecke.«

»Eben nicht!«, erwiderte mein Gegenüber. »Dort bekommst du nur die Gentechnik verseuchten ›Möchte-gern-Kartoffeln‹.«

Als er das sagte, lief er um mich herum und musterte mich von oben bis unten: »Bist du´n Bulle oder wirklich so doof?«, fragte er.

»Ick? Ein Bulle? Nee, da kannst du beruhigt sein. Aber wieso fragst du? Ist ´nen Kilo Kartoffeln heutzutage illegal?«

»Die Kartoffeln, die du im Handel kaufen kannst nicht, aber für die, die ich hier habe kommst du länger in den Knast, als für ein Kilo feinstes Marihuana.«

Verwundert schaute ich mein Gegenüber an. Dieses bemerkend, fragte er mich: »Du hast echt keine Ahnung was hier abgeht oder?«

»Nee, aber wenn ich dir die Wahrheit erzähle glaubst du mir die auch nicht.«

»Versuch´s. Ich kläre dich im Gegenzug über die Wahrheit auf.«

Ich erzählte ihm von meinem Treffen mit dem Unbekannten, der mich in seiner Zeitmaschine in die Zukunft reisen ließ, von meinem Erlebnis am 1. Mai 2030 und dass mich der Unbekannte nach meiner Ankunft erneut reisen ließ, als ich las, das Monsanto und Co. ihre Patentrechte ausweiten wollten. Nun war ich vor Ort, um meine Recherche durchzuführen und daraus einen Bericht für den Kreuzberger zu schreiben. Jetzt schaute mein Gegenüber verwundert drein. »So nun du!«, sagte ich.

»Na dann, komm mal mit.«. Wieder einmal vertraute ich einem mir völlig Unbekannten. Ein paar Straßen weiter standen wir vor einer Haustür. Er öffnete sie und wir gingen über mehrere Hinterhöfe. Am Ende standen wir vor einer Holztür. Dahinter führte eine steile Treppe in einen schlecht beleuchteten Kellergang. Am Ende befand sich eine Metalltür mit mehreren Schlössern. Nachdem der »Kartoffeldealer« die Tür geöffnet hatte und wir durch den zum Schutz angebrachten Vorhang getreten waren, standen wir in einem Kellergewölbe. Der Raum war ungefähr 200 Quadratmeter groß. Überall hingen Leuchten von der Decke, die in erster Linie dazu gedacht waren, Tageslicht für die unter ihnen wachsenden Kartoffeln zu imitieren. Eine Bewässerungsanlage versorgte die Pflanzen mit Wasser und allen nötigen Nährstoffen. Ventilatoren sorgten für ein angenehmes Raumklima.

»Hier unten gedeihen die Kartoffeln fast besser als in der freien Natur. Das liegt an dem kleinen Beet und der exklusiven Pflege.«

Ich war erstaunt: »Die ganze Mühe für Kartoffeln? Ist mit Gras kein Geld zu verdienen?«

»Es gibt Kartoffelsorten, für die bezahlen Küchenchefs 800 Euro je Kilo. Die ›La Bonotte‹ kostete im Jahr 2013 schon bis zu 500 Euro das Kilo. Jetzt kostet sie im Durchschnitt um die 2.000 Euro das Kilo.«

»Und was soll ein Kilo Erika kosten?«

»Da diese hier unter künstlichen Bedingungen gedeien, sind sie etwas günstiger. Aber einen Hunderter musst du schon legen.«

»100 Euro für ein Kilo Kartoffeln?«

»Gentechnikfreie Kartoffeln!«, betonte der Mann ohne Namen.

»Wie sieht es bei den Tomaten und so aus?«

»Alles was indoor angebaut werden kann, noch erschwinglich. Aber Äpfel, Kirschen und so weiter kannst du nicht bezahlen. Dieses Obst ist bis auf ganz seltene Ausnahmen nur über Supermärkte erhältlich.«

»Warum macht ihr euch die Mühe?«

»Die Saatgutkonzerne wie Monsanto, Syngenta, HiBred und Co. haben den Markt unter sich aufgeteilt und ihr eigenes Saatgut am Markt eingeführt. Durch ihre Patente besitzen sie das weltweite Monopol. Zur Wahrung ihrer Rechte haben sie tausende von Kontrolleuren in der ganzen Welt angestellt. Die Schnüffler sind nur damit beschäftigt, illegale Anpflanzungen aufzuspüren und die Einhaltung der Konzessionvorgaben durchzusetzen. Jeder – vom Landwirt bis zum Kleingärtner – muss eine Konzession für seine Bäume, Sträucher oder das Gemüse im Beet vorweisen. Wenn nicht, geht es direkt ab zum Haftrichter.«

»Unglaublich«, erwiderte ich. »Leider reicht mein Budget nicht, um dir deine Kartoffeln abzukaufen und damit den Widerstand zu unterstützen. Aber ich könnte für dich nach meiner Rückkehr ins Jahr 2013 ein paar Kilo Kartoffeln und Kirschen mit der Zeitmaschine in die Zukunft schmuggeln.«

Meine scherzhaft getätigte Aussage beeindruckte mein Gegenüber sehr: »Das würdest du tun? Wäre ja der Hammer. Die Leute hier wären dir unendlich dankbar, nicht mehr auf den Gentechnik-Fraß angewiesen zu sein.«

»Aber ich muss erst einmal den Besitzer der Zeitmaschine fragen, versprechen kann ich dir noch nichts. Wo ich gerade beim Thema bin: Ich muss los. Der Typ, dem die Zeitmaschine gehört, hat mir zwei Stunden gegeben und die sind bald vorbei.«

Wir verließen den Keller und gingen zu dem Zeitungsladen in der Manteuffelstraße, wo mein Reisegefährt stand.

Verwundert fragte der Kartoffeldealer: »Du hast mich nicht verarscht?! Du kommst wirklich aus dem Jahr 2013?«

»Ich wusste, dass du mir nicht glauben würdest. Nein, ich habe dich nicht verarscht und ja, ich komme tatsächlich aus dem Jahr 2013.«

Zum Abschied drückte mir der Unbekannte einen Beutel mit Kartoffeln in die Hand. »Hier, probier´ die mal, du wirst den Unterschied schmecken. Die sind sogar um einiges besser als die, die 2013 im Handel waren.«

»Danke. Und danke auch für deine eindrucksvolle Vorführung vom Indoor-Gemüseanbau. Das war echt interessant.«

Ich bestieg die Zeitmaschine, schloss die Tür und versetzte mich wieder in das Jahr 2013. Ein Mal mehr stand ich nach meiner Rückkehr vor dem mir noch immer unbekannten Zeitmaschinen-Besitzer und antwortete ihm auf seine Frage, wie es denn gewesen sei: »Ich habe Dinge gesehen, die glaubst du nicht. In ein paar Jahrzehnten könnten tausende fleißige Kleinbauern, die heutzutage mit Grünem Daumen illegal Marihuana anbauen, umsatteln und Tomaten, Äpfel und Kartoffeln, versteckt vor den staatlichen Behörden und den Fahndern der Gentechnik-Konzerne züchten.«

So etwas hat es früher nicht gegeben!

Euer Trend Scout




Zurück in die Zukunft – Eine Zeitreise zum 1. Mai 2030 und wieder zurück

Es begab sich vor gar nicht allzu langer Zeit, dass ich mich mal wieder auf der Suche nach dem neuesten Trend befand. Als ich die Manteuffelstraße entlang lief, rief eine düstere Stimme aus einer noch düsteren Ecke: »Hey, du!«. Ich drehte mich um und fragte: »Wer, ich?« »Ja, du«, antwortete die düstere Stimme und sprach: »Komm´ mal her. Ich habe etwas interessantes für deinen Bericht« Neugierig ging ich auf die Person zu und wunderte mich, woher er von meiner Suche nach Interessantem wusste.

Als ich vor ihm stand, versuchte ich vergeblich, das durch eine Kapuze fast vollständig verdeckte Gesicht meines Gegenübers zu erkennen. »Was ist denn so interessant?«, fragte ich. »Ich habe hier eine Zeitmaschine, und du darfst sie als Erster testen. Du kannst dir aussuchen, wann und wo du in der Vergangenheit oder in der Zukunft landen willst. Du musst nur einsteigen, die gewünschte Zeit eingeben und dann den roten Knopf dort drücken.« Verwundert schaute ich den mir Unbekannten an. Konnte ich ihm vertrauen? Ach, was soll´s, dachte ich bei mir und setzte mich in die Zeitmaschine, die wie eine überdimensionale Getränkedose aussah. Die mysteriöse Person erklärte mir die Bedienung, um mir kurz darauf mit einem hämischen Grinsen viel Spaß zu wünschen und verschloss die Tür. Ich stellte das Datum auf den 1. Mai 2030, beließ den Ort der Ankunft in der Manteuffelstraße und drückte den Startknopf. Es geschah nichts. Nur ein kurzes Surren, gleich dem eines anfahrenden Fahrstuhls, war zu vernehmen. Dann klickte die Verriegelung und die Tür sprang von alleine auf und gab die Sicht frei.

Neugierig stieg ich 17 Jahre später aus der Zeitmaschine und schaute mich um. Ich stand in einem Zeitungsladen, und der Inhaber sowie die anwesenden Kunden schauten mich verwundert an. Allem Anschein nach stand an der Stelle im Jahr 2013 noch kein Haus, und die Berechnungen der Zeitmaschine haben den städtebaulichen Wandel nicht mit berücksichtigt. Egal, ich verließ den Laden und stand auf der Manteuffelstraße. Ich machte mich auf den Weg in die Oranienstraße. Die Häuser der Umgebung machten den Eindruck, dass sie erst vor einigen Jahren renoviert wurden. Die Straßenbäume standen im saftigen Grün, und insgesamt herrschte eine friedliche Stille. Zu friedlich für den 1. Mai, dachte ich bei mir und ahnte Schlimmes, als ich die Straße hinunter lief. Ich sah, dass sich in die Räumlichkeiten der »Milchbar« ein Sterne-Restaurant eingenistet hatte und dort, wo sich früher die Freiluft Bar befand, ein Appartementwohnhaus errichtet wurde. Mein Blick die Oranienstraße entlang bestätigten meine Befürchtungen, die auf den ersten Metern in der Manteuffelstraße in mir aufkamen und ich blieb erschrocken stehen, als ich das volle Ausmaß erfasste.

Auf den Bürgersteigen standen auf jeder Seite der Straße Verkaufsstände, vor denen sich die feine Gesellschaft tummelte. Bei Hummer, Shrimps und Kaviar prosteten sie sich mit Champagner zu und genossen jede erdenkliche kulinarische Extravaganz, die man sich vorstellen kann. Nirgendwo gab es die Bierverkäufer, die aus gestapelten Kisten heraus verkauften. Nirgends zogen die Rauchschwaden von einem Rostbratwurstgrill oder einer Dönerbude durch die Straße. Einzig und allein das Hasir Restaurant hat sich etabliert und lag somit als letzte Kreuzberger Institution wie ein Fels in der Brandung im elitären Meer. Alle anderen alteingesessenen Geschäfte und Lokale wurden durch die Umstrukturierung des Bezirks vertrieben und durch exklusive Gastronomie und Boutiquen ersetzt. Nirgends waren altbekannte Gesichter zu sehen. Diese hatten sich zu einem Großteil aus Unmut über das Myfest bereits seit 2011 schon nicht mehr auf der O-Straße blicken lassen. Und hier unter der Schickeria waren sie ganz bestimmt nicht mehr anzutreffen. Dort, wo früher das Schild »Core Tex« hing, bei dessen Anblick ein jede/r KreuzbergerIn seit Jahrzehnten selbst im Vollrausch im Vorbeifahren mit der U-Bahn erkannte: »Ich bin zuhause, nächste Station muss ick raus«, war verschwunden und war gegen die Leuchtreklame eines Herrenausstatters ersetzt worden. Über die Köpfe der Menschenmassen hinweg sah ich, welch einen Wandel insbesondere dieser Teil von Kreuzberg seit 2013 durchlebt hatte. Ich lief weiter, und vor dem Eingang des ehemaligen Geschäftshauses am Oranienplatz empfing mich ein Kellner, der jedem, der vorbei lief, ein Glas Champagner anbot. Er gehörte zum Luxuskaufhaus Macy´s, das vor Jahren eingezogen war und an diesem Tag seine Pforten für das zahlungskräftige Publikum geöffnet hatte. Ich lehnte dankend ab und ging weiter. Ein paar Meter weiter, am Oranienplatz, keimte die Hoffnung in mir auf, doch noch auf ein paar revolutionäre Demonstranten zu treffen. Weiträumig hatte die Polizei den Platz abgesperrt. Die Hoffnung versiegte jedoch sogleich wieder, als ich den wahren Grund für die Absperrung erblickte. Wo ich vor ein paar Tagen, im Jahr 2013, im Vorbeigehen das Protestcamp erblickte, stand im Jahr 2030 eine Bühne, die sich über die gesamte Fläche des diesseitigen Platzes erstreckte und auf der sich gerade die Berliner Philharmoniker einrichteten, um ihr 1. Mai-Konzert zu spielen. Vor der Bühne hatten sich hunderte von Zuschauern auf den bereitgestellten Stühlen niedergelassen, um den Klängen zu lauschen. Angewidert verließ ich den Platz und lief über die Seitenstraßen zurück. Die einst hier und dort vorhandenen Baulücken in den Seitenstraßen waren verschwunden. Die Spielplätze sowie die Naherholungsflächen mussten der Neubebauung weichen. Auf meinem Weg durch die Eisenbahnstraße sah ich, dass die alte Markthalle immer noch existierte. Jedoch war auch sie der Umstrukturierung zum Opfer gefallen und beherbergte nun einen Gourmet-Tempel.

Am Lausitzer Platz angekommen, gab mir eine junge Frau einen Zettel in die Hand, der auf eine Veranstaltung im einstigen Lido hinwies. Das ehemalige Kino in der Schlesischen Straße hieß nun »Center Cine« und war wieder dem ursprünglichen Verwendungszweck zugeführt worden. Passend zum Feiertag veranstaltete das Kino einen 1. Mai-Rückblick unter dem Motto »Der 1. Mai vor 50 Jahren«. Dabei, so war auf dem Zettel weiter zu lesen, sollten Aufnahmen der Polizei gezeigt werden, wie sie Demon-stranten durch die Straßen jagten und wie sie selbst gejagt wurden.

Am Lausitzer Platz waren die einzigen Demonstranten zu sehen und auch die Polizei, die sich sonst im Hintergrund hielt, war hier massiv durch Beamte in Schutzanzügen vertreten. Nur von einer angespannten Stimmung war nichts zu spüren. Bei genauerem Betrachten der Leute erkannte ich, dass aus einem Einkaufswagen heraus Pflastersteine an die umher stehenden Personen verteilt wurden. Dem von einem jungen vermummten Mann geschobenen Einkaufswagen folgte ein weiterer, beladen mit Bierflaschen, die ich auf Grund der am Flaschenhals herausragenden Lappen als Molotowcocktails identifizierte. Kurz darauf erfolgte die Eröffnungsmelodie »Deutschland muss sterben« von Slime, und der Demonstrationszug setzte sich in Bewegung. Die Erinnerungen an längst vergangene 1. Mai-Krawalle kamen in mir auf, und ich schloss mich in freudiger Erwartung dem Zug aus offensichtlich gewaltbereiten Staatsfeinden an. Als sich die Demonstranten auf der Kreuzung Skalitzer- Ecke Oranienstraße befanden, fingen sie an, mit Pflastersteinen auf die Polizeibeamten zu werfen und die Lunten der Molotow-Cocktails zu entzünden und die Brandbomben ebenfalls in Richtung der Beamten zu werfen. Nebenbei stand die feine Gesellschaft und klatschte Beifall. Verwundert schaute ich dem Treiben zu. Nach einigen Sekunden realisierte ich, dass die Pflastersteine die Beamten folgenlos trafen und die Brandsätze zwar mit einem lauten Knall explodierten, jedoch kein Feuer entfachten. Ein Mann, der neben mir stand, sagte: »Eine Schande. Die echten Demonstranten sind an den Stadtrand verdrängt worden und liefern sich jetzt die Straßenschlachten mit der Polizei und den Rechten in Marzahn, Hellersdorf und Ahrensfelde und wurden durch diese Komparsen und Schauspieler ersetzt, die hier für die feine Gesellschaft beim Revolutionärem 1. Mai-Musical den Kasper spielen«, und zeigte in Richtung der vorgetäuschten Krawalle und fügte an: »Die einzigen, die den Wandel einigermaßen unbeschadet überstanden haben, sind die Drogenhändler im Görlitzer Park. Die haben es verstanden, sich den verändernden Umständen anzupassen und verkaufen anstatt Marihuana heutzutage Kokain und Heroin.« Während er mir dies erzählte, fuhren im Hintergrund zwei Wasserwerfer auf, und es ertönte die Durchsage: »Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei, dies ist die dritte und letzte Aufforderung. Räumen sie umgehend die Straße, ansonsten werden wir die Wasserwerfer zum Einsatz bringen.« Keiner der Anwesenden machte Anstalten, der Aufforderung Folge zu leisten. Warum auch, es war ja eh nur ein Schauspiel. Und so kam es, wie es kommen musste. Der Höhepunkt gipfelte in einer wilden Wasserschlacht seitens der Polizei, die zusätzlich mit selbstverständlich aus weichem Gummi bestehenden Knüppeln, völlig schmerzfrei für die Revolutionäre, auf diese einschlugen, was von den Demonstranten durch erneute Schaumstoff-Pflasterstein-Würfe beantwortet wurde. Kurz darauf war das Spektakel vorbei, und die Schauspieler erschienen noch einmal, um sich vor dem Applaus der Zuschauer zu verneigen. Gern wäre ich noch länger geblieben und hätte den Erzählungen des Mannes, der während der ganzen Zeit seine Wut über die Zustände äußerte, zugehört. Leider war meine Besuchszeit auf zwei Stunden begrenzt, länger wollte der Typ, der mich in die Zeitkapsel gesteckt hatte, nicht warten.

Nicht fassend, was ich sah, ging ich zurück in den Zeitungsladen, in dem die Zeitmaschine stand, bestieg diese unter den immer noch ungläubigen Blicken der Anwesenden, schloss die Tür, gab die Daten und Koordinaten ein und versetzte mich durch das Drücken des roten Knopfes wieder in die Gegenwart. Dort angekommen, stieg ich aus der Zeitmaschine und war noch fassungslos von dem gerade Gesehenen. Mein Gegenüber fragte: »Und, wie war es?« Entsetzt antwortete ich: »Ich habe Dinge gesehen, die glaubst du nicht. So etwas hat es früher nicht gegeben.«

Geschrieben vom TrendScout

 




So etwas hat es früher nicht gegeben – Wahre Größe

Dass es bei meinen Berichten nicht ausschließlich um technische Trends geht, sondern durchaus auch um die Fortschritte in der Gesellschaft, zeigen die nachstehenden Zeilen. Aufmerksam wurde ich durch ein, überall im Kiez plakatierten Bericht von Mely Kiyak. Darauf aufbauend recherchierte ich eine weitere Geschichte die in einem anderen Land und zu einer anderen Zeit stattfand jedoch im Einklang mit der Geschichte vom Kiylak steht. Es geht in beiden Fällen um starke Charaktäre. Chernobroda, Tobassi, Seltmann und Maciejowska sind Namen, die man sich merken und dem Beispiel der Familien folgen sollte. Jeder dieser Namen steht für wahre menschliche Größe. Kaum wahrnehmbar zwischen all den Kriegen und sozialen Unruhen haben sich vier Familien dem blinden Hass entgegengestellt und sind aufeinander zugegangen, anstatt der politischen Propaganda ihrer jeweiligen Regimeführer zu folgen. Und ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen, aber nachdem der Friedensnobelpreis im Jahr 2011 mit Barack Obama und im 2012 mit der EU als Preisträger an Ansehen eingebüßt hat, könnte der Preis im Jahr 2013 wieder in altem Glanz erstrahlen. Sollten sich die Juroren mal wieder an die von dem Stifter, Alfred Nobel, vorgegebenen Maßgaben* halten, sind die nachstehend erwähnten Personen aus meiner Sicht ganz oben auf der Nominierungsliste.

Mely Kiyak schrieb in der Frankfurter Rundschau vom 9. November 2012 über die Reise der Israelin Yaël Chernobroda aus Haifa nach Dschedin, wo sie gemeinsam mit ihrem Sohn auf die palästinensische Familie Tobassi traf. Es war nicht irgendeine Familie. Es war die, des Selbstmordattentäters Shadi Tobassi. Der 24-jährige hatte sich am 31. März 2002 mit einem Sprengstoffgürtel in einem arabischen Restaurant in Haifa in die Luft gesprengt und dabei unter anderem den Ehemann, den 67 jährigen Dov Chernobroda umgebracht der dort gerade zu Mittag aß. Beide Familien trafen sich 2009 um aufeinander zuzugehen. „Ich hoffe es wird Frieden gebe, nicht nur zwischen Yaël und mir, sondern zwischen allen Arabern und Juden“ sagte Zakaria, der Vater von Shadi. Yaël Sohn sagt über seinen Vater:“Meinem Vater war es wichtig, dass die Israelis in den Palästinensern nicht nur ihren Feind sehen, sondern sie als Menschen betrachten. Auf die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinenser bezogen sei erwähnt, dass sich in der israelisch-palästinensischen Organisation “Parents Circle – Families Forum“ (PCFF) über sechshundert Familien zusammengeschlossen haben, deren Ziel es ist, die israelisch-palästinensische Versöhnung und voranzutreiben um eines Tages friedlich zusammenleben zu können. Der Film über das Treffen der beiden Familien sowie ist im Internet, in der ZDF Mediathek unter dem Titel „Nach der Stille“ zu sehen. Im Anschluss stellt Kiyak in ihrem Bericht die Frage: Was wäre, wenn das Ehepaar Böhnhardt und das Ehepaar Yozgat sich träfen? Sie ist „der festen Überzeugung, dass die Begegnung der beiden ähnlich alten Eltern, die wie Yaël und die Tobassis in zwei unterschiedlichen Perspektiven leben, mehr heilen kann, als sämtliche Untersuchungsausschüsse, Mordanklagen, öffentliche Trauerfeiern und Einweihungen von Gedenksteinen.“ (Quellen: Film „Nach der Stille“, fr-online.de, theparentscircle.org)

Die deutsch-polnische Geschichte betreffend, haben sich zwei Familien auf den Weg gemacht aufeinander zuzugehen, beziehungsweise sind die Enkelkinder der Betroffenen schon so weit aufeinander zugegangen, dass der Weg sie vor den Traualtar geführt hat. Uwe von Seltmann und Gabriela Maciejowska begegneten sich im Juli 2006 in Krakau Seinerzeit befand sich Seltmann auf den Spuren seines Großvaters. Er wollte mehr über ihn und seine Tätigkeiten in der SS herausfinden. Der deutsche Journalist und die polnische Künstlerin kamen ins Gespräch und fanden neben den geschichtlichen Parallelen ihrer Familien, wie bereits erwähnt, auch die der Zuneigung für einander. Über die Vergangenheit ihrer Familien schrieben die beiden das Buch „Todleben. Eine deutsch-polnische Suche nach der Vergangenheit“. Um die Informationen für ihr Buch zu erhalten mussten sich die beiden jedoch zuvor auf eine Reise begeben, die sie durch halb Europa führte. Am Ende ihrer Recherche wussten sie, das Seltmanns Großvater Lothar von Seltmann unter anderem von 1940 bis 1942 SS-Mann unter dem Österreicher Odilo Globocnik war, einem der brutalsten Massenmörder des Dritten Reiches, 1942 als „Kulturreferent“ im Stab des Höheren SS- und Polizeiführers Friedrich Wilhelm Krüger nach Krakau ging und 1943 an der Niederschlagung des Warschauer Ghetto Aufstands beteiligt gewesen ist. Von Michal Pazdanowski, dem Großvater von Maciejowska erfuhren sie, das er Rektor an der…. war und im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Ein, diesen Absatz zusammenfassendes Ende, liefert Seltmann auf seiner Internetseite: „Zwei Familien, zwei Vergangenheiten, eine Zukunft“. (Quellen: u.a. dradio.de, herbig.net, uwevonseltmann.wordpress.com)

Es gibt sie doch noch, die Menschen, die in dem weltlichen Wahnsinn, der vorherrschenden Missgunst und Anfeindung untereinander mit ihrem Drang für ein friedlichem Zusammenleben wie ein winzig kleines Licht am Ende des Tunnels erscheinen.Hätten wir solch weise Menschen in der Politik, könnte ich sagen: So etwas hat es früher nicht gegeben!, somit bleibt mir allerdings nur die Hoffnung, dass ich dies möglichst bald nachholen kann.

*(…) und einen Teil an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und Abschaffung oder Verminderung stehender Heere, sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat (…)

Euer Trend-Scout