Müll – was war das doch gleich ? (Teil 2)

Wieso nicht verschwenderisch leben und nach dem Picknick einfach die Becher im Wald liegen lassen? Das Brotpapier aus dem fahrenden Auto werfen und die alten Klamotten beim nächsten Bauern auf den Misthaufen schmeißen. Ein Problem? Nein! Sondern alles nur eine Frage des Designs. Cradle to Cradle (Von der Wiege bis zur Wiege) heißt ein Konzept von Michael Braungart und William McDonough, das Produkte so konzipiert das alle verwendeten Materialien auf ihre Nützlichkeit für Mensch und Natur ausgerichtet sind. Es entsteht kein Müll mehr, denn alle Materialien werden entweder in biologische Kreisläufe als Nährstoff der Natur zurückgegeben oder aber zirkulieren in technischen Kreisläufen. Das Symbol der Idee ist der Kirschbaum, der in maßloser Verschwendung Blüten und Früchte im Überfluss produziert, dennoch gleichzeitig in jeder Phase seines Seins, nützlich für seine Umgebung agiert. Nichts geht verloren, verschiedenste Lebewesen profitieren von dieser Überproduktion, was dennoch nicht verbraucht wird, geht als Nährstoff in den Boden zurück und lässt neues Leben entstehen.

Wie wäre es, wenn auch der Mensch sich an diesem Kreislauf beteiligt? Denn es gibt sie schon, die Unterwäsche (Triumph) und T-Shirts (Trigema) die kompostierbar sind und frei von Giftstoffen. Teppiche und Bezugsstoffe ohne gefährlichen Abrieb und Ausdünstungen. Gebäude die Solarenergie verwenden und Lebensraum für andere Lebewesen bieten und dabei auch noch Luft und Wasser reinigen können.

Überlegungen, dass in der Zukunft Städte wie Wälder funktionieren und sich selbst den Jahreszeiten anpassen, sind keine reine Fiktion, sondern jetzt schon im kleinen realisiert. Nutzen wir endlich unser Wissen für den Aufbau einer lebenswerten Welt, anstatt permanent an ihrer Zerstörung zu basteln, alles andere wäre DUMM.

Doch wie soll dies praktisch funktionieren? In der letzten Ausgabe hatte ich angefangen zu beschreiben, wie „Cradle to Cradle“ sich definiert und welchen drei Hauptprinzipien es sich verpflichtet fühlt.

 

Abfall ist Nahrung

Nutzung erneuerbarer Energien

Unterstützung von Diversität (Vielfalt)

 

Dabei hatte ich die beiden Kreisläufe, die daraus entstanden sind, nur angerissen: den biologischen und den technischen. Wer den Kreuzberger nicht in die Finger bekommen hat, einfach unter www.derkreuzberger.de die Wissenslücke downloaden (Ausgabe April/Mai 2011 ).

 

Der biologische Kreislauf

Dieser ist im Prinzip eigentlich bekannt, denn so funktionieren unsere Ökosysteme in der Natur. Ein ständiger Kreislauf von Geburt und Tod, von Nutzung von Nährstoffen und ihrer Freisetzung. Es können die Küchenabfälle von Omi sein, die sie auf dem Kompost wirft, oder eben Becher, Verpackungen, Putzmittel, Kosmetika, Kleidung etc. Wichtig ist nur, dass die Materialien der Produkte gefahrlos in die Umwelt gelangen dürfen, da sie sich zu 100 Prozent zersetzen und wieder als Nährstoff für Tiere, Pflanzen etc. fungieren. So gesehen ist es auch kein geschlossener Kreislauf. Denn alle Materialien, auch wenn sie vorher in einem technischen Produkt beteiligt waren, können ihm beitreten. Solange sie nur die biologischen Kriterien erfüllen. Die Sitze des neuen Airbus 380 sind zum Beispiel so konzipiert, dass die Bezüge aus essbaren Materialien hergestellt wurden und dabei die gleichen nicht entflammbaren Eigenschaften und Festigkeit besitzen, wie die herkömmlichen Materialien. Gerade in Flugzeugen zirkulieren die Luftströme und können so schadstofffrei und ohne gefährliche Ausdünstungen ein neues Raumklima schaffen. Die Schadstoffbelastung soll in Gebäuden zum Beispiel 3 bis 8 mal höher liegen als außerhalb von geschlossenen Räumen! Wenn das kein Grund ist. Immer neue Innovationen können allein durch solch ein neues Designkonzept und die Verwendung von unschädlichen Bestandteilen, zum Austausch der alten, giftigen Produkte führen, ohne dabei auf den gewohnten Komfort zu verzichten. Es geht hier nämlich nicht um Verzicht sondern um Neugestaltung. Der Bereich der Verbrauchsgüter soll nach „Cradle to Cradle“ so angelegt sein, dass ihre Entsorgung ohne Recycling auskommt, denn sie fließen direkt wieder als Nährstoff in die Natur. Eine große Anzahl von Produkten stehen schon bereit und viele warten auf ihre Massenproduktion. Es liegt an den Konsumenten eine Entscheidung zu fällen, wo die Reise hingehen soll. Doch zu oft bekommt man von solchen Innovationen viel zu wenig mit. Deshalb liegt immer noch viel zu viel der Verantwortung in den Händen der Regierenden, weitsichtig Weichen zu stellen um die Firmen zu drängen Alternativen anzubieten die nicht krank machen. Verschiedene Steuersätze für schadstoffreiche und arme Produktionsverfahren und Produkte könnten da sehr gute Anreize schaffen. Leider scheinen sie zu selten den Blick fürs Ganze zu besitzen, daher ist es wichtig, dass jeder einzelne als Multiplikator fungiert, um die Verbreitung von Informationen zu beschleunigen. Nur ein umfangreiches Wissen schützt uns, von falschen Interessen vereinnahmt zu werden.

Ein Blick auf die Textil- und Verpackungsindustrie zeigt, dass dort ein irrsinnig großes Potenzial der Neugestaltung brach liegt. Denn Verpackungen werden nur bis zum Aufreißen gebraucht, danach haben sie ihren Zweck erfüllt. Sie werden weggeschmissen und wo sie zumeist landen, sehen wir in der Natur, den Parks, den Straßen und auf den großen Deponien. Wieso also nicht ein Material aus biologischem Nährstoff verwenden der der Natur keinen Schaden zufügt. Es ist im Prinzip nicht nachvollziehbar, warum Verpackungen für Produkte verwendet werden, die in ihrer Haltbarkeit, das Produkt selbst Jahrhunderte überdauern. Allein in diesem Bereich könnte man nicht nur Unmengen an Abfall einsparen, sondern würde gleichzeitig Nährstoff alsDünger dem Boden wieder zurückgeben können. Der Plastikbecher (aus Raps) mit Blumensamen versehen, sieht zwar immer noch nicht toll in der Natur aus, aber man wüsste er zersetzt sich und schon bald würden dort wo er lag schöne Blumen wachsen.

Alleine der Plastikmüll im Pazifik zwischen Amerika und Japan ergäbe eine Mülldeponie von der Größe Mitteleuropas. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Anteil von Plastik selbst mehrere hundert Meilen von der Küste entfernt, um ein mehrfaches höher liegt als organisches Leben. Durch die Wasserbewegung reibt es sich in immer kleinere Teilchen bis zur Planktongröße und wird von Fische und Vögel als Nahrung aufgenommen, diese verhungern, da das Plastik ihnen die Mägen verklebt.

 

Der technische Kreislauf

Hier sind wir im Bereich der Gebrauchsgüter wie Autos, Maschinen, TV, Kühlschränke, Fensterscheiben usw. Wie schon in der letzten Ausgabe beschrieben, werden Rohstoffe zu Produkten verarbeitet und nach Gebrauch weggeschmissen. Ihre Materialien sind zumeist nicht biologisch abbaubar und vergiften in der Regel bei ihrer Entsorgung die Umwelt. Gerade weil sie Materialien besitzen die von der Natur nicht aufgenommen werden, ist es umso wichtiger, dass sie in eigenen Kreisläufen zirkulieren und somit keinen Schaden anrichten können. Dennoch sind es wertvolle Materialien wie Metalle, Mineralien und Kunststoffe. Anstatt ständig den Nachschub dieser Materialien zu gewährleisten, konzipiert man die Produkte so, dass man sie nach Gebrauch wieder in ihre Ursprungsmaterialien zerlegen kann, um einerseits ihre Eigenschaften nicht zu verwässern und zum anderen aus den gleichen Bestandteilen ein neues Produkt als Endlosschleife herzustellen. Der Vorgang, von der Wiege bis zur Bahre, wäre somit durchbrochen. Man wäre so nicht mehr auf den ständigen Nachschub angewiesen, da die Rohstoffe für die Produktion zwischen Verbrauchern und Herstellern pendeln. Natürlich kommen sofort ein paar Fragen auf. Warum sollte ich meinen Teppich oder TV nicht einfach wegschmeißen wie immer? Ist doch so bequem.

Ganz einfach: Er gehört einem nicht mehr! Die Idee ist die, dass Gebrauchsgüter nicht mehr gekauft werden, sondern man kauft nur noch die Funktion, also bei einem TV das Fernsehen oder bei einer Scheibe 20 Jahre durchgucken. Das Gerät oder die Scheibe bleibt im Besitz des Herstellers, denn gerade weil das Produkt so konzipiert wurde, dass die Materialien jederzeit wieder für neue Produkte einsetzbar sind, entsteht das Interesse seine Rohstoffe zurückzubekommen. Für den Konsumenten sind sie eh nicht zu gebrauchen. Er hat sich den Fernseher gekauft um Tatort zu gucken, auf den Haufen Elektroschrott ist er eigentlich gar nicht erpicht. Gleichzeitig wird ihm die Bürde der Entsorgung genommen. Aber für den Produzenten bleibt er wertvoller Rohstoff. Darüber hinaus vermehrt die Firma permanent ihr Eigenkapital. Denn wie gesagt, bleiben die Rohstoffe, in Form eines TV, Teppichs, Stühle…, in ihrem Besitz und enden nicht wie sonst auf der Deponie. Sie sind somit Aktiva und keine Passiva. Der Stress, um auf dem Rohstoffmarkt bestehen zu können würde abnehmen, die Konkurrenzfähigkeit jedoch nicht, denn seine Rohstoffreserven liegen nur in Produkten ausgelagert beim Verbraucher. Dies könnte eine neue Unabhängigkeit und Planungssicherheit bei den benötigten Materialien schaffen, die sich letztendlich auch auf einen günstigeren Preis niederschlagen könnten. Die immer gleichen Bestandteile auf dem neusten Stand der Entwicklung. Beispiele aus Holland zeigen, dass die Firmen die das „Cradle to Cradle“ – Design umgesetzt haben, schwarze Zahlen schreiben. Denn die Wirtschaftlichkeit soll dabei nicht aus den Augen verloren werden, sondern ist fester Bestandteil des Konzepts. Firmen, die ihre Produktion umstellen wollen, sind natürlich erst einmal mit Kosten konfrontiert. Doch die Einsparungsmöglichkeiten die eine schadstoffreie Produktion ermöglicht, vom Wegfall von Arbeitsschutzbestimmung über Müll- und Abwasserreinigung und Entsorgung, sind immens. Die immer mehr Ökologisch orientierte Kaufentscheidung der Verbraucher sollten auch nicht vernachlässigt werden, sie wird mit jedem Umweltskandal steigen

 

Die ABC-X Kategorisierung

Ich hatte ja schon angedeutet, dass die meistens Substanzen die verwendet werden im Prinzip immer noch völlig unerforscht sind, was ihre Auswirkungen auf Umwelt, Tier und Mensch angeht. Daher entwickelte die EPEA (Forschung und Beratungsinstitut, der Gründer ist Prof.Dr. Michael Braungart) eine Methode, die diesen Einfluss untersuchte und in verschiedene Gruppen kategorisierte. Daraus entstanden vier Unterteilungen.

A –

alle hier geführten Substanzen, Materialien, Produkte sind OPTIMAL in ihrem Verhalten für Mensch und Umwelt, sie sind nützlich oder wirken unterstützend auf ihre Umgebung.

B –

steht für VERBESSERBAR, es besteht jedoch Spielraum für eine Weiterentwicklung, sie verhalten sich eher neutral und haben keinen Einfluss auf ihre Umwelt.

C –

sie sind TOLERIERBAR aber eben nicht optimal, da es jedoch noch keine Alternativen für sie gibt, muss man noch eine Weile warten bis die Entwicklung auch sie ersetzen kann.

X –

absolut INAKZEPTABEL, bei ihnen ist die Sache klar. Sie wirken zerstörend auf Mensch und Tier, sind krebserregend und reichern sich negativ im Körper an. Zu ihnen gehören zum Beispiel PVC, Kadmium, Blei, Quecksilber, aber auch die Atomenergie.

Diese X – Substanzen schon bei Entwicklung von Produkten wegzulassen, um eine Schädigung von vornherein auszuschließen, nennt Michael Braungart „Designfilter“ und gibt ein anschauliches Beispiel. Wenn man sich Freunde zum Essen einlädt, würde man auch darauf achten, keine Speisen zu servieren die krank machen oder Allergien auslösen. Das gleiche Bewusstsein sollte auch bei der Produktentwicklung zum tragen kommen.

Es soll ungefähr 80.000 definierte chemische Substanzen und technische Verbindungen geben, die heutzutage von der Industrie hergestellt und benutzt werden, doch nur etwa 3.000 wurden auf ihre Auswirkungen auf lebende Organismen untersucht. Wir spielen alle russisches Roulette! Wann legen wir die Waffe weg? Denn es gibt kein Erkenntnisproblem, es gibt ein Umsetzungsproblem!

Schon wieder habe ich es nicht geschafft alles unterzukriegen was ich sagen wollte. Viele Beispiele wollte ich noch anbringen, die simple und klar veranschaulichen welches Potenzial in diesem Konzept steckt. Nicht nur im Bereich der Produkte sondern auch im Hinblick auf unser Verhalten im Einklang mit der Natur zu leben. Ich hoffe ich kann euer Interesse aufrecht erhalten und mache euch neugierig auf mehr. Daher möchte ich gerne in den nächsten Ausgaben immer mal wieder eine „Cradlte to Cradle“ – Idee einfließen lassen oder noch ein paar Sachen ansprechen, die ich bisher nicht berücksichtigt habe. Vielleicht nicht mehr in dieser Ausführlichkeit, ich will es ja auch nicht übertreiben, aber wie gesagt reicht dieses Konzept in alle Lebensbereiche, so dass es permanent spannend für mich bleibt. Ich hoffe ich konnte euch ein wenig anstecken.

Geschrieben von bookfield




Öko – Verarschung: Energiesparlampen

Dass die Energiesparlampen giftiges Quecksilber enthalten, dürfte jedem bekannt sein. Eine Studie die ein Berliner Labor im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR) durchgeführt hat, kam zu dem Ergebnis, dass insgesamt fünf Produkte namhafter Hersteller im Betriebszustand giftige Dämpfe verursachen und an die Raumluft abgeben. Neben Phenol wurde eine Mischung aus weiteren krebserregenden Substanzen gefunden. Das Argument der Öko – Aktivisten, dass eine 14 Watt Energiesparlampe gegenüber einer 70 Watt Glühlampe bis zu 270 Kilogramm Kohlendioxid und über 80€ im Jahr an Energiekosten einspart, ist aufgrund der enormen gesundheitlichen Belastung vernichtend geschlagen. Dazu kommen die Entsorgungskosten für den Sondermüll, den eine Energiesparlampe darstellt. Die Verantwortlichen in der Regierung wissen wie immer von nichts und machen diesbezüglich das was sie am besten können, dumm aus der Wäsche gucken.




Uran und Cadmium…

ist im Phosphordünger enthalten. Da fragen sich die zuständigen Behörden jahrelang woher der erhöhte Gehalt von Uran und Cadmium auf unserem Ackerland kommt um nun mit Entsetzen festzustellen, dass die Bauern diesen Umstand selbst herbeigeführt haben. Aber den Landwirten kann man nach aktuellem Kenntnisstand keinen Vorwurf machen. Im guten Glauben, fachgerecht zu handeln, düngten sie ihre Felder um den Ertrag zu optimieren. Das Übel liegt wie so oft bei den Zuliefer-Unternehmen. Eine unzureichende Kennzeichnung der Inhaltsstoffe von Düngemitteln weist nicht darauf hin, dass 350 Gramm je Tonne Phosphordünger enthalten sind. Auf jeden Hektar bringen die Landwirte etwa 200 Kilo Phosphordünger aus.

Nun ist Phosphor ein Gestein in dem Uran von Natur aus vorkommt. Wenn man aber eine Fläche über Jahre hinweg mit Phosphordünger behandelt, ohne das Uran und Cadmium aus dem Phosphor herausgewaschen zu haben, steigt der Urangehalt unnatürlich hoch an. Da Uran eine Halbwertzeit von bis zu 4.468.000.000 (Uran 238)* Jahren hat, mindestens jedoch 703.000.000 Jahre (Uran 235)*, ist es nur die Frage, wie wir das Uran in Zukunft zu uns nehmen werden. Mit dem Verzehr von Obst und Gemüse welches das Uran beim Wachstum mit aufnimmt oder aber mit dem trinken des Wassers aus unseren Brunnen, in die es über die Jahre hinein sickert. (*Quelle:Universität Oldenburg)




Müll – was war das doch gleich? (Teil 1)

In der letzten Ausgabe hatte ich angedeutet, dass ich näher auf ein Designkonzept eingehen möchte, dass die Welt verändern kann. Dieses nennt sich Cradle to Cradle (von der Wiege bis zur Wiege) und wurde von Michael Braungart und William McDonough entwickelt (http://www.braungart.com/). Der eine Chemiker und der andere Architekt. Ich hoffe, dass ich ihre Ideen in ihrem Sinne wiedergeben kann und versuche später noch aus meiner Sicht Überlegungen anzustellen, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen sich aus dieser neuen Sichtweise ergeben könnten. Leitfaden für diesen Artikel ist das Buch von den Beiden, dass ich nur wärmstens empfehlen kann. Es heißt „Einfach intelligent produzieren“ (ISBN 978-3-8333-0183-4). Hört sich trocken an, ist es aber nicht, sondern voll von innovativen Lösungen, die unsere derzeitigen Welt dringend benötigt.

Als Einstieg möchte ich die Behauptung aufstellen, dass der Mensch sich in der Regel nicht als Bestandteil der Welt begreift, sondern durch seine Fähigkeit zu Denken annimmt, sich in einer besonderen Stellung zu befinden. Diese Fähigkeit lässt ihn vermuten, er könne losgelöst von der Umwelt agieren. Inzwischen muss er sich eingestehen, dass seine Handlungen Auswirkungen haben, die ihn fast an die Grenze der Auslöschung seiner eigenen Existenz führten. Es gab die Zeit, da wollte er sich die Welt zum Untertan machen, obwohl dieses Denken immer noch weit verbreitet ist, mutiert er nun langsam zum großen Büßer, der Zerstörung und Leid über die Erde gebracht hat. In beiden Modellen hat er nicht begriffen, dass er einfach nur Bestandteil der Erde ist, nicht mehr und nicht weniger. Ja der Mensch lebt, verbraucht Sauerstoff, stößt CO2 aus, zerstört Dinge und baut welche auf. Er gehört zur Erde, zum Leben. Dieses Verspricht alles sterben zu lassen, was je geboren wurde. Wenn der Mensch etwas zerstört um zu leben, so macht er dies zumeist nachhaltig, jedoch nicht in dem Sinne wie die Natur es vor lebt. Denn eigentlich ist an diesem Vorgang nichts verwerfliches, wenn wir nur den Gesetzen der Natur vertrauen und folgen würden. Ein Hauptprinzip der Welt ist, nichts geht verloren und alles Verbrauchte wird als Nährstoff für andere wieder freigesetzt. Es existiert einfach kein Müll, es finden im Prinzip nur transformatorische Vorgänge statt. Abfallstoffe sind sogleich auch immer Nährstoffe für andere Lebensformen! Dadurch konnte eine Artenvielfalt entstehen, die sich allein durch die Nutzung von Sonne und den entstandenen Elementen, im permanenten Wandel befindet und am Leben erhält.Genau hier setzt Cradle to Cradle an.

Auf der Webseite der EPEA GmbH werden die drei Hauptprinzipien so gut beschrieben (http://epea-hamburg.org/index.php?id=47&L=4), das ich mir erlaubt habe, sie 1-1 zu übernehmen. Zum Verständnis, der Gründer der EPEA ist Prof. Dr. Michael Braungart, die EPEA selbst ist ein internationales Forschungs- und Beratungsinstitut, das durch öko-effektives Design die Qualität und den Nutzwert von Materialien, Produkten und Dienstleistungen optimiert.

 

Abfall ist Nahrung

Die Prozesse jedes an einem lebendem System beteiligten Organismus‘ tragen etwas zur Gesundheit des Ganzen bei. Die Blüten eines Baumes beispielsweise, seine „Abfälle“, fallen zur Erde, wo sie abgebaut und so zur Nahrung für andere Organismen werden. Mikroben etwa ernähren sich von dem organischen „Abfall“ und deponieren wiederum Nährstoffe im Erdboden, die dem Baum erneut zugutekommen. Der „Abfall“ des einen Organismus ist Nahrung für einen anderen. Menschliche Pläne, die diesem Nährstoffzyklus nachgebildet sind – Zyklen, in denen Müll in dem Sinn nicht mehr vorkommt, – bilden die Grundlage der Materialfluss-Systeme, die ein integraler Bestandteil der Cradle to Cradle® -Produktionsweise sind.

 

Nutzung erneuerbarer Energien

Die erste industrielle Revolution schöpfte ihre Energie vorwiegend aus dem Reservoir der Vergangenheit; sie nutzte fossile Brennstoffe, die Millionen von Jahren zuvor entstanden waren. Die Atomenergie belastet die Zukunft mit Hypotheken und schafft für viele künftige Generationen hochgefährliche Verpflichtungen. Systeme jedoch, die durch Sonnenenergie angetrieben werden, nutzen die Energie von heute, ohne die Zukunft unserer Kinder nachhaltig zu belasten. Die Konstruktion von Produkten und Systemen kann die natürliche Energie der Sonne auf vielerlei Weise gewinnbringend und produktiv einsetzen. Das direkte Auffangen der Sonnenenergie ist eine Möglichkeit. Die Windkraft, die durch Thermik infolge des Sonnenlichts erzeugt wird, ist eine weitere Quelle, ebenso wie Biomasse und andere Energiequellen.

 

Unterstützung von Diversität

Natürliche Systeme funktionieren und gedeihen durch Komplexität. Verglichen mit den Standardlösungen der industriellen Revolution und der in der Globalisierung so geschätzten Einförmigkeit, fördert die Natur eine unendliche Vielfalt. An die Produktion von Gütern muss letztlich mit vielfältigen Ansätzen herangegangen werden.Sich auf ein einzelnes Kriterium zu konzentrieren, schafft Instabilität im größeren Kontext und repräsentiert das, was wir einen „Ismus“ nennen: eine extreme, völlig von der Gesamtstruktur losgelöste Position.

Das ist der Leitfaden den sich Cradle to Cradle verpflichtet fühlt und aus dem zwei Kreisläufe erstellt wurden. Zum einen wird der schon seit ewigen Zeiten bestehende biologische Kreislauf genutzt oder besser, es wird wieder aktiver an ihm teilgenommen und ein, in dem Geiste, adaptierter technischer Kreislauf erstellt. Jedes Produkt wird schon konzeptionell darauf ausgerichtet, dass seine Materialien entweder dem einen oder dem anderen unterworfen sind und somit wieder zu 100% zurückgeführt werden können. Das bedeutet das Produkte von Anfang an im Hinblick auf ihren gesamten Lebenszyklus entwickelt werden. Hier wird nicht versucht sich etwas anzunähern, sondern man bewegt sich in geschlossenen Kreisläufen. Dies bedeutet im Hinblick auf das Produkt nicht Effizient zu sein, sondern Effektiv, ein gravierender Unterschied, den ich noch erklären werde.

Das Problem der heutigen Wirtschaft (auch der meisten ökologischen) ist, dass sie Materialien aufwenden um ein Produkt herzustellen, was nach Gebrauch weggeschmissen wird. Michael Braungart nennt den Vorgang „ Von der Wiege bis zur Bahre“. Es wird ein Rohstoff zugeführt, dann zu einem Produkt verarbeitet, benutzt und dann weggeschmissen. Die entstandene Knappheit der Ressourcen und die Verwendung von Giftstoffen in den Produkten regte zum nachdenken an. Nicht nur die Ökobewegung versuchte nun, entweder die Materialien schadstoffärmer zu machen (um sie dann wegzuschmeißen) oder die Materialien (nachdem sie weggeschmissen wurden) nochmals irgendwie zu nutzen (Recycling). Doch was steckt hinter dieser Herangehensweise. Der Mensch begreift sich weiterhin als Fremdkörper in einem (damals) intakten System, dass er durch seine Anwesenheit und seinen Verbrauch zerstört. Nun glaubt er die Aufgabe zu haben, es wieder in Ordnung zu bringen (oder auch nicht). Er tut nun Buße und versucht weniger schädlich für die Umwelt zu agieren, also effizienter zu werden, was nichts anderes heißt, langsamer zu zerstören. Was wäre wenn er nicht für oder gegen sie, sondern in Ihrem Sinne handeln würde. Was wäre wenn Produkte so konzipiert würden, dass sie zu 100% zurückgeführt werden könnten. Es gibt nur ein Lebewesen was Müll produziert, dass ist der Mensch, wieso also handeln wir nicht wie der Rest derWelt, maßlos und verschwenderisch, jedoch absolut Umweltverträglich, denn Müll wäre Rohstoff. Ein ganz neuer Denkprozess könnte eingeleitet werden, denn nun könnten wir an der Maßlosigkeit der Natur teilhaben. Ein schöner Satz in dem Buch heißt „Weniger schlecht – ist nicht gut“. Dies beschreibt sehr gut den Denkfehler, den viele machen, um auf die industrielle Zerstörung zu reagieren. Der Versuch effizienter zu handeln, bedeutet eben nur weniger Energie zu verbrauchen, weniger Schadstoffe in die Welt zu pusten, zu reduzieren, zu vermeiden usw, doch es bleibt die gleiche Handlung, nur eben weniger. Dies hört sich so an, wie wenn ich gegen Gewalt bin und meine Frau anstatt 5 mal die Woche, „nur“ noch 2 mal die Woche schlage und dies als bedeutenden Fortschritt gegen Gewalt verkaufen will. Wie wäre es, mit dem Schlagen komplett aufzuhören. Es geht nicht darum Prozesse zu verlangsamen, sondern zu beseitigen, um sie zu ersetzen. Michael Braungart sagt dazu: „Wenn ein System zerstörerisch ist, sollte man nicht den Versuch machen, es effizienter zu gestalten. Stattdessen sollte man Möglichkeiten finden, es vollständig umzukrempeln, so dass es effektiv wird.“

Hier kommt der qualitative Unterschied von Effektivität zum tragen, wir dürften nämlich konsumieren, verbrauchen, verschwenden, genießen, denn jegliches Handeln würde nun im Einklang mit der Natur geschehen.

Wie könnte es aussehen, wenn kein Müll mehr anfällt!? Kein schlechtes Gewissen beim Picknick etwas zu hinterlassen. Verpackungen wären so konzipiert, dass sie gefahrlos weggeschmissen werden könnten, da sie sich zersetzen und als Humus für Pflanzen dienen. Wir verbrauchen nichts mehr sondern gebrauchen, nach dem Gebrauch wird alles wieder einem der beiden Kreisläufe zugeführt. Der Plastikbecher (aus biologisch abbaubaren Stoffen) könnte wie eine Bananenschale einfach verrotten und würde nicht Jahrzehnte oder länger die Landschaft verunstalten und vergiften, sondern als Rohstoff für Pflanzen wieder zu Verfügung stehen. Kleidung wird zu Humus, da sie nur bio-logische Farben und Stoffe enthält, Häuser würden CO2 absorbieren und Lebens-raum für andere Lebewesen bereitstellen und so weiter.

Welche Möglichkeiten jetzt schon bestehen, vom Becher bis zu Häuserkomplexen, möchte ich in der nächsten Ausgabe vertiefen. Dort werde ich noch mal genauer auf die beiden Kreisläufe eingehen und anhand von Beispielen die unglaublichen Perspektiven darstellen, die sich daraus entwickeln könnten. Wir leben in einer Welt, in der der Kampf um die Rohstoffe voll im Gange ist. Kriege werden um sie geführt, Menschen werden ausgegrenzt, es wird von Überbevölkerung gesprochen. Der Gedanke es wäre nicht genug für alle da, zerstört das Zusammenleben. Das Beispiel der Ameise, die von ihrer Masse her 4-6 mal höher ist, als die des Menschen (das entspricht ca. 30 Milliarden Menschen) ohne dabei die Erde zu zerstören, sollte uns zum nachdenken bringen.

Dann bis zum nächsten Mal mit unglaublichen Beispielen, für eine Welt für alle Lebewesen!

Geschrieben von Bookfield

 




Fukushima – Strahlende Aussichten

Erneut drehte der Wind, wieder kam er aus Nordost. Zuerst nahm man an, die Zeit würde noch reichen, obwohl alle spürten, dieser Gedanke reichte nur um die Hoffnung zu bekräftigen. Als der erste Kern zu schmelzen begann, wurde der Evakuierungsradius nochmals vergrößert, genau wie beim zweiten, einer nach dem anderen schmolz dahin, beim 6ten Kern war ganz Japan eingeschlossen. Schon bevor Tokio betroffen war, lag eine Depression über dem Land. Die Evakuierung begann sehr diszipliniert, der wohl letzte Ausdruck der japanischen Kultur. Doch mit jedem Tag an dem die radioaktive Wolke näher kam, wurde es chaotischer. Wer konnte auch damit rechnen, dass selbst in Osaka die Werte derart hoch werden konnten. Natürlich fing es langsam an, erst entdeckte man verseuchte Lebensmittel, dann stellte man Radioaktivität im Trinkwasser fest. Hamsterkäufe wurden getätigt, die Versorgungssituation stellte sich immer schwieriger dar. Tonnenweise schickte das Ausland Hilfsgüter nach Japan, nicht nur zur Beruhigung der Bevölkerung, sondern vor allem um die Flüchtlingsströme, nicht ausufern zu lassen. Schon zu diesem Zeitpunkt herrschte das Chaos auf den Straßen und die eingeimpfte Disziplin der Japaner wechselte übergangslos zum Faustrecht.

Der Tag als Fukushima aufgegeben wurde, ist mir noch präsent. Ich war schon in Tokio und hoffte auf einen der letzten Flüge. Als glücklicher Besitzer eines Tickets war ich voller Zuversicht. Was ich nicht bedacht hatte, dass es keine Möglichkeit mehr gab zum Flughafen zu kommen. In einer Stadt in Panik, herrschen andere Gesetzte! Das ausgerechnet der Reaktor der abgeschaltet war, die Kettenreaktion auslöste, war schon irgendwie bezeichnend, für die Hilflosigkeit der Menschen, mit dieser Technik umzugehen. Am Anfang sah es noch so gut aus. Reaktor 5 und 6 hatten wieder Strom und bei den anderen lagen die Leitungen schon bereit. Es wurde Tag und Nacht mit Meerwasser gekühlt, obwohl dieses Löschwasser zum versalzen der Brennstäbe führte. Das größere Problem bestand jedoch darin, das durch die Explosionen, Lecks im Reaktormantel und den Rohren entstanden waren und somit die verstrahlte Brühe direkt ins Meer floss. Eine Lösung schien nicht in Sicht. Nachdem die Strahlenwerte derart nach oben schnellten, wurde endlich zugegeben, das der erste Kern geschmolzen war. Die Arbeiter wurden abgezogen und es wurde ein Selbstmordkommando zusammengestellt, die retten sollten, was noch zu retten war. Experten rechneten aus wie lange ein Mensch sich dieser Strahlung aussetzen durfte. Ein Wert von 32,34 Sekunden kam heraus. Nicht wirklich eine Größe, mit der man eine Katastrophediesen Ausmaßes in den Griff bekommen konnte. Nur der Stolz der Japanischen Armee, für ihr Land zu sterben, brachte nochmals 1000 freiwillige Soldaten dazu, sich für ihr Land zu opfern. Alle wussten, dass dies nicht zum Erfolg führen konnte, doch man ließ sie ziehen. Was gab es auch für Alternativen? Nun liegen sie verstreut auf dem Werksgelände und werden als Helden verehrt. Das Problem wurde nicht gelöst, die Kernschmelzen nahmen ihren Lauf. Dies war vorerst der letzte Versuch! Ab diesen Zeitpunkt schaute die Welt nur noch zu, wie ein Reaktor nach dem anderen der Kernschmelze ausgeliefert war. Strahlend liegen nun 6 Reaktoren frei und niemand weiß, was zu tun ist.Bei der Tschernobyl-Katastrophe gab es einen gravierenden Vorteil. In Russland herrschte eine Diktatur. Hunderttausende wurden einfach dorthin geschafft, um das Problem zu beseitigen. Über 700000 Liquidatoren, so wurden sie genannt, waren abgeordert, dass Unmögliche zu lösen. Zehntausende starben, aber man hatte es geschafft einen Beton-Sarkophag zu bauen. So unmenschlich diese Aktion auch gewesen sein mag, sie führte wenigstens zum Erfolg. Doch welche Möglichkeiten besitzt man nun, um auf das Unfassbare zu reagieren. In Japan liegen die letzten Freiwilligen tot am Boden und es sieht nicht so aus, als würden sich schnell Nachahmer finden. Die Reaktoren liegen frei und die strahlende Wolke beginnt langsam die anderen Länder zu erreichen. Schon längst ist es kein regionales Problem mehr, sondern eins was die Welt betrifft. Doch wer wollte schon eingreifen, wenn als Danke nur der sichere Strahlentod wartete. Offen konnte man die Reaktoren dennoch nicht liegen lassen. Warten bis sie von selbst erkalten, falls dies überhaupt möglich war, würde Zeitspannen dauern, die für dieMenschheit noch nicht einmal denkbar waren. Die Halbwertszeit von Plutonium liegt bei ca. 24000 Jahren. Um nur mal eine Größe zu nennen. Nein es wurden Menschen gebraucht die bereit waren zu sterben. Selbst unter dem Einsatz neuster Technik, brauchte man sie vor Ort, zum installieren und bedienen. Die Lage schien aussichtslos! Die Welt sammelte sich und hoffte auf die Helden, um der Apokalypse noch zu entkommen oder ist dies schon die Apokalypse? Doch was ist das für ein erbärmliches Politikverständnis, dass einer Technik vertraut, die bei versagen auf Helden angewiesen ist. Alle Atombefürworter sollten sofort rekrutiert werden. Doch wie im Krieg, zahlen immer die Falschen die Zeche.

Zur Zeit bleibt mir nur das starren auf die Bildschirme. Der Wetterbericht ist die meist gesehene Sendung. Alle beten das der Wind die Konzentration vermindert und somit wieder ein kurzes Zeitfenster öffnet, um ein paar Menschen aus der Region heraus zu holen. Alles läuft wie in Trance ab. Fassen kann man es sicherlich nicht. Eine ganze Region konnte man nun von der Landkarte streichen und da dies nicht schon genug ist, wächst diese mit jedem Tag ein Stück weiter an. Das paradoxe des Vorfalls ist, dass selbst nach der ersten Kernschmelze, die Regierungen in Europa, USA, Russland und dem Rest der Welt, nicht auf diese Energieform verzichten wollten. Es wurde um Sicherheit gerungen, um Wirtschaftlichkeit, die alten Seilschaften behielten immer noch die Oberhand. Doch das war vor Tokio.

Nachdem die Räumung von Tokio beschlossen wurde, bewegte sich endlich etwas. Denn endlich schien das Unbegreifliche in den Köpfen angekommen zu sein. Die Bilder der Flüchtenden, der Sterbenden, der Hilflosigkeit formte sich langsam zu einer Erkenntnis. Man hätte es längst wissen müssen, dass der Mensch solch eine immense Energieform nicht kontrollieren kann. Warum musste es soweit kommen? Doch diese Frage war längst beantwortet. Geld ließ die Risikobereitschaft ins unermessliche wachsen.Nun bezahlte man mit unermesslichen Leid. Die Gefahren waren seit Jahrzehnten bekannt, daran konnte es nicht liegen und spätestens seit Harrisburg und Tschernobyl war längst das unbedeutende Restrisiko widerlegt. In 100000 Jahren vielleicht einmal, so wurde behauptet und ich hatte es schon zweimal erlebt, von den beinahe Situationen mal ganz abgesehen. Nein, da hatten Menschen Gott gespielt und Verantwortung für andere übernommen, die sie niemals hätten übernehmen dürfen. Niemals. Die Mörder sind die, die diese Technik bauten oder zuließen. Kritiker wurden mundtot gemacht. Die Gefahren wurden schlampig dargestellt. Wäre die Bevölkerung vollends aufgeklärt gewesen, wäre es nie zu dieser technologischen Verbreitung gekommen. Selbst die Endlagerung wurde auf die Zukunft verschoben. Nun war die Zukunft angebrochen, die Endlagerung findet oberhalb statt.

Doch was rege ich mich auf, leise summt das Notstromaggregat im Hintergrund. Ich hab´s halt nicht geschafft raus zu kommen, da fehlten mir als Tourist, dann doch die richtigen Kontakte. Ich kann noch froh sein überhaupt einen Platz im Bunker ergattert zu haben, nur war ich mir nicht ganz sicher, wie froh ich darüber wirklich sein will. Jetzt hieß es warten, bis die Hubschrauber sich wieder hierher wagen, die deutsche Botschaft scheint sich jedenfalls noch zu kümmern, wurde jedenfalls behauptet. Doch auch wenn die Evakuierung losgeht, werden wir für die vier Stunden, die es braucht das konterminierte Gebiet zu verlassen, eine Strahlendosis abbekommen, die uns in 10 Jahren dem Krebstod zuführt. Vielleicht auch ein paar Jahre länger, wer weiß das schon. Ein Leben ohne Zukunft allemal! Unruhig macht mich noch eine weitere Nachricht, das in Frankreich und auch in Deutschland an einigen Reaktoren Kühlwasserprobleme aufgetreten sind. Nicht aufgrund von Erdbeben oder Tsunami, nein viel banaler, es herrscht einfach nur Wassermangel in den Flüssen.

Es scheint eine ungewöhnliche Dürre ausgebrochen zu sein, bei der die Pegelstän-de der Gewässer derart niedrig sind, dass die Ansaugrohre nur noch Schlamm aus den Flüssen ziehen, der Klimawandel lässt grüßen. Mit Tanklastern werden Millionen von Litern Wasser in die Reaktoren gepumpt. Das Problem scheint zu sein, das fast ganz Mitteleuropa von dieser Trockenheit betroffen ist. Die hohe Anzahl von Reaktoren (speziell in Frankreich), macht es logistisch zu einem Problem, die Wasserversorgung aufrecht zu erhalten. Der letzte Stand der hier überhaupt noch ankommt ist, das in den meisten Regionen in Europa Wasser rationiert wird und alle sehnlichst auf Regen warten. Die AKW´s wurden zwar abgeschaltet, doch wie man weiß, ist das für den Kühlungsprozess der Brennstäbe völlig unwichtig, denn Kühlung brauchen sie immer, ob am Netz oder außer Betrieb. Mir macht nur Sorge, das wenn einer in Europa hochgeht, wir hier in Japan, wohl keine Chance mehr haben rauszukommen. Aber darüber will ich jetzt nicht nachdenken, auch wenn die Zeit angebrochen ist, das Undenkbare anzunehmen..

Zurzeit sucht die Weltgemeinschaft massenhaft Freiwillige für Japan, vielleicht sollten sie für Europa gleich mit suchen. Menschen die bereit sind den Freitod zu wählen, denn wie gesagt stehen die Reaktoren zerberstet und strahlend herum. Keine Möglichkeit heran zu kommen. Pläne werden geschmiedet, für den finalen Rettungsschlag, um sie zumindest zu verschließen. Falls man überhaupt genügend Freiwillige zusammenbekommt, dann wahrscheinlich auch nur einmal, es gibt nur einen Versuch. Denn selbst die Versorgung der zurückgelassen Menschen in Japan, die die nicht rechtzeitig weggingen oder nicht die horrenden Summen aufbringen konnten, um mit privaten Schlepperbanden ausgeflogen zu werden, oder einfach die Gefahr unterschätzt hatten, wurden langsam zum Problem. Niemand will Nahrung und Wasser hinein fliegen, denn dies hieße sein eigenes Leben zu gefährden. Aber was sollte geschehen, sollte man die zig Millionen, die es nicht geschafft hatten , einfach ihrem Schicksal überlassen? Der langsame Tod wäre ihnen gewiss, falls dies eh nicht schon zu spät ist. Immer wieder gibt es Gerüchte von Einzelaktionen, bei denen sich Leute nach Osaka aufmachten, man hörte das sich dort die Strahlung schneller wieder verflüchtigte. Doch da nichts mehr fuhr, keine Busse, keine Bahn, kein Nichts und in einer Stadt im Chaos keine intakten Straßen zur Verfügung stehen, versuchten sie zu Fuß bis an die Stadtgrenze zu kommen, um mit geknackten Autos weiterzufahren. Doch die Erkenntnis, dass sie schon dermaßen verstrahlt sein mussten, noch bevor sie den Großraum Tokio verlassen hatten, ließen mich am Sinn solcher Aktionen zweifeln. Falls ich noch so etwas wie Hoffnung empfinde, so versiegt sie mit jedem Tag im Bunker, Stück für Stück, das einzige was mir blieb ist warten. Neben mir kotzt einer Blut, still schaue ich ihm dabei zu!

Geschrieben von bookfield




Cradle To Cradle Die nächste industrielle Revolution!

Wir sind heute mit vermeintlichen Problemen konfrontiert, die uns nicht selten in einer Schockstarre und einem Gefühl der Hilflosigkeit zurücklassen. Deshalb will ich euch noch einen kleinen Vorgeschmack machen, auf die nächste Ausgabe. Dort möchte ich eine Bewegung vorstellen, die ohne zu übertreiben, die Welt revolutionieren könnte, ohne unseren Lebensstandart massiv zu verändern und dennoch für alle Menschen auf der Welt anwendbar ist. Ich bin sogar der Meinung, sie wird es und sie wird tiefgreifendere Einschnitte für die Menschheit haben, als alles andere was bisher geschehen ist. Nun gut, das hört sich jetzt ein wenig pathetisch an, aber ich bin nicht der Meinung dass ich übertreibe, denn die Lösung ist so banal wie genial und ist so alt wie die Geschichte unseres Planeten selbst.

Die Bewegung heißt Cradle to Cradle von Michael Braungart und William McDonough. Obwohl ich den beiden nicht zu nahe treten möchte, sind sie dennoch nur ein Baustein (sicherlich zwei sehr bedeutende). Entscheidend für den Erfolg und das Überleben der Menschheit ist jedoch, wie viele sich letztendlich daran beteiligen, also auch Du und Ich. Es gibt keinen Unwichtigen, alle dürfen dabei sein und sind erwünscht.

Der Tragende Gedanke ist, dass der Men-sch zur Welt gehört, und diese Welt wirft nichts weg. Es gibt keinen Müll, es gibt nur Rohstoffe und alles funktioniert in Kreisläufen, nichts geht verloren. MÜLL = ROHSTOFF! Diese Handlungsweise, die die Welt seit Jahrmillionen praktiziert, wurde nun in unsere moderne Zeit gebracht und in Anlehnung an den biologischen Kreislauf, auch ein technischer Kreislauf entwickelt, mit gleichen/ähnlichen Eigenschaften und es ist ein Prozess, es können immer mehr Materialien integriert oder ersetzt werden. Die Idee ist also uralt und ist eigentlich keine Idee, sondern die einzige logische Handlung, die diese Welt am Leben halten kann oder sagen wir mal so, noch für den Menschen bewohnbar belässt. Diese Handlung, ist in der Natur sichtbar in allen Kreisläufen die in ihr entstehen oder entstanden sind. Jetzt ist es Zeit, das wir uns besinnen und uns der Weisheit der Natur wieder anschließen, wir gehörten immer schon zu ihr. Mit einer Verweigerung dieser Erkenntnis haben wir die Erde und die Menschheit bis zum Abgrund geführt! Der Erde ist es egal, ob Menschen darauf vegetieren oder nicht, sie wird uns überleben. Es liegt also an uns, ob wir noch daran teilhaben wollen oder nicht. Werden wir enden wie der Parasit der sein Wirttier aufrisst oder nehmen wir wieder Teil an dem größten ökologischen Kreislauf denes gibt, den der Erde!

Wenn wir uns mal vergegenwärtigen, dass die Masse der Ameisen, um das 4-6 fache höher ist, als die der Menschen und sie schon seit ewigen Zeiten auf diesen Planet verweilen ohne die Welt in irgendeiner Weise dabei geschädigt zu haben. Es ist schon verwunderlich was der Mensch innerhalb eines Jahrhunderts so alles anstellt, um seinen Exodus vorzubereiten. Beteiligen wir uns also weiterhin am kollektiven Selbstmord oder erkennen wir, dass wir nie von unserer Welt getrennt waren und beginnen wir in diesem Geist zu handeln.

Gut! Das hört sich jetzt wieder nach Verzicht, moralischem Handeln, einer neuen Ideologie, Unwirtschaftlichkeit oder nach irgendetwas an, nur nicht nach Spaß. Alles dies trifft nicht zu, es wird hier kein -ismus gegen einen anderen ausgetauscht oder auf die Vernunft der Menschheit gesetzt (bringt eh nichts). Nein es ist wirtschaftlich, der Lebensstandart könnte gehalten werden, es beruht auf Nachhaltigkeit und dies für alle Menschen. Als Zugabe gibt’s noch eine schadstofffreie Welt, ohne Giftstoffe oben drauf. Tja und wie das genau gehen soll, versuche ich in der nächsten Ausgabe zu vermitteln.Wer jedoch neugierig geworden ist, dem möchte ich auf das „Cradle to Cradle“-Festival hinweisen, was zur Zeit in Berlin stattfindet.

Geschrieben von bookfield




Richtigstellung zu „Das muss auch anders gehen“ und „Kurz Gesagtes – Die neue Immobiliensteuer kommt“ (Ausgabe 9)

I. In der Oktoberausgabe von Der Kreuzberger ( Nr.9 ) ist mir ein Fehler unterlaufen! Im Artikel „Das muss auch anders gehen“ steht dort, das Deutschland „die drittgrößte Rüstungsmacht beherbergt“! Das ist falsch, es muss heißen „den drittgrößten Rüstungsexporteur der Welt beherbergt“. Wenn man das Jahr 2008 zugrunde legt ist Deutschland auf Platz 6 mit 46.8 Milliarden Dollar Militärausgaben. Unangefochten auf Platz 1 natürlich die USA mit 607 Milliarden. Sie gibt mehr Geld für Rüstung aus, als alle 9 Folgenden Länder zusammen. Schon Komisch nicht wahr !

Bookfield

Quelle: Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri In dem Bericht hieß es :“Deutschland……“. Richtig hätte es lauten müssen: „ Deutschland….“

 

II. In Der Kreuzberger Ausgabe 09 10 berichteten wir unter „Kurz Gesagtes – Die neue Immobiliensteuer kommt“ über das Wohnverhalten der Weinbergschnecke folgendes:“…da diese ihr Quartier im Herbst räumt und das wohnen in freier Natur vorzieht…“. Sachlich und fachlich korrekt hätte es selbstverständlich heißen müssen:“ Zur Winterstarre wird die Schneckenhausöffnung bis zum Erwachen im Frühjahr verschlossen. Dieser Schalendeckel zum Beispiel bei der Weinbergschnecke, das sogenannte Epiphragma, wird im Frühling wieder abgeworfen.“ (Quelle:Wikipedia)

Olly




So etwas hat es früher nicht gegeben – Der Risograph

Die Globalisierung hat hin und wieder auch ihre guten Seiten. Manch eine Erfindung wäre uns bis heute verborgen geblieben, wenn nicht irgendein Unternehmen auf dieser Welt Geld in eine Idee gesteckt hätte von der wir nun profitieren können.

In dem vorliegenden Fall, war es die Firma ´Riso´ aus Japan, die ein Gerät entwickelt hat, dass seinesgleichen auf dem Weltmarkt sucht. Im Gegensatz zu manch anderen fragwürdigen Produkten die unseren Kontinent aus dieser Richtung erreichen, ist dieses Gerät jeden Liter Treibstoff wert, den es für den Weg von Japan zu uns benötigt. Ihr fragt euch nun bestimmt wie ich dieses einmalige Prachtstück der Ingenieurskunst aufgespürt habe und um was es sich dabei überhaupt handelt. Wie so oft heißt es mal wieder: Lest, lernt und staunt.

Ich forschte im Internet nach einer Lösung, die Druckkosten vom Kreuzberger zu senken. Ich durchsuchte unendlich viele Internetseiten und füllte genausoviele Anfrageformulare für die unterschiedlichsten Vervielfältigungsmaschinen für Druckerzeugnisse aus. Ich stand in den verschiedensten Läden der Stadt um mir das zahlreiche Angebot in diesem Bereich vorführen zu lassen. Unterm Strich kochen alle nur mit Wasser und die Kosten bleiben, hin und her gerechnet, die gleichen. Enttäuscht von der Ausbeute meiner Suche, kam ich nach Hause und schaltete den Computer ein um die ersten Antworten auf meine Anfragen zu prüfen. Aber auch dies blieb ohne Ergebnis. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben als mich die E-Mail eines guten Bekannten erreichte. Bezugnehmend auf meine derzeitige Suche, verwies er mich auf die Internetseite der Firma ´Riso´, die auch eine Filiale hier in Berlin betreibt und die die Lösung unseres Problems sein könnte.

„Was habe ich zu verlieren?“, dachte ich und schaute nach.

Kaum glaubend was ich da sah, rief ich umgehend bei ´Riso` an und vereinbarte einen Termin mit einem Vertreter der Firma. Einige Tage später suchte ich den Direktvertrieb von `Riso´-Deutschland auf. Ein vor Energie sprühender und mit enormem Fachwissen ausgestatteter Mitarbeiter empfing mich zu seinem großen Auftritt – dem Verkaufsgespräch. Nachdem ich ihm aber meine Investitionsvorstellungen und das „Einsatzgebiet“, die Redaktion einer kleinen Kiezzeitung, offengelegt hatte, kamen wir von den hochwertigen Profimaschinen, die in der Preisklasse eines Mittelklassewagens lagen, zu den kleineren und zum Glück auch günstigeren Geräten. Das Gerät, das für uns in Frage kam und das ich hier vorstellen möchte, ist der Risograph RZ 370. Dieses Gerät, sowie die anderen Produkte der Firma ´Riso´ dienen hauptsächlich dazu, Druckerzeugnisse wie Flyer, Plakate, Broschüren oder Ähnliches herzustellen. Nun mag der eine oder die andere sagen: Das kann ich auch im Kopierladen um die Ecke.

Nun, das habe ich auch gedacht. Bis ich vor dieser Maschine stand. Denn im Gegensatz zu einem Kopierer im Kopierladen, arbeitet der Risograph um einiges schneller. Ich erinnere mich daran, als ich die ersten 500 Exemplare einer 1000er Auflage kopiert habe. Sechs Stunden stand ich vor dem Kopierer und habe somit für jede Kopie 5,5 Sekunden benötigt. Mit der durchschnittlichen Druckgeschwindigkeit des RZ 370, von 120 Seiten pro Minute, könnte ich in der selben Zeit eine Auflage von 5400 Exemplaren drucken.Mit einer „Lebenserwartung“ von circa neun Millionen Drucken ist ein Risograph jedem Kopierer und Drucker weit überlegen. Aus diesem Grund belästigt man einen Risographen auch nicht mit einer Anzahl von 100 Drucken. Ab einem Druck von 500 Seiten kann man sich überlegen, den Stecker in die Steckdose zu stecken. Ab einer Seitenzahl die im vierstelligen Bereich liegt, macht es erst so richtig Spaß, dem Gerät bei seiner Arbeit zuzuschauen. Jeder, der schon einmal mit einem handelsüblichen Kopierer tausende von Seiten erstellen mußte, wird das nachvollziehen können.

Nun kommt der Teil mit dem lernen und staunen.

Das Gerät sieht aus wie ein Kopierer. Man legt das zu vervielfältigende Schriftstück auf den Scanner oder sendet das Dokument von einem Computer aus über die Netzwerkkarte an den Risograph. Dieser erstellt eine Masterfolie, auf der das Dokument eingebrannt wird. Das geschieht durch thermisches durchlöcherns der Folie. Diese wird dann auf eine Trommel, die sich im Zentrum der Maschine befindet, aufgezogen. Im Kern dieser Trommel befindet sich eine mit der Druckfarbe ge-füllte Farbpatrone. Durch die in Rotation versetzte Trommel und die dort aufgezogene Masterfolie drückt sich die Farbe. Bei jeder Umdrehung der Trommel wird ein Blatt eingezogen und ähnlich wie beim Siebdruckverfahren bedruckt. Unter Fachleuten spricht man von einem in Rotation versetztes Schablonendruckverfahren.

Desweiteren hat das Verfahren der Risographie den Vorteil, daß die Farbe, die biologisch abbaubar ist, ohne Chemikalien und Hitze auf das Papier aufgebracht wird. Die ebenfalls ökologisch unbedenkliche Masterfolie kann nach Gebrauch, genauso wie die Farbpatrone, ohne Bedenken im Hausmüll entsorgt werden.

Die Erfindung des Risograph ist somit die umweltfreundlichste und wirtschaftlich optimalste Variante, um unabhängig von Großdruckereien, seine eigenen Druckerzeugnisse herstellen zu können.

Das Einsatzgebiet des Risograph ist weit gestreut. Ob in Schulen, Vereinen, Amtsstuben, Druckereien oder einfach nur für Zeitungen wie „Der Kreuzberger. Um heutzutage zeiteffizient, kostendeckend und obendrein umweltfreundlich arbeiten zu können, ist dieses Gerät die beste Lösung.

Obwohl die Erfindung an sich schon Jahrzehnte alt ist und ich mich frage, warum ich erst jetzt von ihr erfahren habe, kann ich doch behaupten…

So etwas hätte es früher nicht gegeben.

 

Fazit

Der Risograph bietet alles in einem, zudem bietet er ein sehr gutes Preis-Leistungs- Verhältnis und ist damit ökologisch wie ökonomisch interessant.

Euer Trendscout

 

RISO (Deutschland) GmbH

Direktvertrieb

Niederlassung Berlin

Gradestrasse 40

12347 Berlin

Telefon +49 (0) 30 / 61 69 36 – 0

Fax +49 (0) 30 / 61 69 36 – 30

willkommen@risoprinter.de




Das Geld liegt auf der Straße oder gewusst wie

Ich lebe jetzt schon eine ganze Weile in Kreuzberg. Wenn ich eines in dieser Zeit gelernt habe, dann: Die Zeit wird es richten.

Es gibt Leute denen fällt heute ein, sie benötigen dringend ein neues Regal, eine Couch oder der alte klapprige Schrank muss endlich durch einen neuen „stabilen Schweden“ ersetzt werden. Kurz darauf erstrahlt das neu erworbene Objekt der Begierde in den eigenen vier Wänden. Ob bar bezahlt oder auf 24-Monate Ratenkredit-Abzahlung, das Geld ist weg. Damit die Neuanschaffung auch richtig zur Geltung kommt, wird das Alte einfach der Entsorgung zugeführt bzw. auf die Straße gestellt.

Ich hingegen habe mir im Zuge der kreuzbergerischen Gelassenheit angewöhnt, mir einzuprägen was ich benötige oder aber in Zukunft dringend mal erneuern müsste. Mit dieser „Einkaufsliste“ im Hinterkopf und dem Blick dafür, was mich umgibt bewege ich mich durch den Kiez. Zugegeben, das meiste was die Leute am Straßenrand entsorgen ist unbrauchbar. Aber das ein oder andere kann sich bei näherem hinsehen von „leicht reparabel“ bis zu „nur sauber“ machen entpuppen. Innerhalb eines Jahres konnte ich somit meinen Hausstand erweitern und somit jede Menge Geld sparen. Nicht das ich jetzt jedes Brett und jede Schraube die auf der Straße vorzufinden war, eingesammelt und verwertet habe. Ich rede von Gebrauchsgegenständen in fast ausschließlich Tadellosem Zustand. Abgestellt aus Platzmangel oder eben weil eine Neuanschaffung den alten Gegenstand überflüssig machte.

Ein Beispiel: ich benötigte Fliesen um den Neueinbau meiner Dusche auszubessern. Drei Wochen vor Baubeginn fand ich, original die benötigten weißen Fliesen in ausreichender Anzahl, in der Görlitzer Straße.Ein anderes Mal fand ich einen dringend benötigten Kleiderschrank in der Falckensteinstraße vor. Es ist kein Schmuckstück aber er steht bis heute wie eine eins und dient seinem Zweck.

Wiederum einige Wochen später war ein Nachbar aus der Wrangelstraße so nett und stellte einen kleinen runden Beistelltisch auf die Straße. Ein Modell aus den 60er Jahren und bis auf einige Gebrauchsspuren standhaft wie eine Eiche, aus deren Holz er gefertigt wurde. Danke.

Diese Liste ließ sich um weitere sieben bis acht Fundstücke fortführen. Darunter auch eine hochwertige Leinwand, die mir in den letzten Wochen in die Hände gefallen ist. Dieser Fund wiederum erspart mir eine Ausgabe, die im Zusammenhang mit einem Kunstprojekt anstand.

Wenn man also mit offenen Augen durch die Straßen geht, kann dies den ein oder anderen Euro einsparen.




Fahrradpoller…

kommen immer mehr in Mode. Wie die Kraftfahrer in verkehrsberuhigten Zonen, so sollen nun auch die Radfahrer und Radfahrerinnen zu gemäßigtem Fahrverhalten gezwungen werden. Verstärkt ist mir der Einsatz von Fahrradpollern im Treptower Park aufgefallen.

Im Gegensatz zu den allgemein bekannten Geschwindigkeitsbegrenzern im Straßenverkehr, die über die gesamte Fahrbahnbreite installiert werden, werden die Poller für die Radfahrer/innen versetzt installiert, so dass sie ungebremst umfahren werden können. Zudem fehlt an einigen Stellen ein Warnhinweis zu diesen Tempobegrenzern und somit bleibt abzuwarten ob das Unfallrisiko steigen oder sinken wird. Ein Kinderwagen muss nun so oder so umständlicher an dem Hindernis vorbei oder darüber hinweg buxiert werden und die Radfahrer haben ein Unfallrisiko mehr. Danke an die Urheber dieser Idee.




Dr. Markus Ternes – Die Festkörperforschung

Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit und die, meiner Meinung nach, Unnötigkeit des ein oder anderen Unterrichtsstoffs, den ich nie wieder benötigen würde aber ihn trotzdem für die Klassenarbeiten in meinen Kopf quetschen musste. Zu einem Großteil hat sich diese Ansicht auch bestätigt. Denn wer brauchte in seinem späteren Leben noch die Daten des Dreißigjährigen Krieges? Wer benötigt im Alltag die Bruchrechnung? Wer zieht effektiven Nutzen aus dem Wissen rund um die verschiedenen Sphären, die unseren Planeten umgeben? Niemand!? Aber das ein oder andere holt einen früher oder später doch wieder ein. Denn hätte ich im Physik-Unterricht ein wenig mehr Einsatz gezeigt, hätte ich euch zu dem Thema der Oberflächenforschung ein paar Grundinformationen liefern können. Aber Der Kreuzberger wäre ja nicht Der Kreuzberger, wenn uns für dieses Problem nicht eine Lösung eingefallen wäre. So ist es mir eine Ehre, euch Dr. Markus Ternes – Fest-körperforscher am Max-Planck Institut in Stuttgart vorstellen zu dürfen.

Am Anfang ein paar Daten aus dem Leben unseres Gastes.

Sein Leben bis zum Beginn seiner beruflichen Laufbahn ist schnell erzählt und recht unspektakulär. Er wuchs in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg auf. Hier besuchte er die örtliche Schule und absolvierte erfolgreich sein Abitur. Das war´s.

Mit dem Abi in der Tasche zog er nach Berlin und wohnte im seiner Zeit noch lebendigeren und angesagtem Charlottenburg.

An der Technischen Fachhochschule studierte er in den nächsten Jahren Physik und spezialisierte sich in den letzten zwei Jahren seines Studiums auf den Forschungszweig der Oberflächenforschung der er bis heute treu geblieben ist. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums arbeitete Dr. Markus Ternes für vier Jahre in der Schweiz, in einem Labor in Lausanne. Aufgrund besserer Chancen und eines guten Teams, das er bereits in einem dreimonatigen Aufenthalt zuvor kennen-gelernt hatte, zog es ihn nach Californien. Hier arbeitete und forschte er zwei Jahre in einem renommierten Labor. Danach zog es ihn wieder zurück in die Heimat Deutschland. Seitdem arbeitet er im Max-Planck Institut in Stuttgart an der Erforschung von Atomen. ihren Funktiontionen und deren Verhalten unter verschiedensten Bedingungen. Jeden Tag steht Dr. Ternes mit seinen Kollegen vor neuen Aufgaben und Herausforderungen. Sei es, dass Ergebnisse und Bilder eines zuvor durchgeführten Experiments neue, unvorhersehbare Fragen aufwerfen, die zu klären sind. Oder sie müssen für eine anstehende Versuchsreihe ein Gerät entwickeln. Hierfür sitzen die Forscher beisammen und führen endlose Diskus-sionen, sie beraten die nächsten Schritte um die Fertigung neuer Bauteile voran-zutreiben. Nach Plänen der Forscher stellen dann die Schlosser, Elektriker, und Feinmechaniker die Einzelteile her. Diese werden dann wiederum von den “Auftraggebern” zusammengesetzt.

Zum Beispiel das Rastertunnel-Mikroskop (siehe Foto). Mit diesem Instrument ist es den Forschen möglich, atomare Strukturen aufzulösen.

Wie das Rastertunnel-Mikroskop aufge-baut ist und wie es funktioniert hat Dr. Markus Ternes im Interview mit Marek eindrucksvoll beschrieben.

Jetzt wird es kompliziert:

Das Hauptbauteil des Rastertunnel-Mikroskop ist ein Draht mit einer sehr feinen Spitze. Sie ist so fein, dass sie am Ende aus nur einem Atom besteht. Als Materialien für diesen Draht werden Wolfram und Platinverbindungen (Platin-Iridium oder Platin-Rhodium) ver-wendet. Um das Ende des Drahts auf ein einzelnes Atom zu reduzieren kommt bei Wolfram ein Ätzverfahren zum Einsatz und bei den Platinverbindungen wird dies durch ein Zug-/Schnitt-Verfahren erreicht. Diese Spitze fährt die zu untersuchende Probe rasterförmig ab.

Dabei nutzt es den quantenmecha-nischen Tunneleffekt aus. Vereinfacht ausgedrückt funktioniert das Ganze wie die Nadel bei einem Schallplatten-spieler. Die Nadel liegt auf dem Objekt auf und tastet es ab. Bei einem Schallplatten-spieler ist das Resultat, der Ausstoß von Schallwellen. Bei dem Rastertunnel-Mikroskop die Anzeige von Meßergebnissen.

Das Rastertunnel-Mikroskop stellt die Oberfläche nicht als Bild im klassischen Sinne dar. Die Auflösung wird nicht durch Wellenlänge, sondern durch den Radius der Spitze und die Genauigkeit der Positionsbestimmung der Spitze bestimmt. Somit erreicht das Auflösungs-vermögen atomare Größenordnung.

Desweiteren fielen in dem Gespräch Begriffe wie Schrödingergleichung, Ray-leigh-Kriterium, HOPG, Piezo-Effekt, auf die ich aber nicht weiter eingehen möchte.

Soweit der fachliche Teil.

Stellt sich abschließend die Frage:

Wem nutzt die Oberflächenforschung?

Ein Beispiel das Dr. Ternes benennen konnte, sind ultra glatte Farben und Lacke. Ansonsten ist dies Grundlagen-forschung. Mit dem Wissen auf dem Gebiet der Oberflächenforschung werden zum Beispiel auch folgende Fragen beantwortet: Warum sind viele Eisenatome magnetisch aber ein einzelnes Eisenatom nicht? Ab welcher Zahl an Eisenatomen werden diese Magnetisch? Wovon hängt es ab?

Wir bedanken uns bei unserem Gesprächspartner für das Interview und wünschen Dr. Markus Ternes weiterhin viel Erfolg bei der Suche nach Antworten auf seine Fragen.

Für diejenigen unter euch, die sich intensiver mit diesem Thema befassen möchten, gibt es im Internet zahlreiche Informationsmöglichkeiten.

PS: Hätte auch nur einer von uns in der Schule besser aufgepasst, dann wäre jetzt wenigsten einer unter uns der verstanden hätte worum es ging.

Interview/Foto: Marek

Text: Olly




Monsanto – Genial oder einfach nur Gen?

Wie bereits im Vorwort erwähnt, hatte ich vor, mit diesem Bericht auf den Zug der allgemeinen Presse aufzuspringen und das ein oder andere noch nicht gelüftete Geheimnis von Monsanto aufzudecken und bereits aufgedecktes anzuprangern. Aber die von mir gewissenhaft und unvoreingenommen betriebene Recherche brachte die Erkenntnis, dass Monsanto branchenüblich handelt und somit keinen Mehr-wert an Kritik liefert. Wenn ich also einen reißerischen Bericht über die Gentechnik hätte machen wollen, so hätte ich die anderen Unternehmen wie BASF, Bayer, DuPont und die ganzen anderen mit einbeziehen müssen. Da dies den Rahmen gesprengt hätte oder eine 74-teilige Serie entstanden wäre, habe ich mich darauf beschränkt, objektiv über das Thema – Monsanto – zu berichten. Beginnend mit den zusammengefassten Eckdaten aus dem Werdegang des Unternehmens findet ihr im Anschluss daran Auszüge aus dem Gespräch mit dem Monsanto – Presse-sprecher Dr. Andreas Thierfelder, mit dem wir uns in Düsseldorf getroffen haben.

Monsanto Chemical Works – wurde 1901 von John Francis Queeny in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri gegründet. Das Unternehmen hatte sich vorgenommen, Produkte für die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie zu produzieren. Die aktive Produktion begann in dem Jahr 1902, mit der Herstellung von Saccharin und es folgten 1904 die Produkte Koffein und Vanillin. 1917 beginnt die Aspirin-Produktion und Monsanto ist mit diesem Produkt bis in die 1980er Jahre unangefochtener Marktführer im eigenen Land.

International tätig ist das Unternehmen seit 1919, durch den Erwerb von 50% an den R.A. Graesser Chemical Works in Ruabon (Wales). 1929 übernimmt Monsanto die Firmen Rubber Services Lab. (Kautschukchemikalien), Merrimac Chemicals & Co. (Textilchemikalien, Papier- und Lederherstellung). 1930 folgt dann noch der Zukauf von Southern Cross Chemical Co. Pty Ltd. in Melbourne (Australien).

Im Jahr 1933 verstirbt der Firmengründer John F. Queeny und hinterlässt ein am Markt gefestigtes international aufgestelltes Unternehmen. In den folgenden Jahren erwirbt Monsanto Chemical Works, dass sich 1933 in Monsanto Chemicals Company umbenennt und 1964 seinen endgültigen Namen Monsanto Company annimmt, weitere Unternehmen der Chemie- Industrie. 1950 wird mit American Viscose das Gemeinschaftsunternehmen Chemstrand für die Produktion von Acrylfasern und Nylon gegründet. Die daraus entstandene Solutia Inc. ist heute ein hundertprozentiges Tochterunternehmen von Monsanto und Weltmarktführer in der Acrylfaser- und die Nr. 2 bei Nylonproduktion. Von 1954 bis 1967 arbeitet Monsanto zusammen mit Bayer in dem Gemeinschaftsprojekt Mobay an der Isozyanat-Chemie. Das Düngemittelgeschäft, dass Monsanto seit dem Erwerb der Lion Oil 1955 betreibt, wurde 1960 um die Sparten Herbizide und Astro Turf erweitert und in einer eigenen Abteilung zusammengefasst.

Seitdem wird die Entwicklung und Produktion hinsichtlich der Schädlings- und Unkrautbekämpfung kontinuierlich voran getrieben.

Weitere nennenswerte Unternehmenszukäufe gab es 1997 mit dem Zukauf von Calgene, dem Hersteller der Flavr-Savr-Tomate. 2005 mit der Übernahme von Seminis, einem amerikanischen Produzenten von Obst- und Gemüsesaatgut. 2005 fügte Monsanto – Emergent Genetics Inc. mit in seine Unternehmensstruktur ein. 2006 war es Delta & Pine, ebenfalls Saatguthersteller und führend auf dem Gebiet der sogenannten Terminator Technologie (Genetic Use Restriction Technologies) die für den Betrag von 1,5 Mrd. US-Dollar hinzu-gekauft wurden. Die bisher letzte Betei-ligung ist der Kauf von dem auf gentechnisch veränderten Weizen spezialisierten Unternehmen West Bred im vergangenen Jahr 2009.

Aufgrund der aktuellen Medienberichterstattung, haben wir die Vergangenheit ruhen lassen und uns auf die Klärung der gegenwärtige Sachlage konzentriert. Dazu merkte Herr Dr. Thierfelder im Vorgespräch zum Interview an: Das es beiden Parteien, Monsanto genauso wie den Kritikern, schwer fällt aufeinander zuzugehen. Da die jeweilige Seite auf dem vollen Wahrheitsgehalt ihrer gemachten Aussagen besteht. Bei genauer Betrachtung der Dinge stellt man fest das es weder schwarz noch weiß gibt, sondern sich die Suche nach der Wahrheit in einem Graubereich abspielt.

Mit der Einführung des ersten GVO- Saatguts in Europa im Jahr 1996, begann die Diskussion um die Frage von Sinn und Nutzen der neuartigen Technik. Monsanto, als Vorreiter auf dem Gebiet von genoptimierten, Saatgut, geriet zunehmend in den Focus von Genforschung – Kritikern und der Presse. Als erstes wollten wir deshalb wissen wie es zu erklären ist, dass Monsanto mit seiner Arbeit gegenüber seinen Konkurrenten wie Bayer, Hoechst, DuPont oder Pioneer HiBred, derart massiv in die öffentliche Kritik geraten ist.

Man sich vor Augen halten, erklärte uns Dr. Thierfelder, dass Monsanto in den Jahren von 1980 bis 1996 annähernd 1,5 Mrd. US-Dollar in die Studien zur Erforschung von genetisch verändertem Saatgut investiert hat. In der selben Zeit konzentrierten sich die anderen Unternehmen mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 15 Mrd. US-Dollar auf die Weiterentwicklung von Pflanzenschutzmitteln und haben somit den Anschluss auf diesem Sektor der Forschung verpasst. Monsanto konnte mit einem anfänglichen Vorsprung von 16 Forschungsjahren seine weltweite Marktpräsenz ausbauen. Es ist somit den Aktionären zu verdanken, die mit risikoreichen Investitionen in die Gentechnik ihr Vertrauen in Monsanto bekräftigten und am Ende mit steigenden Kursen belohnt wurden. Allein 2009 wurden Investitionen in Höhe von über eine Milliarde US-Dollar in die Weiterentwicklung der Gentechnik gesteckt.

Auf die Frage nach der Marktführerschaft, die im Bereich von genverändertem Saatgut annähernd bei 90 Prozent liegt und was in jedem Pressebericht gerne als Zeichen des skrupellosen Vorantreibens der Geschäftspraktiken.

gewertet wird, klärt Dr. Thierfelder auf: Die von Monsanto erreichte Marktführerschaft von 90 Prozent bezieht sich auf den US-amerikanischen Markt und das Geschäft mit den Bauteilen der Gentechnik. Derzeit arbeiten ungefähr 180 unabhängige Saatgutzüchter in Amerika mit Gen-Bausteinen von Monsanto. Diese erwerben von dem Unternehmen die Lizenz, einen oder mehrere gentechnisch veränderte Bausteine in ihr eigenes Saatgut durch Pflanzenkreuzungen einzubringen. Das daraus gewonnene Saatgut ist somit nicht von Monsanto produziert, enthält aber die “Technik” des Unternehmens.

Auf die Frage nach der umstrittenen Terminator Technologie (Genetic Use Restriction Technologies – GURT), antwortete Dr. Thierfelder: Monsanto hat einen Vertrag unterzeichnet, der festlegt, dass die Terminatortechnologie nicht bei Saatgut wie zum Beispiel Weizen, das für die Lebensmittelproduktion verwendet wird, eingebracht werden soll. Außerdem kann diese Technologie auch dazu eingesetzt werden bestimmte Eigenschaften in dem Saatgut abzuschalten. Das bedeutet, dass das mit Lizenz erworbene Saatgut zum Beispiel die Eigenschaft besitzt, resistent gegen bestimmte Schädlinge zu sein und dementsprechend einfach zu handhaben ist. Das aus dieser Pflanze bei der Ernte gewonnene Saatgut hingegen hat diese Eigenschaft durch den Einsatz der Terminator Technologie “ausgeschaltet” und muss ohne Resistenz dement-sprechend umfangreicher behandelt werden.

Zu der Problematik der indischen Baumwollbauern und deren Missernten, die überwiegend mit den Produkten und Geschäftspraktiken von Monsanto in Verbindung gebracht wurden, erklärt Herr Thierfelder folgendes: Hierzulande ist es aufgrund von Bevölkerungsstruktur und des vorhandenen Bildungsniveaus leichter, durch Lehrgänge das Wissen um die korrekte Verwendung und den Umgang mit dem gentechnisch verändertem Saatgut und den Pflanzenschutzmitteln zu vermitteln als in Indien. Während in Deutschland ein paar dutzend Landwirte an diesen Veranstaltungen teilnehmen, können es in Indien einige tausend Bauern sein, die sich informieren wollen. Dass bei diesen Massen nicht die Probleme des einzelnen geklärt werden können, liegt auf der Hand. Die Pflanzenschutzberater können vor Ort nur den falschen Versprechungen der Händler entgegenwirken und versuchen durch die Vermittlung von Wissen, Mißernten zu begrenzen. Am Ende jedoch liegt das Vertrauen bei den Händlern von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln, die ihre Ware auf die typische Art und Weise anpreisen. “Magic Beans” ist nur ein Wort das im Zusammenhang damit fällt und aus dem indischen übersetzt werden kann mit: “Egal wann und egal wo, dieses Saatgut, mein Freund, wächst immer und überall, vor allem unter jeder Bedingung”.

Wenn der Landwirt viel zu spät bemerkt, dass dem gegebenen Versprechen des Saatguthändlers nicht so ist, sind die Folgen, eine Missernte, bereits unabwendbar. Hinzu kommen die Fehler im Umgang mit den Pflanzenschutzmittel. Weder Schutzmaßnahmen für die eigene Gesundheit noch die Hinweise für den fachgerechten Einsatz des jeweiligen Produkts werden aus Bildungsmangel missachtet. So kann es sein, dass Saatgut gegen eine, in bestimmten Gegenden massiv auftretenden Schädlingsart resistent ist, aber andere Lebewesen weiter-hin mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden müssen. Lassen die Landwirte dies außer Acht ist das Ergebnis Ernteausfall und eine daraus resultierende Verschuldung der Bauern bei Banken und Händlern.

Außerdem gibt Dr. Thierfelder zu bedenken, dass Monsanto seine Produkte in jedem Jahr aufs neue an den Mann bzw. die Frau bringen muss. Jeder Landwirt hat schließlich die freie Wahl von welchem Hersteller er sein Saatgut bezieht. Somit liegt auch die Priorität bei Monsanto in der Herstellung von qualitativ hochwertigen Produkten. Dies gilt für die Sparte von gentechnisch verändertem Saatgut, genauso wie für die Sparte der Pflanzenschutzmittel.

Die Frage, wo steht das Unternehmen Monsanto in 25 Jahren, beantwortete Herr Thierfelder mit der Vermutung, dass das Unternehmen seine Aktivitäten im Bereich der Genforschung weiterhin ausgebaut haben wird. Man wird wohl auch die Marktführerschaft, durch den schon heute vorangetriebenen Zukauf von Saatgutproduzenten, ausgebaut haben. Das Hauptaugenmerk wird aber wohl weiterhin auf die Arbeit mit Mais und Soja als Futtermittel und auf Baumwolle und Raps als Faserpflanze gerichtet sein. Die Zukunft wird zeigen ob Monsanto sich darauf konzentrieren wird, die Möglichkeiten im Bereich der Gentechnik durch seine Forschungen voranzutreiben und die daraus resultierenden Ergebnisse in Form von Lizenzen dem Markt zur Verfügung zu stellen. Der Bereich Pflanzenschutz wird in Zukunft nicht maßgeblich an der Entwicklung des Unternehmens beteiligt sein.

Ein weiterer Punkt den wir klären wollten ist die Beteiligung von Monsanto an der Weltsaatgutbank auf Spitzbergen. Auch hier gab sich Herr Thierfelder unerwartet auskunftsfreudig. Gemeinsam mit Bill Gates, dem größten Finanzierer des Projekts, der Rockefeller Stiftung, der Syngenta Stiftung, DuPont Pioner, HiBred betreibt Monsanto diesen in ein Bergmassiv getriebenen Saatgutbunker. Bis zu 3 Mio. verschiedener Pflanzensamen können darin für die Zukunft sicher und haltbar eingelagert werden.

Percy Schmeiser, ein Farmer aus Kanada, ist der wohl bekanntesten Fall, bei dem es zu Rechtstreitigkeiten um die Verwendung von Monsantos Saatgut kam und die am Ende von dem Unternehmen gewonnen wurden. Es ging in dem Fall um die Frage ob Herr Schmeiser wissentlich und mutwillig Saatgut von Monsanto, das zuvor durch starke Winde von Nachbarfeldern auf seine Felder geweht wurde, angebaut hat.

Herr Schmeiser sagte dazu vor ein paar Jahren in einem Interview: Durch die ungewollte Kreuzung seines Saatguts mit dem von Monsanto sind 50 Jahre eigene Zuchtarbeit zerstört worden.

Herr Dr. Thierfelder sagt zu dem Fall: Das Herr Schmeiser laut Gutachten auf einem bestimmten Teil seiner Felder und somit gezielt Saatgut von Monsanto ausgesäht hat. Die Höchstgrenze von zufällig ausgebrachter Fremdsaat liegt bei einem Maximum von 50%. Der Anbaubereich um den es in konkretem Fall ging, wies hingegen ein Vorhanden-sein von 90% Monsanto Saatgut nach.

Wie die Problematik der Saatgutvermischung in Zukunft geregelt wird, werden wohl die Gerichte entscheiden.

Wir bedanken uns bei Monsanto und ihrem Pressesprecher Herrn Dr. Andreas Thierfelder für die Beantwortung unserer Fragen.

Mal schau´n ob “Bayer” demnächst genauso bereitwillig auf unsere Anfrage reagiert.

Abschließend habe ich die Fernsehberichte aufgeführt, die dazu veranlasst haben, diesen Bericht zu schreiben:

“Gift im Angebot-Die Erfolgsstory des US-Multis Monsanto”

“Tote Ernte – Der Kampf ums Saatgut” “100% Baumwolle-Made in India”

“Monsanto-mit Gift und Genen”

“Die Genverschwörung”

Interview: Marek & Olly

Foto: Marek

Text: Olly




So etwas hat es früher nicht gegeben – Die Campo Granny´s

Eigentlich hätte ich es mir ja denken können. In der Vergangenheit gab es meines Wissens nicht einen Tag im Campo Estilo, an dem nicht an einer Idee oder einem neuen Vorhaben getüftelt wurde. Als ich aber an diesem Tag in unsere redaktionellen Räumlichkeiten gelangen wollte, stolperte ich über Kisten voll mit neuer Ware für den Laden. Ich fluchte noch, warum das Scheißzeug hier im Weg stand. Als ich wieder eine dieser Antworten zu Gehör bekam, die mich aggressiv-neugierig machen.

“Strick- und Häkelware. Alles Handarbeit”.

“Wie? Von der coolen Kiez-Klamotte zur ollen Bio-Körnerfresser-Kollektion?” war meine ironische und aggressiv provokante Antwort. Ich klappte eine der Kisten auf, und was meine Augen dann erblickten, war ein Pullover, der mich schwer an den Auftritt von Diether Krebs mit “Ich bin der Martin, ´ne” erinnerte. Dieser trat in den 90er-Jahren mit einem gestrickten Rentier-Pullover vor die Öffentlichkeit und performte in perfekter Öko-Klamotte seinen Titel.

Ich wühlte mich weiter durch die Kisten auf der Suche nach einer für mich geeigneten Strickmütze. Während dieser Suche fragte ich, natürlich nur aus beruflichem Interesse und nicht etwa um die durchaus charmante Verkäuferin anzubaggern, diese über die Produkte aus. So erfuhr ich, dass der Name “Campo Granny´s” eine Kooperation vom Campo Estilo und mehreren Damen die sich im Ruhestand befinden ist.

Langsam dämmerte mir, dass mit der neuen Hausmarke – “Campo-Granny´s” eine frühere Idee von mir in die Tat umgesetzt wurde. Ich hatte seinerzeit mal den Vorschlag gemacht, ein soziales Projekt zu starten, mit dem man Menschen unterstützt, die gerne noch ihren Beitrag in der Gesellschaft leisten möchten, aber aufgrund von Umständen, die sie selber nicht beeinflussen können, dies nur in einem beschränkten Rahmen umsetzten können.

Gesagt, getan, dachte sich das Campo Team und setzte die Idee im November 2009 in die Tat um. Nach einem kurzen Verhandlungsgespräch mit den Damen eines Charlottenburger Seniorenwohnheims, war das Projekt in die Tat umgesetzt. Seitdem produzieren die “Campo-Granny´s” was die Schafe hergeben. Jeden Monat erfolgt eine Lieferung mit neuer Ware. Ich stand nun, an diesem Morgen, vor dem Ergebnis wochenlanger Strick- und Häkelarbeit. Dabei ist alles, was das Herz von Liebhabern gestrickter beziehungsweise gehäkelter Waren begehrt.

Die Produktpalette reicht vom Klassiker, den Wollsocken, über Stulpen, Schals, Handschuhe, Stirnbändern, Mützen in verschiedenen Formen und Farben bis hin zu einem aufwendig gearbeiteten Bolero und Übergangsjacken. Selbstverständlich gibt es auch die Mutter aller Strickwaren: den Topflappen.

Es versteht sich von selbst, dass das Ganze nicht zu den normalen Preisen des Einzelhandels zu haben ist. Wenn man aber wiederum bedenkt, wie viel Zeit und Liebe die “Granny´s” in ihre Arbeiten stecken ist der Preis für einige Stücke der Kollektion ein echter Hammer. So bekommt man die Wollsocken ab 12 €, Topflappen sind ab 8 € zu haben und die Jacken sind ab 36€ käuflich zu erwerben.

Aufgeschlossen und cool wie die “Campo-Granny´s” sind, berücksichtigt ihre Produktion auch die Kultur der Rastafari. So sind einige damit beschäftigt, außerhalb der normalen Produktion für die nächste Saison, Rastafari-Mützen zu stricken. Das verarbeitete Material besteht überwiegend aus 100%er Baumwolle und feiner Schurwolle. Einzelne Teile wurden aus Mischgewebe erstellt und besitzen einen gewissen Anteil von Polyacryl.

Damit sich auch jeder von euch von der Echtheit dieser Aktion überzeugen kann, hat das Campo Team einige der “Granny´s” eingeladen, sich die Vertriebsstätte ihrer Waren, das “Campo Estilo” anzuschauen. Dieser Einladung werden sie Folge leisten, sobald das Wetter eine sichere Anreise zulässt. Selbstverständlich wird Der Kreuzberger von diesem Besuch berichten und euch über die neue Kollektion auf der facebook.com – Plattform auf dem Laufenden halten. Diesmal bleibt mir als Trend-Scout nur Folgendes zu sagen: Dass es die hier vorgestellten Produkte an sich auch schon früher gab, aber die Aktion “Campo Granny´s” und die Freude der Damen über die neu gewonnenen Aufgaben, so etwas hat es früher nicht gegeben.

Euer Trend-Scout




Den Weltwassertag…

… der am 23. März 2010 stattfand, möchte ich zum Anlass nehmen, um euch ein paar interessante Fakten und Zahlen zu diesem Thema zu präsentieren. Laut einer Studie verbraucht jeder Bürger im Durchschnitt 124 Liter Wasser am Tag. Die Menge des “Virtuellen Wassers” liegt hingegen um ein Mehrfaches höher. So liegt der Verbrauch bei dem unbewusst genutzten Wasser bei sage und schreibe 5300 l Trinkwasser am Tag. Diese Summe errechnet sich aus dem Faktor wie viel Wasser ein Produkt, das man kauft, für seine Herstellung benötigt. So verbraucht eine Jeans bis zu ihrer Fertigstellung 11.000 Liter Wasser, 1 Kilo Steak sogar 15.500 Liter. Bei einem Frühstück kommen da schnell mal über 400 Liter Wasser zusammen. Wenn ein Ei 135 l, eine Tasse Kaffee 140 l, 10 g. Wurst 50 l und zwei Scheiben Brot 80 l verbrauchen. Da bleibt einem buchstäblich das Essen im Halse stecken. In diesen Zahlen ist jeweils der gesamte Produktionsweg enthalten. Vom Bewässern der Baumwolle bis hin zum Färben der Jeans bzw. bei Rindern, Hühnern usw. für den Anbau von Futter und die Versorgung der Tiere.




Die längste …

Weihnachtsbeleuchtung der Welt wurde am 24. November von unserem Bürgermeister Klaus Wowereit und im Beisein zahlreicher Gäste aus Wirtschaft, Politik und Kultur, in Betrieb genommen. Zwischen dem Wittenberg- und dem Rathenauplatz erstrahlen nun bis zum 06. Januar 2010, 1,2 Millionen Lichtpunkte. Auf einer Gesamtlänge von 4,3 Kilometern sind Figuren wie Bären, Weihnachtsmänner, Rentiere und Nussknacker zu bewundern. Somit ist auch das letzte Detail für einen romantisch, kitschigen Weihnachts-Einkaufsbummel fertiggestellt. Das Spektakel wird zum fünften Mal in Folge von einem Berliner Unternehmen finanziert.