Der Selbstverlag – Buchdruck für Jedermann

Nachdem die gesamte Redaktion vom Kreuzberger in den vergangenen Monaten dem Stress der Buchveröffentlichung von „Horch und Guck – Meisterspione a.D.“ (Seite 6 und 7) ausgesetzt war, was läge da näher, als euch einen Trend vorzustellen, dem immer mehr Autoren folgen. Dem Selbstverlag. Der Selbstverlag bietet jedem die Möglichkeit, seine niedergeschriebenen Zeilen zu veröffentlichen. Dabei gibt es jedoch gewisse Spielregeln zu beachten. Eines ist zumindest unumstritten: Wer ein Buch veröffentlichen möchte, benötigt zu aller erst die Idee und erstellt darauf basierend ein Manuskript. Ist dieser Teil abgeschlossen, setzt sich ein Prozess in Gang, den ich euch im Folgenden kurz beschreibe.

Das Lektorat

Neben dem Druck und der Werbung ist das Korrigieren der Texte die finanziell aufwendigste Begleiterscheinung auf dem Weg zum eigenen Buch. Ist man selber nicht Herr jeder Spitzfindigkeit der Deutschen Sprache, so sollte ein professionelles Lektorat das Werk überarbeiten. Hierbei wird der Preis meistens nach Anzahl der Zeichen berechnet. Je nach Quantität und Qualität können dabei Summen von mehreren tausend Euro zusammenkommen. Auch in der Qualität der Korrektur gibt es Unterschiede. So gibt es zum einen die reine Korrektur, von Zeichen- und Rechtschreibfehlern und dann die, die auch den Inhalt berücksichtigt, heißt, Zusammenhänge und Angaben auf ihre Richtigkeit hin überprüft.

 

Der Satz

Damit das Buch am Ende in einem ordentlichen Erscheinungsbild daherkommt, sollten Vorgaben in der Darstellungen von Druckwerken eingehalten werden. Nun kann man diesbezüglich mit viel Geld in der Tasche ebenfalls einen Profi beauftragen oder man hat einen guten Bekannten der einem, aufgrund beruflicher Erfahrungen weiterhelfen kann. Die günstigste, jedoch nicht professionellste Variante ist, man nimmt sich fünf sechs Bücher aus der heimischen Bibliothek, schaut sich die Darstellung der Texte und Bilder an und adaptiert die Art und Weise der Text- und Bildausrichtung für das eigene Werk.

 

Der Druck

Ist der Punkt erreicht, an dem alle Fehler im Text und in der Darstellung des Inhalts (Satz) beseitigt sind und ein druckfertiges PDF-Dokument auf dem Rechner liegt, stellt sich die Frage nach der richtigen Druckerei. Es tummeln sich hunderte von ihnen auf dem Markt. Hierbei zu sagen, wer die Beste oder die Günstigste ist, ist fast unmöglich. Selbstverständlich gibt es hoch qualifizierte und technisierte Unternehmen, die einen auf alle Belange ausgerichteten und perfekten Buchdruck erstellen. Aber diese Unternehmen liegen zumeist Lichtjahre von den Preisvorstellungen und Stückzahlproduktionen der SelbstverlegerInnen entfernt. Von daher lasse ich diese außen vor und beschränke mich auf die für mich vom Preis-Leistung-Verhältnis her in Frage kommenden Unternehmen.

„Book-on-demand“ lautet das Zauberwort beim Selbstverlag. Meine Nachforschungen haben ergeben, dass der durchschnittliche Herstellungspreis für Bücher im einstelligen Euro Bereich liegt. Die Preisgestaltung hängt selbstverständlich von einigen Faktoren ab und fällt unterschiedlich aus. Ein Buch kann pro Exemplar schon mal vier Euro mehr kosten, wenn anstatt eines Softcover ein „Hardcover“ gewünscht ist. Genauso hängt es von der Seitenzahl, der Bindung und der Art des verwendeten Papiers ab. Maßgeblich entscheidet jedoch die Auflage des Buches über den Endpreis. Da kann der Preis zwischen einer Auflage von 50 Exemplaren und einer von 500 Exemplaren um einige Euro pro Buch schwanken. Doch Vorsicht ist geboten. Einige der Anbieter fesseln ihre Kunden an mehrjährigen Verträge.

 

Das E-Book

Die Erstellung eines E-Books ist mit der fortschreitenden Verbreitung elektronischer Lesegeräte vermutlich sehr ratsam. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwiefern sich I-Pad und E-Book-Reader in Zukunft auf dem Markt durchsetzen werden. Bisher kostet die Erstellung eines E-Books zirka 250 Euro. Wer das nötige Kleingeld hat, um sich mit der notwendigen Software auszustatten, kann sich mit Adobe-Indesign CS5 (und alle Nachfolgeversionen) ein eigenes E-Book erstellen, welches laut Herstellerangaben lesegerät-kompatibel ist. Informationen und Lehrfilme hierzu stellt Adobe im Internet zur Verfügung.

 

Die Vertriebswege

Woran kaum ein Weg vorbei führt, wenn das Werk für den Handel interessant sein soll, ist die Beantragung einer ISBN Nummer. Diese kostet derzeit 85 Euro und ist erhältlich unter:

http://www.german-isbn.de/cgi-bin/isbn_2010.exe/showlogin?page=isbn_startseite.html

Zu der ISBN Nummer erhält man einen weiteren Antrag auf die Eintragung in die Liste vom Verlag Lieferbarer Bücher (VLB). Und nun fangen sich die Geister an zu streiten. Die einen sagen »die Eintragung ist elementar notwendig«, die anderen sagen »Libri und Amazon sind die Hauptvertriebsformen«.

In einem sind sich jedoch alle gleich, sie nehmen horrende Rabatte für die Aufnahme in ihren Bestandskatalog. Während Amazon und VLB alles vertreiben und dafür kassieren (VLB 73 Euro/jährlich, Amazon je nach Vertrag), nimmt Libri nur Bücher in sein Barsortiment auf, welche nach eingehender Prüfung durch die hauseigene Qualitätsabteilung den Kriterien des Unternehmens Stand halten. Eigentlich eine lobenswerte Vorgehensweise, hilft dem kleinen Selbstverleger aber gar nicht. Libri ist eines der Unternehmen, auf das die Buchhändler routinemäßig zugreifen wenn sie ein Buch suchen beziehungsweise bestellen. Diesen Umstand lässt sich Libri mit bis zu über 60 Prozent vom Verkaufspreis auch anständig bezahlen.

 

Die Werbung

Wie bereits erwähnt, ist die Werbung neben dem Druck und den Kosten des Lektorats einer der finanziell gewichtigsten Posten, um ein Buch zum Erfolg zu bringen. Dies ist der Punkt, an dem die Meisten kläglich scheitern. Kaum einer hat das fachliche Wissen, die Kontakte oder das nötige Kleingeld, um eine ausgefeilte Werbekampagne zu starten, derer es eigentlich bedürfte, um ein Buch bekannt zu machen.

Bei meiner Recherche bin ich außerdem auf Firmen gestoßen, die für einen Preis von 300 bis 500 Euro (und natürlich auch darüber hinaus) die Auslage des Werkes bei einer der einschlägig bekannten Buchmessen anbieten. Der Erfolg dieser Aktionen entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Durch die Hilfe von Computern und Internet sowie ausgefeilten, preiswerten Druck- und Verarbeitungstechniken, kann ich unterm Strich sagen, es war noch nie so leicht wie heute, sein eigenes Buch zu schreiben, herzustellen und zu veröffentlichen. Damit kann ich wieder einmal verkünden: So etwas hat es früher nicht gegeben!

Euer Trend-Scout

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