Die Vorweihnachtszeit

Meine lieben Leserinnen und Leser, das Fest der Liebe steht wieder vor der Tür. In ein paar Wochen, Tagen oder sogar vielleicht heute (je nach dem wann Du den Bericht liest) bekommt der alljährliche Wahnsinn ein Gesicht. In den Fußgängerzonen stehen im ständigen Wechsel, als Weihnachtsmänner verkleidete Studenten, neben nicht weniger verkleidet aussehenden Spenden Sammlern der Heilsarmee die, zumeist begleitet von einem Trompetenspieler, der mit dem Getröte aus der Tute weihnachtliche Stimmung verbreiten will, im Namen der Mitmenschlichkeit mit der Spendendose rasseln. Schräg gegenüber steht ein Weihnachtschor, der mit vereinten Stimmen gegen die Kraft der Lunge des Bläsers der Mitmenschlichkeit ansingt. Ein paar Meter weiter schütteln die SpendensammlerInnen für Notleidende Kinder in Afrika oder sonst wo auf dieser Welt die Büchse. Umschlossen werden diese armen Irren der Vorweihnachtszeit von einem Heer, noch viel größer Idioten. Denen, die auch in diesem Jahr wieder das Konto geplündert, das Sparschwein geschlachtet oder die Notreserven hervorgeholt haben und sich an dem Kampf um die besten Geschenke zu beteiligen. Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt und in all den anderen, die Geburt Christi huldigenden Ländern, sind damit beschäftigt ihr hart erspartes Geld für Weihnachtsgeschenke aus dem Fenster zu werfen. Einige von ihnen wissen ganz genau womit sie ihren Liebsten an diesem Tag eine Freude bereiten können, andere ziehen verzweifelt auf der Suche nach einem passenden Geschenk durch die Straßen und Einkaufszentren der Stadt. Wiederum ein anderer Teil hat bereits vor der Konsumflut resigniert und überreichen unter der Tanne der Barmherzigkeit einen diskreten Umschlag mit Bargeld.

Nach dem Fest steht der Einzelhandel, vertreten durch einen ihrer Sprecher, wieder vor den Kameras und verkündet wie jedes Jahr neue Umsatzrekorde, was niemanden interessiert und nur der Regimeelite dienlich ist, die somit das Wirtschaftswunder Deutschland zumindest in den Nachrichten am Leben erhalten kann und sie somit weiterhin legitimiert sind zu behaupten: Seht her, alles is´ jut.

Während sich die Beschenkten unter dem Weihnachtsbaum und die Wirtschaft beim Blick auf die Umsatzzahlen freuen, leben zeitgleich auf der anderen Seite der Erde die Menschen, die diese Konsumlaune auf ihren Schultern (er)tragen. Von denen sitzt niemand an einem reich gedeckten Gabentisch, der neben einer Tanne der Barmherzigkeit steht. Wie jedes Jahr zu Weihnachten und wie eigentlich jeden Tag im Jahr sind diese Menschen froh wenn sie etwas zu Fressen (anders kann man den Qualität und die Quantität der Nahrung nicht bezeichnen) auf den Tisch bekommen. Aber auch hierzulande werden wieder etliche Familien an den Feiertagen zu Hause sitzen, ohne Weihnachtsbaum, ohne Geschenke und ohne Liebe.

Vielleicht gelingt es dem ein oder anderen in diesem Jahr, sich von dem Wahnsinn der kommerzialisierten Feiertage zu befreien. Wer das Geld nicht an sich halten kann, hat immer noch die Möglichkeit jemand anderem eine Freude zu bereiten. Es gibt mehr als genug Obdachlose, die an diesem Tag durch die mehr oder weniger verschneiten Straßen ziehen und sich am Tag der (Nächsten)Liebe über eine warme Mahlzeit freuen würden. Da bin ich mir sicher.

Zudem erweist jener Feingeist, der dem Rat folgt, sich selbst und der Allgemeinheit einen Gefallen, in dem durch den Konsumentzug der Wirtschaft ein Zeichen setzt und die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse boykottiert.

Ach ja, bevor ich es vergesse. Holt mit den Winterklamotten gleich mal wieder die Splitterschutzwesten und den Stahlhelm aus dem Schrank. Es weihnachtet sehr und die alljährlichen Terrorwarnungen stehen wieder kurz bevor. Und wer weiß vielleicht erbarmt sich ja dieses Jahr einer der Irren Schläfer und jagt sich in unserem Bundestag in die Luft. Es wäre doch schade wenn einer von euch bei diesem illustren Schauspiel zugegen wäre und er/sie nicht die Möglichkeit hätte der Nachwelt von diesem Ereignis der Freude berichten zu können weil er/sie im Vorweihnachtsstress vergessen hat sich den panischen Vorhersagen des Regimes angemessen zu kleiden.