Horch und Guck – In Schöneberg

Es war ein in allen belangen durchwachsener Samstag Morgen. Das Wetter konnte sich nicht entscheiden ob es die Sonne lachen oder die Wolken weinen lassen sollte und Guck saß mit gemäßigter Lust in seinem Guckposten im fünften Stock des Hauses indem die beiden Meisterspione a. D. ihren Notstandsbunker eingerichtet hatten. Er hielt Ausschau nach verdächtigen Bewegungen in der Umgebung und hatte den Spionage Sender „Radio Guantanamo Bay FM“ eingeschaltet.

Als er so da saß und seinen Blick in die Ferne schweifen ließ vernahm er im Treppenhaus Schritte die sich langsam und schwerfällig die Treppen empor arbeiteten. Vor der Metalltür, die zu Gucks Guckposten führte, verstummten die Schritte und …. nichts. Kein Klopfen, kein Klingeln, kein Anzeichen dafür, dass die Person die vor der Tür stand irgendwelche Anstalten machen würde einen Grund für ihre Anwesenheit vor Gucks Guckposten vorzubringen.

Irgendwas ist da faul dachte sich Guck und schnappte sich Horchs altes AK47 um der Lage auf den Grund zu gehen. Mit einem beherzten Tritt öffnete er die Metalltür und legte auf den vermeintlichen Eindringling an. „Verdammte scheiße……fünf Etagen……“, jappste Horch und rang weiter nach Luft.„Du bist´s“ kommentierte Guck Horchs erscheinen gleichgültig, drehte sich um, ließ die Tür wieder zufallen und ging zu seinem Guckposten zurück. Horch stand noch immer mit Schnappatmung vor der Tür. Als er sich erholt hatte, betrat er den Raum. „Amsterdam hat Deiner Lunge wohl doch mehr abverlangt als gedacht was?“ kommentierte Guck Horchs ringen nach Luft. „Leebow“ legt heute im Connection auf. Hast Du Lust mitzukommen?“ fragte Horch mit letzter Kraft seiner Lungen bevor er in dem Sessel neben Gucks Posten niedersank – „Echt? Wann geht es denn los?“ wollte Guck wissen. – „Der Auftritt von „Leebow“ fängt um elf Uhr an und geht bis weiß ich wann. Ich bin mit Gitta G. um acht am Schlesischen Tor verabredet und die Anderen treffen wir dann vor Ort.“ – „Klar ich bin dabei.“ sagte Guck zu.

Einige Stunden später fuhren Gitta G., Horch und Guck mit der U-Bahn zum Nollendorfplatz. Da die drei um kurz nach acht Uhr noch viel zu früh für einen anständigen Club Besuch vor Ort waren, zogen sie noch eine Runde durch den Kiez. „Meinst Du nicht das Du etwas zu dünn angezogen bist?“ wollte Guck von Horch wissen, der clubfähig, aber dem Wetter völlig unangemessen gekleidet war. „Nö“ erwiderte Horch und grinste, „Warte mal ab bis wir tiefer in den Kiez kommen, dann steigt die Umgebungstemperatur eh noch um ein paar Grad an und im Connection ist es selbst im Winter immer schön warm, wenn Du verstehst was ich meine“. Sie schlenderten durch die Maaßenstraße und wunderten sich über die zahlreichen Cafés und Restaurants die seit ihrem letzten Besuch, der Jahrzehnte zurück lag, hier eröffnet hatten. Damals, als die beiden noch öfter in dieser Gegend unterwegs waren, hatte das Hasir Restaurant in der Maaßenstraße gerade seine Neueröffnung gefeiert. Als Gitta G., Horch und Guck am Winterfeldt – Platz vorbeikamen war die Stadtreinigung gerade damit beschäftigt die Reste vom Wochenmarkt, der immer am Mittwoch und Samstag stattfindet, zu beseitigen. Auf dem Platz hatten früher die Fahrschulen ihren Fahrschülern die Grundkenntnisse des Autofahrens trainiert. Heute waren zahlreiche Skateboard- und Inline Skate – FahrerInnen unterwegs die gekonnt um die Jungs von der BSR herumfuhren. Und anstatt der Autos, übten Väter mit ihren Sprösslingen das Fahrrad fahren. Das Trio versorgte sich im 1. Café am Platz, dem Moccas mit Kaffee und schlenderten dann weiter, vorbei an den gut besuchten Restaurants, Bars und Cafés durch den Kiez. „Hier ist ja die Hölle los“ wunderte sich Horch. Ich finde kaum noch einen Laden von damals wieder. Das einzige was ist wie es war ist der Buchladen an der Ecke und Hasir – Döner.“ – “Ja hier hat sich so einiges verändert. Wir können ja mal kiecken ob unsere Schule noch steht oder sie im Zuge der Bildungsreform auch schon abgerissen wurde.“ Als sie durch die Goltzstraße an der St. Matthias Kirche vorbei kamen erblickten sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihre alte Schule. Aber anstatt wie befürchtet dem Abriss zum Opfer gefallen zu sein, stand sie renoviert und um einige Anbauten erweitert vor ihnen. Aus alter Gewohnheit zuckte Horch zusammen als sich die Tür vom Lehrereingang öffnete und wollte sich hinter einem der geparkten Autos verstecken. „Was machst Du?“ wollte Guck wissen. „Ich habe es doch gewusst“ grummelte Horch „Als wäre es eine Vorahnung gewesen. Schau nur der alte Knochen sieht kein Jahr älter aus.“ – „Verdammte Scheiße, der lebt ja immer noch?“ setzte Guck nach. Gitta G. stand unwissend, mit fragendem Blick neben den Beiden, die mit fassungsloser Miene auf die Person starrten, die da so eben das Schulgebäude verlassen hatte. „Sroka“ sagte Horch verachtungsvoll „einer der unbeliebtesten Lehrer aus unserer Zeit, seines Zeichen Physiklehrer.“ – „Was macht der hier?“ fragte Guck nicht glaubend wen er da auf der gegenüberliegenden Straßenseite entlang laufen sah. Horch machte zeitgleich eine Handbewegung als wolle er nach seinem, normalerweise geschultert AK 47 greifen hielt aber enttäuscht inne, weil er sich besann wo und warum er hier war. Guck schaute Horch erschrocken an und fragte “Du wolltest doch nicht….“ – „Nein, ich hätte nur eine kleine Salve, knapp über seinen Kopf hinweg abgefeuert. Ich werde den Teufel tun ihm das Lebenslicht auszublasen und somit seinen Schülern und der restlichen Welt damit den Gefallen zu erweisen ihnen das zu ersparen was wir jahrelang mit ihm durchmachen mussten. Mir glühen heute noch die Finger vom schreiben der Strafarbeiten. Aber ich hätte zu gern seinen Gesichtsausdruck gesehen wenn er uns nach meinem Salutschuss vielleicht erkannt hätte.“ – „Tja, wenn es mehr von dieser Sorte Lehrer gäbe, würde es vermutlich weniger Probleme mit aufsässigen Schülern geben.“ sagte Guck mit besserwisserischer Tonlage. – „Du nun wieder“ zischte Horch zurück. Klassenstreber.“ „Ist gut Jungs. Er ist ja schon weg. Kein Grund weiter gereizte Stimmung zu verbreiten“ ging Gitta G. dazwischen.“ – „Du bist gut. Er ist mit großer Wahrscheinlichkeit einer der Gründe warum in den Lehrerkonferenzen, die wegen uns stattfanden, kein gutes Haar an uns geblieben ist. Und er war vermutlich auch einer von den Lehrkräften die sich gefreut haben, dass wir die letzten Wochen unserer Schulzeit aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit anderen Gangs in der Umgebung nicht mehr am Schulunterricht teilnehmen konnten. Da wird man ja wohl noch ein bisschen ausfällig werden dürfen.“ – „Kein Wunder, wir waren die ersten Schüler seit bestehen der Schule, die direkt aus dem Unterricht heraus von der Polizei verhaftet wurden.“ verteidigte Guck die damalige Haltung der Lehrerschaft gegenüber Horch und Guck. – „Ja, ja mach duhier nur einen auf verständnisvoll“ Horch´s Laune stieg wieder und er fing an zu lachen „Geil war´s trotzdem. Die dämlichen Gesichter der Lehrer und Mitschüler seinerzeit. Allein dafür würde ich das ganze noch einmal mitmachen wollen.“ – „Lasst uns weiterziehen. Auf den Schock, dass der Sack noch unterrichtet, trinke ich jetzt erst mal einen..“ Und so zogen sie weiter über die Hohenstaufenstraße tief hinein in das Herz vom Kiez. In der Bar „Mutter“, Hohenstaufenstraße Ecke Habsburgerstraße legte sie eine Pause ein um dem Treiben auf der Straße von der gemütlicher Terrasse aus zuzuschauen.

Die Zeit verflog wie im Nu und es war langsam an der Zeit sich auf den Weg zum Connection – Club zu machen. Gemäßigten Schrittes und den Kiez bewundernd begaben sie sich in Richtung Fuggerstraße wo der Connection – Club und DJ Leebow auf die Drei warteten. Vor Ort angekommen ging Horch voraus um den Eintritt zu bezahlen: „Zwei Heten und eine Unentschlossene bitte“. Kurz darauf standen sie mitten im Club und betrachteten das bunte Treiben auf der Tanzfläche. Nachdem sie sich an der Bar mit Getränken versorgt hatten begaben sie sich auf die Suche nach Dj Leebow der schon mit den Vorbereitungen für seinen Auftritt beschäftigt war. Einige Minuten später stand er auch schon hinter den Plattentellern und peitschte die Stimmung mit seinem Auftritt weiter Richtung Höhepunkt. Nach und nach trafen auch die Anderen ein und gemeinsam feierten sie zu den Klängen die DJ Leebow über die Boxen schickte.

Der Tag hatte schon einige Stunden auf dem Buckel als sie alle beisammen standen und überlegten wo sie die Nacht noch gemütlich ausklingen lassen konnten. Gemeinsam entschieden sie sich für eine Bar um die Ecke und zogen bald darauf los. Dort saßen sie nun noch beisammen und erzählten sich all die Ereignisse und Erlebnisse der vergangenen Monate.

Draußen begann es bereits langsam zu dämmern und die ersten Menschen waren bereits wieder unterwegs um ihren Alltag zu bewältigen. Im Hintergrund lief leise „You can´t always get what you want“ von den Rolling Stones und passend dazu lag Horch sturzbetrunken am Busen der Natur oder besser gesagt in den Armen von Gitta G. die damit beschäftigt war Horch zum Aufbruch nach Hause zu bewegen. Horch davon unbeeindruckt träumte davon wie Gitta G. und er in seinem alten Patrouillenfahrzeug an der Küste Afrikas entlangfuhren und dabei ihren Blick über das endlose Meer schweifen ließen und grinste zufrieden im Schlaf.

Horch & Guck – Meisterspione a. D.

Leebow Video bei You Tube:
DJ Leebow @ work 18.06.11
DJ Leebow @ work 18.03.11 – Deep in your House