Jamaika Mike – Gunja, Koks & Karibikträume – Das Interview zum Buch

Es geht um die Kunst in einer unwirklichen Umgebung zu überleben. Und es geht um die Kunst das (Üb-)erlebte in Worte zu fassen und diese niederzuschreiben. Vereint man beides kommt ein Kunstwerk Namens Jamaika Mike – Gunja, Koks und Karibikträume dabei heraus. In dem Buch geht es, wie der Titel verrät, um Drogen und Glückseligkeit die, wie so oft, so auch in diesem Fall jäh durch das Erscheinen der staatlichen Beamten beendet wurde. Das Werk ist im Edition Steffan Verlag erschienen und stammt aus der Feder von Michael Weigelt. Auf 2?? Seiten erzählt er von seiner Auswanderung nach Jamaika und den dort erlebten Abenteuern. Wie er zum Beispiel völlig mittellos mit seiner Freundin in den schäbigsten Behausungen die die Insel zu bieten hatte wohnte. Wie er Paul, einen Jamaikaner kennenlernte, durch den er in das Drogengeschäft eingestiegen ist. Er schreibt über die Rekrutierung von Drogen – Kurieren, deren wahnwitzige und teilweise völlig unverständlichen Handlungen die das Geschäft gefährdeten. Und wie er am Ende, nachdem er eigentlich schon aus dem Geschäft um das weiße Gold ausgestiegen war doch noch durch die deutschen Behörden für seine Taten der Jahre zuvor zur Rechenschaft gezogen wurde. Um euch an dieser Stelle nicht zuviel zu verraten und dennoch als potentielle Kaufinteressenten auf dieses Buch anzusetzen haben ich mich kurzerhand mit dem Verleger des Buches Frank Steffan getroffen und der hatte, was soll ich schreiben, Jamaika Mike gleich mit im Gepäck. Da ich das Buch bereits kannte, habe ich Fragen ausgewählt die sich vermutlich die meisten von euch stellen werden wenn sie das Buch gelesen haben. Da das Edelweiß – Cafe im Görlitzer Park schon fast so etwas ist wie ein offizieller Treffpunkt vom Kreuzberger Team geworden ist, haben wir das Interview hier durchgeführt.

Der Kreuzberger: In Deinem Buch Jamaika Mike – Gunja, Koks und Karibikträume erzählst Du aus einer Zeit Deines Lebens die von einem ständigen auf und ab geprägt war. Du berichtest davon wie es dazu gekommen ist, dass Du in das Geschäft mit dem Drogenhandel eingestiegen bist, von den Höhen und Tiefen, Deine Verhaftung im Jahr 2003 bis hin zu den Tagen die Du im Gefängnis verbracht hast. Wie glaubst Du aus Deiner Sicht wie konnte es zu dem Ganzen geschehenen kommen?

Mike: Ich habe mich lange Zeit geweigert auch nur einen Gedanken an irgendwelche Beteiligungen an Drogengeschäften zu verschwenden. Irgendwann als wir finanziell völlig ruiniert auf den Straßen Jamaikas standen mussten wir

Der Kreuzberger: Hast Du, wie viele andere auch, wegen Eigenkonsum Drogen geschmuggelt?

Mike: Nein, ich habe Kokain allenfalls drei vier mal im Jahr genommen wenn ich Besuch da hatte und dieser mich mehr oder weniger dazu drängte doch auch mal eine Nase zu nehmen oder ich mit Freunden einen besonders gemütlich Abend verbrachte bei dem einfach die Stimmung vorhanden war es angemessen zu genießen.

Der Kreuzberger: Wenn man nicht alles selber macht! Ist ein Zitat das bei manch einer von Dir organisierten Schmuggeltour den Nagel auf den Kopf trifft. Einige Passagen in dem Buch, bei denen es um die Unfähigkeit, sich der Situation angemessen zu verhalten, geht, sind zum Haare raufen, sodass man sich denkt: “Der kann doch nicht…., der wird doch wohl jetzt nicht auch noch….er tut´s wirklich! Das kann doch nicht wahr sein“. Man hat das Bedürfnis helfen zur Hand gehen zu wollen, wohl wissend, dass die Vergangenheit erzählt wird. Aber so unglaublich sind die Situationen und visuell spannend verfasst. Wie ging es Dir in diesen Stunden in denen der Wahnsinn den ein oder anderen Kurier ereilte?

Mike: Ich war natürlich stinksauer über die ein oder andere Situation. Nicht nur dass die Kuriere mit ihrem Verhalten die Tour und sich selbst gefährdeten, sie setzten die Sicherheit der gesamten Organisation aufs Spiel. Die Leute die für uns das Kokain geschmuggelt haben wussten selbstverständlich nur das notwendigste, aber die Leute mit denen sie in Jamaika Kontakt hatten und meine Leute hierzulande waren durch ihr unüberlegten Handlungen gefährdet. Insbesondere bei der Tour die Du gerade angesprochen hast, war es so, dass mir am Ende die Macht, gegenüber Paul, meinem Boss, gefehlt hat meine eigenen Ansichten für die Umsetzung der Tour aufrecht zu erhalten und ich mich somit seinem Willen, der das Schicksal der Kuriere besiegeln sollte, fügen musste.

Der Kreuzberger: In dem Buch erfährt der/die LeserIn wie du Herrn Hansen, einem guten Bekannten eines Freundes von Dir, kurz nach seiner Einreise nach Jamaika auf aufopferungsvolle Weise das Leben gerettet hast. Bist Du Herrn Hansen danach jemals wieder begegnet?

Mike: Um zu dieser spannenden Geschichte, die sogar beinahe durch die Anwesenheit deutscher Touristen am Flughafen von Jamaika zu einem Aufruhr geführt hätte, nicht zu viel zu verraten belasse ich es bei einem einfachen: Nein, ich habe Herrn Hansen danach nie wieder zu Gesicht bekommen.

Der Kreuzberger: Paul, der Jamaikanischen Drogenboss wurde bisher nicht gefasst. Weist Du was Paul heute treibt beziehungsweise hast Du Dich mal wieder mit ihm in Verbindung gesetzt?

Mike: Was Paul heute so macht weiß ich nicht. Aber ich habe ihn nach meiner Entlassung mal angerufen und mich kurz mit ihm unterhalten über das was war. Ansonsten bin ich raus aus dem Geschäft und ……

Der Kreuzberger: Anja, Deine damalige Freundin stellte zum Schluss ein weitaus größeres Problem für Dich dar als Du es Dir vorher hättest vorstellen können. Wie stehst Du heute zu ihr?

Mike: Anja habe ich das letzte Mal bei meiner Gerichtsverhandlung gesehen. Aber ich bin auch nicht scharf darauf sie wiederzusehen. Ich mache ihr keinen Vorwurf, dass sie ein all umfassendes Geständnis bei der Polizei abgelegt hat. Aber das wie war entscheidend. Denn so unschuldig wie sie vor der Polizei und dem Richter tat war sie ganz gewiss nicht. Darüber hinaus versuchte sie alles auf mich, mit der Begründung ich hätte sie zu all dem gezwungen, abzuwälzen. Das hat zum Glück auch der Richter erkannt und sie gefragt: “Ob ich sie auch dazu gezwungen hätte das durch die Drogengeschäfte verdiente Geld mit vollen Händen auszugeben und gut davon zu leben?“

Der Kreuzberger: Was machst Du heute um Dich finanziell über Wasser zu halten?

Mike: Von dem Geld aus dieser Zeit ist natürlich nichts übrig geblieben. Die letzte Notreserve die ich hatte ist für meinen verdammt guten Anwalt drauf gegangen. Ich arbeite hier und da und habe meistens nur Kurzzeit – Jobs. Es ist nicht so, dass ich mich nicht bemühen würde. Meine Bewerbungsmappe ist prall gefüllt mit Absagen auf meine unzähligen Bewerbungen die ich seit meiner Entlassung 2008 geschrieben habe. Aber mit meiner Vergangenheit ist es nicht so leicht Unternehmen von meinen Fähigkeiten als ___________________ zu überzeugen. Die meisten glauben, wenn sie lesen, dass ich fünf Jahre auf Jamaika gelebt habe, dass ich fünf Jahre in der Hängematte am Strand gelegen und mir das Hirn weg gekifft habe. Somit hoffe ich natürlich, dass mein Buch Leser und Leserinnen findet und ich eventuell mit dem Schreiben wenn nicht meinen Lebensunterhalt, aber dennoch einen Teil damit, verdienen kann.

Der Kreuzberger: Du hattest Dir auf Jamaika ein kleine Paradies geschaffen mit dem Du nach dem Ausstieg aus dem Drogen Geschäft legal Deinen Lebensunterhalt finanzieren wolltest. Hast Du die Möglichkeit dorthin zurückzukehren und somit Deinen Traum, Deutschland für immer den Rücken zu kehren, fortzusetzten?

Mike: Ja klar, wenn ich das nötige Kleingeld dafür habe bin ich sofort weg hier. Natürlich muss ich auf meine Frau und meinen ein-jährigen Sohn und ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen Mein damaliges, von mir angepachtetes Gelände ist natürlich schon wieder weiter verpachtet worden. Ich war vor einigen Jahren noch einmal dort und habe mir mein Grundstück angeschaut. Da ist bis auf das Fundament nichts mehr vorhanden was ich seinerzeit mühevoll aufgebaut habe. Das kann man sich nicht vorstellen wie dass heute aussieht. Verwildert und wirklich absolut gar nichts mehr was an die schöne Zeit in der wir dort Touristen beherbergt und versorgt haben, erinnert.

Der Kreuzberger: Du möchtest mit Deinem Buch auch auf die ablehnende Haltung der Politik gegenüber diesem Thema hierzulande aber auch in den meisten anderen Ländern dieser Welt hinweisen. Worin glaubst Du liegt das Hauptproblem bei der Kriminalisierung Bewusstseinserweiternder Substanzen wie Kokain, Marihuana?

Mike: Alkohol bekomme ich an jeder Straßenecke und kann mich, wenn ich will, mit einer Alkoholvergiftung ins Jenseits befördern. Mit Substanzen wie zum Beispiel Marihuana einer natürlich wachsenden Pfanze ist das nicht möglich.

Der Kreuzberger: Du warst mit Howard Marks alias Mr. Nice unterwegs auf Werbetour für seine Verfilmung von der gleichnamigen Biografie Mr. Nice die ein Bestseller ist. Ihr habt euch bestimmt viel über Eure Erfahrungen in dem Geschäft unterhalten. Habt ihr gemeinsame Freunde beziehungsweise Feinde aus dieser Zeit der Schmuggelns in Euren Gesprächen gefunden?

Mike: Nein. Als ich mit dem Geschäft angefangen habe war Howard bereits schon wieder aus der Haft entlassen und nach England ausgewiesen worden. Zwischen unseren aktiven Zeiten lagen zu große Abstände als dass sich Kontakte hätten überschneiden können. Zudem hatt ich es mit völlig anderen Leuten zu tun als er.

Der Kreuzberger: Was sagen Deine ehemaligen „Mitarbeiter“, beziehungsweise Paul der Drogenbaron dazu, dass Du die Geschichte öffentlich machst? Da die Touren über Deutschland nach England führten ist es doch bestimmt für ihn ein leichtes Dir Probleme zu bereiten.

Mike: Ich habe es Paul natürlich nicht auf die Nase gebunden das ich unsere Geschäfte veröffentlicht habe, wobei ich schon glaube, dass er es weiß, dass es mein Buch gibt.

Tja und alle die gedacht haben es gibt hier Zahlen über Mengen, mögliche Schmuggelrouten oder gar Hinweise auf Verstecke zum Schmuggel der heiß begehrten Ware, denn muss ich an dieser Stelle enttäuschen. Eigene Kreativität ist gefragt und wem dass nicht reicht, der kann sich ja umgehend dass Buch bestellenEdition Steffan Verlag.