1. Mai – es ist wieder soweit

… und in diesem Jahr findet der erneute und hoffentlich erfolgreiche Versuch statt eine friedliche Demonstration in einem der wohlhabenderen Berliner Randbezirke auf die Beine zu stellen. Nach meinem eher dürftigen Versuch 2012 hat sich in diesem Jahr der Sinn und Verstand e. V. diesem Vorhaben angenommen. Treffpunkt ist der S-Bahnhof Grunewald und los geht es um 14 Uhr.  Unterstützung findet die Demo von Paul Geigerzähler, Punkrock MC und weiteren Größen der Musikszene.

Laut Veranstalter, ist die Demo zeitlich so angelegt, dass wir es alle pünktlich zur 18 Uhr Demo in Kreuzberg schaffen! In diesem Sinne: auf auf…ab nach Grunewald.

Weitere sachdienliche Hinweise findet ihr unter: https://www.hedonist-international.org/erster_mai/index.html




Die Revolutionäre 1. Mai Demonstration und ihre Tücken

Im vergangenen Jahr verließ ich bereits nach dem zweiten Lied enttäuscht die Revolutionäre 1. Mai Demonstration, um mich mit meiner Freundin und einem guten Freund im Görlitzer Park niederzulassen. Wir ließen einen bis dahin ereignisreichen Tag beim Sonnenuntergang ausklingen. Grund für das frühe Verlassen der Demonstration war die Musikauswahl. Als Eröffnungslied wurde ein Lied von dem Musiker Casper gespielt, welches durch das Lied „Revolution in Paradise“ von der Gruppe Heath Hunter & The Pleasure Company abgelöst wurde. Zuviel des Guten. Im weiteren Verlauf endete der Demonstrationszug auch ohne mein Beisein in einem Desaster. So viel zum Jahr 2012. In diesem Jahr wird alles besser – dachte ich. Alles begann wie immer, nur irgendwie anders. Nachdem die mehr oder weniger akustisch verständliche Eröffnungsrede beendet war, konzentrieren ich mich darauf, mich nicht auf das Eröffnungslied zu freuen. Mit Erfolg und völlig zu Recht. Damit bin ich schon beim ersten Reizthema – der musikalischen Untermalung. Das erste erwähnenswerte Lied kam mir am Moritzplatz zu Ohren, wo ein/e, meinem Musikgeschmack wohlgesonnene/r AnwohnerInn ihre/seine Lautsprecher ins Fenster gestellt hatte und mit dem Lied „Rauch Haus Song“ von Rio Reiser die Vorbeiziehenden beschallte. Sofort machte sich eine melancholische Erinnerung an alte Zeiten in mir breit. Dass es anderen genauso erging, zeigte sich darin, dass ein nicht geringer Teil anfing mitzusingen: „… ihr kriegt uns hier nicht raus, das ist unser Haus…“ Geil! SO muss das sein! Der nächste und letzte musikalische Höhepunkt ereignete sich auf der Leipziger Straße. Dort schallte von einem der hinteren Fahrzeuge das Lied „Deutschland muss sterben“ von der Musikgruppe Slime. Ansonsten kamen mir nur einer revolutionären Demonstration unangemessene Klänge zu Ohren. Hinzu kam, das die Anwesenden nicht nur ein Mal über Lautsprecheransage darauf aufmerksam gemacht wurden, für einen klaren Kopf auf Alkohol- und Drogenkonsum zu verzichten. An diesem Punkt war ich das nächste Mal in Versuchung die Demo zu verlassen. Wo bin ick´n hier? Ich bin seit über zwanzig Jahren nicht mehr „klar“ im Kopf gewesen und wesentlich geschadet hat es mir nicht, laut den Bekenntnissen meiner Umwelt. Zudem haben die meisten der einstigen KämpferInnen es trotz ihres Drogenkonsums geschafft, ihre Forderungen erfolgreich umzusetzen und ihre Ziele zu erreichen. Hinzu kommt, das Leute anwesend waren, die ihre Straßenkampferfahrung gesammelt haben, als die meisten aus dem gewaltbereiten Schwarzen Block diesen, wenn sie überhaupt schon auf der Welt waren, höchstens als schwarze Blockschokolade kannten. Wie wir heute wissen, spätestens nach dem diesjährigen 1. Mai, haben die betrunkenen und bekifften Straßenkämpfer es besser verstanden ihren Forderungen, trotz Rausch, Nachdruck zu verleihen.

Das nächste Reizthema findet sich in dem Streckenverlauf. Dieser führte vom Lausitzer Platz, über die Eisenbahnstraße, Köpenicker Straße, Heinrich-Heine-Straße und weiter über die Oranienstraße vorbei am besonders gesicherten Axel-Springer-Gebäude in die Axel-Springer-Straße. Von dort aus ging es über die Leipziger- und Wilhelmstraße durch die Behren- und Glinkastraße bis zum Endpunkt der Demonstration Unter den Linden. Führt man sich die Strecke vor Augen, erkennt auch jede/r nicht Anwesende, dass außer ein paar AnwohnerInnen, die Polizei und die Besucher der Komischen Oper, die bei ihrem Abgang aus der Kulturhaus jäh von den vorbeiziehenden Revolutionären gestoppt wurden, kein Arsch mitbekommen hat, dass 9.000 Menschen auf das weltweit vorherrschende Unrecht und die Missstände aufmerksam machten. So bescheiden wie meine Demonstration im vergangen Jahr besucht war, so bescheiden war die Aufmerksamkeit die die zahlreich weitaus überlegenen Demonstranten erhielten. Vielleicht war es aber auch besser so. Denn die einzigen Sprüche, die sich in der gesamten Zeit des Schreitens manifestierten, waren der: „A-Anti-Antifaschista“ und „A-Anti-Anticapitalista“. Jeder Rhönrad-Fanklub hat mehr Schlachtrufe im Repertoire als der neo linke Widerstand. Nun ist die musikalische Untermalung, die Streckenführung sowie die Bandbreite der dargebotenen Schlachtrufe nicht maßgeblich für eine Demonstration – es sind die Demonstranten.

Gleich zu Beginn der Demonstration hatten einige der schwarz gekleideten damit begonnen, sich zu vermummen. Die Polizei ließ dies, soweit ich beobachten konnte, auch weitestgehend zu. Gut dachte ich, so kann es weitergehen. Als der Schwarze Block anfing unruhiger zu werden, hier und da einige Demonstranten von da nach dort rannten um sich immer wieder neu zu formieren und die ersten Vermummten anfingen Steine aufzusammeln, keimte die Hoffnung in mir auf, es könne bald zu den ersten Zwischenfällen kommen. In der Heinrich-Heine-Straße wurden bei einer Sparkassenfiliale die Scheiben mit Steinen beworfen und eingetreten sowie ein Auto umgekippt. Kurz nach dem Überqueren vom Moritzplatz traf ein bescheidener Steinhagel die Fahrzeuge der Regime-Schutztruppen (Polizei) und verursachte einen nicht nennenswerten Schaden am Arbeitsgerät. Jedoch gab es bei dem Vorfall mindesten einen verletzen Zivilisten, der von Sanitätern versorgt werden musste. Ansonsten kam es im Verlauf der Demonstration zu keinen weiteren Vorfällen. Dabei mangelte es nicht an Möglichkeiten den wachsamen Augen der Bewacher zu entziehen und seinen kreativen revolutionären Widerstandsideen freien Lauf zu lassen. Vermutlich war die Kreativität mangels Alkohol und sonstigen Drogen beeinträchtigt. Wer weiß. Auch das Prinzip des Totlaufens haben einige anscheinend noch nicht ganz erfasst. Es ist die Schutzstaffel des Regimes, die sich in ihren Kampfmonturen müde laufen sollen, nicht die Demonstranten. Die Alten sind nicht mehr so gut zu Fuß. In den neunziger Jahren wurde noch Rücksicht darauf genommen und die ersten Auseinandersetzungen bereits nach wenigen hundert Metern angezettelt. Spätestens bei der Aral-Tanke, Skalitzer- Ecke Mariannenstraße war Schluss mit lustig. Heutzutage verklärt die Demonstration zum Wandertag.

Zum Ende hin ging es wie bereits erwähnt über die Leipziger Straße. Dort erblickten meine Augen einen Steinwurf entfernt mehrere Geldhäuser sowie Filialen von menschenverachtend handelnden Unternehmern. Die alles ging wohl in den Augen der BetrachterInnen mit der Sonne unter. Wichtiger war es den Unmut über die Kapitalistenschweine heraus zu brüllen und zeitgleich mit dem iPad oder Smartphone den Stand der Dinge an Freunde und Bekannte zu übermitteln oder gar Fotos bei facebook hochzuladen oder mit dem Tablet-PC Videos vom Geschehen zu machen. Diese Tatsache spiegelte sich auch sehr schön in der Bekleidung einiger Anwesender wieder. Adidas und Co. scheinen zum Standardausrüster der „A-Anti-Anticapitalista“-Szene zu gehören. Automatisch stellt sich die Frage: Was machen die „Anticapitalista“-Schreihälse die restlichen 364 Tage im Jahr wenn kein 1. Mai ist. Für Kapitalisten arbeiten? Bei Kapitalisten einkaufen? Unter dem Dach von Kapitalisten wohnen? Der Kommerz ist tot, es lebe der Kommerz!

Während hierzulande ein umgekipptes Auto, die zerschmetterte Heckscheibe eines BMW´s, eingeworfene Scheiben einer Bankfiliale oder ein paar leicht zerbeulte Polizeiautos als Sieg für die Sache gewertet werden, sterben in den Ländern um uns herum Menschen im Kampf für soziale Gerechtigkeit. Wir sollten uns also ganz leise weinend bedeckt halten. Dennoch feiern sich die Aktivistinnen und Aktivisten und ihren Kampf für die weltweite Umsetzung der Menschenrechte. Ein geradezu lächerlicher Beitrag, wenn man in andere Länder schaut. Dieser Kampf kann jedoch so wie er derzeit hierzulande ausgeführt wird nicht gewonnen werden. Im revolutionären Kampf bildet Deutschland das Schlusslicht. Die Revolution wird mit dem goldenen Löffel gefüttert. Was heißt, uns geht es zu gut – noch. Der Veranstalter der Revolutionären 1. Mai Demonstration wird froh gewesen zu sein, endlich eine Demonstration ohne besondere Vorkommnisse zu Ende gebracht zu haben. Es sei ihm zähneknirschend gegönnt.

Zeitgleich ersehne ich die Errichtung von Ausbildungslagern für nicht revolutionsfähige Deutsche in Griechenland, Italien und Spanien errichten. Dort ist die Bevölkerung schon weiter als wir.

Die Alten müssen wieder ran

Wie viele Menschen um mich herum, so kann auch ich von mir sagen: „Ich muss nichts mehr beweisen.“ Andere sind an der Reihe zu zeigen, dass nach dem Verklingen der mächtigen Worte auch Taten folgen. Das bedeutet nicht den Steinwurf auf die Regime-Schutztruppen oder das Abfackeln von Autos. Weitaus intelligenter und effektiver war, und dafür möchte ich den/die Verursacher an dieser Stelle beglückwünschen, das in Brand setzen eines Trafos in den frühen Morgenstunden vom 2. Mai 2013 in Berlin-Nikolassee. Das die linke Szene fast geschlossen diesen Anschlag verurteilt zeigt, wie verweichlicht diese mit den Jahren geworden ist. Um Aufmerksamkeit zu erlangen, benötigt es manches Mal etwas mehr als nur ein umgekipptes Auto und ein paar eingetretene Scheiben. Den Fahrgästen wiederum wir seitens der S-Bahn über das Jahr schon so viel an Zugausfällen zugemutet, dass ein paar Stunden mehr oder weniger an Mobilität nicht auffallen. Der Einwand der Kritiker: Der Schaden wir auf den Fahrpreis und somit auf die Reisenden umgelegt stimmt, aber der Schaden, den unsere Politiker und die Unternehmen dieses Landes am Volkseigentum anrichten ist mehr als nur ungleich größer. Das Entsetzen der Linken über die Tat bringt mich zu dem Vorschlag von Kersten, einem Redaktionsmitarbeiter. Dieser fordert den Schwarzen Block in Rosa Block umzubenennen und die Bekleidung dem Namen angepasst umzufärben. Für den Fall der Umsetzung seines Vorschlages würde Kersten im nächsten Jahr jeder/m Demonstrantin/Demonstranten ein paar puschelige und ebenfalls in dezentem rosa gefärbte Hasenohren schenken.

Aus der bürgerlichen Sicht beschreibt Hajo Schumacher, Kolumnist der Berliner Morgenpost im Freitagskommentar von „radioeins“ die Lage. Auch wenn ich mit der Kritik von Hajo in nicht allen Punkten übereinstimme, so hat er Recht, wenn er die „Spinner“ unter den Linken als „Al-Qaida Ortsgruppe Friedrichshain“ bezeichnet und darin, dass keine revolutionäre Zelle die Jungs zum Bierholen anstellen würde. Jedoch seine Aussage, das Sabotage als Streik nicht funktioniere, sehe ich anders und sein Aufruf „es lebe die bürgerliche Revolution“ ist bei den Bürgern in diesem Land schon ein Sabotageakt an der Revolution an sich. Bei einem Streik würde man Hajo als Streikbrecher bezeichnen. Dennoch, hier der Link zum Schumacher-Kommentar:

Fazit: So nicht meine Damen und Herren der Volksfront. Räuber und Gendarm haben wir in der Buddelkiste gespielt, die Zeiten sind jedoch lange vorüber. Selbstverständlich sind die Zeiten härter geworden, aber das heißt, wir müssen neue Wege beschreiten. Das ich nicht nur meckere, sondern versuche es besser zu machen, habe ich mit meiner Demonstration im vergangenen Jahr bewiesen. Das Interesse der AnwohnerInnen haben wir seinerzeit geweckt, jedoch mit zu wenig Gleichgesinnten. Auf einen erfolgreicheren 1. Mai 2014.




MolotowCocktail – Die Geschichte einer Volkswaffe

Wann wäre ein solcher Artikel passender, als in der Mai-Ausgabe? Die Idee dazu kam mir vor einiger Zeit, als ein Bekannter der British Special Forces mir von seinen Erfahrungen in Nordirland erzählte, wo Demonstranten ihren Mollys Cornflakes und Zucker beimischten, damit die brennende Flüssigkeit besser haften blieb.

Aber zunächst, damit niemand denkt oder glaubt, dass hier Bombenbauanleitungen verbreitet würden, ein Disclaimer, der mir bei meinen Recherchen im Internet aufgefallen ist und dem ich mich gerne anschließen möchte: »!!!Mollys bauen (und werfen) ist böse und unökologisch (manche Anschlagsziele wohl aber auch). Der folgende Text ist kein Aufruf zum Molly-Bau und -Werfen, sondern dient der Aufklärung darüber, wie Menschen, die sowas trotzdem tun, das machen, um Mollys erkennen und sich davor schützen zu können. Diese Seite dient damit der Dokumentation und Vorbeugung!!!« (Zitat: www.deu.anarchopedia.org/Molly-Workshop)

Der Molotowcocktail, auch Molly genannt, ist ein einfacher Wurfbrandsatz, der ohne große Kosten oder Aufwand aus Flaschen, Lunten und einem Gemisch brennbarer Flüssigkeiten herzustellen ist, weshalb er auch als Volks- oder Guerillawaffe gilt, die bei Aufständen, Krawallen oder Straßenschlachten Verwendung findet.

Die Geschichte von Brandsätzen geht bis in die Antike zurück, wo »Griechisches Feuer« und »Feuertöpfe« in Seeschlachten oder bei der Erstürmung von Festungen eingesetzt wurden. Die ersten Belege für den Einsatz von Molotowcocktails stammen aus den Russischen Interventionskriegen (1918-1922) und dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939), damals aber noch nicht unter diesem Namen bekannt. Die Benzinbomben wurden zunächst – auf Turm, Motor oder Auspuff geworfen – erfolgreich gegen Panzer eingesetzt.

Die Bezeichnung Molotowcocktail geht auf die sowjetische Invasion in Finnland (1939/1940) und den damaligen Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten – Wjatscheslaw Molotow – zurück, der während der Annexion behauptete, die russischen Bomber würden Brot für die Zivilbevölkerung bringen. Diese Lüge beantworteten die empörten Finnen mit einem »Getränk passend zum Essen«, denn die russischen Streubomben wurden damals im Volksmund »Molotows Brotkörbe« genannt.

Weil Mollys im Preis-/Leistungsverhältnis sehr günstige Panzerabwehrwaffen darstellten, wurden sie in Finnland bald von einer staatseigenen (Likör-)Fabrik in Rajamäki industriell hergestellt. Insgesamt wurden 450.000 Stück produziert und nebst Streichhölzern paketweise an die Front geschickt. Später ließen auch die Rote Armee und die Deutsche Wehrmacht »Brandflaschen« herstellen bzw. gaben Anleitungen für deren Selbstbau heraus.

Den Weg von der Kriegswaffe zur Volkswaffe und in den Bereich der »zivilen Auseinandersetzung« fand der Molly ab der Mitte des letzten Jahrhunderts durch seine Verwendung beim Aufstand im Warschauer Ghetto (1943), beim Warschauer Aufstand (1944) oder dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Ungarn (1956).

Im Folgenden gewann er gerade bei Volksaufständen, in der Auseinandersetzungen zwischen Zivilbevölkerung und Militär oder mit dem staatlichen Gewaltmonopol überall auf der Welt immer mehr an Popularität. Neben vielen anderen Konflikten zählen in Europa die Studentenbewegung der 1960er Jahre, die Terrorwelle in den 1970ern, die Hausbesetzerszene der 1980er in Deutschland, die IRA und – immer noch aktuell – die Globalisierungsgegner und Widerstandleistende gegen das Euro-Regime dazu. Somit hat sich der Molotowcocktail, neben Worten und Steinen, zu einer Waffe des »kleinen Mannes« entwicklet und als Ausdruck ohnmächtiger Wut gegenüber übermächtigen Gegnern heraus stilisiert.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern, wird der Molotowcocktail auf der Liste verbotener Waffen geführt. D. h. Erwerb, Besitz, Überlassen, Mitführen, Verbringen, Herstellen, und Handeln sind unter Androhung von Gefängnisstrafen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren verboten. Das Werfen wird seitens der Justiz im Allgemeinen als versuchtes Tötungsdelikt (Totschlag oder Mord) gewertet.

Also, wenn ihr irgendwo Mollys brennen oder fliegen seht, dann macht euch aus dem Staub und bringt euch in Sicherheit. Und »Ihr da oben« überlegt mal, was ihr getan und womit ihr den Zorn des Volkes entzündet habt.

Geschrieben von kersten

 




1. Mai – 2.0 Demonstrationsvision

Der 1. Mai steht zwar noch nicht unmittelbar vor der Tür, aber ich möchte es nicht versäumen rechtzeitig auf eine in mir, besser gesagt in meinem Bewusstsein erweitertem Hirn gewachsene Idee aufmerksam zu machen. Vielleicht kann sich ja der ein oder die andere mit dieser Idee und dem darin enthaltenen Hintergedanken anfreunden und Schröder und ich sitzen am 1. Mai nicht allein mit unserem Protest-Schildern vor einer der zahllosen Prachtbunker der Reichen und Schönen. Aber bevor ich hier irgendjemanden zu einer friedlichen und vor allem legalen Tat anstifte, möchte ich zunächst den Kern meine Idee darlegen.

Zwischen der ersten und zweiten Wurst am Morgen kam mir der Gedanke den 1. Mai 2012 einmal völlig anders zu gestalten. Anstatt die Kreuzberger Ladenbesitzer in Angst und Schrecken zu versetzten und um dem mittlerweile völlig ausgelutschten 1. Mai-Berlin-Demonstrations-Tourismus zu entgehen habe ich mir überlegt einen Versuch zu unternehmen,. die Vorbereitungen auf diese Ereignis in gewisse Bahnen zu lenken. Nämlich in die U- und S- Bahnen der Stadt die demonstrationswillige Bürgerinnen und Bürger aus Kreuzberg hinaus in die strategisch wertvollen Demonstrationsgebiete in Randlage der Stadt befördern sollen. Dort, in Wannsee, Frohnau, Nikolassee, Grunewald und weiteren wohlhabenden Randbezirken von Berlin, dass haben meine Nachforschungen ergeben, sitzen die eigentlichen Verursacher der allgemein um sich greifenden gesellschaftlich Unzufriedenheit. Endlich würde der Protest an einer Stelle stattfinden wo er, wenn auch nicht auf offene, dennoch auf die richtigen Ohren trifft. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit auf das ein oder andere Gespräch welches dienlich sein könnte die Unstimmigkeiten zumindest einmal an der richtigen Stelle, bei den richtigen Personen darzulegen.

Zudem kann ich behaupten, mit diesem Gedanken (fast) alle an diesem Vorhaben Beteiligten zufrieden stellen zu können. Wir, die Demonstranten, sind endlich an der Wurzel des Übels und haben die Möglichkeit sie im übertragenen Sinne an der selbigen zu packen und in einen friedlichen Gedankenaustausch zu verwickeln. Die vom beruflichen Alltag gestressten Beamten kämen mal ins Grüne und müssten nicht den innerstädtischen mit Feinstaub belasteten Demonstrations-Umleitungsverkehr regeln.

Abschließend rufe ich jede/n dazu auf, eine Demonstration für den 1. Mai 2012 in einem der Genannten (Rand-) Bezirke anzumelden und bei Zustimmung durch die Behörde diese zahlreich, lautstark und friedlich durchzuführen. Für Unentschlossene gibt es das Mittel der Eil- beziehungsweise der Sofortversammlung die unter die Kategorie der Spontanversammlung fallen.

Eilversammlungen sind anmeldepflichtig und zeichnen sich dadurch aus, dass der mit der Versammlung verfolgte Zweck bei Einhaltung der versammlungsgesetzlich vorgegebenen 48-Stunden-Frist nicht erreicht werden könnte.

Bei diesen Versammlungen beziehungsweise Demonstrationen bleibt die Anmeldepflicht grundsätzlich bestehen und es wird lediglich die gesetzliche Frist verkürzt. Hierbei fält die Entscheidung sich zu versammeln nicht unmittelbar mit der tatsächlichen Durchführung der Versammlung zusammen, so dass noch, wenn auch eingeschränkt, gewisse Vorbereitungsmaßnahmen(z.B. Fertigung von Transparenten) getroffen werden können.In aller Regel ist hier ein Veranstalter vorhanden, für den auch unter Nichteinhaltung der 48_Stunden-Frist noch die Möglichkeit und damit die Verpflichtung zu Anmeldung besteht. Notfalls kann auch eine telefonische Anmeldung über den polizeilichen Notruf 110 erfolgen.

Sofortversammlungen haben in der Regel keinen anmeldefähigen und damit auch -pflichtigen Veranstalter. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie aus aktuellem Anlass augenblicklich entstehen, der unmittelbare Beschluss sich zu versammeln mit der tatsächlichen Ausführung also unmittelbar zeitlich zusammenfällt.

Eine Anmeldung ist dann, ohne dem Sinn der Versammlung zu widersprechen (um der Anmeldepflicht nachzukommen, müsste die Veranstaltung aufgeschoben werden), nicht mehr möglich. (Quelle: Land Berlin, berlin.de)

Das Anmeldeformular für Demonstrationen und die dazugehörigen Merkblätter findet ihr im Internet unter: www.berlin.de/polizei/service/versammlung. html

Nun bleibt abzuwarten ob meinem eingereichten Antrag auf die „Ob rechts ob links – mir stinkt´s“-Demonstration stattgegeben wird. Im Fall einer Zusage werde ich den Ort und die Uhrzeit der friedlichen Zusammenkunft über Radio36.de sowie über eine Kreuzberger-Flugblattaktion bekannt geben.

Demonstriert zahlreich, lautstark und setzt Zeichen!

 




Nachgetreten – Wenn zwei sich streiten…

„Herrlich“ dachte ich als ich in den Tagen nach dem 1. Mai 2011 aus der Presse erfahren durfte, dass sich die Staatsdiener der Polizei, am Tag der Arbeit, gegenseitig auf die Fresse gehauen haben.

Für die von euch, die von diesem Ereignis bisher noch nichts erfahren haben, hier die Geschichte von Anfang an:

Am 1. Mai trafen sich, wie jedes Jahr, tausende Menschen rund um das Kottbusser Tor und in der Oranienstraße um diesen Tag ausgiebig zu feiern und gleichzeitig für mehr Gerechtigkeit am Arbeitsplatz zu demonstrieren (Und dies vor dem Hintergrund, dass Adolf Hitler Alias „18“, um dem Schwachsinn der Gesellschaft von missverständlichen Zahlencodes auf Kleidungsstücken gerecht zu werden, diesen Tag 1933 zum gesetzlichen und 1934 zum Nationalen Feiertag erklärt hat und der durch den späteren Alliierten Kontrollrat bestätigt wurde). Inmitten dieses friedlichen Volksfestes kam es dann am Rande zu folgender und wie ich finde, besonders amüsanten, aber dennoch zum Nachdenken anregenden, Situation: Der Ort des Geschehens, so berichteten es die Medien, lag unweit vom Kottbusser Tor in direkter Nähe zum Kottbusser Damm. Dort haben sich, inmitten der friedlich protestierenden Menge, zivile und uniformierte Polizeibeamte, sozusagen dienstlich gegenseitig auf die Schnauze gehauen. Den Sieg in diesem ungleichen Kampf trug die uniformierte, mit Kampfanzügen ausgestattete und mit Kampfgas und Schlagstöcken bewaffnete Mannschaft (des PSV/Scherz der Redaktion) vom Platz. Die in Zivil angetretenen Beamten wurden indes bis zur Dienstunfähigkeit traktiert und anschließend Erkennungsdienstlich erfasst. Zu gern hätte ich die dämlichen Gesichter der „Sieger“ gesehen als sie festgestellt haben, wem sie die Fresse poliert haben. Die in diesem Gefecht verletzten Beamten wurden ärztlich versorgt und waren an diesem Tag nicht mehr einsatzfähig.

Und nun zum inhaltlich wertvolleren Teil des Berichts. Diese an sich recht amüsante Situation zeigt einen Umstand auf, der seit Jahren für Diskussionsstoff sorgt aber weder von der einen Seite (Demonstranten) ausreichend bewiesen, noch von der anderen Seite (Staat) zugegeben wurde. Denn, wenn die Beamten in Zivil ein Verhalten an den Tag gelegt haben das ein derart hartes Eingreifen der Uniformierten Beamten rechtfertigte, beweist dies, dass sich die geschädigten Zivilbeamten vor Ort aufgehalten haben um als Provokateure eine illegale Aktion anzuzetteln oder sich zumindest an ihr beteiligt und somit eine Eskalationen der Situation gefördert haben. Haben die Zivilbeamte jedoch nur „friedlich“ ihren Dienst verrichtet und das Treiben der Massen beobachtet beweist es, dass einige geistige Einzeller der Polizei durchgedreht sind und grundlos Demonstranten und diesmal auch ihre eigenen Kollegen verprügelt haben. Egal wie man es dreht und wendet. Egal wie sich die Verantwortlichen wieder herausreden wollen. Das war ein Anschiss auf voller Linie der beweist, dass wir von charakterlichen Tieffliegern „bewacht“ werden. Und wer zahlt den ganzen Aufmarsch Uniformierter auf dem Niveau von Intensivtätern? Die Antwort auf diese Frage kann nun jeder für sich selbst herausfinden.

Fazit: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Und ick freu mir!