Müll – was war das doch gleich ? (Teil 2)

Wieso nicht verschwenderisch leben und nach dem Picknick einfach die Becher im Wald liegen lassen? Das Brotpapier aus dem fahrenden Auto werfen und die alten Klamotten beim nächsten Bauern auf den Misthaufen schmeißen. Ein Problem? Nein! Sondern alles nur eine Frage des Designs. Cradle to Cradle (Von der Wiege bis zur Wiege) heißt ein Konzept von Michael Braungart und William McDonough, das Produkte so konzipiert das alle verwendeten Materialien auf ihre Nützlichkeit für Mensch und Natur ausgerichtet sind. Es entsteht kein Müll mehr, denn alle Materialien werden entweder in biologische Kreisläufe als Nährstoff der Natur zurückgegeben oder aber zirkulieren in technischen Kreisläufen. Das Symbol der Idee ist der Kirschbaum, der in maßloser Verschwendung Blüten und Früchte im Überfluss produziert, dennoch gleichzeitig in jeder Phase seines Seins, nützlich für seine Umgebung agiert. Nichts geht verloren, verschiedenste Lebewesen profitieren von dieser Überproduktion, was dennoch nicht verbraucht wird, geht als Nährstoff in den Boden zurück und lässt neues Leben entstehen.

Wie wäre es, wenn auch der Mensch sich an diesem Kreislauf beteiligt? Denn es gibt sie schon, die Unterwäsche (Triumph) und T-Shirts (Trigema) die kompostierbar sind und frei von Giftstoffen. Teppiche und Bezugsstoffe ohne gefährlichen Abrieb und Ausdünstungen. Gebäude die Solarenergie verwenden und Lebensraum für andere Lebewesen bieten und dabei auch noch Luft und Wasser reinigen können.

Überlegungen, dass in der Zukunft Städte wie Wälder funktionieren und sich selbst den Jahreszeiten anpassen, sind keine reine Fiktion, sondern jetzt schon im kleinen realisiert. Nutzen wir endlich unser Wissen für den Aufbau einer lebenswerten Welt, anstatt permanent an ihrer Zerstörung zu basteln, alles andere wäre DUMM.

Doch wie soll dies praktisch funktionieren? In der letzten Ausgabe hatte ich angefangen zu beschreiben, wie „Cradle to Cradle“ sich definiert und welchen drei Hauptprinzipien es sich verpflichtet fühlt.

 

Abfall ist Nahrung

Nutzung erneuerbarer Energien

Unterstützung von Diversität (Vielfalt)

 

Dabei hatte ich die beiden Kreisläufe, die daraus entstanden sind, nur angerissen: den biologischen und den technischen. Wer den Kreuzberger nicht in die Finger bekommen hat, einfach unter www.derkreuzberger.de die Wissenslücke downloaden (Ausgabe April/Mai 2011 ).

 

Der biologische Kreislauf

Dieser ist im Prinzip eigentlich bekannt, denn so funktionieren unsere Ökosysteme in der Natur. Ein ständiger Kreislauf von Geburt und Tod, von Nutzung von Nährstoffen und ihrer Freisetzung. Es können die Küchenabfälle von Omi sein, die sie auf dem Kompost wirft, oder eben Becher, Verpackungen, Putzmittel, Kosmetika, Kleidung etc. Wichtig ist nur, dass die Materialien der Produkte gefahrlos in die Umwelt gelangen dürfen, da sie sich zu 100 Prozent zersetzen und wieder als Nährstoff für Tiere, Pflanzen etc. fungieren. So gesehen ist es auch kein geschlossener Kreislauf. Denn alle Materialien, auch wenn sie vorher in einem technischen Produkt beteiligt waren, können ihm beitreten. Solange sie nur die biologischen Kriterien erfüllen. Die Sitze des neuen Airbus 380 sind zum Beispiel so konzipiert, dass die Bezüge aus essbaren Materialien hergestellt wurden und dabei die gleichen nicht entflammbaren Eigenschaften und Festigkeit besitzen, wie die herkömmlichen Materialien. Gerade in Flugzeugen zirkulieren die Luftströme und können so schadstofffrei und ohne gefährliche Ausdünstungen ein neues Raumklima schaffen. Die Schadstoffbelastung soll in Gebäuden zum Beispiel 3 bis 8 mal höher liegen als außerhalb von geschlossenen Räumen! Wenn das kein Grund ist. Immer neue Innovationen können allein durch solch ein neues Designkonzept und die Verwendung von unschädlichen Bestandteilen, zum Austausch der alten, giftigen Produkte führen, ohne dabei auf den gewohnten Komfort zu verzichten. Es geht hier nämlich nicht um Verzicht sondern um Neugestaltung. Der Bereich der Verbrauchsgüter soll nach „Cradle to Cradle“ so angelegt sein, dass ihre Entsorgung ohne Recycling auskommt, denn sie fließen direkt wieder als Nährstoff in die Natur. Eine große Anzahl von Produkten stehen schon bereit und viele warten auf ihre Massenproduktion. Es liegt an den Konsumenten eine Entscheidung zu fällen, wo die Reise hingehen soll. Doch zu oft bekommt man von solchen Innovationen viel zu wenig mit. Deshalb liegt immer noch viel zu viel der Verantwortung in den Händen der Regierenden, weitsichtig Weichen zu stellen um die Firmen zu drängen Alternativen anzubieten die nicht krank machen. Verschiedene Steuersätze für schadstoffreiche und arme Produktionsverfahren und Produkte könnten da sehr gute Anreize schaffen. Leider scheinen sie zu selten den Blick fürs Ganze zu besitzen, daher ist es wichtig, dass jeder einzelne als Multiplikator fungiert, um die Verbreitung von Informationen zu beschleunigen. Nur ein umfangreiches Wissen schützt uns, von falschen Interessen vereinnahmt zu werden.

Ein Blick auf die Textil- und Verpackungsindustrie zeigt, dass dort ein irrsinnig großes Potenzial der Neugestaltung brach liegt. Denn Verpackungen werden nur bis zum Aufreißen gebraucht, danach haben sie ihren Zweck erfüllt. Sie werden weggeschmissen und wo sie zumeist landen, sehen wir in der Natur, den Parks, den Straßen und auf den großen Deponien. Wieso also nicht ein Material aus biologischem Nährstoff verwenden der der Natur keinen Schaden zufügt. Es ist im Prinzip nicht nachvollziehbar, warum Verpackungen für Produkte verwendet werden, die in ihrer Haltbarkeit, das Produkt selbst Jahrhunderte überdauern. Allein in diesem Bereich könnte man nicht nur Unmengen an Abfall einsparen, sondern würde gleichzeitig Nährstoff alsDünger dem Boden wieder zurückgeben können. Der Plastikbecher (aus Raps) mit Blumensamen versehen, sieht zwar immer noch nicht toll in der Natur aus, aber man wüsste er zersetzt sich und schon bald würden dort wo er lag schöne Blumen wachsen.

Alleine der Plastikmüll im Pazifik zwischen Amerika und Japan ergäbe eine Mülldeponie von der Größe Mitteleuropas. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Anteil von Plastik selbst mehrere hundert Meilen von der Küste entfernt, um ein mehrfaches höher liegt als organisches Leben. Durch die Wasserbewegung reibt es sich in immer kleinere Teilchen bis zur Planktongröße und wird von Fische und Vögel als Nahrung aufgenommen, diese verhungern, da das Plastik ihnen die Mägen verklebt.

 

Der technische Kreislauf

Hier sind wir im Bereich der Gebrauchsgüter wie Autos, Maschinen, TV, Kühlschränke, Fensterscheiben usw. Wie schon in der letzten Ausgabe beschrieben, werden Rohstoffe zu Produkten verarbeitet und nach Gebrauch weggeschmissen. Ihre Materialien sind zumeist nicht biologisch abbaubar und vergiften in der Regel bei ihrer Entsorgung die Umwelt. Gerade weil sie Materialien besitzen die von der Natur nicht aufgenommen werden, ist es umso wichtiger, dass sie in eigenen Kreisläufen zirkulieren und somit keinen Schaden anrichten können. Dennoch sind es wertvolle Materialien wie Metalle, Mineralien und Kunststoffe. Anstatt ständig den Nachschub dieser Materialien zu gewährleisten, konzipiert man die Produkte so, dass man sie nach Gebrauch wieder in ihre Ursprungsmaterialien zerlegen kann, um einerseits ihre Eigenschaften nicht zu verwässern und zum anderen aus den gleichen Bestandteilen ein neues Produkt als Endlosschleife herzustellen. Der Vorgang, von der Wiege bis zur Bahre, wäre somit durchbrochen. Man wäre so nicht mehr auf den ständigen Nachschub angewiesen, da die Rohstoffe für die Produktion zwischen Verbrauchern und Herstellern pendeln. Natürlich kommen sofort ein paar Fragen auf. Warum sollte ich meinen Teppich oder TV nicht einfach wegschmeißen wie immer? Ist doch so bequem.

Ganz einfach: Er gehört einem nicht mehr! Die Idee ist die, dass Gebrauchsgüter nicht mehr gekauft werden, sondern man kauft nur noch die Funktion, also bei einem TV das Fernsehen oder bei einer Scheibe 20 Jahre durchgucken. Das Gerät oder die Scheibe bleibt im Besitz des Herstellers, denn gerade weil das Produkt so konzipiert wurde, dass die Materialien jederzeit wieder für neue Produkte einsetzbar sind, entsteht das Interesse seine Rohstoffe zurückzubekommen. Für den Konsumenten sind sie eh nicht zu gebrauchen. Er hat sich den Fernseher gekauft um Tatort zu gucken, auf den Haufen Elektroschrott ist er eigentlich gar nicht erpicht. Gleichzeitig wird ihm die Bürde der Entsorgung genommen. Aber für den Produzenten bleibt er wertvoller Rohstoff. Darüber hinaus vermehrt die Firma permanent ihr Eigenkapital. Denn wie gesagt, bleiben die Rohstoffe, in Form eines TV, Teppichs, Stühle…, in ihrem Besitz und enden nicht wie sonst auf der Deponie. Sie sind somit Aktiva und keine Passiva. Der Stress, um auf dem Rohstoffmarkt bestehen zu können würde abnehmen, die Konkurrenzfähigkeit jedoch nicht, denn seine Rohstoffreserven liegen nur in Produkten ausgelagert beim Verbraucher. Dies könnte eine neue Unabhängigkeit und Planungssicherheit bei den benötigten Materialien schaffen, die sich letztendlich auch auf einen günstigeren Preis niederschlagen könnten. Die immer gleichen Bestandteile auf dem neusten Stand der Entwicklung. Beispiele aus Holland zeigen, dass die Firmen die das „Cradle to Cradle“ – Design umgesetzt haben, schwarze Zahlen schreiben. Denn die Wirtschaftlichkeit soll dabei nicht aus den Augen verloren werden, sondern ist fester Bestandteil des Konzepts. Firmen, die ihre Produktion umstellen wollen, sind natürlich erst einmal mit Kosten konfrontiert. Doch die Einsparungsmöglichkeiten die eine schadstoffreie Produktion ermöglicht, vom Wegfall von Arbeitsschutzbestimmung über Müll- und Abwasserreinigung und Entsorgung, sind immens. Die immer mehr Ökologisch orientierte Kaufentscheidung der Verbraucher sollten auch nicht vernachlässigt werden, sie wird mit jedem Umweltskandal steigen

 

Die ABC-X Kategorisierung

Ich hatte ja schon angedeutet, dass die meistens Substanzen die verwendet werden im Prinzip immer noch völlig unerforscht sind, was ihre Auswirkungen auf Umwelt, Tier und Mensch angeht. Daher entwickelte die EPEA (Forschung und Beratungsinstitut, der Gründer ist Prof.Dr. Michael Braungart) eine Methode, die diesen Einfluss untersuchte und in verschiedene Gruppen kategorisierte. Daraus entstanden vier Unterteilungen.

A –

alle hier geführten Substanzen, Materialien, Produkte sind OPTIMAL in ihrem Verhalten für Mensch und Umwelt, sie sind nützlich oder wirken unterstützend auf ihre Umgebung.

B –

steht für VERBESSERBAR, es besteht jedoch Spielraum für eine Weiterentwicklung, sie verhalten sich eher neutral und haben keinen Einfluss auf ihre Umwelt.

C –

sie sind TOLERIERBAR aber eben nicht optimal, da es jedoch noch keine Alternativen für sie gibt, muss man noch eine Weile warten bis die Entwicklung auch sie ersetzen kann.

X –

absolut INAKZEPTABEL, bei ihnen ist die Sache klar. Sie wirken zerstörend auf Mensch und Tier, sind krebserregend und reichern sich negativ im Körper an. Zu ihnen gehören zum Beispiel PVC, Kadmium, Blei, Quecksilber, aber auch die Atomenergie.

Diese X – Substanzen schon bei Entwicklung von Produkten wegzulassen, um eine Schädigung von vornherein auszuschließen, nennt Michael Braungart „Designfilter“ und gibt ein anschauliches Beispiel. Wenn man sich Freunde zum Essen einlädt, würde man auch darauf achten, keine Speisen zu servieren die krank machen oder Allergien auslösen. Das gleiche Bewusstsein sollte auch bei der Produktentwicklung zum tragen kommen.

Es soll ungefähr 80.000 definierte chemische Substanzen und technische Verbindungen geben, die heutzutage von der Industrie hergestellt und benutzt werden, doch nur etwa 3.000 wurden auf ihre Auswirkungen auf lebende Organismen untersucht. Wir spielen alle russisches Roulette! Wann legen wir die Waffe weg? Denn es gibt kein Erkenntnisproblem, es gibt ein Umsetzungsproblem!

Schon wieder habe ich es nicht geschafft alles unterzukriegen was ich sagen wollte. Viele Beispiele wollte ich noch anbringen, die simple und klar veranschaulichen welches Potenzial in diesem Konzept steckt. Nicht nur im Bereich der Produkte sondern auch im Hinblick auf unser Verhalten im Einklang mit der Natur zu leben. Ich hoffe ich kann euer Interesse aufrecht erhalten und mache euch neugierig auf mehr. Daher möchte ich gerne in den nächsten Ausgaben immer mal wieder eine „Cradlte to Cradle“ – Idee einfließen lassen oder noch ein paar Sachen ansprechen, die ich bisher nicht berücksichtigt habe. Vielleicht nicht mehr in dieser Ausführlichkeit, ich will es ja auch nicht übertreiben, aber wie gesagt reicht dieses Konzept in alle Lebensbereiche, so dass es permanent spannend für mich bleibt. Ich hoffe ich konnte euch ein wenig anstecken.

Geschrieben von bookfield




Müll – was war das doch gleich? (Teil 1)

In der letzten Ausgabe hatte ich angedeutet, dass ich näher auf ein Designkonzept eingehen möchte, dass die Welt verändern kann. Dieses nennt sich Cradle to Cradle (von der Wiege bis zur Wiege) und wurde von Michael Braungart und William McDonough entwickelt (http://www.braungart.com/). Der eine Chemiker und der andere Architekt. Ich hoffe, dass ich ihre Ideen in ihrem Sinne wiedergeben kann und versuche später noch aus meiner Sicht Überlegungen anzustellen, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen sich aus dieser neuen Sichtweise ergeben könnten. Leitfaden für diesen Artikel ist das Buch von den Beiden, dass ich nur wärmstens empfehlen kann. Es heißt „Einfach intelligent produzieren“ (ISBN 978-3-8333-0183-4). Hört sich trocken an, ist es aber nicht, sondern voll von innovativen Lösungen, die unsere derzeitigen Welt dringend benötigt.

Als Einstieg möchte ich die Behauptung aufstellen, dass der Mensch sich in der Regel nicht als Bestandteil der Welt begreift, sondern durch seine Fähigkeit zu Denken annimmt, sich in einer besonderen Stellung zu befinden. Diese Fähigkeit lässt ihn vermuten, er könne losgelöst von der Umwelt agieren. Inzwischen muss er sich eingestehen, dass seine Handlungen Auswirkungen haben, die ihn fast an die Grenze der Auslöschung seiner eigenen Existenz führten. Es gab die Zeit, da wollte er sich die Welt zum Untertan machen, obwohl dieses Denken immer noch weit verbreitet ist, mutiert er nun langsam zum großen Büßer, der Zerstörung und Leid über die Erde gebracht hat. In beiden Modellen hat er nicht begriffen, dass er einfach nur Bestandteil der Erde ist, nicht mehr und nicht weniger. Ja der Mensch lebt, verbraucht Sauerstoff, stößt CO2 aus, zerstört Dinge und baut welche auf. Er gehört zur Erde, zum Leben. Dieses Verspricht alles sterben zu lassen, was je geboren wurde. Wenn der Mensch etwas zerstört um zu leben, so macht er dies zumeist nachhaltig, jedoch nicht in dem Sinne wie die Natur es vor lebt. Denn eigentlich ist an diesem Vorgang nichts verwerfliches, wenn wir nur den Gesetzen der Natur vertrauen und folgen würden. Ein Hauptprinzip der Welt ist, nichts geht verloren und alles Verbrauchte wird als Nährstoff für andere wieder freigesetzt. Es existiert einfach kein Müll, es finden im Prinzip nur transformatorische Vorgänge statt. Abfallstoffe sind sogleich auch immer Nährstoffe für andere Lebensformen! Dadurch konnte eine Artenvielfalt entstehen, die sich allein durch die Nutzung von Sonne und den entstandenen Elementen, im permanenten Wandel befindet und am Leben erhält.Genau hier setzt Cradle to Cradle an.

Auf der Webseite der EPEA GmbH werden die drei Hauptprinzipien so gut beschrieben (http://epea-hamburg.org/index.php?id=47&L=4), das ich mir erlaubt habe, sie 1-1 zu übernehmen. Zum Verständnis, der Gründer der EPEA ist Prof. Dr. Michael Braungart, die EPEA selbst ist ein internationales Forschungs- und Beratungsinstitut, das durch öko-effektives Design die Qualität und den Nutzwert von Materialien, Produkten und Dienstleistungen optimiert.

 

Abfall ist Nahrung

Die Prozesse jedes an einem lebendem System beteiligten Organismus‘ tragen etwas zur Gesundheit des Ganzen bei. Die Blüten eines Baumes beispielsweise, seine „Abfälle“, fallen zur Erde, wo sie abgebaut und so zur Nahrung für andere Organismen werden. Mikroben etwa ernähren sich von dem organischen „Abfall“ und deponieren wiederum Nährstoffe im Erdboden, die dem Baum erneut zugutekommen. Der „Abfall“ des einen Organismus ist Nahrung für einen anderen. Menschliche Pläne, die diesem Nährstoffzyklus nachgebildet sind – Zyklen, in denen Müll in dem Sinn nicht mehr vorkommt, – bilden die Grundlage der Materialfluss-Systeme, die ein integraler Bestandteil der Cradle to Cradle® -Produktionsweise sind.

 

Nutzung erneuerbarer Energien

Die erste industrielle Revolution schöpfte ihre Energie vorwiegend aus dem Reservoir der Vergangenheit; sie nutzte fossile Brennstoffe, die Millionen von Jahren zuvor entstanden waren. Die Atomenergie belastet die Zukunft mit Hypotheken und schafft für viele künftige Generationen hochgefährliche Verpflichtungen. Systeme jedoch, die durch Sonnenenergie angetrieben werden, nutzen die Energie von heute, ohne die Zukunft unserer Kinder nachhaltig zu belasten. Die Konstruktion von Produkten und Systemen kann die natürliche Energie der Sonne auf vielerlei Weise gewinnbringend und produktiv einsetzen. Das direkte Auffangen der Sonnenenergie ist eine Möglichkeit. Die Windkraft, die durch Thermik infolge des Sonnenlichts erzeugt wird, ist eine weitere Quelle, ebenso wie Biomasse und andere Energiequellen.

 

Unterstützung von Diversität

Natürliche Systeme funktionieren und gedeihen durch Komplexität. Verglichen mit den Standardlösungen der industriellen Revolution und der in der Globalisierung so geschätzten Einförmigkeit, fördert die Natur eine unendliche Vielfalt. An die Produktion von Gütern muss letztlich mit vielfältigen Ansätzen herangegangen werden.Sich auf ein einzelnes Kriterium zu konzentrieren, schafft Instabilität im größeren Kontext und repräsentiert das, was wir einen „Ismus“ nennen: eine extreme, völlig von der Gesamtstruktur losgelöste Position.

Das ist der Leitfaden den sich Cradle to Cradle verpflichtet fühlt und aus dem zwei Kreisläufe erstellt wurden. Zum einen wird der schon seit ewigen Zeiten bestehende biologische Kreislauf genutzt oder besser, es wird wieder aktiver an ihm teilgenommen und ein, in dem Geiste, adaptierter technischer Kreislauf erstellt. Jedes Produkt wird schon konzeptionell darauf ausgerichtet, dass seine Materialien entweder dem einen oder dem anderen unterworfen sind und somit wieder zu 100% zurückgeführt werden können. Das bedeutet das Produkte von Anfang an im Hinblick auf ihren gesamten Lebenszyklus entwickelt werden. Hier wird nicht versucht sich etwas anzunähern, sondern man bewegt sich in geschlossenen Kreisläufen. Dies bedeutet im Hinblick auf das Produkt nicht Effizient zu sein, sondern Effektiv, ein gravierender Unterschied, den ich noch erklären werde.

Das Problem der heutigen Wirtschaft (auch der meisten ökologischen) ist, dass sie Materialien aufwenden um ein Produkt herzustellen, was nach Gebrauch weggeschmissen wird. Michael Braungart nennt den Vorgang „ Von der Wiege bis zur Bahre“. Es wird ein Rohstoff zugeführt, dann zu einem Produkt verarbeitet, benutzt und dann weggeschmissen. Die entstandene Knappheit der Ressourcen und die Verwendung von Giftstoffen in den Produkten regte zum nachdenken an. Nicht nur die Ökobewegung versuchte nun, entweder die Materialien schadstoffärmer zu machen (um sie dann wegzuschmeißen) oder die Materialien (nachdem sie weggeschmissen wurden) nochmals irgendwie zu nutzen (Recycling). Doch was steckt hinter dieser Herangehensweise. Der Mensch begreift sich weiterhin als Fremdkörper in einem (damals) intakten System, dass er durch seine Anwesenheit und seinen Verbrauch zerstört. Nun glaubt er die Aufgabe zu haben, es wieder in Ordnung zu bringen (oder auch nicht). Er tut nun Buße und versucht weniger schädlich für die Umwelt zu agieren, also effizienter zu werden, was nichts anderes heißt, langsamer zu zerstören. Was wäre wenn er nicht für oder gegen sie, sondern in Ihrem Sinne handeln würde. Was wäre wenn Produkte so konzipiert würden, dass sie zu 100% zurückgeführt werden könnten. Es gibt nur ein Lebewesen was Müll produziert, dass ist der Mensch, wieso also handeln wir nicht wie der Rest derWelt, maßlos und verschwenderisch, jedoch absolut Umweltverträglich, denn Müll wäre Rohstoff. Ein ganz neuer Denkprozess könnte eingeleitet werden, denn nun könnten wir an der Maßlosigkeit der Natur teilhaben. Ein schöner Satz in dem Buch heißt „Weniger schlecht – ist nicht gut“. Dies beschreibt sehr gut den Denkfehler, den viele machen, um auf die industrielle Zerstörung zu reagieren. Der Versuch effizienter zu handeln, bedeutet eben nur weniger Energie zu verbrauchen, weniger Schadstoffe in die Welt zu pusten, zu reduzieren, zu vermeiden usw, doch es bleibt die gleiche Handlung, nur eben weniger. Dies hört sich so an, wie wenn ich gegen Gewalt bin und meine Frau anstatt 5 mal die Woche, „nur“ noch 2 mal die Woche schlage und dies als bedeutenden Fortschritt gegen Gewalt verkaufen will. Wie wäre es, mit dem Schlagen komplett aufzuhören. Es geht nicht darum Prozesse zu verlangsamen, sondern zu beseitigen, um sie zu ersetzen. Michael Braungart sagt dazu: „Wenn ein System zerstörerisch ist, sollte man nicht den Versuch machen, es effizienter zu gestalten. Stattdessen sollte man Möglichkeiten finden, es vollständig umzukrempeln, so dass es effektiv wird.“

Hier kommt der qualitative Unterschied von Effektivität zum tragen, wir dürften nämlich konsumieren, verbrauchen, verschwenden, genießen, denn jegliches Handeln würde nun im Einklang mit der Natur geschehen.

Wie könnte es aussehen, wenn kein Müll mehr anfällt!? Kein schlechtes Gewissen beim Picknick etwas zu hinterlassen. Verpackungen wären so konzipiert, dass sie gefahrlos weggeschmissen werden könnten, da sie sich zersetzen und als Humus für Pflanzen dienen. Wir verbrauchen nichts mehr sondern gebrauchen, nach dem Gebrauch wird alles wieder einem der beiden Kreisläufe zugeführt. Der Plastikbecher (aus biologisch abbaubaren Stoffen) könnte wie eine Bananenschale einfach verrotten und würde nicht Jahrzehnte oder länger die Landschaft verunstalten und vergiften, sondern als Rohstoff für Pflanzen wieder zu Verfügung stehen. Kleidung wird zu Humus, da sie nur bio-logische Farben und Stoffe enthält, Häuser würden CO2 absorbieren und Lebens-raum für andere Lebewesen bereitstellen und so weiter.

Welche Möglichkeiten jetzt schon bestehen, vom Becher bis zu Häuserkomplexen, möchte ich in der nächsten Ausgabe vertiefen. Dort werde ich noch mal genauer auf die beiden Kreisläufe eingehen und anhand von Beispielen die unglaublichen Perspektiven darstellen, die sich daraus entwickeln könnten. Wir leben in einer Welt, in der der Kampf um die Rohstoffe voll im Gange ist. Kriege werden um sie geführt, Menschen werden ausgegrenzt, es wird von Überbevölkerung gesprochen. Der Gedanke es wäre nicht genug für alle da, zerstört das Zusammenleben. Das Beispiel der Ameise, die von ihrer Masse her 4-6 mal höher ist, als die des Menschen (das entspricht ca. 30 Milliarden Menschen) ohne dabei die Erde zu zerstören, sollte uns zum nachdenken bringen.

Dann bis zum nächsten Mal mit unglaublichen Beispielen, für eine Welt für alle Lebewesen!

Geschrieben von Bookfield

 




Cradle To Cradle Die nächste industrielle Revolution!

Wir sind heute mit vermeintlichen Problemen konfrontiert, die uns nicht selten in einer Schockstarre und einem Gefühl der Hilflosigkeit zurücklassen. Deshalb will ich euch noch einen kleinen Vorgeschmack machen, auf die nächste Ausgabe. Dort möchte ich eine Bewegung vorstellen, die ohne zu übertreiben, die Welt revolutionieren könnte, ohne unseren Lebensstandart massiv zu verändern und dennoch für alle Menschen auf der Welt anwendbar ist. Ich bin sogar der Meinung, sie wird es und sie wird tiefgreifendere Einschnitte für die Menschheit haben, als alles andere was bisher geschehen ist. Nun gut, das hört sich jetzt ein wenig pathetisch an, aber ich bin nicht der Meinung dass ich übertreibe, denn die Lösung ist so banal wie genial und ist so alt wie die Geschichte unseres Planeten selbst.

Die Bewegung heißt Cradle to Cradle von Michael Braungart und William McDonough. Obwohl ich den beiden nicht zu nahe treten möchte, sind sie dennoch nur ein Baustein (sicherlich zwei sehr bedeutende). Entscheidend für den Erfolg und das Überleben der Menschheit ist jedoch, wie viele sich letztendlich daran beteiligen, also auch Du und Ich. Es gibt keinen Unwichtigen, alle dürfen dabei sein und sind erwünscht.

Der Tragende Gedanke ist, dass der Men-sch zur Welt gehört, und diese Welt wirft nichts weg. Es gibt keinen Müll, es gibt nur Rohstoffe und alles funktioniert in Kreisläufen, nichts geht verloren. MÜLL = ROHSTOFF! Diese Handlungsweise, die die Welt seit Jahrmillionen praktiziert, wurde nun in unsere moderne Zeit gebracht und in Anlehnung an den biologischen Kreislauf, auch ein technischer Kreislauf entwickelt, mit gleichen/ähnlichen Eigenschaften und es ist ein Prozess, es können immer mehr Materialien integriert oder ersetzt werden. Die Idee ist also uralt und ist eigentlich keine Idee, sondern die einzige logische Handlung, die diese Welt am Leben halten kann oder sagen wir mal so, noch für den Menschen bewohnbar belässt. Diese Handlung, ist in der Natur sichtbar in allen Kreisläufen die in ihr entstehen oder entstanden sind. Jetzt ist es Zeit, das wir uns besinnen und uns der Weisheit der Natur wieder anschließen, wir gehörten immer schon zu ihr. Mit einer Verweigerung dieser Erkenntnis haben wir die Erde und die Menschheit bis zum Abgrund geführt! Der Erde ist es egal, ob Menschen darauf vegetieren oder nicht, sie wird uns überleben. Es liegt also an uns, ob wir noch daran teilhaben wollen oder nicht. Werden wir enden wie der Parasit der sein Wirttier aufrisst oder nehmen wir wieder Teil an dem größten ökologischen Kreislauf denes gibt, den der Erde!

Wenn wir uns mal vergegenwärtigen, dass die Masse der Ameisen, um das 4-6 fache höher ist, als die der Menschen und sie schon seit ewigen Zeiten auf diesen Planet verweilen ohne die Welt in irgendeiner Weise dabei geschädigt zu haben. Es ist schon verwunderlich was der Mensch innerhalb eines Jahrhunderts so alles anstellt, um seinen Exodus vorzubereiten. Beteiligen wir uns also weiterhin am kollektiven Selbstmord oder erkennen wir, dass wir nie von unserer Welt getrennt waren und beginnen wir in diesem Geist zu handeln.

Gut! Das hört sich jetzt wieder nach Verzicht, moralischem Handeln, einer neuen Ideologie, Unwirtschaftlichkeit oder nach irgendetwas an, nur nicht nach Spaß. Alles dies trifft nicht zu, es wird hier kein -ismus gegen einen anderen ausgetauscht oder auf die Vernunft der Menschheit gesetzt (bringt eh nichts). Nein es ist wirtschaftlich, der Lebensstandart könnte gehalten werden, es beruht auf Nachhaltigkeit und dies für alle Menschen. Als Zugabe gibt’s noch eine schadstofffreie Welt, ohne Giftstoffe oben drauf. Tja und wie das genau gehen soll, versuche ich in der nächsten Ausgabe zu vermitteln.Wer jedoch neugierig geworden ist, dem möchte ich auf das „Cradle to Cradle“-Festival hinweisen, was zur Zeit in Berlin stattfindet.

Geschrieben von bookfield