18. Lange Buchnacht in Kreuzberg am 4. Juni 2016

Unter dem Motto: Feingeistin meets Revoluzzer treffen zur 18. Lange Buchnacht am 4. Juni 2016 eine Autorin und ein Autor aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Beide verbindet jedoch die Leidenschaft die Gesellschaft zu hinterfragen. Anna Marin bietet mit ihrem Werk „Wir gehen jetzt!“ Tiefgründigkeit und Triviales und Oliver Jung steht mit seinem Buch „Horch & Guck – Meisterspione a. D.“ für Systemkritik und Revoluzzergeist.

Um 18 Uhr liest der Schauspieler und Sprecher Hubert Burczek aus dem Buch „Horch & Guck – Meisterspione a. D.“ von Oliver Jung. Die Geschichten entsprechen nicht immer der Wahrheit, sind aber, selbst wenn nur der Fantasie des Autors entsprungen, zu nah an der Wirklichkeit, als dass sie als unmöglich erscheinen könnten.

Im Anschluss daran liest um 19 Uhr die Zeichnerin und Autorin Anna Marin aus ihrer Graphic Novel „Wir gehen jetzt!“ und erzählt von sechs Begegnungen zweier Menschen, zwischen Mühe und Leichtigkeit, von Ärger bis Verschmelzung, auf einer immer wechselnden Strecke an Nahe und Distanz, mit wachsender oder schwindender Übereinstimmung. Die Zeichnerin wurde für ihr Buch „Wir gehen jetzt!“ mit dem Mart Stam Preis prämiert. Als präzise Beobachterin bringt sie Bilder und Worte zu Papier, in denen sich die Betrachter_innen wiedererkennen können. Humorvoll, mit ihrem ganz eigenen zeichnerischen Stil macht sie alltägliche Begebenheiten und menschliche Reaktionen zum Thema ihrer Geschichten. Eigentlich unspektakuläre Vorkommnisse zeugen von den tiefgründigen Problemen wie Nähe und Distanz, Kompromissen und Einsamkeit.

Veranstaltungsort: Müßiggang, Second Hand Buchhandlung, Oranienstraße 14a (Heinrichplatz), 10999 Berlin-Kreuzberg SO 36

Kontakt Anna Marin
Web: www.annamarin.info
Mail: annamarin@annamarin.info

Kontakt Oliver Jung
Web: www.draufhauverlag.de
Mail: info@draufhauverlag.de
Telefon: 0175 4275825

Sprecher Hubert Burczek: http://burczek.de/




Horch & Guck: Auf und davon

Horch saß in seinem Sessel und drehte sich gerade einen Joint, als Guck das Büro betrat.

Mit provokanter Stimme fragte Guck: »Na, so früh am Tag schon wieder am kiffen?«

Gelassen antwortete Horch »Was heißt hier so früh am Tag, es ist zwölf Uhr und das ist mein dritter Joint.«

Guck hakte nach: »Seit wann bist du wach?«

»Seit neun.«

»Und da hast du schon den dritten Joint am brennen?«

Horch zuckte mit den Schultern und erwiderte: »Was haben ich denn noch zu verlieren außer ein paar Gehirnzellen? Die Rente reicht vorne und hinten nicht. Der Kreuzberger stellt den Betrieb auf Sparflamme und benötigt für die Recherche bis auf Weiteres keine Geheimdienstinformationen mehr von uns und außerdem muss ich das ganze Grass noch wegrauchen bevor wir nach Spanien fliegen – wegschmeißen tu ich es ganz bestimmt nicht!«

»Na ja warte mal ab, vielleicht sind wir auch schneller wieder zurück als dir lieb ist. Wenn wir keine Arbeit finden, die uns über Wasser hält, sind deine Pläne unter der Sonne des Südens alt werden zu wollen und irgendwann dort den Arsch zu zukneifen ganz schnell Geschichte und wir sitzen wieder hier.«

Energisch erwiderte Horch: »Ich werde alles daran setzen, dass dies nicht geschieht! Zur Not lecke ich der Sachberarbeiterin vom Arbeitsamt in Spanien am Arsch und versichere ihr das es nach Schokolade geschmeckt hat!«

»Bah, immer wenn du kiffst, wirst du ordinär.«

»Vielleicht, aber ganz sicher habe ich meinen unabdingbaren Willen verdeutlicht, alles zu unternehmen, dass wir irgendwann entspannt, jeder mit einer Chica im Arm, am Strand liegen und Schröder seine tägliche Wurst unter einer schönen Palme abdrücken kann.«

»Was muss eigentlich noch alles erledigt werden?«, fragte Guck.

»Hm, lass mich mal auf die Liste schauen: Das Lager ist geräumt, die AK-47 und das Gastgeschenk von Mai Ling und Früh Ling, das Sechserpack Handgranaten, habe ich im Wald verbuddelt, die Gerätschaften sind alle ausgeschaltet und vom Netz getrennt, die Koffer sind gepackt und die paar Penunsen, die ich noch hatte, habe ich von der Bank geholt… und die Flugtickets sind am Flughafen hinterlegt.«

»Sehr gut, dann können wir uns ja entspannt zurücklehnen.« Guck setzte sich in seinen Sessel und fuhr fort: »Ich habe in den letzten Tagen einige Leute getroffen, die mich schief angeschaut haben, als ich ihnen von unseren Plänen erzählt habe.«

»Ach, was die sagen, da scheiße ich drauf. Ich schaue nach vorne und wenn wir in ein paar Monaten wieder hier stehen sollten, ist der Hohn und der Spott der Neider mein geringstes Problem.«

Guck schaute verwundert und fragte: »Wieso welches Problem kratzt dich mehr?«

Horch guckte seinen Freund eindringlich an: »Welches Problem mich mehr kratzt? Da fragst du noch? Natürlich wieder hier zu sein! Aber nicht wegen dem Hohn und dem Spott der Neider, sondern wegen den ganzen Idioten, die mittlerweile nicht nur den Kiez, sondern gefühlt bereits das ganze Land besiedeln und mit ihrem asozialen Verhalten das gesellschaftliche Miteinander nahezu unmöglich machen. Schau dich doch um. Die Gesellschaft prügelt auf die Drogendealer im Görlitzer Park ein, die nur das Produkt des gesellschaftlich gelebten asozialen Verhaltens sind. Dazu kommt das scheiß Wetter. Seit Jahren quatschen die Öko-Nazis von Erderwärmung, Überschwemmungen und vernichtenden Wirbelstürmen. Ich frag dich: Wo ist all das? Wo ist die Erderwärmung, die uns das ganze Jahr über gemütlich warme Temperaturen bescheren würde, wo sind die Überschwemmungen, die das Umland von Berlin in die Costa Brava Nordeuropas verwandeln könnten und wo sind all die Wirbelstürme, die die landesweit verstreuten Arschlöcher hinweg fegen würden? Wo ist das alles? Nichts davon wird so Zeitnah auftreten, dass ich es noch erleben dürfte. Genauso wenig wie das Waldsterben, das ja angeblich Deutschland bis Mitte der 1990er Jahre Baum frei werden lassen sollte. Tausende besoffene Autofahrer, die sich um irgendeinen, im Weg stehenden Alleebaum gewickelt haben, wären vermutlich noch am Leben und dankbar, wenn diese Panikmache einiger Hetzer Realität geworden wäre.«

»Schießt du da jetzt nicht ein wenig über das Ziel hinaus?«

»Ja, na klar. Du weißt doch ganz genau was dich erwartet, wenn du dieses Thema ansprichst, selbst Schuld. Mir schwillt nun mal der Hals und platzt der Arsch, wenn ich über diese landesweite Egalhaltung des Volkes nachdenke. Alle sind sie am herummeckern, »so kann es nicht weitergehen«, »es muss sich etwas ändern« und »die Politik ist Schuld«. Verdammte Scheiße klar kann es nicht so weitergehen, klar muss sich etwas ändern und klar ist auch, dass die Politik Schuld ist, aber wer legitimiert diese Volksverräter den? Es sind doch jedes Mal die gleichen bescheuerten Wählerinnen und Wähler die zur Wahlurne rennen und mit ihrem Kreuz an der »richtigen Stelle« ihr Schicksal besiegeln, anstatt die Urne zu nehmen und sie den Verantwortlichen für die Miesere über den Schädel zu ziehen. Du hast es doch live miterlebt, wie lächerlich sich die ach so starke westliche Gemeinschaft mit ihren Drohungen gegenüber Wladimir Putin gemacht hat. Mit jedem Schachzug den Merkel, Obama und Co. gegen Putin geführt haben, hat er sie mit seinen Reaktionen einem Schach Matt immer ein Stück näher gebracht, bis er am Ende – natürlich im übertragenen Sinn gesprochen – wie ein Schuljunge, der einer Bestrafung entkommen ist, aus sicherer Entfernung ganz frech die Hosen herunter gezogen und seinen Berufskollegen den blanken Arsch gezeigt hat. Wir werden von volksfernen, überheblichen Nichtskönnern regiert. Wann versteht das Volk diese Tatsache endlich? Ein weiteres Beispiel für die Volksverarschung ist das endlose Geschwafel über die Eröffnung, Nicht-Eröffnung, den Umbau oder Total-Neubau vom BER-Flughafen. Das geht den Leuten langsam auf die Eier. Die sind bald soweit, dass sie sagen: Reißt das ganze Scheißding bloß ab, dann haben wir wenigsens Ruhe in dem ledigen Thema.«

Guck warf ein: »Pass mal auf, am Ende krallt sich unser beliebter Bürgermeister Wowereit das alte NSA-Gelände mit der Abhöranlage auf dem Teufelsberg und baut dort seinen rosa roten königlichen Palast nach spät römisch dekadenten Vorgaben und reißt sich zudem noch den BER unter den Nagel und macht seinen Privatflughafen daraus um Geschäftsleute, wichtige Freunde und seine zahlreichen Party-Gäste dort landen zu lassen.«

»Na klar, und ich arbeite dann als 1,50 Euro-Jobber und darf ihm mit dem Palmwedel frische Luft zu wedeln – wegen der Erderwärmung und so.«

»Nee die Luft wedel ich ihm zu, du hast die ehrenvolle Aufgabe des Majestäts Rosette immer schon gleitfähig zu halten, damit die ganzen politischen Arschkriecher um ihn herum es nicht so schwer haben ihm in den Arsch zu kriechen.«

»Du sagst ich bin ekelig? So ein Duktus aus deinem Mund. Pfui spinne ich kotz gleich!«

»Komm, stell dich nicht so an. Oder soll ich noch mal die Geschichte mit Merkel und Sarkozy aufwärmen.«

»Um Himmels Willen, bloß nicht! Die Abhöraktion steckt mir heute noch in den Knochen und ich kann von Glück reden, dass ich keine bleibenden seelischen Schäden davongetragen habe«, erwiderte Horch.

»Ich habe dich damals im Vorfeld gewarnt, dass es unschöne Szenen geben könnte.«

»Ja, aber wer konnte den ahnen, dass die beiden es, bei all dem was wir bereits im Leben durchgemacht haben, auf die Spitze treiben würden und….«

»Ja?«

»Na ja, du weißt schon.«

Guck grinste und fragte: »Nein, ich weiß nicht.«

»Du willst doch nur das ich es ausspreche.«

Guck fragte scheinheilig: »Wie? Was denn?«

»Na ja, dass die beiden…«

»Was haben die beiden?«

»Jetzt stell dich nicht so an, über meine Lippen kommt kein Wort.«

»Weil du es nicht kannst, weil du dann wie beim letzten Mal, als wir das Thema hatten, wieder das Frühstück auf den Teppich brüllst!«

»Nein, weil du Idiot deinen Kaffee über das Beweismaterial geschüttet hast, haben wir keinen Beweis dafür, dass die beiden sich, sage ich es mal vorsichtig, näher gekommen sind. Ich habe schon die Schlagzeilen gesehen: Sarkozy und Merkel erwischt beim F…«

»Vorsicht, pass auf! Du weißt nicht, ob der BND hier wieder irgendwelche Wanzen versteckt hat und dich dann dran kriegt wegen übler Nachrede oder falscher Behauptungen.«

»Wir sind unter uns, ganz sicher. Ich habe beim Aufräumen den alten Scanner gefunden, den mir Osama bei einem unserer letzten Treffen geschenkt hat. Der findet alles, sogar die neueste Generation der CIA-Wanzen.«

»Echt? Den habe ich schon gesucht.«

»Keine Sorge ich habe ihn eingepackt. Man weiß ja nie, wo wir noch überall landen.«

»Davon abgesehen ist die Politik in Spanien auch nicht besser als hier.«

»Auch wenn du damit wieder vom Thema ablenkst, da hast du Recht, aber das menschliche Miteinander ist weitaus ausgeprägter als hierzulande. Es wird nicht leichter, ganz im Gegenteil, aber lieber versuche ich es noch ein Mal auf die alten Tage und falle bei dem Versuch, dem Leben eine neue Richtung zu geben, auf die Schnauze, als dass ich mich immer wieder fragen muss, ob es nicht doch besser gewesen wäre den Versuch zu wagen und ich glaube dir geht es da ganz genauso.«

»Was machen wir eigentlich, wenn wir wieder zurückkommen?«

»Ich weiß nicht. Ich würde vorschlagen, wir gehen dann erst einmal zum Jobcenter, melden uns zurück und warten mal ab,was das Leben noch so bereit hält. Ich werde es dann auf jeden Fall ganz entspannt angehen lassen. In den vergangenen Jahren habe ich mir hier genug den Arsch aufgerissen um selbigen irgendwie an die Wand zu bekommen.«

»Da hast du Recht. Wir haben viel versucht und bei den zahlreichen Versuchen auch vieles erlebt, was unseren Erfahrungsschatz erweitert hat, aber es war auch ein harter Weg diese Erfahrungen zu sammeln.«

»Es hört sich jetzt vielleicht ein wenig arrogant an wenn ich sage, dass wir uns mit dem, was wir im Leben an Erfahrungen und Wissen gesammelt haben, wir uns nicht mehr jeden Scheiß antun und nicht jeden Scheiß von irgendeinem lebensunerfahrenen Jobcenter-Mitarbeiter anhören müssen. Und bevor ich jetzt noch anfange mich über die anderen Mitarbeiter des Regimes aufzuregen, lass uns lieber noch mal kurz, jeder für sich, in uns gehen und überlegen ob wir irgendetwas vergessen haben. Der Flug geht in drei Stunden und wir müssen noch das Taxi bestellen.«

»Na dann mach mal. Ich hoffe der ganze Kram passt ins Auto.«

»Ich werde ein Großraumtaxi ordern, dann passt das schon. Du kannst schon mal mit dem Heruntertragen anfangen, das Taxi wird nicht lange brauchen bis es hier ist.«

Horch bestellte das Taxi, nahm seinen Seesack und schaute sich noch einmal um. Wehmütig verließ er das Büro und schloss die Tür hinter sich ab. Das war es, dachte er bei sich, wieder ein Kapitel im Leben, das ein Ende gefunden hat.

Ob Horch und Guck in Spanien Arbeit finden und gemeinsam mit Schröder ihren Lebensabend dort verbringen und welche Abenteuer sie dabei erleben oder ob sie vielleicht widerwillig zurückkehren müssen erfahrt ihr Anfang Juli 2014 unter:

www.derkreuzberger.de

Geschrieben von Oliver Jung




Horch & Guck: Auf dem Teufelsberg

Es war Donnerstag und ein herrlicher Sommertag. Die Sonne schien an einem strahlend blauen Himmel, und Horch und Guck saßen in der S-Bahn, die sie bis zum Bahnhof Heerstraße und somit auch in die Nähe vom Teufelsberg bringen sollte.

»Wann fängt die Führung an?«, fragte Guck: »Welche Führung?«, schaute Horch seinen Freund fragend an.

»Na, die vom Teufelsberg.«

»Heute gibt es keine Führung. Die finden nur am Wochenende statt.«

»Und was sollen wir dann heute da?«, fragte Guck erstaunt.

»Wie? Was sollen wir da? Wir schauen uns die alten Anlagen an.«

»Wie willst du da reinkommen? Das Gelände wird bewacht.«

»Der ist aber nicht immer vor Ort, und das Schloss am Eingang wird ja wohl kein Problem darstellen. Das habe ich ruck zuck auf.«

»Du willst dort einbrechen?«, fragte Guck erschrocken.

»Nenne es, wie du willst. Ich will einfach nur frei von Touristenführungen die Ruhe genießen und in Erinnerungen schwelgen. Und nun sortiere deine Knochen, wir müssen an der nächsten Station raus.«

»Ich fasse es nicht. Du fragst mich, ob ich Lust auf einen Ausflug habe, und nimmst mich mit zu einem Einbruch!«

»Stell dich doch nicht so an. Es ist ja nicht der Tresor von Fort Knox, sondern nur eine schäbige alte Ruine, in die wir einbrechen. Da werden die uns schon nicht für jagen. Außerdem, bis die Zehlendorfer Bullen aus ihren Startlöchern kommen, sind wir längst wieder weg.«

Der Zug hielt im Bahnhof Heerstraße. Horch und Guck verließen den Zug und begaben sich auf den Weg zum Teufelsberg. Vorbei an den Villen, liefen sie die Teufelsseestraße entlang. Aufgrund der Tageszeit waren kaum Menschen unterwegs.

»Eine herrliche Ruhe ist das hier. Das ist auch mal eine schöne Abwechslung zu dem Trubel in Kreuzberg«, unterbrach Horch die Stille.

»Da ist was dran. Obwohl der Görlitzer Park auch schön ist, aber die Luft hier ist wunderbar«, antwortete Guck und atmete tief durch.

Kurz darauf erreichten sie den Teufelsberg, und die dortige ehemalige Radar- und Abhöranlage der Alliierten.

»Na, hier sieht es ja aus! Und hier soll es einen Wachdienst geben? Was macht der? Schlafen? Also schlimmer als die vorherigen Besucher können selbst wir das Areal nicht hinterlassen. Es ist ja schon alles im Arsch«, merkte Horch an, als er die Gebäude erblickte.

»Hm, da hast du wohl Recht. Sieht wirklich heruntergekommen aus. Ich dachte, hier wollten Investoren ein Hotel errichten. Was ist denn aus dem Projekt geworden?«, fragte Guck.

»Was daraus geworden ist? Das kann ich dir sagen«, antwortete Horch. »Einige Stadtväter wollten mal wieder besonders dicke Eier zeigen und sich mit einem Weltstadt-Projekt brüsten. Sie haben das Gelände damals für 5,2 Millionen D-Mark an eine Kölner Investorengemeinschaft verkauft. Aber die waren finanziell nicht in der Lage, dieses Projekt in die Tat umzusetzen und haben Insolvenz angemeldet. Obwohl ich die Idee von einem Hotel mit Tagungszentrum, Wohnungen, Restaurants und einem Spionagemuseum gar nicht so schlecht fand. Insbesondere das Spionagemuseum. Ich hätte zu gern gewusst, ob der ein oder andere Fall, an dem wir beteiligt waren, dort dokumentiert worden wäre. Und vor ein paar Jahren wollte die Maharishi Stiftung das Gelände kaufen, um eine Universität zu errichten. Mit einem fünfzig Meter hohen Turm! Aber auch die haben kalte Füße bekommen, beziehungsweise vermutlich zu wenig finanzkräftige Anhänger, um die, das Gelände belastenden Hypotheken von dreiunddreißig Millionen Euro und den Neubau ihrer Universität berappen zu können.«

»Und nun?«, fragte Guck.

»Und nun? Nun weigert sich der Senat, der das Gelände seinerzeit zu einem Spottpreis verkauft hat, es für dreiunddreißig Millionen Euro zurückzukaufen. Verständlich, aber angesichts dessen, dass der Quadratmeterpreis mit siebenhundert Euro für die Lage immer noch günstig ist, eigentlich lächerlich, wenn man sich überlegt, was der Flughafen Schönefeld für Unsummen verschlungen hat und über die nächsten Jahre noch verschlingen wird.« Horch schaute sich um. »Dort vorne ist der Eingang. Du hast die Wahl, entweder suchen wir ein Loch im Zaun, oder wir nehmen den Haupteingang.«

»Was machen wir, wenn der Wachschutz heute ausnahmsweise mal nicht pennt?«, fragte Guck besorgt.

»Dann wird mir spontan ein Plan einfallen. Also was nun? Loch im Zaun, oder Schloss knacken und direkt durch den Haupteingang?«

»Wenn schon, denn schon. Knack das Schloss, ich habe keine Lust hier durch den Wald zu kriechen, wie ein jugendlicher Abenteurer.«

Innerhalb von Sekunden hatte Horch das Schloss mit einem Spezialschlüssel geöffnet und ließ das Tor aufschwingen.

»Bitteschön, nach Ihnen«, ließ er Guck den Vortritt.

»Danke.«

Damit das geöffnete Tor keinen Verdacht erwecken oder Nachahmer anziehen würde, schloss Horch die Tür hinter sich mit dem Schloss wieder ab.

»Um uns einen Überblick zu verschaffen, sollten wir als erstes auf den Turm hochklettern. Von dort oben können wir jeden Winkel des Geländes einsehen«, sagte Horch und ging in Richtung Radarturm.

»Na dann los, ich folge dir unauffällig.«

Gemeinsam erklommen sie die Stufen bis zur oberen Plattform des ehemaligen Radarturms.

»Die Vandalen haben ganze Arbeit geleistet. Alles was nicht niet und nagelfest ist, haben sie mitgenommen, und den Rest haben sie mit hässlicher Graffiti besprüht.«

»Was hast du erwartet? Um die Kabel und sonstigen Metallreste haben sich bestimmt die freischaffenden Schrottsammler gekümmert, und ansonsten ist das doch ein idealer Ort um Partys zu feiern.«

»Mir wäre es lieber gewesen, die Stadt hätte sich von Anfang an mehr Mühe gegeben und ein vernünftiges Konzept für das Gelände entwickelt. Jetzt ist alles bis auf die Grundmauern unwiederbringlich zerstört. Man braucht schon viel Fantasie, um sich die Gebäude in neuem Glanz vorstellen zu können.«

»Hey, was machen Sie da?«, unterbrach eine Stimme die Stille. Die beiden schauten nach unten und erblickten einen Mann vom Wachschutz.

»Na toll, habe ich es doch gewusst«, sagte Guck.

»Was wir?«, rief Horch dem Mann entgegen. »Wir kommen von der Investorengruppe, die ab dem nächsten Frühjahr eine Spielbank hier errichten wird, und ich bin gerade mit meinem Architekten hier, um Daten für eine Machbarkeitsstudie zu sammeln.« Horch hob seinen Spezialschlüssel hoch: »Ich habe ja auch einen Schlüssel zu dem Tor, oder was glauben Sie, wie wir auf das Gelände gekommen sind?«

»Mich hat niemand über Ihr Kommen informiert, und von einer Spielbank weiß ich auch nichts. Würden Sie bitte herunterkommen und sich ausweisen.«

»Na klar, wir sind gleich da, wir wollen nur noch kurz die Aussicht genießen. Es wäre somit besser, Sie kämen hier hoch und täten es uns gleich.«

Tatsächlich, der Wachmann machte sich die Mühe und stieg die Treppen bis zu den beiden empor.

»Die Aussicht ist echt einmalig was?«, sagte der Wachmann, als er Horch und Guck gegenüber stand. »Sie sind Investoren?«, fragte er weiter. »Könnten Sie mir bitte ihre Ausweise zeigen, damit ich Sie in die Besucherliste eintragen kann. Das ist Vorschrift und dient nur zu meiner Absicherung gegenüber meinem Chef.«

»Na klar können wir uns ausweisen.«, sagte Horch und zog mit den Worten seinen Ausweis aus der Tasche.

Erstaunt sagte der Wachmann: »Das sind ja Geheimdienstausweise!«

»Der Herr hat Erfahrung auf diesem Gebiet, alle Achtung«, sagte Horch.

»Mein Cousin arbeitet auch bei eurem Verein, daher kenne ich die Dinger. Aber warum interessiert sich der Geheimdienst für dieses Gelände?«

»Tut er ja gar nicht, der Geheimdienst. Das Interesse liegt im rein privaten Bereich. Wir waren früher öfter dienstlich hier und wollten uns nach all den Jahren die Anlage mal anschauen, um in alten Erinnerungen zu schwelgen.«

»Woher haben Sie dann den Schlüssel?«

»Ein Relikt aus alten Tagen«, antwortete Horch.

»Wenn ihr die Anlage so gut kennt, könnt ihr mir doch sicherlich eine private Führung geben und mir noch ein paar ungelüftete Geheimnisse verraten?«, fragte der Wachmann.

Horch schaute zu Guck herüber, der mit einem Nicken seine Zustimmung gab, und willigte ein: »Na klar, wenn es weiter nichts ist.«

Gemeinsam gingen sie die Treppen hinunter und unten angekommen, zeigte Horch auf ein Gebäude in der Nähe des Turms.

»Dort drüben war früher die Funküberwachung untergebracht. Lass uns mal dorthin gehen und nachsehen, ob das Schaltpult noch vorhanden ist.«

»Wieso, was ist mit dem Ding?«, fragte Guck.

»Auf dem Schaltpult habe ich die Frau vom amerikanischen General…, na ja wie soll ich es politisch korrekt ausdrücken…, beglückt!? Der Haken an der Sache war nur, dass wir während unserer Zusammenkunft an den Schalter für die Lautsprecheranlage gekommen sind. Die gesamte Anlage und ein Großteil der umliegenden Wohnhäuser wurde akustisch von unserem Akt der Liebe in Kenntnis gesetzt.«

»Und der General?«, fragte der Wachschutzmann.

Horch schaute den Wachmann grinsend an und sagte: »Die alte Drecksau lag im Puff um die Ecke im Whirlpool und hat sich einen blasen lassen. Und da das, neben seiner Frau, auch alle anderen auf dem Stützpunkt wussten, hat uns keiner verraten.«

Wie es weitergeht erfahrt ihr im Buch »Horch und Guck – Meisterspione a. D.« ab Seite 98.




Horch & Guck: Onkel Horch

Horch saß gerade an seinem Schreibtisch und verfasste ein Beobachtungsprotokoll für sein Archiv, als das Telefon klingelte. Er nahm den Hörer ab, und sogleich fing die Stimme am anderen Ende an zu reden.

»Horch, komm bitte schnell rüber. Die Polizei ist hier und die wollen Dennis verhaften. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Du musst mir helfen, bitte. Schnell!«

»Bleib ganz ruhig, ich bin sofort bei euch«, antwortete Horch.

Er ließ alles stehen und liegen und machte sich umgehend auf den Weg zu Tina. Tina war eine Schulfreundin von Horch. Von Zeit zu Zeit hatte er sich immer mal wieder um ihren Sohn Dennis gekümmert, wenn Tina, die alleinerziehend war, mal eine Auszeit benötigte. Über die Jahre entwickelte sich so eine freundschaftliches Verhältnis zwischen Dennis und Horch, der für ihn so etwas wie ein Vaterersatz geworden war. Dennis war nun mittlerweile sechzehn Jahre alt und in einem Alter, in dem die meisten Jugendlichen ihren Eltern Probleme bereiten. Das er mal mit einem blauen Auge oder mit einer blutigen Nase nach Hause kam, daran hatte sich Tina bereits gewöhnt. Aber dass er jetzt auch noch die Polizei mitbrachte, die mit einem Durchsuchungsbefehl in der Hand die Wohnung auf den Kopf stellte, war zu viel für sie. Da sie in direkter Nachbarschaft zu Horch wohnte, war dieser innerhalb von ein paar Minuten vor Ort. Mit dem Zweitschlüssel, den Tina für den Notfall bei Horch deponiert hatte, verschaffte sich Horch Zugang zum Haus. Er ging in die zweite Etage hinauf und schloss die Wohnungstür auf, wo die Polizei bereits eifrig damit beschäftigt war, jeden Winkel genau zu durchsuchen.

Sogleich kam einer der Beamten zielstrebig auf Horch zu und fragte ihn: »Wer sind Sie denn? Was machen Sie hier? Wohnen Sie hier?«

Horch schaute den Beamten von oben bis unten an und sagte: »Das Gleiche könnte ich Sie fragen. Wer sind Sie? Und was wollen Sie hier? Dass Sie hier nicht wohnen, weiß ich.«

»Die Fragen stelle ich hier. Sind Sie der Bekannte, den Frau Zimmermann eben angerufen hat?«, fragte der Beamte und Horch antwortete: »Ich glaube Sie stellen ganz schön viele Fragen für jemanden, der mir gegenüber ausweispflichtig ist und mir bis jetzt als unrechtmäßiger Eindringling gegenübersteht. Also wären Sie so freundlich, mir Ihren Dienstausweis zu zeigen, anderenfalls bitte ich Sie, umgehend diese Wohnung zu verlassen«, und zog zeitgleich seinen Ausweis hervor.

Horch wandte sich an Tina und Dennis, die in der Küche saßen und von einem Beamten in Zivil bewacht wurden: »Hallo, ihr beiden, wie geht es euch, alles gut soweit?« Er wandte sich an Tina: »Gib mir bitte mal die Kopie von dem Durchsuchungsbeschluss.«

»Ich habe keine bekommen«, erwiderte Tina.

»Wie? Du hast keine Kopie vom Durchsuchungsbeschluss?«, entrüstete sich Horch und wandte sich wieder dem Beamten zu, der vor ihm stand: »Ist das wahr? Sie haben Frau Zimmermann keine Kopie von dem Durchsuchungsbeschluss ausgehändigt?«

Der Beamte schaute nervös zu seinem Kollegen, der in der Küche den Aufpasser spielte: »Hast du Frau Zimmermann die Kopie vom Durchsuchungsbeschluss ausgehändigt?«

Verlegen schüttelte der Beamte den Kopf.

»Na dann, meine Herren, ist die Durchsuchung hiermit so lange auf Eis gelegt, bis Sie Frau Zimmermann eine Kopie vom Durchsuchungsbeschluss ausgehändigt haben.«

Der Beamte, der vor Horch stand, fragte ungehalten: »Wollen Sie unsere Ermittlungen behindern?«

»Ganz gewiss nicht, ich wende nur das Frau Zimmermann zustehende Recht an, welches Sie mit Füßen treten. Und jetzt könnt ihr euch ganz entspannt hinsetzten und eine Kaffeepause machen, der Einsatz ist fürs Erste stillgelegt.«

»Geben Sie mir doch erst einmal ihren Ausweis«, forderte der Beamte Horch auf.

»Da sagen Sie was. Sie sind mir ebenfalls noch Ihren Ausweis schuldig. Tauschen wir also die Papiere.«

Horch gab dem Beamten seinen Ausweis, und dieser hielt Horch den seinen hin.

»Aha, Herr Hauptkommissar Richter.«

Der Hauptkommissar schaute skeptisch auf Horchs Ausweis und fragte: »Was ist das, wenn ich fragen darf?«

»Mein Ausweis«, erwiderte Horch.

»Der ist doch Marke Eigenbau.«

»Das habe ich schon öfter gehört, aber am Ende war doch alles legitim. Aber bitte, es steht Ihnen frei, die Daten auf dem Ausweis zu überprüfen.«

»Das werde ich auch machen«, unterstrich der Beamte sein Misstrauen gegenüber Horch.

Horch ging zu Tina und Dennis in die Küche und setzte sich zu ihnen an den Tisch.

»So, nun erzähl mal Dennis. Was genau wird dir vorgeworfen?«

»Ach, die behaupten, ich hätte mir unberechtigterweise Zugang zum Rechnersystem vom BND verschafft und mir dabei brisantes Datenmaterial angeeignet.«

Horch war verblüfft: »Was, echt?« und fügte grinsend an »Respekt!«

»Sie sollten den Jungen nicht noch bekräftigen, in dem was er getan hat, das macht die Sache nicht besser«, warf der Beamte ein, der das Trio im Auge behielt.

»Ihr habt doch nur Schiss, dass er irgendwelche Daten hat, die eure Machenschaften aufdecken könnten. Ihr solltet ihm viel lieber dankbar sein. Vielleicht hat er ja, sollte er tatsächlich beim BND herumspioniert haben, noch die versehentlich gelöschten NSU-Daten auf seiner Festplatte gespeichert.«

Der Hauptkommissar wurde sichtlich nervös und fragte einen seiner Kollegen hektisch: »Wo bleibt die Kopie vom Durchsuchungsbeschluss?«

»Stefan müsste gleich mit dem Ding hier sein«, antwortete ihm einer aus der Gruppe.

Horch wandte sich wieder Dennis zu: »Aber zunächst muss dir eins klar sein, bis der Anwalt hier ist, sagst du, außer den Angaben zu deiner Person, kein Wort, verstanden? Nichts, zu niemandem! Und auf jede Frage der Beamten gibst du die gleiche Antwort: Ich verweigere die Aussage. Klar?«

»Ja, klar«, erwiderte Dennis.

Horch wandte sich zu Tina: »Hast du schon einen Anwalt bestellt?«

»Ja, den, von dem du mir damals die Nummer gegeben hast.«

»Dr. Dressler?«, fragte Horch.

»Ja, genau den.«

»Sehr gut, der versteht wenigstens etwas von seiner Arbeit. Nicht wie viele andere Quacksalber, die nur ihre Honorare kassieren, aber keine Leistung erbringen.« Horch drehte sich zu den Beamten: »Da könnten sich die Herren schon einmal warm anziehen. Wenn der auspackt, könnt ihr einpacken. Der haut euch einen Verfahrensfehler nach dem anderen um die Ohren.«

»Ich wette, bis der hier ist, sind wir fertig«, entgegnete ihm einer der Beamten.

»Da setzte ich gegen. Wer auf meine Empfehlung hin anruft, wird bevorzugt behandelt.«

Horch drehte sich wieder zu Tina: »Du hast ihm doch gesagt, dass du von mir kommst?«

»Ja, das habe ich«, erwiderte sie.

»Na dann wird er bald hier sein. Sie haben eh Pause, bis Sie Frau Zimmermann den Durchsuchungsbeschluss in Kopie ausgehändigt haben. Tina, mach den Herren doch mal einen Kaffee, dann wird ihnen die Pause nicht so lang.« Horch wandte sich den Beamten zu: »Die Herren trinken doch Kaffee, oder?«

Einstimmig bejahten die Beamten das Angebot, und Tina machte sich sogleich daran, die Polizisten zu versorgen.

Während sich die Beamten in ihrer Zwangspause bei einem Kaffee angeregt über vergangene Fälle unterhielten, flüsterte Horch zu Dennis: »Hast du das Verschlüsselungsprogramm installiert, was ich dir gegeben habe?«

»Ja, letzte Woche.«

»Na dann lass mich mal machen.«

Horch holte sein Mobiltelefon vor und dank des, von Guck entwickelten Computerprogramms, war er in der Lage, sich von seinem Mobiltelefon aus unauffällig Zugang zu dem Rechner von Dennis zu verschaffen. Ohne, dass es einer der Beamten bemerkte, fuhr Horch den Rechner herunter.

Ein paar Minuten später traf der Beamte mit einer Kopie vom Durchsuchungsbeschluss ein.

»So, Frau Zimmermann, da ist das gute Stück«, und hielt Tina die Kopie vom Durchsuchungsbeschluss hin. »Wir werden dann mal wieder an die Arbeit gehen.

Umgehend machten sich die Beamten daran, die Durchsuchung fortzusetzen. Erstaunt stellten sie fest, dass der Rechner von Dennis, auf dem sie die brisanten Daten vermuteten ausgeschaltet wurde. Empört fragte der Hauptkommissar: »Wer hat den Rechner heruntergefahren?« Er schaute seine Kollegen fragend an. »War das einer von Euch?« Diese jedoch erwiderten die Frage mit einem Kopfschütteln oder Schulterzucken.

»Der Rechner wird sich vermutlich von selbst abgeschaltet haben. Energiesparmodus oder so«, warf Horch grinsend ein.

»Wollen Sie mich verarschen?«, erwiderte der Beamte gereizt.

»Wenn es der Wahrheitsfindung dienlich wäre, ja«, provozierte Horch.

»Scheiße, ich könnte doch glatt wetten, dass der Rechner mit einer Verschlüsselung gesichert ist.«

»Ist er?«, fragte Horch scheinheilig in Dennis´ Richtung der kurz und knapp antwortete: »Ist er«. Der Hauptkommissar fuhr Dennis rüde an: »Wenn Sie sich Ärger ersparen wollen, sollten Sie uns das Kennwort geben. Die Spezialisten aus der EDV-Abteilung knacken das Kennwort sowieso in ein paar Minuten.«

»Das ist doch gelogen!«, warf Horch ein. »Ihre Spezialisten aus der EDV-Abteilung können vielleicht Festplatten rekonstruieren oder die Daten von einem Mobiltelefon sichern, aber an einer Verschlüsselung beißen sie sich die Zähne aus. Das wissen Sie genauso gut wie ich. Ansonsten würden Sie hier nicht winselnd um das Kennwort bitten, sondern den Rechner einfach mitnehmen.«

Der Beamte schaute zu Dennis. Dieser antwortete ihm selbstsicher: »Ich mache von meinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.«

»Sehr gute Antwort, mein Junge«, freute sich Horch.

»Dann werde ich mich jetzt mal um Ihren Ausweis kümmern«, versuchte der Beamte nun Horch einzuschüchtern und wedelte mit dem Dokument in der Hand vor dessen Nase herum.

»Tun Sie das, und verbummeln Sie ihn nicht. Das ist ein Unikat.«

»So sieht er auch aus«, erwiderte der Beamte.

Nach ein paar Minuten kam dieser mit dem Ausweis wieder.

»Haben Sie einen Personalausweis?«, fragte er Horch.

»Warum? Stimmt was nicht mit dem Ausweis?«

»Die Zentrale meldet mir zu der Nummer auf dem Ausweis nur einen Sperrvermerk, aber ich würde schon gern wissen, mit wem ich es zu tun habe.«

»Ich würde auch gern so vieles wissen, aber wenn Ihre Kompetenzen nicht ausreichen den Sperrvermerk zu übergehen, wird das wohl seine Gründe haben.«

Wie es weitergeht, erfahrt ihr im Buch ab Seite 63.




Horch & Guck: Wahlsonntag

Das Telefon klingelte und Horch nahm den Anruf entgegen: »Ja?«, fragte er genervt. »Wer wagt es am frühen Sonntag morgen zu stören?«

»Ich bin´s.«

Horch erkannte die Stimme seines Freundes: »Wer sollte es auch sonst sein? Was gibt es?«

»Habe ich dich geweckt?«, fragte Guck.

»Nein, so höre ich mich immer an, wenn die Sekretärin auf meinem Gesicht sitzt! Klar hast du mich geweckt! Hast du mal auf die Uhr geschaut?«

»Ja, klar«, antwortete Guck euphorisch, »und weißt du was heute ist?«

»Sonntag!«, fuhr Horch seinen Freund an.

»Ja, aber nicht irgendein Sonntag.«

»Gleich ist Totensonntag mein Freund. Was willst du?«

»Heute ist Wahltag!«, erwiderte Guck.

»Ach du scheiße und deswegen rufst du mich an?«

»Ja, denn wer nicht wählen geht, darf sich hinterher…«, ohne ein weiteres Wort seines Freundes abzuwarten, beendete Horch das Gespräch und legte das Telefon neben sich auf den Nachttisch. Er hatte sich gerade umgedreht und wollte weiterschlafen, als das Telefon erneut klingelte. Genervt nahm er das Gespräch an.

»Was gibt es denn noch?«

»Hallo mein Sohn. Ich hoffe ich habe dich nicht geweckt?«

Genervt antwortete Horch: »Nein, so höre ich mich immer an, wenn meine Sekretärin auf…« Horch brach den Satz ab, als er aus dem Halbschlaf erwachte, realisierte, dass seine Mutter am Telefon war.

»Was wolltest du sagen?«

»Ach, nichts, vergiss es Mutter. Was verschafft mir so früh am Morgen die Ehre?«

»Es ist Wahlsonntag und ich wollte dich an deine Bürgerpflicht erinnern.«

»Ach, lass mich doch mit diesem Mist in Ruhe. Guck hat auch schon angerufen, um mich auf dieses Negativereignis hinzuweisen. Außerdem weißt du, wie ich zu dem Thema Wahlen stehe.«

»Wer nicht wählen geht, darf sich hinterher auch nicht beschweren!«

»Ja, ja, das hat Guck mir auch schon gesagt.«

»Guter Junge, du solltest öfter auf ihn hören.«

»Du solltest öfter auf mich hören! Dann wüsstest du, dass du dich heute völlig umsonst zur Wahlurne quälst. Genieße lieber das Wetter und versaue dir den Tag nicht mit der Wahl des größten Idioten. Ich für meinen Teil werde jetzt weiterschlafen. Ich rufe dich die Tage mal an. Bis dann.«

Horch beendete das Gespräch und drehte sich wieder auf die Seite um weiterzuschlafen. Erneut klingelte das Telefon.

»Mutter?«, fragte Horch.

»Nein, Guck.«

»Was willst du denn schon wieder? Ich will schlafen!«

»Ich wollte nur fragen, wann ich dich abholen soll?«

»Du brauchst mich nicht abholen! Ich will schlafen!«

Horchs Worte ignorierend sagte Guck: »Aber am Morgen sind die Wahllokale noch nicht so voll.«

»Das ist mir scheißegal ob und wann die Wahllokale voll sind oder nicht, ich gehe eh nicht wählen. Und jeder Idiot, der meint, sich in die Schlange der Schwachsinnigen einreihen zu müssen, ist selber schuld. Ich werde weder einen Fuß aus dem Bett setzen, noch einen Finger krumm machen, um den Stift in die Hand zu nehmen, mit dem ich ein Kreuz mache, welches keinerlei Bedeutung für den Ausgang der Wahlen hat.«

»Was bist du denn so gereizt?«, fragte Guck.

»Warum ich so gereizt bin? Weil niemand um mich herum verstehen will, dass Wahlen nichts bewirken und niemanden dazu bewegen werden, etwas in diesem Land zu verändern, außer es nutzt ihm persönlich. Geh du nur und nehme dein demokratisches Recht wahr.«

»Ich bin dann so in einer Stunde bei dir«, sagte Guck.

»Hörst du mir nicht zu oder was? Außerdem kann ich gar nicht wählen gehen.«

»Wieso? Hast du deine Staatsbürgerschaft abgegeben oder ein Verbrechen begangen, von dem ich noch nichts weiß?«

»Nein, aber ich weiß nicht, wo sich meine Wahlbenachrichtigung befindet.«

»Das heißt, du hast sie verloren? Wo kann die denn sein?«

»Verloren würde ich nicht sagen. Ich habe sie ordentlich abgelegt.«

»Wo?«

»In dem Papierkorb unter den Briefkästen.«

Guck fing an zu lachen: »Ja, die habe ich gefunden und dir mit ins Büro gebracht. Die müsste in dem Fach für politisch motivierte Briefsendungen liegen. Ich fahre ins Büro und bin dann gleich bei dir.«

Horch wollte noch etwas erwidern, aber Guck hatte das Gespräch bereits beendet.

Eine Stunde später klingelte es an Horchs Haustür.

»Bin gleich da«, gab Horch Guck Bescheid.

Kurz darauf waren sie gemeinsam auf dem Weg zum Wahllokal in die Schlesische Straße. Unterwegs entbrannte die Diskussion über den Sinn des Wahlgangs zwischen Horch und Guck erneut.

»Ich verstehe dich nicht, dass du, von berufswegen über die Korruption in Wirtschaft und Politik bestens informiert, noch immer zur Wahlurne rennst und deine mehr oder weniger wertlose Stimme abgibst«, regte sich Horch auf.

»Wer nicht wählen geht, darf sich hinterher auch nicht beschweren.«

»Wenn Wahlen etwas ändern könnten, wären sie verboten!«, erwiderte Horch. »Es würde mich nicht wundern, wenn die Wahlen hierzulande, wie in anderen „Demokratien“ ebenfalls, manipuliert wären. Die Politiker aller Parteien lügen das Blaue vom Himmel, um die Stimmen des Volkes zu ergattern, welches sie Tag ein Tag aus bescheissen. Das Volk hängt in der Wahlkampfphase an den Lippen, der von ihnen verehrten Volksvertreter und glauben ihnen wieder und wieder jedes, auch noch so heuchlerisch verkündete Wort und jedes, auch von noch so weit an den Haaren herbeigezogenes Versprechen für die Zukunft. Erinnern wir uns an die Versprechen der letzten Wahlen. Was wurde eingehalten? Lohnnebenkostensenkung und Steuererhöhung! Normalsterbliche Bürgerinnen und Bürger wurden schon für weitaus kleinere Vergehen geteert und gefedert. Die Meisten vergessen dabei, dass jeder Volksverräter…äh…Volksvertreter von unseren Steuergeldern, bezahlt wird. Vom kleinsten Verwaltungsangestellten, über die Wegelagerer vom Ordnungsamt und die Schlägertrupps der Polizei, bis hin zu den Politikern und dem Bundespräsidenten, beziehen alle ihr Gehalt, ihren Lohn, oder wie man es sonst noch nennen mag, aus dem Steuertopf. Wir sind es, die das von Guido sogenannte spätrömisch dekadente Leben der Regimeelite und deren Schergen bezahlen. Jeder von uns ist somit der Vorgesetzte der zuvor genannten Staatsdiener. Aber wie müssen wir uns als solche behandeln lassen? Wir werden belogen, betrogen, verarscht, verraten und verkauft. Nun frage ich dich, welcher Chef würde sich dieses Verhalten seiner Angestellten gefallen lassen? Laut dem Grundgesetz Artikel 20 Absatz 2 geht alle Staatsgewalt vom Volke aus. Genau dieses Gesetz muss wieder gesellschaftliche Selbstverständlichkeit werden. Zeit dieses Vorhaben anzugehen!«

»Na dann mal los«, warf Guck ein.

»Mittlerweile betrachten sogar einige der linken Geister die Zuwanderung der Mittelschicht aus europäischen Notstandsgebieten zunehmend mit Sorgenfalten im Gesicht. Dem kann ich nach wie vor nur entgegensetzen, wir sind selber schuld. Sarkastisch gesagt, können wir sogar noch froh darüber sein, dass die Ärmsten der Armen – die nur so arm geworden sind, weil wir unseren Lebensstandart längst vergangener glücklicherer Jahre ausgelebt haben – nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um sich ebenfalls eine Fahrkarte oder ein Flugticket nach Deutschland zu leisten.«

»Wenn du so gut Bescheid weißt, warum gehst du dann nicht in die Politik?«, fragte Guck.

»Ich? Politiker? Lass mal gut sein, diese ganzen Idioten und Selbstdarsteller, die einen da umgeben, halten meine Nerven nicht aus. Nimm alleine den Spruch ›Leistung muss sich lohnen‹, den die Politik propagiert. Die Wahrheit sieht anders aus. Millionen von Menschen gehen Vollzeit arbeiten und müssen trotzdem zusätzlich Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts beantragen. Zugleich wird durch diese Haltung der Politik die Altersarmut gefördert. Bundesminister Dirk Nibel von der FDP hat in der Fernsehsendung Studio Friedman die Festlegung einer Lohnuntergrenze abgelehnt, damit die Höhe der gesetzlich festgelegten Löhne nicht Gegenstand eines jeden Wahlkampfs werden. Geistiger Dünnschiss! Derzeit ist der Mindestlohn an sich Gegenstand eines jeden Wahlkampfes. Dies bedeutet zugleich, dass Unternehmen durch Steuergelder subventioniert werden. Die Reallöhne sind in den vergangen zehn Jahren gesunken und nicht wenige Menschen arbeiten für nicht ein mal fünf Euro in der Stunde. Jedes Jahr demonstrieren hunderttausende am 1. Mai, einem Feiertag, der in 1856 in Australien seinen Ursprung hat, 1919 von der SPD, DDP und Teilen des Zentrums per Gesetz als gesetzlicher Feiertag festgelegt werden sollte und letztendlich durch einen Gesetzeserlass am 10. April 1933 durch die Nationalsozialisten zum gesetzlichen Feiertag und 1934 zum Nationalen Feiertag des Deutschen Volkes erklärt wurde. Wir »feiern« nächstes Jahr sozusagen 80-jähriges Jubiläum der nationalsozialistischen Gesetzgebung. Heil Hinkel! Ganz im diktatorischen Sinn wurde der aktuelle Armutsbericht gefälscht. Während in der ursprünglichen Fassung vor ›gesellschaftlicher Spaltung und den daraus resultierenden Gefahren‹ gewarnt wurde, ist in der veröffentlichten Version zu lesen, dass ›die vorliegenden Daten eine positive Entwicklung der Lebenslage in Deutschland belegen‹.«

»Dass die Politiker herummauscheln ist doch bereits seit Jahrzehnten bekannt. Eigentlich gab es das schon immer«, warf Guck ein.

Inzwischen waren Horch und Guck am Wahllokal angekommen und begaben sich in den Infobereich zur Ausgabe der Wahlunterlagen. Horch fuhr fort: »Ja, aber du siehst doch wo das hinführt. In Griechenland werden die Bankkunden an der, von den Banken und Spekulanten verursachten Krise anteilig mit ihren Spareinlagen beteiligt. In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei bis zu sechzig Prozent, je nach Region und dass Irland mit der Kreditaufnahme durch die EZB einzig und allein deutsche, französische und englische Banken gerettet und somit ein sprunghaftes Ausbreiten der Krise verhindert hat, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Jeden Tag aufs neue lügen uns die Volksvertreter ohne Skrupel ins Gesicht. Ein Großteil der Bevölkerung vertraut auf die Worte und glaubt an eine Kehrtwende. Ich bin auf die langen Gesichter der Menschen gespannt, wenn sie eines Tages am ersten des Monats ihre Miete, Versicherung oder sonstige Rechnungen bezahlen wollen und feststellen, dass die sozialen Leistungen wie Renten, Arbeitslosengeld oder sonstige staatliche Zahlungen ausgeblieben sind. Warren Buffet, US-amerikanischer Unternehmer, hat im Interview mit Ben Stein in der New York Times vom 26. November 2006 gesagt: »Es herrscht Klassenkrieg, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.« So, und nun kannst du wählen gehen. Viel Spaß.«

Wortlos verschwand Guck in der Wahlkabine. Horch nahm ebenfalls seinen Wahlzettel und verschwand in der daneben stehenden Wahlkabine. Er faltete die Zettel auseinander und schrieb in deutlich lesbaren Druckbuchstaben auf jeden der beiden: ›Ich scheiße auf diese Demokratendiktatur!‹, faltete sie wieder zusammen und steckte sie in den Umschlag. Grinsend ging er zur Wahlurne und warf den Umschlag vor Gucks Augen in die Urne.

»Du hast es wirklich getan?«, fragte Guck erstaunt.

»Damit du endlich Ruhe gibst, ja, ich habe meine Stimme abgegeben. Und nun lass uns hier verschwinden. Das Wetter ist zu schön, um hier drin zu verweilen.«

 




Horch und Guck: Bewerbungsgespräch (Teil 2)

Was bisher geschah:

Horch hat vom Jobcenter ein Bewerbungsvorschlag bekommen, laut dem er sich als Mitarbeiter beim Bundesnachrichtendienst vorstellen muss. Ein paar Tage nach Erhalt des Schreibens vom Jobcenter tat er was ihm befohlen wurde und stand vor dem neuen BND-Gebäude in der Chausseestraße in Berlin-Mitte. Nachdem er sich am Pförtner vorbei Zutritt zum Gelände verschafft hatte, befand er sich kurz darauf im Büro des Personalchefs Herrn Kuhn. Dieser war von Horchs Auftritt, der nicht nur in einer SS-Uniform sondern zudem auch mit geschultertem Ak-47 in seinem Büro stand, überhaupt nicht begeistert und rief zur Klärung der Sachlage den Sicherheitsdienst herbei.

Der Personalchef nahm den Telefonhörer in die Hand und wählte die Nummer vom Sicherheitsdienst. Als am anderen Ende das Gespräch angenommen wurde und sich der Sicherheitsdienst meldete, sagte der Personalchef: »Ach, dass freut mich aber, dass doch jemand von ihnen im Hause anwesend ist. Hier ist Herr Kuhn, der Personalchef. Hätten Sie die Güte und würden Ihren Arsch umgehend zur mir ins Büro bewegen? Hier steht ein Herr Horch in einer SS-Uniform und einem geschulterten AK-47 vor mir. Ich glaube, wir haben ein kleines Sicherheitsproblem und ich hätte von Ihnen gern eine Erklärung dazu, danke«, und legte den Telefonhörer ohne eine Antwort abzuwarten wieder auf.

»So, und nun mal ganz langsam«, führte Herr Kuhn das Gespräch mit Horch fort: »Sie haben unseren Wachmann überlistet und sich mit einem Sturmgewehr Zutritt in einen besonders gesicherten Bereich verschafft. Woher wussten Sie eigentlich, wo mein Büro liegt?«

»Ich werde Ihnen ein kleines Geheimnis von mir verraten. Ich war schon mal hier«, antwortete Horch.

»Wie darf ich das denn jetzt verstehen?«, fragte der Personalchef verwundert.

»Das Malheur um die verschwundenen Baupläne seinerzeit ist auf meinem Mist gewachsen – glaube ich.«

»Wie, glaube Sie? Und vor allem auf was für einem Mist?«

»Das sagte ich doch bereits, auf meinem Mist.«

»Sie haben seinerzeit die Baupläne entwendet?«

»Nun ja, was heißt entwendet«, versuchte sich Horch zu erklären. »Eigentlich wollte ich nur mal aus Neugier einen Blick darauf werfen. Aber aus Versehen habe ich eine Kaffeetasse umgeworfen und der ganze Scheiß ist über die Baupläne gelaufen. Und damit keiner meinen nächtlichen Besuch bemerkt, wollte ich am nächsten Morgen in einen Kopierladen gehen und neue Pläne anfertigen lassen. Aber als ich am nächsten Tag wiedergekommen bin, war das Verschwinden der Pläne bereits bemerkt und die Sicherheitsmaßnahmen daraufhin erhöht worden. Dann bin ich mit den Plänen unterm Arm und unverrichteter Dinge wieder abgezogen.«

»Wegen Ihnen haben wir die ganze verdammte scheiß Umbauaktion machen müssen, die uns zusätzliche Millionen von Euro gekostet hat? Sie habe ja Mut hier aufzutauchen.«

»Tja, wissen Sie, von der Aktion wissen Sie und ich und sonst niemand. Es dürfte Ihnen ohne ein Geständnis meinerseits oder irgendwelchen handfesten Beweisen schwer fallen, mir die Tat nachzuweisen. Außerdem bin ich nicht freiwillig hier. Ich habe ein Schreiben bekommen, aus dem hervorgeht, dass ich mich an dem heutigen Tag«, Horch schaute auf seine Uhr »und exakt zu dieser Uhrzeit bei Ihnen einfinden soll, um Ihnen meine Dienste zu unterbreiten.«

»Sie, bei uns? Zeigen Sie mal das Schreiben her.«

Horch reichte dem Personalchef das Schreiben und der las es gewissenhaft durch.

»Hier steht drin, dass Sie aufgrund Ihrer Qualifikationen bestens für den Job als Sicherheitsfachkraft geeignet wären« und schaute Horch dabei von oben bis unten an.

»Da stimme ich Ihnen zu, ich bin sogar überqualifiziert wie man so schön sagt, aber als überzeugter Regimegegner bin ich die denkbar schlechteste Wahl für diese Position. Für´n Toastbrot mit Ketchup würde ich hier jeden hereinlassen, der mich nett darum bittet.«

»Das würden Sie tun? Warum?«, fragte der Personalchef erstaunt.

»Weil ich mir somit nicht selber die Finger schmutzig machen müsste, bei dem Versuch, die Missstände im System zu beseitigen.«

»Und unsere Behörde sehen Sie als Teil des Systems, welches Missstände aufweist, die es aus Ihrer Sicht zu beseitigen gilt?«

»In der Tat«, erwiderte Horch.

»Und die Missstände wären welche, wenn ich fragen darf?«

»Das fängt bei dem Gedankengut der Mitarbeiter an, auf die sich, wie bereits erwähnt, auch mein Aufzug bezieht und hört dabei auf, dass einer wie ich – zugegeben und nicht übertrieben, ein Meisterspion – aber nichts desto Trotz seit Jahren außer Dienst und nicht trainiert, hier einfach herein marschiert und Baupläne zur freien Verfügung gestellt bekommt oder wie heute, am Wachmann und dem Sicherheitspersonal vorbei, sich mit einem Ak-47-Gewehr Zutritt zu einem, wie Sie so schön sagten, besonders gesicherten Bereich verschafft. Und zu guter Letzt habe ich eine Abneigung gegen die unlauteren Machenschaften der Geheimdienste. Reicht das als Begründung?«

»Na ja, zur freien Verfügung haben wir Ihnen die Baupläne ganz sicher nicht gestellt, aber Sie haben Recht mit dem was Sie sagen. Und was schlagen Sie vor, sollten wir Ihrer Ansicht nach tun?«

In diesem Moment kam der Sicherheitsdienst mit gezogenen Waffen hereingestürmt: »Hände hoch und auf den Boden«, schrie einer der hereinstürmenden Sicherheitskräfte. Horch blieb ohne eine Regung stehen und fragte: »Ja was denn nun? Hände hoch oder auf den Boden legen? Ihr könnt vergessen, dass ich mich mit nach oben ausgestreckten Armen auf die Fresse fallen lasse.«

Einer der Sicherheitsleute versuchte indes Horchs AK-47 zu ergreifen, doch Horch wich einen Schritt zurück und der Beamte griff ins Leere. »Na na na, mein Junge«, sagte Horch. »Das Ding ist gefährlich und nicht zum Spielen gedacht. Außerdem ist das mein Gewehr und ich mag es überhaupt nicht, wenn irgendjemand daran herumfingert.«

»Sie händigen mir umgehend das Gewehr aus…«, befahl der Wachmann.

»Sonst was?«, fiel Horch dem Beamten ins Wort.

»Sonst lasse ich sie umgehend festnehmen«, drohte der Beamte, der versucht hatte Horchs Waffe zu ergreifen.

»Also, wenn Sie derjenige sind, der hier sicherheitstechnisch etwas zu sagen hat, haben Sie ein ganz anderes Problem als mich, nicht wahr?«, und schaute zum Personalchef herüber.

Dieser schaute mit ernster Miene zu den Männern: »In der Tat meine Herren. Und gut Herr Jürgens, dass Sie als Chef der Sicherheitsabteilung auch zugegen sind, dann kommt mein Anschiss gleich bei der richtigen Stelle an.«

Während die Sicherheitsleute verwundert da standen und dumm aus der Wäsche guckten, konnte sich Horch ein hämisches Grinsen nicht verkneifen.

»Aber zu Ihnen komme ich später. Zunächst geleiten zwei von Ihnen Herrn Horch zum Ausgang. Wer weiß, wo der sonst noch überall seine Nase rein steckt.«

»Dass heißt, Sie wollen auf meine Dienste verzichten?«, fragte Horch freudig.

»Selbstverständlich. Wie Sie sehen, habe ich es hier schon mit genug Nichtskönnern zu tun, da brauche ich nicht noch einen Wahnsinnigen im Team.«

»Das aus Ihrem Mund zu hören Herr Kuhn, ehrt mich geradezu«, sagte Horch. »Aber könnten Sie mir bitte meine Anwesenheit bestätigen, damit mir die Penner vom Amt nicht die Bezüge kürzen.«

»Wenn es weiter nichts ist«, und er nahm den Zettel, den ihm Horch reichte entgegen und unterzeichnete ihn. »So, und nun raus hier. Ich will Sie hier nicht länger sehen und schon gar wiedersehen. Ach, diesbezüglich händigen Sie mir doch bitte die Chipkarte aus, mit der Sie sich Zutritt zu diesem Gebäude verschafft haben.«

Horch reichte die Karte dem Personalchef: »Bitteschön, die benötige ich eh nicht mehr«, und fügte grinsend an: »Ich kenne ja eh schon alles.«

Die beiden Sicherheitsbeamten geleiteten Horch hinaus. Kurz darauf saß er in einem Taxi auf dem Weg zum Kostümverleih.

»Und, wie ist es gelaufen?«, fragte ihn der Mitarbeiter als Horch den Laden betrat.

»Ganz wie erhofft. Sie haben mich kurzum wieder vor die Tür gesetzt. Jetzt will ich aber so schnell wie möglich raus aus dem Plunder. Könnte ich bitte meine Klamotten haben?«

Kurz darauf stand Horch wieder in Zivil auf der Straße und machte sich auf den Heimweg nach Kreuzberg.

Als er die Tür zu dem Büro öffnete empfing ihn Guck mit den Worten: »Na Genosse, du musst ja einen verdammt guten Eindruck hinterlassen haben. Warst wohl doch nicht in Uniform bei dem Termin?«

»Doch, wieso?, fragte Horch erstaunt.

»Herr Kuhn hat angerufen und wollte dich sprechen. Unvorhersehbar ist die Stelle des Sicherheitschefs frei geworden und er hätte dir gern den Arbeitsplatz angeboten.«

»Ach du scheiße. Und was hast du ihm gesagt? Ich hoffe, du hast in meinem Namen dankend abgelehnt?«

»Ich habe ihm erzählt, ich sei deine Einzelfallhilfe und ich mich schon wundern würde, wo du dich schon wieder herumtreiben würdest, da wir einen Termin hätten. Danach war es kurz ruhig am Ende der Leitung und ich bin der Meinung Herr Kuhn hat irgendetwas gemurmelt von: Das erklärt einiges. Was hast du da abgezogen?«

»Du kennst mich doch. Ich würde nie etwas anstellen, was anderen schadet. Aber damit du wegen mir keine schlaflosen Nächte hast, erzähle ich dir wie es gelaufen ist.«

Die langjährige Freundschaft zu Horch ließ Guck die Geschichte, die ihm sein Freund erzählte, ohne große Verwunderung aufnehmen. Doch nachdem ihm Horch alles bis ins Detail geschildert hatte schüttelte er den Kopf und konnte sich ein Grinsen über die Dreistigkeit von Horch nicht verkneifen.

»Ich weiß nicht, wie du es immer hinbekommst, so glimpflich davonzukommen?«

»Du solltest dich viel lieber fragen, warum der Personalchef anruft und einem ganz offensichtlich nicht ganz rund laufendem Meisterspion a. D. den Posten als Sicherheitschef anbietet.

»Sei froh, dass du mich hast. Ohne meine Notlüge stündest du jetzt in Lohn und Brot und eine deiner obersten Befehlshaber hieße Angela Merkel.«




Tresentest – Unterwegs in Puerto de la Cruz

Recherche kann man am besten direkt vor Ort betreiben und fuhren zum Flughafen Tegel. Unsere Recherche galt der sozialen Lage der Spanier. Um die Lage der Nation in seinem vollen Ausmaß erfassen zu können, flogen wir nach Teneriffa. Einige mögen bei der Insel an Urlaub, Sonne, Strand und eventuell auch noch den höchsten Berg Spaniens denken. Tatsächlich sind die Kanaren, die mit am schwersten betroffene Region mit einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 60 Prozent. Dieses Thema soll aber nicht Gegenstand dieses Tresentests werden. Es braucht also keiner befürchten wir statten dem Tresen vom hiesigen oficina de empleo (Arbeitsamt) einen Besuch ab.

Im Zuge unserer sozialkritischen Recherche mussten wir dann und wann auch mal was essen und trinken. Dafür war die Insel mit ihrem Angebot an frischem Fisch und landestypischen Köstlichkeiten bestens geeignet. Bewusst hatten wir uns bei der Buchung der Reise gegen alle all-inclusive-Angebote entschieden, denn wir wollten die Gastronomen vor Ort unterstützen. Jeden Abend ein anderes Restaurant und somit auch eine andere Küche. Dabei gab es Enttäuschungen und unerwartete Überraschungen. Als der kulinarisch gröbste Schnitzer ist wohl das am besten gelegene Restaurant zu bezeichnen. Das „Rustico“ (Calle San Telmo) liegt direkt an der Promenade und ist in die aus Lava bestehende Felsküste eingelassen. Es bietet einen einzigartigen Blick auf das Meer und die Promenade von Puerto, aber das Essen (Pizza Vegetal und Kaninchen in Salmorejososse) bekam zwei mal ein Minus.

Als gutes Mittelmaß der asiatischen Küche hat sich das Restaurant „Chinese International“ erwiesen. Es liegt direkt an der Promenade (Avda. de Colon) und bietet aufgrund seiner Lage in der ersten Etage, einen wunderbaren Blick auf den Atlantik. Das umfangreiche Buffet bietet alles, was das Herz eines Vielfraßes begehrt. Es stehen 36 verschiedene Gerichte und vier Nachspeisen zur Auswahl! Dabei gilt, man darf soviel essen wie man will und das für 5,95 Euro zuzüglich sieben Prozent Steuer.

Die Preise in den Karten der Gastronomen sind Nettowerte. Die Steuer wird als Kleingedrucktes erwähnt und überrascht den ein oder anderen Gast, ist jedoch gängige Praxis. Ein weiterer „Trick“ ist es Brot in den verschiedensten Variationen zu servieren, ungefragt, wer verzehrt zahlt. Während sich meine durchaus charmante Begleitung anfänglich noch über diese Geschäftsmethoden aufregte, lehnte ich mich zurück. Ich hatte mein Lehrgeld diesbezüglich Jahrzehnte zuvor gezahlt und wusste somit um die gastronomischen Raffinessen.

In typisch spanischer Atmosphäre gibt es im „La Alpista“ die typisch spanische Küche. Auf dem Speiseplan stand Lomo und ein Omelett Canarias. Das Restaurant liegt im oberen Stadtteil von Puerto in der Calle San Amaro.

Das aus unserer Sicht beste Restaurant namens „El Establo“ befindet sich am Plaza del Charco. Vor meiner Abreise nach Spanien träumte ich von einem saftigen und leckeren, medium gegrillten Rinderfilet. Genau dies wurde mir dort serviert. Dazu kam das Ambiente. Ein alter spanischer Innenhof. Schön schattig gelegen, ließ man mit Betreten des Innenhofes den touristischen Teil außen vor. Wie es bei Wettbewerben so üblich ist, darf der Sieger ein zweites Mal ran. So waren wir am letzten Abend zur Siegerehrung wieder vor Ort.

Eigentlich gibt es zwei Sieger. Denn wir waren nicht nur essen, um den Hunger zu stillen, sondern auch um die süßen Seiten der spanischen Backkunst auszukosten. Schließlich benötigt man neben der ganzen ernsthaften vor Ort betrieben Recherche auch mal etwas „Positives“

Wer das süße Leben unter der Sonne des Südens vollends abrunden will, kommt nicht drum herum in einer der Pastelerias hineinzuschauen. Wobei ich gleich vorwarne, beim bloßen Hineinschauen wird es nicht bleiben. Zu gut sehen die dargebotenen Werke der Backkunst aus. Die „El Aderno“ Läden bilden dabei nur die Spitze von zahlreichen weiteren privat geführten Kleinkunst-Konditoreien. Die Panaderia Paraiso (Calle C. Columbus) ist einer der Orte, an denen man Kuchen und andere leckere Dinge in für deutsche Verhältnisse ungeahnten Ausmaß vorfindet.

„Nach dem Essen sollst du rauchen …“

Wer es versäumt hat, sich rechtzeitig vor Reiseantritt im ortsansässigen Cannabis Klub als Mitglied anzumelden, nichts mitgenommen hat oder, wie ich, einfach nur zu viel kifft und den Bedarf falsch berechnet hat wie ich, und somit rauchtechnisch abgebrannt ist, bekommt, wenn die Umgebung mit geschärften Sinnen betrachtet wird, Nachschub. Ich möchte mich an dieser Stelle bei den beiden Personen bedanken, die mir diesbezüglich weitergeholfen haben. Ihr habt den besten Tresen! Und damit der Tresen auch in Zukunft besteht, nenne ich Name und Anschrift natürlich nicht.

Wer trotz aller geschärften Sinne nichts findet, kann sein Verlangen nach Rausch in einer der zahlreichen Bars mit der Ersatzdroge Alkohol befriedigen. Vielleicht nicht die angesagtesten Bars, jedoch zwei der wenigen, die in der Nebensaison geöffnet hatten und ein angenehme Atmosphäre boten waren das „Tapas y Cañas“ und ein neu eröffneter Laden, dessen Namen ich vergessen habe. Beide Bars liegen sich in der Calle de Cruz Verde direkt gegenüber. Gute Cocktails gibt es im „Tapas y Cañas“ Das beste Bier (Reina) gab es, schön eisgekühlt direkt gegenüber.

Wer die heimische Lektüre, den Kreuzberger, nicht missen möchte, kann sich in die Calle la Hoya 71 begeben und in die deutsche Buchhandlung mit dem passenden Namen Der Buchladen. Dort liegt, wenn nicht vergriffen, stets die aktuelle Ausgabe von Der Kreuzberger aus.

Magda & Horch




Horch und Guck – In Schöneberg

Es war ein in allen belangen durchwachsener Samstag Morgen. Das Wetter konnte sich nicht entscheiden ob es die Sonne lachen oder die Wolken weinen lassen sollte und Guck saß mit gemäßigter Lust in seinem Guckposten im fünften Stock des Hauses indem die beiden Meisterspione a. D. ihren Notstandsbunker eingerichtet hatten. Er hielt Ausschau nach verdächtigen Bewegungen in der Umgebung und hatte den Spionage Sender „Radio Guantanamo Bay FM“ eingeschaltet.

Als er so da saß und seinen Blick in die Ferne schweifen ließ vernahm er im Treppenhaus Schritte die sich langsam und schwerfällig die Treppen empor arbeiteten. Vor der Metalltür, die zu Gucks Guckposten führte, verstummten die Schritte und …. nichts. Kein Klopfen, kein Klingeln, kein Anzeichen dafür, dass die Person die vor der Tür stand irgendwelche Anstalten machen würde einen Grund für ihre Anwesenheit vor Gucks Guckposten vorzubringen.

Irgendwas ist da faul dachte sich Guck und schnappte sich Horchs altes AK47 um der Lage auf den Grund zu gehen. Mit einem beherzten Tritt öffnete er die Metalltür und legte auf den vermeintlichen Eindringling an. „Verdammte scheiße……fünf Etagen……“, jappste Horch und rang weiter nach Luft.„Du bist´s“ kommentierte Guck Horchs erscheinen gleichgültig, drehte sich um, ließ die Tür wieder zufallen und ging zu seinem Guckposten zurück. Horch stand noch immer mit Schnappatmung vor der Tür. Als er sich erholt hatte, betrat er den Raum. „Amsterdam hat Deiner Lunge wohl doch mehr abverlangt als gedacht was?“ kommentierte Guck Horchs ringen nach Luft. „Leebow“ legt heute im Connection auf. Hast Du Lust mitzukommen?“ fragte Horch mit letzter Kraft seiner Lungen bevor er in dem Sessel neben Gucks Posten niedersank – „Echt? Wann geht es denn los?“ wollte Guck wissen. – „Der Auftritt von „Leebow“ fängt um elf Uhr an und geht bis weiß ich wann. Ich bin mit Gitta G. um acht am Schlesischen Tor verabredet und die Anderen treffen wir dann vor Ort.“ – „Klar ich bin dabei.“ sagte Guck zu.

Einige Stunden später fuhren Gitta G., Horch und Guck mit der U-Bahn zum Nollendorfplatz. Da die drei um kurz nach acht Uhr noch viel zu früh für einen anständigen Club Besuch vor Ort waren, zogen sie noch eine Runde durch den Kiez. „Meinst Du nicht das Du etwas zu dünn angezogen bist?“ wollte Guck von Horch wissen, der clubfähig, aber dem Wetter völlig unangemessen gekleidet war. „Nö“ erwiderte Horch und grinste, „Warte mal ab bis wir tiefer in den Kiez kommen, dann steigt die Umgebungstemperatur eh noch um ein paar Grad an und im Connection ist es selbst im Winter immer schön warm, wenn Du verstehst was ich meine“. Sie schlenderten durch die Maaßenstraße und wunderten sich über die zahlreichen Cafés und Restaurants die seit ihrem letzten Besuch, der Jahrzehnte zurück lag, hier eröffnet hatten. Damals, als die beiden noch öfter in dieser Gegend unterwegs waren, hatte das Hasir Restaurant in der Maaßenstraße gerade seine Neueröffnung gefeiert. Als Gitta G., Horch und Guck am Winterfeldt – Platz vorbeikamen war die Stadtreinigung gerade damit beschäftigt die Reste vom Wochenmarkt, der immer am Mittwoch und Samstag stattfindet, zu beseitigen. Auf dem Platz hatten früher die Fahrschulen ihren Fahrschülern die Grundkenntnisse des Autofahrens trainiert. Heute waren zahlreiche Skateboard- und Inline Skate – FahrerInnen unterwegs die gekonnt um die Jungs von der BSR herumfuhren. Und anstatt der Autos, übten Väter mit ihren Sprösslingen das Fahrrad fahren. Das Trio versorgte sich im 1. Café am Platz, dem Moccas mit Kaffee und schlenderten dann weiter, vorbei an den gut besuchten Restaurants, Bars und Cafés durch den Kiez. „Hier ist ja die Hölle los“ wunderte sich Horch. Ich finde kaum noch einen Laden von damals wieder. Das einzige was ist wie es war ist der Buchladen an der Ecke und Hasir – Döner.“ – “Ja hier hat sich so einiges verändert. Wir können ja mal kiecken ob unsere Schule noch steht oder sie im Zuge der Bildungsreform auch schon abgerissen wurde.“ Als sie durch die Goltzstraße an der St. Matthias Kirche vorbei kamen erblickten sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihre alte Schule. Aber anstatt wie befürchtet dem Abriss zum Opfer gefallen zu sein, stand sie renoviert und um einige Anbauten erweitert vor ihnen. Aus alter Gewohnheit zuckte Horch zusammen als sich die Tür vom Lehrereingang öffnete und wollte sich hinter einem der geparkten Autos verstecken. „Was machst Du?“ wollte Guck wissen. „Ich habe es doch gewusst“ grummelte Horch „Als wäre es eine Vorahnung gewesen. Schau nur der alte Knochen sieht kein Jahr älter aus.“ – „Verdammte Scheiße, der lebt ja immer noch?“ setzte Guck nach. Gitta G. stand unwissend, mit fragendem Blick neben den Beiden, die mit fassungsloser Miene auf die Person starrten, die da so eben das Schulgebäude verlassen hatte. „Sroka“ sagte Horch verachtungsvoll „einer der unbeliebtesten Lehrer aus unserer Zeit, seines Zeichen Physiklehrer.“ – „Was macht der hier?“ fragte Guck nicht glaubend wen er da auf der gegenüberliegenden Straßenseite entlang laufen sah. Horch machte zeitgleich eine Handbewegung als wolle er nach seinem, normalerweise geschultert AK 47 greifen hielt aber enttäuscht inne, weil er sich besann wo und warum er hier war. Guck schaute Horch erschrocken an und fragte “Du wolltest doch nicht….“ – „Nein, ich hätte nur eine kleine Salve, knapp über seinen Kopf hinweg abgefeuert. Ich werde den Teufel tun ihm das Lebenslicht auszublasen und somit seinen Schülern und der restlichen Welt damit den Gefallen zu erweisen ihnen das zu ersparen was wir jahrelang mit ihm durchmachen mussten. Mir glühen heute noch die Finger vom schreiben der Strafarbeiten. Aber ich hätte zu gern seinen Gesichtsausdruck gesehen wenn er uns nach meinem Salutschuss vielleicht erkannt hätte.“ – „Tja, wenn es mehr von dieser Sorte Lehrer gäbe, würde es vermutlich weniger Probleme mit aufsässigen Schülern geben.“ sagte Guck mit besserwisserischer Tonlage. – „Du nun wieder“ zischte Horch zurück. Klassenstreber.“ „Ist gut Jungs. Er ist ja schon weg. Kein Grund weiter gereizte Stimmung zu verbreiten“ ging Gitta G. dazwischen.“ – „Du bist gut. Er ist mit großer Wahrscheinlichkeit einer der Gründe warum in den Lehrerkonferenzen, die wegen uns stattfanden, kein gutes Haar an uns geblieben ist. Und er war vermutlich auch einer von den Lehrkräften die sich gefreut haben, dass wir die letzten Wochen unserer Schulzeit aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit anderen Gangs in der Umgebung nicht mehr am Schulunterricht teilnehmen konnten. Da wird man ja wohl noch ein bisschen ausfällig werden dürfen.“ – „Kein Wunder, wir waren die ersten Schüler seit bestehen der Schule, die direkt aus dem Unterricht heraus von der Polizei verhaftet wurden.“ verteidigte Guck die damalige Haltung der Lehrerschaft gegenüber Horch und Guck. – „Ja, ja mach duhier nur einen auf verständnisvoll“ Horch´s Laune stieg wieder und er fing an zu lachen „Geil war´s trotzdem. Die dämlichen Gesichter der Lehrer und Mitschüler seinerzeit. Allein dafür würde ich das ganze noch einmal mitmachen wollen.“ – „Lasst uns weiterziehen. Auf den Schock, dass der Sack noch unterrichtet, trinke ich jetzt erst mal einen..“ Und so zogen sie weiter über die Hohenstaufenstraße tief hinein in das Herz vom Kiez. In der Bar „Mutter“, Hohenstaufenstraße Ecke Habsburgerstraße legte sie eine Pause ein um dem Treiben auf der Straße von der gemütlicher Terrasse aus zuzuschauen.

Die Zeit verflog wie im Nu und es war langsam an der Zeit sich auf den Weg zum Connection – Club zu machen. Gemäßigten Schrittes und den Kiez bewundernd begaben sie sich in Richtung Fuggerstraße wo der Connection – Club und DJ Leebow auf die Drei warteten. Vor Ort angekommen ging Horch voraus um den Eintritt zu bezahlen: „Zwei Heten und eine Unentschlossene bitte“. Kurz darauf standen sie mitten im Club und betrachteten das bunte Treiben auf der Tanzfläche. Nachdem sie sich an der Bar mit Getränken versorgt hatten begaben sie sich auf die Suche nach Dj Leebow der schon mit den Vorbereitungen für seinen Auftritt beschäftigt war. Einige Minuten später stand er auch schon hinter den Plattentellern und peitschte die Stimmung mit seinem Auftritt weiter Richtung Höhepunkt. Nach und nach trafen auch die Anderen ein und gemeinsam feierten sie zu den Klängen die DJ Leebow über die Boxen schickte.

Der Tag hatte schon einige Stunden auf dem Buckel als sie alle beisammen standen und überlegten wo sie die Nacht noch gemütlich ausklingen lassen konnten. Gemeinsam entschieden sie sich für eine Bar um die Ecke und zogen bald darauf los. Dort saßen sie nun noch beisammen und erzählten sich all die Ereignisse und Erlebnisse der vergangenen Monate.

Draußen begann es bereits langsam zu dämmern und die ersten Menschen waren bereits wieder unterwegs um ihren Alltag zu bewältigen. Im Hintergrund lief leise „You can´t always get what you want“ von den Rolling Stones und passend dazu lag Horch sturzbetrunken am Busen der Natur oder besser gesagt in den Armen von Gitta G. die damit beschäftigt war Horch zum Aufbruch nach Hause zu bewegen. Horch davon unbeeindruckt träumte davon wie Gitta G. und er in seinem alten Patrouillenfahrzeug an der Küste Afrikas entlangfuhren und dabei ihren Blick über das endlose Meer schweifen ließen und grinste zufrieden im Schlaf.

Horch & Guck – Meisterspione a. D.

Leebow Video bei You Tube:
DJ Leebow @ work 18.06.11
DJ Leebow @ work 18.03.11 – Deep in your House




Ausgabe 5

Titelthema: Aus der Sicht eines Hundes (1/2)
Weitere Themen: Vorwort – Ho, ho, ho / Colibri-Bar am Chamissoplatz / Horch und Guck – In Bayern / Kieznetzwerk / Kurz Gesagtes: Die längste Weihnachtsbeleuchtung, Für ein weiteres Jahr…, Pünktlich… / So etwas hat es früher nicht gegeben! – Mauerstahl / Touri-Tipp – East-Side-Gallery / Tresentest – Lisert´s Falckensteiner / Pimp a Prejudice- William Wires.

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Woher der Wind weht – Von und mit “Horch & Guck”

Es war ein lauer Frühlingstag und die Sonne versank langsam aber sicher hinter der Silhouette Berlins, als sich Horch & Guck für den Einsatz vorbereiteten.

Hörgerät, Gehhilfe, Fotoapparat und AK-47. Alles da für einen Streifzug durch die benachbarten Bezirke Kreuzbergs. Allen Warnungen zum Trotz wagten wir uns in die Gangster-Metropole Neukölln. Vom Paul Linke – Ufer aus verschafften wir uns über die Thielen Brücke Zugang zur Pannier Straße. Von dort aus ging es durch unzählige Seitenstraßen vorbei an freundlich grüßenden Gangs und weiter über zwei Hauptstraßen. Wir wagten uns immer tiefer in das Herz von Neukölln. Und wie immer hielten wir Auge und Ohr weit geöffnet um auch ja nichts zu verpassen.

An der Flughafenstraße angekommen sagte ich zu Guck: “Schau mal dort, das Ordnungsamt ist wieder im Großeinsatz”. Guck polierte sich die Pupille und erspähte nach einem ausgiebigen Rundgang acht Mitarbeiter des Ordnungsamtes Neukölln. Jeder von ihnen war eifrig damit beschäftigt, Falschparker aufzuschreiben oder die hastig herbeigeeilten Autobesitzer vor die Wahl zu stellen, vor Ort zu berappen oder nach sinnlosem Schrift-verkehr mit dem Amt zu bezahlen. Nachdem wir dem regen Treiben eine Weile zugesehen haben und auch einigen unüberhörbare Streiterein zwischen den Staatsdienern und den Falschparkern mitbekommen haben, machten wir folgende Entdeckung. In der Reuterstraße an der Ecke zur Flughafenstraße, direkt im absoluten Halteverbot, ein Auto vom Ordnungsamt! Rück zück die Kamera gezückt und ein Beweisfoto geknipst. Eigentlich hätten wir noch ein Foto von den dummen Gesichtern der herbeieilenden Ordnungshütern machen sollen. Aber wir wollten unser Glück nicht herausfordern und machten die Biege.

Und so zogen wir wieder gen Heimat. Vorbei am Hermannplatz, wo, wie sollte es an einem Abend wie diesem auch anders sein, die Polizei ihrerseits damit beschäftigt war, Falschparker zu drangsalieren. Und weil im Halteverbot kein Platz mehr frei war, standen sie verkehrsgünstig in der zweiten Spur. Wodurch sich ein Rückstau bildete. Nun stellt sich einem hier die Frage: “Wer ist in diesem Moment das eigentliche Verkehrshindernis !!”

Der weitere Verlauf unseres Streifzuges brachte an diesen Abend keine weiteren Erlebnisse die berichtenswert wären.

Horch & Guck – Die Meisterspione a. D.