(Vogel)Frei und Spaß dabei!

Thomas Drach hat für die Entführung von dem Millionenerben und Wissenschaftler Jan Philipp Reemtsma mehr als 13 Jahre Haft verbüßt und befindet sich seit gestern wieder in Freiheit. Eine Freiheit, die von einigen Personen mit Misstrauen betrachtet wird. Der Ex-Ermittler Dieter Langendörfer sagte im Interview mit dem Fernsehsender N24: „Thomas Drach ist ein Berufsverbrecher, eiskalt und emotionslos.“ Das Interview mit Langendörfer vermittelt den Eindruck, dass da ein Berufskriminologe eiskalt in seiner Berufsehre erwischt wurde und auf die „Teilniederlage“ (ein Großteil des Lösegeldes konnte bis heute nicht gefunden werden) emotional reagiert. Dass Reemtsma eine Detektei beauftragt hat die, die bislang vermissten Millionen Euro aufzuspüren soll, ist nachvollziehbar. Dass jedoch Langendörfer und andere Stimmen äußern, dass nicht nur die von Reemtsma beauftragte Detektei nun hinter Drach und seinen Millionen her sei sondern auch nicht ganz so „liebenswerte Menschen“ beziehungsweise „Kriminelle“ versuchen werden, dem Geld habhaft zu werden – kann auch als Aufruf an nicht ganz so „liebenswerte Menschen“ verstanden werden. Was in dem Interview mit Langendörfer aber ganz gewiss vorhanden ist, ist die Missgunst darüber, dass es ihm nicht gelungen ist Drach, der „nicht wahnsinnig intelligent aber bauernschlau“ sei, das gesamte Lösegeld abzunehmen.

Dabei sollte jedoch nicht in Vergessenheit geraten, dass Drach in den vergangenen Jahren im Gefängnis sitzend und somit von Kriminellen umgeben, wusste sich ihnen gegenüber zu behaupten und das Geheimnis um das Versteck des Geldes für sich zu behalten. In dieser Zeit hatte er zudem auch ausreichend Zeit sich Gedanken darüber zu machen, wie er nach der Haftzeit an sein Geld kommt. Er wird also kaum unüberlegt und vorschnell handeln.

Davon abgesehen saß Drach 15 Monate länger im Gefängnis, weil er seinen Bruder Lutz erpresst hat, der laut Langendörfer zumindest von einem Teil des Geldes wusste und an der Entführung sowie an der Geldwäsche von Teilen der Beute beteiligt gewesen ist und dafür ebenfalls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, aber bereits im Jahr 2009 wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde. Hat dieser das Geld vielleicht schon mit vollen Händen ausgegeben?

Dass die Schweizer Bundesstaatsanwaltschaft ein Strafverfahren eingeleitet hat, weil sie Medienberichten zufolge den Verdacht hegt, das Teile des Lösegeldes in ein Bordell in Frankfurt am Main geflossen sind zeigt, dass Drach die zwei Jahre nach der erfolgreichen Lösegeldübergabe allem Anschein nach sinnvoll genutzt hat, um sein Geld – „bauernschlau“ – gewinnbringend „anzulegen“.

Für die Entführung von Reemtsma hat Drach seine Strafe bekommen und abgesessen. Seiner Kaltschnäuzigkeit verdankt Drach, dass er vermutlich noch immer über eine Summe verfügt, die ihm einen sorgenlosen Lebensabend beschert. Auch wenn ich die Tat von Drach nicht gutheiße, fühle ich mich dazu hingezogen, bezugnehmend auf das Zitat: „Verbrechen zahlt sich nicht aus“, zu sagen: Go Tommy go!

PS. Sollte die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehen, werde vermutlich lauter kleine Drach´s durch die Lande ziehen und die Reemtsma`s dieses Landes entführen – jedoch nicht um eine „Verschwendungssucht“ zu befriedigen, sondern um das Überleben zu sichern.

Das Interview mit Dieter Langendörfer: http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/3713146/-thomas-drach-ist-ein-berufsverbrecher–eiskalt-und-emotionslos-.html

 

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