Urban Gardening goes underground

Urban Gardening goes down under

„Illegaler Gemüseanbau – Utopie oder Zukunft?“ Bereits vor 4 Jahren haben wir unter diesem Titel in einer fiktiven Geschichte das Thema unterirdischer Gemüseanbau behandelt. Kurz bevor in England die Fantasie zur Wirklichkeit wurde. Urban gardening, Urban Farming, Guerilla Gardening Vertical Farming, Container Gardening und auch Underground Gardening – alles war bislang schon erfunden. Nun hat Underground Gardening nicht nur wortwörtlich genommen und ist mit seinem Garten in den Untergrund von London gezogen sondern hat auch gleich sein Unternehmen danach benannt.

Das Herz des Unternehmens, die Produktionsanlagen, liegt 33 Meter unter den Straßen von Clapham, einem belebten Stadtteil von London. Für die Umsetzung des Vorhabens, bediente das Unternehmen sich der bereits vorhandenen Infrastruktur. Wie auch Berlin, so ist London aufgrund des 2. Weltkriegs mit Tunneln und Bunkern „unterkellert“. Die ungenutzten Anlagen, die auch hoffentlich nie wieder dem Kriegsdienst zugeführt werden müssen, eignen sich hervorragend für den Anbau von Salat.

Viele Faktoren, die bei dem herkömmlichen Freilandanbau zu berücksichtigen sind, können beim Urban Gardening bedenkenlos außer Acht gelassen werden. So gibt es weder eine Abhängigkeit von der Jahreszeit und auch die Wetterlage hat keinen Einfluss auf die Ernte. Es gibt keine Belastung durch industrielle oder verkehrsbedingte Abgase und das eingesetzte Hydrophonik-System verbraucht obendrein noch 70% weniger Wasser als die herkömmliche Freilandanbaumethode.

Durch das in sich geschlossenen System gehen auch keine Nährstoffe verloren. Für die Pflanzen herrschen somit immer klimatisch ideelle Bedingungen. Um den Pflanzen das benötigte Dosis „Tageslicht“ zu verabreichen wird mit LED-Technologie gearbeitet. Bislang scheint sich die Idee zu bestätigen. Underground Gardening hat den BBC Food Award 2017 gewonnen und beliefert bereits einige Großhändler, Restaurants und den lokalen Lebensmittellieferanten Farmdrop.

Den Anbau in bereits vorhandenen und bislang ungenutzten unterirdischen Anlagen zu betreiben, ringt dem innerstädtischen Gebiet, das ansonsten so knapp vorhandene Gebiet an Nutzfläche ab ohne Einfluss auf die bisher geschaffenen Strukturen zu nehmen. Es schafft neue landwirtschaftliche Flächen um gesunde und nachhaltige Lebensmittel zu produzieren und dass in direkter Nachbarschaft. Durch die zentrale Lage ist der Weg vom „Feld“ auf den Teller auf ein Optimum reduziert. Innerhalb von 4 Stunden nach der Ernte, können die Salatblätter in der Küche liegen und zu einem leckeren Salat weiterverarbeitet werden.

Vielleicht findet sich zukünftig auch der ein oder andere Landwirt, der „verbotene Früchte“ produziert und dem gesetzlichen Handelsverbot von zahlreichen Tomaten, Apfel- oder Kartoffelsorten (siehe Link im Anhang) entgegentritt. Dann hätte sich der Kreis geschlossen und eine Fiktion wäre vollends zur Realität geworden. Warten wir es ab – die Zukunft wird es zeigen. Bereits heutzutage wird das Saatgut verbotener Sorten nur unter der Hand weitergereicht. Mit dem Saatgut nicht amtlich zugelassener Pflanzensorten Handel zu treiben, ist gesetzlich verboten!

Bislang war es Gärtnern von illegalen Nachtschattengewächsen vorbehalten im Verborgenen die begehrten Pflanzen heranzuzüchten und zur vollen Reife zu bringen. Die „Konkurrenz“ im Wettlauf um Anbauflächen fernab der Öffentlichkeit nimmt jedoch mit der Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln von Jahr zu Jahr zu.

http://growing-underground.com/

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/Verbotenes-Gemuese,sendung511572.html

http://countysupplieslondon.co.uk/

https://www.farmdrop.com/

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